Indie-Special Mojam 2: Acht Spiele in 72 Stunden - wir stellen sie vor

Special LeKlopper

Mojang lud zum munteren Entwickeln in nur drei Tagen ein und einige indie-Teams folgten dem Ruf. Herausgekommen sind acht Spiele für einen guten Zweck. Wir schauen uns die Ergebnisse näher an.

Mojang wurde durch Minecraft bekannt und reich. Damit die schwedischen Entwickler, die neben konstanten Updates zum Indie-Hit vor allem an Scrolls arbeiten, nicht einrosten und sich auf ihren Lorbeeren ausruhen, veranstalteten sie im letzten Jahr den Kreativwettbewerb Mojam. Dabei sollte das Team an einem Wochenende ein komplettes Spiel für den PC entwickeln. Die erhöhte Schwierigkeit daran: Sie ließen die Fans entscheiden, was für ein Genre und welches Thema sie umsetzen müssen. So entstand in kurzer Zeit Catacomb Snatch. Doch Mojang nutzte den internen Wettbewerb auch dazu, um Geld für einen guten Zweck zu sammeln. In Zusammenarbeit mit Humble Bundle kamen so knapp 460.000 US-Dollar zusammen. Wer spendete, wurde nach dem Mojam mit dem fertigen Spiel belohnt.

Aufgrund des großen Erfolgs wiederholte Mojang in diesem Jahr den Mojam. Doch inzwischen war das Team gewachsen und man beschloss daher, ganze drei Spiele zu entwickeln. Zusätzlich holte man sich weitere befreundete Indie-Entwickler an Bord, um am Ende gleich achte Spiele vorzuweisen und noch mehr Geld für einen guten Zweck zu sammeln. Der Mojam 2 fand vom 20. Bis zum 23. Februar wieder in Zusammenarbeit mit Humble Bundle statt. Den Entwicklern konnte man in dieser Zeit per Livestream zuschauen und sie nahmen sich dabei immer Zeit, auf Fragen der Fans zu antworten und genau zu erklären, was sie dort gerade tun. Es wurden mehr als 517.000 Dollar eingenommen und mittlerweile stehen die Spiele aller Entwickler den Spendern zum Download zur Verfügung.

Diese Spiele wollen wir an dieser Stelle einmal vorstellen. Eines ist klar: In drei Tagen ist kein Skyrim oder GTA zu entwickeln. Viele der Spiele sind noch nicht ganz fertig, haben noch ihre kleineren oder größeren Macken und werden auch vielleicht nie komplett fertig gestellt werden. Dafür sind andere erstaunlich fortgeschritten. Auf jeden Fall bieten die Endprodukte des Mojam2 einen interessanten Einblick darauf, was innerhalb von nur drei Tagen möglich ist. Und es ist durchaus möglich und in manchen Fällen auch wünschenswert, dass einige Spiele noch weiterentwickelt werden oder die Grundlage für mögliche Vollpreistitel werden.

Wie im Vorjahr waren auch hier die Themen wieder vorgegeben, weswegen uns überall der Weltraum, Mutanten und Verstrahlung begegnen werden. Und diese Kombination führt zu teils abgefahrenen Spielideen…

Drei Spiele von Mojang

Nuclear Pizza War macht bei Mojang den Anfang. In diesem Defense Game befinden wir uns auf einer riesigen Pizza, die durchs All fliegt. In der Mitte dieser Pizza ist unsere Behausung, die es zu schützen gilt. Wir selbst fliegen in einem Miniraumschiff über die Ebene aus Käse, Salami und Pilzen. Doch die Idylle auf der Riesenpizza trügt. Fiese Aliens beanspruchen Teig und Belag für sich! Dazu greifen sie entweder direkt uns oder unser Häuschen an. Auf beide Energieleisten müssen wir also gut Acht geben, während wir aus vollen Rohren auf die Wellen von Angreifern feuern.

Gesteuert wird mit WASD, gezielt mit der Maus. Während der Verteidigung von Leib, Leben und Pizza können wir Oregano, Feta und Peperoni einsammeln, die sich im jederzeit aufrufbaren Shop in Upgrades umwandeln lassen. Wir können entweder an uns selbst herumschrauben, Waffen aufbessern und Panzerung verstärken, oder aber unserem Haus eine stärkere Verteidigung spendieren, etwa durch zusätzliche Schutzzäune oder eine automatische Kanone auf dem Dach.
Nuclear Pizza War ist dadurch überraschend tiefgängig und fordert durch den schnell ansteigenden Schwierigkeitsgrad. Die Massen an Gegnern lassen sich irgendwann nur noch durch den geschickten Einsatz der Upgrades aufhalten. Das motiviert und hält lang bei der Stange.

