Ni no Kuni: Der Fluch der weißen Königin im Test: Zuckersüßes und ergreifendes RPG von Studio Ghibli
TestMit Ni No Kuni gelingt Studio Ghibli und Level 5 ein zuckersüßes jRPG mit wundervoller Grafik, ergreifender Geschichte und einem interessanten Kampfsystem. Wir haben das Playstation-3-exklusive Spiel getestet und sagen euch im Review, weshalb es auf jeden Fall in eure Sammlung muss.
Wenn sich die kreativen Köpfe hinter Erfolgsfilmen wie "Chihiros Reise ins Zauberland" und "Prinzessin Mononoke" sowie der nicht minder erfolgreichen Professor-Layton-Reihe an ein gemeinsames Projekt machen, verspricht das Ergebnis von äußerst interessanter Natur zu sein. Mit der zunehmenden Verwestlichung des einstigen jRPG-Flagschiffs Final Fantasy war es besonders auf der Playstation erschreckend ruhig rund um das Genre der japanischen Rollenspiele geworden. Mit "Ni No Kuni – Die Rache der Weißen Königin" wagen das Studio Ghibli und Entwickler Level 5 auf Sonys Heimkonsole den ersehnten Marsch auf die Rollenspiel-Bastion im japanophilen Bereich. Auf dem Papier hat der Titel so ziemlich alles zu bieten, was dem jRPG-Fan Wasser in die großen Glubscher schießen lässt, aber auch auf dem Flatscreen?
Nie die Hoffnung verlieren!
Quelle: Play 3
Ni No Kuni im Gamezone-Test (13)
Unsere Reise in der Rolle des heranwachsenden Jungen Oliver beginnt in seiner Heimat Motorville, einer beschaulichen Kleinstadt in der Idylle noch unter dem Ortsschild steht. Gerade als wir es uns in der beschaulichen Stadt gemütlich gemacht haben, zerfällt die Welt des jungen Mannes in kleinste Teile. In seinen jungen Jahren muss der kleine Oli mit ansehen, wie seine Mutter ihrem Herzleiden urplötzlich zum Opfer fällt und aus dem Leben scheidet. Im Moment seiner tiefsten Trauer verleiht eine Träne Olivers seinem Lieblingskuscheltier den Hauch des Lebens. Wie sich rausstellt, war die flauschige Verkleidung lediglich das magische Gefängnis von Tröpfchen, dem selbsternannten Großfürsten der Feen aus Ni No Kuni. Ni No Kuni, das ist eine Parallelwelt zu Olivers eigener Realität in welcher jeder Bewohner Motorvilles einen Seelenverwandten hat.
Quelle: Play 3
Ni No Kuni im Gamezone-Test (19)
Beim Anblick eines Bildes von Olivers Mutter erkennt Tröpfchen sofort die frappierende Ähnlichkeit mit einer der vier großen Weisen seiner Heimat, welche durch Shadar, einem Handlanger der namensgebenden Weißen Königin, in ein magisches Gefängnis verbannt wurde. Es bestünde, glaubt man den Worten der Fee, eine Rettungschance für Olivers Mutter, vorausgesetzt man könne sie aus den Klauen des düsteren Magiers befreien. Durch den kleinen Bengel mit der großen Nase und der daran befestigten Laterne schöpft Oliver Hoffnung in dunkelster Stunde. Laut Tröpfchen ist Oliver kein gewöhnlicher Junge, er ist der Auserwählte. Ein Mensch reinen Herzens, welcher die Parallelwelt Ni No Kuni durch die ihm innewohnenden Kräfte aus der Unterjochung Königin und ihrem bösen Abgesandten Shadar befreien soll. Oliver begibt sich angefüllt mit dem Mut der Verzweiflung und sich fest an den letzten funken Hoffnung klammernd auf eine Reise ins Ungewisse. Aus einem Bübchen muss durch den Glauben an das Schicksal und das Vertrauen in die eigenen Kräfte der Retter einer ganzen Welt und seiner eigenen Mutter werden.
