Bioshock Infinite im Test: Ein aussichtsreicher Kandidat für das Spiel des Jahres

Test Sandro Odak

Bioshock Infinte hebt ab: Booker DeWitt ist auf der Suche nach dem mysteriösen Mädchen Elizabeth. Was es mit ihr, der schwebenden Stadt Columbia und dem Despoten Comstock auf sich hat, erfahrt ihr in unserem Review. Weshalb Bioshock Infinite zu einem der besten Spiele des Jahres gehört natürlich auch!

Schon der Anfang von Bioshock Infinite erinnert frappierend an den ersten Teil der Serie. Booker DeWitt erwacht ahnungslos in einem Ruderboot, gesteuert von zwei dubiosen Gestalten, die einem durch das ganze Spiel hinweg begegnen. Ein bisschen Vorgeschichte? Gibt es nicht. Nur den Dialog "Hast du Angst vor Gott?" - "Nein, aber vor dir!" Mit dem Ruderboot geht es zu einem Leuchtturm mitten im Meer. Wow, Flashback! Wäre hier noch ein brennendes Flugzeugwrack, wäre alles klar. In einer kleinen U-Bootkapsel geht es nach Rapture. Pustekuchen! In einer Rakete geht es hoch hinauf nach Columbia!

Bioshock Infinite im Gamezone-Test: Screenshots von der PC-Version (5) Quelle: Gamezone Bioshock Infinite im Gamezone-Test: Screenshots von der PC-Version (5) Die Stadt in den Wolken sagte sich zur Zeit des Boxeraufstands in China von den Vereingten Staaten los und dreht nun einsam ihre Runden über Amerika. Stört das jemanden? Nein. Denn der Despot und Prophet Comstock, der die fliegende Stadt anführt, streut schon seit jeher Gruselgeschichten über "die da unten". Gotteslästerer, Satanisten, Kommunisten. Solches Pack tummelt sich auf der verunreinigten Erde und sündigt. Sündigt was das Zeug hält! Hier oben hält sich Comstock die Welt in Ordnung. Jeder glaubt an ihn als Propheten und Gottgesandten. Ausländer, Asiaten und Schwarze werden tyrannisiert, ausgebeutet und gejagt. Ken Levine und sein Team bei Irrational hält der Gesellschaft eiskalt einen Spiegel vors Gesicht. Das ist zwar manchmal schwer zu ertragen, vor allem wenn man den vielen hetzerischen Gesprächen in der Stadt zuhört, die Schwarze verteufeln oder dem monotonen Arbeitsablauf in einer kapitalistischen Fabrik zusieht, die an Arbeitslager erinnert. Aber notwendig ist es. Denn in all seiner Aggressivität in Bildern und Dialogen schafft es Bioshock Infinite hervorragend, den Blick fürs Politische zu schärfen und selbst zum Denken anzuregen. Dazu schafft man auch keine klaren Feindobjekte. Klar, Ausbeutung von Arbeitern in sklavenähnlichen 16-Stunden-Schichten ist fies. Aber was, wenn man der Revolution hilft? Was, wenn die Occupy-Bewegung in unserer Welt an der Macht wäre? Würde dann alles besser werden? Levine duckt sich bei dieser Konsequenz weg und lässt den Spieler entscheiden - meistens nur zwischen zwei gleichgroßen Übeln.

Im Dunkeln tappen

Bioshock Infinite im Gamezone-Test: Screenshots von der PC-Version (7) Quelle: Gamezone Bioshock Infinite im Gamezone-Test: Screenshots von der PC-Version (7) Erstaunlich ist, wie lange Bioshock Infinte einen im Dunken tappen lässt. Wer Booker DeWitt ist? Erfährt man erst mit der Zeit. Wer das Mädchen ist, das er suchen muss - erfährt man sogar noch später. Und warum begegnet man dauernd den Geschwistern Lutece? Fragen, auf die uns das Spiel erst sehr spät Antworten gibt. So macht man eben, was man aus anderen Videospielen kennt. Gehorchen, Elizabeth aus ihrem Turm befreien und alles aus dem Weg zu pusten, was zwischen DeWitt und Elizabeth steht. Bioshock gibt sich aber auch nachdem man die Kleine befreit hat, keine große Mühe endlich aufzuklären wer sie ist. Erst ganz zum Schluss wird einem klar, worum es in Bioshock Infinte eigentlich geht. Und natürlich bringt es einen zum Reflektieren. Über die eigenen Handlungen im Spiel und ob man auch so gehandelt hätte, wenn Bioshock real wäre.