Für König und Vaterla..., ähm, für die Pizza! Quelle: Mojang Für König und Vaterla..., ähm, für die Pizza!
"In the Year 2436, Kittens are made of Love. Therefore, they must die!"
Endless Nuclear Kittens macht keinen Hehl aus seinem Ziel: Die Katzen müssen sterben! Daher schickt uns der 2D-Arena-Shooter in knuddeliger Retro-Optik aufs Schlachtfeld. In bester Twin-Stick-Manier (nur hier halt mit WASD und Maus) setzt sich der Spieler gegen Horden von Katzen zur Wehr, die von allen Seiten auf ihn einströmen. Getroffene Katzen explodieren und lösen im besten Fall eine Kettenreaktion aus, die uns neben vielen Punkten auch reichlich Waffen-Upgrades bringt. Schrotflinten, Flammenwerfer, Raketen und sogar Atomsprengköpfe finden so den Weg in unser Arsenal und sind auch bitter notwendig, denn die Massen von Katzen werden immer größer. Endless Nuclear Kittens ist ein sehr schneller und kurzweiliger Actioner, der einen Heidenspaß macht! Das Spiel ist komplett fertig, könnte aber noch eine Highscore-Liste vertragen, am besten sogar online, um für mehr Langzeitmotivation zu sorgen.

All Kittens must die! Quelle: Mojang All Kittens must die!
Battle Frogs ist das dritte Spiel von Mojang und sicherlich das grafisch aufwändigste Projekt. Jedoch ist es bisher noch weit von der Vollendung entfernt. Wir spielen dort ein Mädchen an Bord eines havarierten Raumschiffs, das von großen, französischen Piratenfröschen geentert wurde. So etwas passiert halt. In dem Plattformer ist bisher nur ein kurzes Level spielbar, in dem wir zunächst einen Raketenwerfer holen müssen, der explosive Pizzastücke verschießt. Damit bewaffnet können wir nun die lästigen Frösche erschießen und Löcher in Türen sprengen. Am Ende erwartet uns noch eine besonders große und hässliche Kröte zum finalen Kampf, bevor wir das Schiff retten können.

Zwar funktioniert alles, doch neben dem geringen Umfang wird auch sonst an allen Ecken und Enden schnell klar, dass hier noch viel Arbeit drin steckt. Die Figuren und Hintergründe sehen schon ganz gut aus, doch die Animationen sind noch ziemlich steif. Die Steuerung ist noch nicht ausbalanciert, die Kollisionsabfrage lässt zu wünschen übrig und dem Gameplay fehlt insgesamt noch etwas pepp.

Battle Frogs ist noch lange nicht fertig. Quelle: Mojang Battle Frogs ist noch lange nicht fertig.
Neben den drei genannten hat Mojang noch einen Pinball-Prototypen namens Nuke the Dinosaurs veröffentlicht, der allerdings noch in den Kinderschuhen steckt und nicht viel bietet.

Vlambeer räumt mit Wasteland Kings ab

Überraschend kommen Vlambeer, die vor allem mit Super Crate Box bekannt wurden, mit dem stärksten Titel daher. Wasteland Kings ist genauso ein 2D-Top-Down-Shooter wie auch Endless Nuclear Kittens, präsentiert sich aber wesentlich komplexer und ausgereifter. In schicker Retro-Optik zieht der Spieler durchs Wasteland um König der Postapokalypse zu werden. Dazu wählen wir zunächst einen Mutanten unserer Wahl und stürzen uns in den Kampf. Wir müssen uns gegen allerhand andere Mutationen zur Wehr setzen und können uns dabei auf neue Waffen und regelmäßige Level-Ups freuen, die unsere Fähigkeiten verbessern. Doch Vorsicht: Blindes Ballern führt zum Munitionsmangel und zu viele Treffer zum Permadeath! Dann heißt es komplett von vorne anfangen, um wieder die zufallsgenerierten Level abzugrasen und den zukünftigen König des Brachlands erneut aufzurüsten.

Wasteland Kings spielt sich so gut, dass es problemlos für ein paar Euro bei Steam oder in den Konsolenshops landen könnte. Die Steuerung ist knackig, der Schwierigkeitsgrad auch. Grafik und Musik sind stimmig und es macht einfache einen riesen Spaß! Es ist beeindruckend, was für ein geniales Spiel Vlambeer da in nur drei Tagen hingelegt hat.

In der Postapokalypse lässt es sich sehr gut aushalten. Quelle: Vlambeer In der Postapokalypse lässt es sich sehr gut aushalten.
Unvollendeter Multiplayer-Shooter

Wolfire arbeitet mit Low-Light Combat am vielleicht aufwändigsten Projekt. Das Ganze wird ein First Person Arena Shooter und erfreulicherweise werkelt das Team auch über den Mojam hinaus noch an der Vollendung des Spiels. Das Kampfgeschehen findet in einer schroffen Höhle statt, in der es ziemlich dunkel ist. Licht gibt es zwar auf Knopfdruck, nur kann der Spieler nicht gleichzeitig schießen und die Höhle erleuchten. Das kennen wir noch aus Quake 3 und verspricht in Multiplayer-Duellen einen interessanten Ansatz. Anscheinend steht jedoch nur begrenzte Energie für die Lampe zur Verfügung und wenn die ausgeht, sterben wir auch ohne Feindeinwirkung. In der Mitte der Höhle ist dafür ein Generator zum Aufladen der Energie, der aber natürlich hart umkämpft sein dürfte.