jRPG in Reinkultur
Quelle: Play 3
Ni No Kuni im Gamezone-Test (18)
Da eine solche Parallelwelt nicht einfach durch eine offensichtliche Tür in der Stadtmitte betreten wird, müssen wir uns eines Zauberspruchs aus dem magischen Begleiter, einem dicken Lederbuch mit allerlei nützlichen Informationen und Zaubersprüchen, bemühen. Ausgestattet mit einem behelfsmäßigen Zauberstab, den wir beizeiten natürlich durch geeignetes Material ersetzen, betreten wir also endlich Ni No Kuni und starten unser Abenteuer. Das Gameplay weht uns schon nach wenigen Spielminuten das wohlige Heimatgefühl alter jRPGs um die Nase. Auf einer äußerst liebevoll und malerisch gestalteten Oberwelt ziehen wir von einer Stadt zur nächsten Stadt oder auch zum nächsten Dungeon und helfen Bewohnern ungeachtet des Rangs und Namens aus der Klemme. In den Städten angekommen werden wir vom einen aufs andere Mal von der unglaublich detailreichen Ausgestaltung der Umgebung in Empfang genommen. Im Zuge der Hauptquest bekommen wir es oft mit den Auswirkungen der Schreckenstaten Shadars zu tun. Dessen Strafe für Ungehorsam ist das gebrochene Herz, welches stets eine bestimmte essenzielle Eigenschaft wie Mut, Güte oder auch Zurückhaltung vermissen lässt. Unsere Aufgabe ist es dann unter anderem jene Essenz aufzutreiben und das Herz der jeweiligen Person mit unseren magischen Fähigkeiten wieder zu vervollständigen. Praktisch: Die Phiole um unseren Hals, der Speicher für jene Essenzen, leuchtet bei potenziellen Spendern grün auf, sodass wir uns selten in einer Stadt verzweifelt auf die Suche machen müssen.
Quelle: Level 5
Ni No Kuni im Gamezone-Test (24)
Zum Portfolio der Aufgaben in der Hauptgeschichte des Spiels gehören jedoch auch kleinere Rätseleinlagen, Befreiungsaktionen oder auch diverse Besuche beim entsprechenden Seelenverwandten in Motorville. Was auf den ersten Blick nicht gerade abwechslungsreich anmutet, fühlt sich im Spielverlauf auch noch nach etlichen Spielstunden keineswegs eingefahren an. Für zusätzliche Abwechslung sorgen die sogenannten "Stempelkarten" einer jeden Stadt. Beim örtlichen Kurierdienst erworben, können wir uns Stempel für diverse Nebenquests in der Stadt verdienen und am Ende Belohnungen abstauben. Diese Nebenaufgaben reichen von simpler Sucharbeit über Botengänge bis hin zu Monsterkämpfen.
Ein Hauch von Pokémon
Quelle: Play 3
Ni No Kuni im Gamezone-Test (6)
Womit wir auch schon beim zentralen Element des Spiels angekommen wären. Selbstverständlich ist die wilde Natur in all ihren Facetten von Wüste bis Eislandschaft nicht unbevölkert und so geraten wir immer wieder in Konfrontationen mit der örtlichen Fauna. Wie schon beispielsweise in Blue Dragon zu finden, sind die Monster stets auf der Oberkarte auszumachen, womit man sich vom alten Modell der Zufallskämpfe abgewandt hat. Das Kampfsystem kann im Vergleich zu jenem der klassischen, rundenbasierten Rollenspiele mit einigen Überraschungen aufwarten. Das Kampfgeschehen läuft prinzipiell ausschließlich in Echtzeit ab und wird lediglich pausiert wenn Menüpunkte mit Unterpunkten wie beispielsweise Olivers Zaubersprüche aufgerufen werden. Timing und eine ausgewogene Mixtur aus Magie, normalen Angriffen und einem blitzschnellen Umschalten auf Verteidigung ist der Schlüssel zum Sieg. Zu Beachten ist jedoch zu jeder Zeit, dass Angriffe nach ihrer Ausführung eine cool-down-Phase benötigen bis sie wieder angewandt werden können. Die Kämpfe haben dank diverser Elementarwirkungen einen ansprechenden Tiefgang und werden gerade in Duellen mit dicken Bossgegnern äußerst fordernd.
Jeder Charakter der im späteren Spielverlauf auf drei Spielfiguren anwachsenden Party (Oliver, Weisen-Tochter Esther und Hobby-Dieb Sven) hat bis zu drei Vertraute im Schlepptau. Auf Knopfdruck kann zwischen Mensch und Tier fröhlich hin und her gewechselt werden. Im Rahmen ihrer Ausdaueranzeige können die kleinen Helfer sowohl normale Angriffe oder auch diverse Zauber wirken. Eigene Magiepunkte und Lebenspunkte besitzen die Kreaturen jedoch nicht, weshalb Attacken und kassierte Treffer direkt vom Konto des entsprechenden Besitzers abgezogen werden. Cool: Esther lernt im Verlauf des Spiels wilde Tiere zu bezirzen und diese so für euer Team zu gewinnen.