Doch bis es nach etwas mehr als 15 Stunden soweit ist, kämpft man mit Elizabeth an seiner Seite für das anscheinend Gute und Richtige. Sie erweist sich als wahrer Segen: Da sie Risse in der Raumzeit öffnen kann, ist sie in Gefechten eine große Hilfe. So kann sie Deckungen, Waffenverstecke oder Medizin-Sets aus parallelen Welten in unsere ziehen. Das macht viele Kämpfe dynamischer, als wenn man allein einer Armee gegenüber stünde. Ein bisschen spoilert die Funktion aber auch. Denn die Risse erkennt man schon von Weitem. Wenn man sie sieht, weiß man immer: Gleich gibt es Action. Aber auch abseits der Kämpfe lohnt es sich, auf Elizabeth zu hören. Sie wirft einem Münzen, Medizin und Salze zu, die das Mana von Bioshock Infinite sind. Außerdem bleibt sie an interessanten Ort stehen. Gibt es noch etwas aufzusammeln, etwa Lockpicks oder Ausrüstungsgegenstände, sagt sie einem Bescheid. Kluges Kind!

Absolut fantastische Dialoge und ein Blick fürs Detail

Bioshock Infinite im Gamezone-Test: Screenshots von der PC-Version (12) Quelle: Gamezone Bioshock Infinite im Gamezone-Test: Screenshots von der PC-Version (12) Wenn man erörtert, was genau Bioshock Infinite so gut macht, fallen einem viele Elemente des Spiels ein. Das traumhafte Steampunk-Setting zum Beispiel, der politische Hintergrund, der gesellschaftliche Spiegel im Allgemeinen. Für mich aber brilliert Bioshock Infinite vor allem in einem Aspekt: Den Dialogen! Egal ob es die Gespräche zwischen den gottfürchtigen Bewohnern Columbias oder der Rebellentruppe Vox Populi sind oder die Unterhaltungen die man mit Elizabeth führt. Sind sind durchweg hervorragend geschrieben und sogar auf deutsch top vertont. Und zuhören lohnt sich! Manches Mal erfährt man auf Voxaphonen, das sind kleine Schallplatten zum Sammeln, Infos zu Nebenquests. Fans von Bioshock werden sich daran gar nicht satthören können. Zwar ist auch manches wirre Geblabber dabei, das nur zur Atmosphäre beiträgt, meistens aber erfährt man etwas Wichtiges aus vertonten Dialogszenen oder den Sammel-Schallplatten.

Nebenquests hingegen haben uns wirklich etwas gestört. Meist sind es verschlossene Räume oder Truhen oder aber verschlüsselte Chiffren, die man erst lösen kann, wenn man den richtigen Schlüssel und das richtige Codebuch gefunden hat. Klingt spannend, ist aber nervig. Schon das erste optionale Ziel zwingt einen minutenlang den gleichen Weg zurückzugehen, den man eben gekommen ist. Später wird es noch perfider. Dann sind die versteckten Orte nicht mal mehr auf derselben Map und man muss erst eine kurze Ladezeit abwarten, bis man sich die Belohnung für das olle Backtracking abholen kann. Die enttäuscht meist: Ein Ausrüstungsgegenstand oder eine Infusion, um dauerhaft Salz, Gesundheit oder Schild zu verbessern. Das ist zwar für das Spiel sehr wichtig, aber die Mühe der doppelt und dreifach gegangenen Wege ist sie nicht wert. Hier hätten die Entwickler entweder einen kleinen Seitenarm der Geschichte mit einfließen lassen müssen, oder aber die Verstecke so angelegt, dass man sie problemlos erreichen kann.

Bioshock Infinite im Gamezone-Test: Screenshots von der PC-Version (19) Quelle: Gamezone Bioshock Infinite im Gamezone-Test: Screenshots von der PC-Version (19) Besonders hervorheben möchten wir an dieser Stelle übrigens die deutsche Synchrofassung. Meistens hört man uns über misslungene Übersetzungen oder gelangweilte Sprecher fluchen. Bioshock Infinite macht alles richtig. Beides ist hervorragend gelungen. Hier hat 2K Games wohl ein glückliches Händchen bei der Wahl des Synchrostudios. Wir erinnern uns: Auch Borderlands 2 war schon so toll übersetzt worden, dass die deutsche der englischen Fassung in nichts nachstand. Einziges Manko sind die Erklärvideos von DeWitts Vigorkräften. Die sind zwar vertont, jedoch auf englisch mit deutschem Untertitel. Schade, denn der Rest des Spiels ist komplett eingedeutscht worden.

  1. Seite 1 Absolut fantastische Dialoge und ein Blick fürs Detail
  2. Seite 2 Als Shooter solide, als Geschichte ausgezeichnet
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