Gears of War: Judgment in der Vorschau: Survival ersetzt Horde - wir haben den brandneuen Mehrspielermodus angespielt
SpecialGears of War geht in eine neue Runde und schmeißt den bekannten Horde-Modus über Bord. Er wird ersetzt durch eine taktischere Multiplayer-Art: Survival. Wir haben alle Infos dazu und einen ersten Anspiel-Bericht.
In Hamburg treffen wir Jim Brown von Epic Games. Er und der tschechischer Design-Direktor von People Can Fly (das Studio, das Painkiller gemacht hat) zeigen uns ihr neuestes Werk, Gears of War: Judgment. Wer die Zahl hinter dem Titel vermisst und deshalb nicht mit einem richtigen Gears rechnet, hat sich geschnitten. Judgment ist zwar ein Prequel, in ihm steckt aber ein vollwertiger Teil der Serie – und nebenbei auch der schönste!
Quelle: Epic Games/People Can Fly
Gears of War: Judgment: Lt. Baird und Cole stehen vor dem Kriegsgericht.
Weil die Story von Marcus und Cole zu genüge ausgebreitet wurde, drehen Epic und People Can Fly die Uhr im Gears-Universum 14 Jahre zurück. Im Mittelpunkt der Story steht Lt. Damon Bairds Kilo Squad, dem auch Augustus Cole angehört. Der Untertitel Judgment ist auch schnell erklärt: Baird und sein Team werden vor ein Kriegsgericht geschleppt und des Verrats angezeigt. Vor Gericht werden sie befragt, wie es dazu kommen konnte, dass sie bestimmte Technologien entwendet haben. Jedes Mal, wenn eines der Teammitglieder zur Aussage ansetzt, springt der Spieler ein und man spielt das Geschehen selbst nach.
Die Handlung von Gears of War: Judgment findet in Halvo Bay statt, einer Stadt, die von San Diego inspiriert wurde. Sie liegt am Meer und ist im Prinzip ein riesiges Armee-Hauptquartier. Die erste optische Überraschung gibt es schon jetzt: Die Macher wollten zur Abwechslung eine etwas buntere Welt zeigen, wie sie vor dem Locust-Krieg aussah. Deshalb sind Halvo Bay und die anderen Regionen nicht im Gears-typischen aschegrau unterlegt, sondern noch lebendig. Am Horizont sieht man Explosionen, überall raucht und qualmt es. Feuer, also rot und orange, sollen zentralere Farben werden – sattes Grün mit Hoppelhäschen braucht man natürlich nicht erwarten.
Jedes Mal ein anderes Spiel
Um mehr Abwechslung in Gears of War zu bringen, haben die Entwickler ein System namens S3 eingebaut. Es soll jeden Durchgang unterschiedlich machen, nie sollen dieselben Gegner aus demselben Loch kriechen. Das System wird Gegnertypen verändern, je nachdem wie man spielt und welche Entscheidungen man trifft. Das Ziel der Macher ist es, Gears of War: Judgment so wiederspielbar wie möglich zu machen.
Quelle: Microsoft
"Gears of War: Judgment soll so wiederspielbar wie möglich sein", erzählt uns Epic Producer Jim Brown.
Entscheidungen sind auch in "Declassified Testimonies" fällig. Das sind Spezialaufgaben innerhalb von Missionen, die man optional aktivieren kann. Die Idee: Vor Gericht erzählt das Team nicht immer die ganze Wahrheit. Es liegt am Spieler, die Declassified-Missionen zu akzeptieren. Nur wenn man sie meistert, plaudert das Team alles aus. Der Verlauf der Spezial-Missionen soll sogar Einfluss auf den Verlauf der Kampagne haben. Wer beispielsweise an einer besonders kniffligen Stelle die komplette Story freischaltet und einen Hammer of Dawn findet, könnte es in der nächsten Mission einfacher haben – denn der Hammer wird mitgenommen. Einfluss auf das Ende der Geschichte nehmen die Testimonies (dt.: Zeugenaussagen) nicht – immerhin sind Cole und auch Baird zentrale Figuren in der nachfolgenden Gears-Saga.
Wie genau Declassified-Missionen aussehen werden, können wir noch nicht sagen. Es werden anscheinend ziemlich viele. In den Levels findet man sie häufig als rotes Zahnrad an Wänden. Wenn man sie akzeptiert muss man entweder optionale Missionsziele erfüllen oder das primäre Ziel auf eine ganz bestimmte Art lösen. In Coles Aussage, einer neuen Mission, die wir anspielen dürfen, liegt beispielsweise die Leiche eines Snipers im Gang. Wenn man die Declassified-Mission annimmt, muss man die Scharfschützen-Wumme mitnehmen und muss Locust auf Entfernung halten. An anderer Stelle erzählt Bairds Einheit, dass ihnen die Munition ausging und sie Locust-Waffen benutzen mussten. Wenn man die nächsten Minuten nur mit Hammerburst und Co. auskommt, gibt es Extrapunkte und einen alternativen weiteren Verlauf der Hauptgeschichte.