Da hier noch nichts vollendet ist, sind bisher auch noch keine Duelle möglich. Lediglich einmal fand ich kurz einen Mitspieler auf dem Server. Low-Light Combat sieht aber schon ganz gut aus und könnte für spaßige Deathmatches sorgen, sobald es fertig ist.

Noch nichts los auf der Map. Quelle: Wolfire Noch nichts los auf der Map.
Und noch ein Shooter

Das Spiel von Oxeye trägt den kryptischen Titel 3918. Das klingt wie die Versionsnummer eines Alpha-Build, ist allerdings vollständig spielbar. 3918 ist ein Multiplayer-Space-Shooter. Von einer Bodenstation aus startet das eigene kleine Raumschiff ins All und beschießt dort Asteroiden und natürlich möglichst auch den Gegner und dessen Station. Klingt nach schneller und unkomplizierter Action, doch 3918 verlangt Geschick vom Spieler. Gesteuert wird komplett mit der Maus. Das Raumschiff richtet sich nach dem Mauszeiger aus und beschleunigt je nachdem wie weit der Zeiger entfernt wird. Doch bei einem kräftigen Schub der Nachbrenner verlieren wir Energie, die sich nur langsam regeneriert. Die selbe Energie wird allerdings auch zum Schießen benötigt. Wenn wir wild drauflos ballern, werden wir also schnell manövrierunfähig sein. Und wenn wir gedankenlos durchs All rasen, können wir nicht feuern. Das macht 3918 zu einem sehr interessanten Spiel. Leider ist auf dem Server natürlich noch nichts los, so dass sich nur selten Gegner finden lassen.

Wer braucht schon mehr als eine Maus? Quelle: Oxeye Wer braucht schon mehr als eine Maus?
Fleißiges Buddeln

Bei all den Shootern sticht Tektonik von Grapefrukt ein wenig heraus. Das Flash-Spiel mit simpler, aber gelungener Präsentation versetzt den Spieler auf einen stilisierten Planeten, deren Ressourcen er abbauen muss. In den Schichten des Inneren der runden Welt sind neben jeder Menge schwarzer auch einige bunte Felder zu finden. Zu denen arbeiten wir uns hervor und bauen sie ab. Doch gleichzeitig umschwirren den Planeten auch einige Dreiecke, die auf die Oberfläche schießen und damit die Felder zerstören. Wenn sie bis zum Kern vorgedrungen sind, ist das Spiel verloren. Ich kann nicht behaupten, Tektonik komplett verstanden zu haben, denn neben dem Abbau der Felder lassen sich auch welche aufbauen und befüllen. Diese weißen Felder schießen nun Strahlen ins All hinaus, die aber scheinbar die feindlichen Dreiecke nicht verletzen. Ich weiß nicht so ganz, was das soll. Auch kann mich das ausgereifte Spiel nicht lange fesseln.
Tektonik ist bereits für jedermann spielbar.

I don't know what I'm doing here. Quelle: Grapefrukt I don't know what I'm doing here.
And now for something completely different

Unter all den doch ziemlich abgefahrenen Ideen ist Space Hunk von Ludosity sicherlich die mit Abstand verrückteste. Es ist ein Prügelspiel in 8bit-Optik und mit einem ganz besonderen Kniff: Die Kämpfer stehen sich nicht wie gewohnt gegenüber, sondern sind mit Bungee-Seilen an kleinen Raumschiffen befestigt. Wir steuern das Raumschiff, während die Kämpfer um uns herum durchs All schlingern. Diese Art der indirekten Steuerung des Kampfgeschehens ist anfangs verwirrend, macht durch ihre Unberechenbarkeit aber wahnsinnig viel Spaß! Das chaotische Kampfgeschehen wird durch Power-Ups noch hektischer und irrer, etwa wenn sich unser Kämpfer in einen Riesen verwandelt, der einen Regenbogen hinter sich herzieht. Das Single- oder Multiplayerspiel bietet uns eine Auswahl von acht seltsamen Heroen, etwa einen Cthulhu-Verschnitt oder einen Muskelprotz im Einhornkostüm. Ansonsten gibt es nicht viel zu entdecken, aber das gebotene allein reicht schon aus, um Space Hunk zum Geheimtipp für Partys werden zu lassen!

Der epische Kampf zwischen Cthulhu und dem Einhornmann kann beginnen! Quelle: Ludosity Der epische Kampf zwischen Cthulhu und dem Einhornmann kann beginnen!
Unterm Strich ist beim zweiten Mojam ein ordentliches Paket rausgekommen. Mit Wasteland Kings ist ein wirklich hervorragendes Spiel dabei, Nuclear Pizza War und Endless Nuclear Kittens sind spaßige Titel für Zwischendurch. Und Space Hunk werde ich in Zukunft sicherlich noch häufig erstaunten Freunden präsentieren. Zudem bleibt die Erkenntnis, dass in drei Tagen viel möglich ist und das ein gutes Team von Entwicklern aus jeder noch so abwegigen Idee ein gutes Spiel machen kann. Hoffentlich gibt es im nächsten Jahr eine Fortsetzung!

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