Metal Gear Rising: Revengeance im Test: Brachiale Action von den Bayonetta-Machern

Test Alexander Winkel

Das neueste Metal Gear von Hideo Kojima steht mittlerweile in den Händlerregalen, doch dank des kontrovers zu betrachtenden Sinneswandel hin zum Bayonetta und Devil May Cry Klon geht man nicht völlig ohne natürlicher Skepsis an dieses Werk heran. Ist Revengeance dennoch brauchbar oder doch nur ein unglaublicher Reinfall?

Neben dem ausführenden Produzenten Hideo Kojima übernimmt bezüglich Metal Gear Rising Revengeance Platinum Games die Federführung bei der Programmierung. Der Entwickler ist uns noch sehr gut in Erinnerung dank der adretten Lehrerin, welche in ihrer Freizeit gerne mal einigen fiesen Dämonen den Arsch versohlt. Damit ist eine durchaus gute Grundlage für ein zünftiges Schnetzelabenteuer gegeben, denn das ist aus der altehrwürdigen Metal Gear Reihe mit diesem Ableger nun tatsächlich geworden. In der Rolle von Raiden führt man das Schwert der Gerechtigkeit und ackert sich durch ganze Reihen an mechanischen Metal Gears und Cyborgs, welche dank des besonderen Zeitlupen-Effekts und der 360-Grad Klingenkontrolle in sämtliche Einzelteile zerlegt werden. Und nicht nur diese zerfallen zu Staub, große Teile des Levelinventar gehen ebenfalls zu Bruch.

Metal Gear Rising: Revengeance im Test (2) Quelle: PC Games Metal Gear Rising: Revengeance im Test (2) Wer Bayonetta oder auch Devil May Cry schon einmal im Laufwerk rotieren ließ, kann sich das grundlegende Gameplay von Revengeance sehr gut vorstellen. Mit einigen Klingen als Hauptwaffe, ein paar Argumentationsverstärker in der Zweitauswahl sowie zwei Angriffstasten wird ein flotter Schlagabtausch in die Wege geleitet und eine teils atemberaubend rasante Materialschlacht abgehalten, die zumindest animationstechnisch den genannten Genrevertretern in nichts nachsteht. Das Kampfsystem ist schnell erlernt, birgt aber durchaus gewisse Feinheiten und Combos, die es trotz minimalem Gebrauch des Controllers tiefgründig gestalten. Die Abwehr zu meistern ist dabei die größte Herausforderung. Das Zeitfenster fürs Blocken ist klein und jeder Feind sorgt mit einem fülligen Repertoire an Moves für völlig unterschiedliche Timings, so dass passgenaues Kontern zur extrem kniffligen Aufgabe wird. Die Auseinandersetzungen in Revengeance spielen sich insgesamt ganz gut, doch auch nach etlichen Stunden und zweimaligem Durchspielen hatten wir nicht unbedingt das Gefühl, dass die einzelnen Teile der Mechanik wirklich ohne Mucken und Makel ineinander greifen - es fehlt noch ein wenig Schmierstoff zwischen den Zahnrädern, sprich das Kampfsystem ist nicht vollkommen perfekt und kommt vor allem nicht an dasjenige der agilen Bayonetta heran.

Stolz ist man aber, das sicherlich auch zurecht, auf das einzigartige Feature der Klingenkontrolle. Wird durch einen gelungenen Konter oder bei ausreichender Energie per Taste die Zeitlupe ausgelöst, kann man seine Widersacher in tausende Einzelstücke schnippeln. Mit dem rechten Stick hat man dabei völlige Kontrolle und kann Arme, Beine und sämtliche andere Dinge haargenau abtrennen und sich somit ungeahnte Vorteile im Kampf verschaffen. Das verspricht Extrapunkte, welche wiederum in Upgrades des eigenem Körpers investiert werden. Dank des erfinderischen Geists des deutschen Wissenschaftlers und der Raidens Crew wird damit nicht nur die Cyborg-Rüstung verbessert, sondern auch neue Aktionen erlernt. Was anfänglich selbst auf dem einfachsten Schwierigkeitsgrad vor allem bei den zahlreichen Bossgegnern geradezu eine Tortur darstellt, wird dank des gelungenen Charakteraufbaus auf Dauer immer einfacher, da Raiden immer effektiver zu Werke geht und man wesentlich erfolgreicher den Feinden gegenüber steht.

