Command & Conquer in der Vorschau: Ist Free2Play Fluch oder Segen für Generals 2?

Special Sandro Odak

Command & Conquer: Generals 2 heißt nicht mehr so. Es heißt nun nur noch Command & Conquer, ist Free 2 Play und wird sich nach dem Prinzip von Micro-Transactions und Zusatzkäufen finanzieren. Wie sich das Spiel auf Basis der Frostbite-Engine schlägt, haben wir in einem Anspiel-Test überprüft.

Auf der einen Seite der staubigen Wüstenkarte fahren alte Russen-LKWs zum Warenumschlagplatz, auf der anderen Seite fliegen moderne Helis der EU drumherum. Sie holen Ressourcen ab, die direkt in Dollars umgewechselt werden, sobald sie im Haupthaus ankommen. Willkommen in Command & Conquer! Auf den ersten Blick hat sich hier spielmechanisch nicht viel verändert in den vergangenen zehn Jahren. Wer noch das effektivste Verhältnis von Trucks pro Lager im Kopf hat, findet sich sofort zurecht, auch dass die westlichen Einheiten "Stromketten" bauen müssen und nur im Umfeld von Kraftwerken Gebäude errichten, ist bei mir noch eingespeichert. Aber: Was ich hier spiele, ist gar nicht mehr Command & Conquer: Generals 2. Es heißt nur noch Command & Conquer. "Ja, Generäle gibt es zwar", verrät Director Tim Morton. Aber eigentlich ist Command & Conquer nur die Basissoftware. Sie wird kostenlos im Internet zu haben sein und später, so Morton, kann sich sein Team auch vorstellen weitere C&C-Teile auf diese Plattform zu portieren. Tiberium Sun zum Beispiel.

Command & Conquer in der Anspiel-Vorschau: ISt Free2Play Fluch oder Segen für die Marke? (2) Quelle: EA Command & Conquer in der Anspiel-Vorschau: ISt Free2Play Fluch oder Segen für die Marke? (2) Was Morton und Victory Games aber machen, ist im Prinzip aktuell nicht viel mehr als ein kostenloses, aufpoliertes Generals 2. As Projekt soll durch Mikro-Transaktionen finanziert werden, uns erzählt Tim, dass er nach dem Motto "Pay or Grind" arbeitet. Sprich: Spieler werden entweder Geld ausgeben, oder müssen sich Elemente mühsam in stundenlanger Arbeit erkämpfen. In der Community sorgt das schon für Unmut, denn es sind nicht nur optische Gimmicks, die für Bares über den Tresen gehen. Auch neue Generäle werden verkauft. Sie bringen dann beispielsweise neue oder verbesserte Superwaffen mit oder haben andere Fähigkeiten. Das klingt bislang ziemlich unfair – ob es aber wirklich auf Pay 2 Win hinausläuft, man sich also spielentscheidende Vorteile kaufen kann, müssen wir noch abwarten.

Frostbite-Engine aus der Vogelperspektive

Command & Conquer in der Anspiel-Vorschau: ISt Free2Play Fluch oder Segen für die Marke? (5) Quelle: EA Command & Conquer in der Anspiel-Vorschau: ISt Free2Play Fluch oder Segen für die Marke? (5) Die Ankündigung, Command & Conquer basiere auf der Frostbite-Engine von DICE, schlug hohe Wellen. Laut Tim Morton es hat das Grafikbasikprogramm auch in sich. Alle möglichen Parameter mussten geändert werden. Wenn jemand im Shooter nach vorn läuft, dann verändert er seine Position in Relation zur Map. In Strategiespielen aus der Vogelperspektive ist es genau andersherum: Der Spieler ist der Fixpunkt, die Map schiebt sich vor und zurück. Mit solchen belanglos erscheinenden Themen mussten sich die Entwickler auseinandersetzen, das Ergebnis ist auf den ersten Blick etwas ernüchternd. Von den pompösen Screenshots bleibt in den Vorab-Versionen, die wir spielen, wenig zu sehen. Stattdessen erwartet uns ein ziemliches Old-School-Strategiespiel mit arg eingeschränkter Kamerawahl. Weit rauszoomen kann man nicht, die Schwierigkeit besteht also darin, allein anhand der Minimap und Voraussicht eine Verteidigungstaktik aufzubauen.

Voraussicht ist auch beim Basisbau notwendig. Es gilt Strom, Einwohneranzahl, Geld und eine neue Ressource, Öl, im Blick zu behalten. Wer eine große Armee aufbauen will wird bald gezwungen sein, neue Ölfelder und Depots zu suchen. Denn Armeeeinheiten verschlingen viel Kohle! Und sind sie einmal gebaut, ist das noch lange nicht das Ende. Viele lassen sich noch ausbauen und in Forschungslaboren aufwerten. Soll die Truppe Infanteristen noch Flammenwerfer bekommen? Mit ein paar Ingame-Dollars kein Problem. Sollen es beim Panzer selbstheilende Drohnen sein: Auch nicht! Durch diesen Zwang, schnell neue Basen zu erobern, verändert sich auch das allgemeine Tempo. Eine durchschnittliche Runde im Multiplayer dauert sehr viel kürzer als im Vorgänger.

Command & Conquer in der Anspiel-Vorschau: ISt Free2Play Fluch oder Segen für die Marke? (3) Quelle: EA Command & Conquer in der Anspiel-Vorschau: ISt Free2Play Fluch oder Segen für die Marke? (3) Für Technikfans vielleicht interessant: Cheater und Hacker sollen es in Command & Conquer schwer haben. Da das Strategiespiel immer eine Internetverbindung voraussetzt, werden Inhalte nun von zentralen Servern verteilt. Peer2Peer-Spiele, bei denen der Host die Parameter zu seinen Gunsten verändert, gehören zur Vergangenheit an. Tatsächlich steckt aber noch viel mehr hinter der Server-Technik. Sie wird einen Teil der Rechenaufgaben übernehmen, um Heimanwender zu entlasten. Teile der Physikendinge, nämlich spielrelevante, werden zentral auf dem Server von PhysX errechnet, der PC kümmert sich nur noch um "Grafik-Bling-Bling". So wird sichergestellt, dass alle den gleichen Grad an Zerstörung genießen, selbst wenn jemand in seinen Einstellungen auf High-End-Physik verzichtet hat.

Keine Kampagne, nur Multiplayer (und Bots)

Auf eine Kampagne verzichtet Command & Conquer komplett – mitunter auch ein Grund, weshalb der Zusatztitel "Generals 2" wegfiel. Wer allein spielen will, kann lediglich auf den Skirmish-Mode ausweichen und gegen Bots spielen. Besonders spannend ist das nicht, da kann man auch gleich online sein und zocken. Mit dem Internet muss man ja eh die ganze Zeit verbunden bleiben, weshalb also nicht einen der neuen Spielmodi ausprobieren? Nun, weil es leider nur einen gibt. Im Horde-Modus verteidigen mehrere Spieler eine Basis gegen zehn Wellen von Gegnern.

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