Wen nervt es nicht, dass in Sportmanagement-Simulationen nur glattpolierte Supermenschen ohne Makel vorkommen. Das italienische Indie-Studio Geniaware kann davon ein Lied singen und entwickelt einen "Football Lifestyle Simulator" - inklusive saufen, zocken und Frauen abschleppen! Wir haben uns das Fußballspiel angesehen und waren überrascht von der tollen Matchday-Präsentation.
Fußball-Simulationen sind oft trocken: Spieler lernen Excel-Tabellen auswendig, brauchen ein BWL-Studium um hinter das Finanzierungskonzept eines Vereins blicken zu können und müssen auch noch sportlich genug auf dem Kasten haben, um die richtigen Einkäufe zu tätigen. Das geht nicht nur mir tierisch auf die Nerven, auch den Italienern von Geniaware. Die unabhängigen Spieleentwickler wollen das Genre mit Lords of Football auf eine spaßige Weise von hinten aufrollen. Ihr Motto lautet: "Their lives. Your choices", also "ihre Leben, deine Entscheidungen". Anstatt sich zu verkopfen, setzen die Entwickler den Fokus auf das, was abseits des Fußballfelds passiert: Clubbesuche, Sex, Alkohol und das eigene Ego polieren!
"Kein Serious Game. Wir wollen, dass es Spaß macht!"
Quelle: Geniaware
Lords of Football in der Gamezone-Vorschau (2)
Am Anfang steht trotzdem eine relativ genretypische Entscheidung: Welche Mannschaft aus welchem Land will man trainieren? Fünf europäische Top-Fußballländer stehen zur Auswahl: Deutschland, Spanien, Frankreich, Italien und England. Auf Originallizenzen kann man zwar nicht hoffen, dafür aber auf ähnliche Daten. In der Demo wählen wir die Deutsche "First Division" und den Rekordmeister "München Lions". Wer unbedingt will, kann im zweiten Schritt Namen und Teamlogo rudimentär anpassen. So wird dann aus den München Lions (nicht zu verwechseln mit den echten Löwen) doch der FC Bayern. Bis auf den Namen ist aber alles korrekt dargestellt: Im Hintergrund, das verrät uns einer der Entwickler, läuft eine Datenbank, welche die Ergebnisse des realen Fußballs als Grundlage für die Ingame-Teams nutzt. Wie in PES dürfen halt nur nicht die richtigen Namen vorkommen.
An dieser Stelle enden aber die Parallelen zu normalen Sportmanagementsimulationen. Wo in einem Fussballmanager 201X nun mit Geld um sich geworfen wird und ein Team zusammengestellt werden muss, wird in Lords of Football eine kleine Stadt gezeigt. "Wir wollen von Anfang an kein Serious Game machen. Excel-Tabellen und das ganze Geldmanagement aus anderen Spielen wollen wir über Bord werfen. Wir konzentrieren uns darauf, dass der Spieler Spaß hat." Die Marketingabteilung von Geniaware, witzelt der Entwickler, nenne das "Fußball Lifestyle Simulator", aber eigentlich ist es eine ganz gradlinige Life-Sim.
Quelle: Geniaware
Lords of Football in der Gamezone-Vorschau (3)
Lords of Football ist grundsätzlich in zwei Phasen geteilt: Spielphase und die Zeit zwischen den Matches. Der Fokus liegt eindeutig auf diesem Zwischenzeitraum. In dem kleinen Örtchen gibt es eine Disko, Fan-Clubs, Bars, Restaurants, Casinos und natürlich den Fußballverein. Jeder Spieler hat Bedürfnisse, wie die Sims: Ego, Party, Sex, Glücksspiel, Essen und Alkohol. Optimal ist es, wenn die Spieler ausgewogen leben – also genug Sex, Essen und Co. bekommen, um ihre Top-Performance am Fußballplatz abzuliefern. Wenn einige dieser Bedürfnisse aber unterrepräsentiert sind, bröckelt es schnell an der Motivation. Außerdem hat jeder Spieler Skills unterteilt in die Kategorien Physical, Technical und Tactical. Seine persönlichen Topwerte kann ein Spieler auch hier nur erreichen, wenn er im Leben sonst zufrieden ist.