Metal Gear Rising: Revengeance im Test (5) Quelle: PC Games Metal Gear Rising: Revengeance im Test (5) Wie auch schon mit der graziösen Bayonetta lohnt sich daher mehrfaches Durchspielen, um Raidens Fähigkeiten auf Dauer auszubauen und damit auch auf höherem Niveau eine Chance zu haben. Ist wohl auch ganz gut so, denn nach maximal sechs Spielstunden flimmert das nicht ganz überraschende Ende bereits über den Bildschirm. Die Story hinter Revengeance orientiert sich am Metal Gear Universum, ohne nun Quereinsteiger zu überfordern, noch Fans zu verprellen. Es mag Vorteile haben, die Vorgänger zu kennen, um einige Anekdoten aufzuschnappen, aber man versteht als unbedarfter Spieler die Hintergründe auch so. Der Titel hält uns den Spiegel der modernen Politik vor die Nase und führt uns vor Augen, wie Wirtschaftswachstum einher geht mit Krieg und Terrorismus und welche Gefahren mit der Privatisierung dessen einhergehen.

Das heikle Thema ist aber für den Spieler gut verdaulich verpackt und offenbart ein intensives und teilweise extrem flottes Actionfeuerwerk. Die Superlativen gehen spätestens dann aus, wenn Raiden seine unmenschlichen Fähigkeiten in einigen dem Kino entnommenen und schnellen Kameraschnitten auspackt und in bester Tradition der Bayonetta über Rakete hinweg hüpft, Hauswände empor rennt und mit jeder nachfolgenden Szene den Irrsinn noch mehr auf die Spitze treibt. Dies pumpt das Adrenalin in die Umlaufbahnen und die Kinnlade knallt nicht nur einmal auf den Boden. Ganz so abgedreht wie einst die Lehrerin zeigt sich der Cyborg zum Glück aber nicht. Er bleibt meist auf dem Boden der Tatsachen - was einem Metal Gear Spiel doch eher würdig ist. Spätestens wenn bei einigen eingestreuten Schleichsequenzen das herrliche Bling mit Ausrufezeichen und der altbekannte Alarm ertönt, werden einige Fans ein Schmunzeln im Gesicht stehen haben. Auch die berühmte Pappschachtel darf hierbei als kleiner Gag bzw. Bereicherung trotz des etwas anders angehauchten Spielprinzips nicht fehlen. Schlussendlich dürften Schleichsequenzen für manchen Actionliebhaber zu oft aufkommen, auch wenn dadurch zahlreiche Gegner lautlos das Zeitliche segnen und ein hartnäckiger, kräfteraubender Kampf somit erspart bleibt.

Metal Gear Rising: Revengeance im Test (8) Quelle: PC Games Metal Gear Rising: Revengeance im Test (8) Insgesamt ist die Präsentation von Metal Gear Rising Revengeance recht stimmig umgesetzt und wird durch eine agressiv-brachiale musikalische Untermalung mit teils doch recht deftigen Metal- und Industrial-Klängen bestens untermauert. Bis auf die extrem opulent in Szene gesetzten Bossfights und den superben Kampfanimationen mangelt es aber ein wenig an Detailfülle und Abwechslung. Abseits des Hauptpfades gibt es nur recht wenig zu entdecken und manch Schlauchlevel wird zu einem späteren Zeitpunkt gar in gewisser Weise sogar recycelt. Nichts desto trotz sorgen die stetigen Kämpfe, vor alle, gegen übermächtige Feinde sowie gelungenen Geschichtssequenzen für kontinuierliche Spannung, bis zum schnell herbeigeführtem Ende. Hier liegt die Würze wohl in der Kürze, wobei Platinum Games auch schon anderes unter Beweis gestellt hat und der Spielumfang gerne noch etwas mehr Inhalt hätte bieten dürfen. Als Obolus kann man sich einige VR-Missionen freischalten, welche am ehesten mit den Trainingsmissionen der alten Titel verglichen werden können. Wahrscheinlich sollte aber auch noch Platz für DLC sein, denn diesbezüglich ist ja noch ein wenig was in Arbeit.

Meinung

Wertung zu Metal Gear Rising: Revengeance (X360)

Wertung:

7.8 /10

Wertung zu Metal Gear Rising: Revengeance (PS3)

Wertung:

7.8 /10
Pro & Contra
die Skepsis vorab ist absolut nicht berechtigt, denn Revengeance kann durchaus Spaß machen.Story mit teils unterschwelliger Darstellung heikler Themen.das schnittige Kampfsystem macht Laune, vor allem die Zeitlupe.Atemberaubende und teils gut durchdachte, wenn auch geskriptete Bossfights.kurz und knackig, aber auf diese Spieldauer konstant intensiv.bisweilen knackiger Schwierigkeitsgrad
die Spielmechanik ist nicht makellos und der Schlagabtausch geht nicht immer flüssig von der Hand.abseits der gelungenen Animationen mangelt es ein wenig an Details und opulenter Grafik.stellenweises Recycling stiehlt dem Titel ein wenig der Abwechslung.die Schlauchlevels bieten nur wenig Freiraum zur Erkundung und bieten eh kaum etwas abseits der Hauptpfade.Spieldauer ist alles andere als ausreichend für einen derartigen Vollpreistitel.

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