Quelle: Play 3
Ni No Kuni im Gamezone-Test (2)
Sowohl Oliver als auch Esther und Sven haben jeder für sich ein bevorzugtes Monster-Element. Experimentierfreudige Spieler können also nach belieben akquirieren und unter den Party-Mitgliedern tauschen. Aufgrund des insbesondere im letzten Drittel ansteigenden Schwierigkeitsgrades ist eine ausgeklügelte Taktik ein gut gepushtes Level und Ausrüstung auf dem neuesten Stand Grundvoraussetzung für erfolgreiche Kämpfe. Diese werfen nämlich neben Erfahrungspunkten für Meister und Vertrauter auch Geld und nützliche Gegenstände ab. Erfahrungspunkte steigern das Level von Meister und Vertrauter gleichermaßen und lassen den Vertrauten in bestimmten Abstufungen neue Tricks lernen und sogar eine neue Entwicklungsstufe erreichen. Dank magischen Steinen, die eines der insgesamt vier Grundelemente in sich tragen können, geht die Entwicklung einfach von Statten. Vorsicht: In der neuen Form hat der Vertraute zwar ein höheres Potenzial, muss jedoch wieder von Level 1 aufgelevelt werden.
Unser Geld bringen wir in den Stadt-Shops wieder an den Mann. Neue Ausrüstungsteile wie Waffen, Gewänder, magische Accessoires oder Leckereien für die punktuelle Verbesserung der Vertrauten sind stets Objekte unserer Begierde. Im späteren Spielverlauf können wir uns auch unseren eigenen Items in einem magischen Kessel per Rezept oder bester "trial and error"-Manier in Eigenregie mixen. Objekte wie Lebensenergie spendende Mahlzeiten, Antitoxine oder Wiederbelebungsitems sollten bei jedem Stadtbesuch in unserem "nimmervollen Beutel" landen.
Quelle: Play 3
Ni No Kuni im Gamezone-Test (3)
Das Stichwort der Wiederbelebungsitems führt auch schon zum ärgsten Kritikpunkt des Spiels: Die KI der Mitstreiter. Obgleich man zwar zwischen allen Teilnehmern hin und her schalten kann, schafft es die KI trotz diverser taktischer Einstellungsmöglichkeiten nicht intelligent und autark zu handeln. Eine viel zu verschwenderische Umgangsart mit den eigenen Ressourcen aus Magie und Lebensenergie fällt gerade in großen Schlachten negativ auf. Zumeist muss man bereits nach wenigen Minuten mit der feindlichen Übermacht alleine Klarkommen da sich die Mitstreiter trotz drei Wiederbelebungen nicht aus eigener Kraft am Leben erhalten können. So machen Echtzeit-Kämpfe keinen Spaß sondern sorgen für einen unangenehmen Streßfaktor.
Perfektion mit Macken
Quelle: Level 5
Ni No Kuni im Gamezone-Test (25)
Im technischen Bereich des Textes beginnt die wahre Lobeshymne auf das Ergebnis der Zusammenarbeit von Ghibli und Level 5. Ni No Kuni ist für Fans des Genres eine schlichte Artdesign-Granate. Die Spielwelt ist facettenreich, farbenfroh und bis ins letzte Detail mit kleinen Eigenheiten ausgearbeitet. Ghiblis Zeichenstil erzeugt sowohl im Spiel als auch in den zahlreichen Zwischensequenzen einen hochgradig symbiotischen Gesamteindruck. Obwohl einer auf den ersten Blick kindlich anmutenden Grundoptik kann man sich auch als erwachsener Spieler nur schwer nicht in den Bann dieser fantastischen Optik ziehen lassen. Auf die Ohren gibt es sowohl in japanischer als auch englischer Vertonung lediglich erstklassige Sprecher bei der Arbeit zu bewundern. Besonders Tröpfchen mit seinem lockeren Mundwerk und herrlich schottischem Dialekt hat es unserem Trommel- und Zwerchfell angetan. Auch der Hintergrundmusik rund um das imposante Hauptthema gilt ein großes Lob. Der Tonteppich aus ruhigem Querflötenklang auf der einen und monumentalen Orchesterstücken auf der anderen Seite ist euer exquisiter Begleiter in jeder Stimmungslage. Einige technische Schwächen, wie starke Treppchenbildung und gelegentlich leichtes Rucklen, wurden von uns jedoch trotz aller Design-Überwältigung ausgemacht und trübten unser Spielerlebnis nur für einen kurzen Augenblick.