Natürlich wird der Verlauf von Declassified Testimonies, wie das gesamte Spiel, punktemäßig getrackt. Für erledigte Aufgaben bekommt man einen Stern, pro Zusatz-Mission gibt es bis zu vier Sterne. Sie werden außerdem, abhängig vom Schwierigkeitsgrad, in Bronze, Silber, Gold und Onyx unterteilt. Die Macher wollen, dass der Spieler sich von Anfang an und durch das ganze Spiel hindurch mit seinen Freunden und der ganzen Welt vergleichen kann.
Survival ersetzt Horde
Und Epics Jim Brown enthüllte noch einen weiteren Hammer: Den Horde-Modus wird es in Judgment nicht geben. Dafür andere alte Bekannte wie der Versus-Mode. Darin treten Spieler gegen Locust an, selber steuern lassen sich die Monster aber nicht. Bereits bekannt sind außerdem Free For All und Overrun. An die Stelle von Horde tritt in Judgment der Spieltyp Survival. Er soll aus den besten Komponenten früherer Spielmodi bestehen und Wünsche von Fans wurden darin auch verbaut, so Brown.
Survival basiert auf vier Charakterklassen, gibt einem drei Ziele vor, die gegen die Locust verteidigt werden müssen und schmeißt einem Gegnerwellen an den Kopf. Jede der extra für Survival angefertigten Karten hat drei Regionen, in jeder Region ist ein E-Hole. Die Gears müssen in Wellen spawnende Locust davon abhalten, das E-Hole einzunehmen. Falls sie es doch schaffen, wird das Team zum nächsten Objective zurückgeworfen. Das erinnert ein wenig an Rush aus Battlefield und spielt sich genauso taktisch. Denn jedes E-Hole ist aus verschiedenen Richtungen angreifbar. Die Frage ist: Wie verteilt man fünf Mann auf mindestens drei oder mehr Zugänge? Denn allein wird man schnell überrannt.
Quelle: Epic Games/People Can Fly
Gears of War: Judgment: Survival ersetzt Horde und wird sehr viel taktischer.
Als kleine Hilfestellung gibt es vorinstallierte Befestigungsanlagen wie Geschütztürme, Laser und Maschendrahtzaun. Diese sind aber zerstörbar. Wenn Locust kaputt machen, können sie nicht neu errichtet werden. Lediglich der Engineer hat ein Reparaturwerkzeug, mit dem er angeschlagene Befestigungsanlagen wieder gerade schrauben kann. Aber auch er kann nichts mehr machen, wenn die Befestigungen komplett hinüber sind. Deshalb heißt es oft: Gut aufpassen und auf jeden Fall einen Engineer im Team haben!
Die Klassen der bis zu fünf Soldaten sind sehr genretypisch. Ein Medic kann Heilgranaten werfen, deren "Stim Gas" Kameraden heilt oder sogar wiederbelebt, solange ihre Körper nicht von einer Explosion zerfetzt wurden. Der Nachteil daran: Andere Spieler können Kumpels nicht mehr auf die Beine helfen, in den Klassenmodi funktioniert das nun nur noch als Medic. Der Engineer kann mit seinem Werkzeug Befestigungsanlagen reparieren und hat ein kurzfristig einsetzbares MG-Geschütz dabei. Das kann er aufstellen, um sich den Rücken freizuhalten, denn als Waffe gibt es nur eine abgesägte Schrotflinte. Soldaten hingegen tragen Lancer bei sich und können den Rest des Teams mit Munition versorgen. Scouts tragen Scharfschützengewehre und dürfen auf erhöhte Positionen klettern. Achtung: Ticker können auch hochklettern! Zur Belohnung für Team-Aktionen gibt es Punkte, wer also seinen Kollegen hilft, steigt am Ende der Runde auch in der Tabelle auf.
Im Gegensatz zu Horde, wo man nach jeder Welle Zeit hatte sich zu sammeln, ist Survival viel schneller. Man kann zwar versuchen, einen "angeknabberten" Maschendrahtzaun zu reparieren, aber die Gegner kommen schon nach ein paar Sekunden wieder. Und die Tatsache, dass man mit fünf Mann mehrere Zugänge zum E-Hole bewachen muss, ist das schwierigste an Survival. Das macht den Modus sehr viel taktischer als Horde, wo es nur hieß "überleb einfach".
Grafik und Technik
Quelle: Epic Games/People Can Fly
Gears of War: Judgment sieht fantastisch aus!
Tief im Herzen von Gears of War: Judgment pocht zwar noch immer ein Unreal-3-Herz, doch das sieht man dem Spiel mittlerweile gar nicht mehr an. Während die Vorgänger alle noch etwas comicartig waren, weist das Art Design von People Can Fly sehr viel realistischere Züge auf. Beleuchtung, Details, Kantenglättung – gefühlt trennen Judgment hier Welten von seinen Vorgängern! Und auch der Wechsel des Grafiksettings, weg vom aschigen Grau hin zu einer düsteren Atmosphäre und indirekter Beleuchtung durch Feuer und Explosionen, hat dem Spiel gut getan. Man soll sich beim Preview zwar nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Aber mit der Aussage, dass Gears of War: Judgment optisch der beste Teil der ganzen Serie ist, liegt man sicher nicht falsch.