Damit das der Fall ist, steuert man seine Mannschaft wie in einem Götterspiel, indem man einzelne Spieler oder ganze Gruppen in die Luft hebt und da fallen lässt, wo man sie haben will. Ganz praktisch ist dabei ein Filtersystem. Wir filtern zum Beispiel alle untervögelten Fußballer raus und lassen sie im Pub fallen. Et voila, aus den Kickern werden schnell F… Ach lassen wir das Wortspiel! Bei der nächsten Trainingseinheit (am Ball) sind sie nun zufriedener, haben den Kopf für den Fußball frei und bereiten sich optimal auf das wichtige Spiel am Wochenende vor.
Die Zeit bis zum nächsten Spiel wird einem immer unten rechts als Countdown eingeblendet und ist die einzige wichtige Ressource im Spiel. Wie man in der Zwischenzeit seine Spieler behandelt, bleibt einem selbst überlassen. Man kann sie zu Straftrainings verdonnern, was vielleicht ihre physikalischen Werte verbessert aber sich aufs Gemüt auswirkt. Zu viel des Guten wird die Mannschaft zermürben. Wer die Mannschaft aber zu viel feiern, saufen oder zocken lässt, läuft Gefahr, dass aus dem kurzen Späßchen eine Sucht wird. Dann muss man den Spieler in Therapie schicken, um ihn von der Flasche, den Spielkarten oder halt den Frauen loszubekommen. Denn wer nur seine Freundin und die 17 Geliebten im Kopf hat, kann sich nicht mehr auf den Fußball konzentrieren.
Matchday: Ziemlich strategisch
Quelle: Geniaware
Lords of Football in der Gamezone-Vorschau (1)
Das Ziel von Lords of Football ist am Ende aber doch ein sportliches: Man muss seine Mannschaft so lange durch die Ligen peitschen, bis man den europäischen Pokal gewonnen hat. Dass damit die Champions League gemeint ist, deren Namen man natürlich nicht verwenden darf, liegt auf der Hand. Glücklicherweise hat man aber auch auf dem Platz noch relativ weitreichende Eingriffsmöglichkeiten. Wer will, kann virtuell als Trainer Befehle am Matchday ins Spiel brüllen. Das funktioniert durch Mausbefehle und steuert sich ähnlich wie ein Strategiespiel. In Echtzeit kann man eingreifen und einem ballführenden Spieler sagen, wohin er passen soll. Außerdem lassen sich on the fly Taktiken und Aufstellungen verändern. Wer seine Spieler vorher speziell darauf im Taktikunterricht trainiert hat, kann dadurch auch passiv gut einwirken.
Wer sich hingegen mit seiner Mannschaft sicher ist, kann auch einfach auf die Tribüne wechseln. So kann man jederzeit das Spiel, das neun Minuten dauert, verkürzen und den Rest der Spielzeit von der CPU simulieren lassen. Dann gibt es zwar nur noch Endergebnis und ein paar Statistiken zu sehen, es geht aber viel schneller wieder zurück in die Trainingsphase.
Und was sagen die Lizenzhalter?
Quelle: Geniaware
Lords of Football in der Gamezone-Vorschau (6)
Dass Lords of Football keine Lizenzen hat, haben wir beim Anspieltermin bereits erfahren. Wir wollten aber noch mehr wissen: Warum? Einer der Geniaware-Entwickler lächelt bei dieser Frage etwas verdutzt und erzählt uns, dass sie das Spiel in Milan tatsächlich dem Club vorgestellt haben. Der Kommentar der Vereinsbosse: "Nein. Nicht möglich!" Fußballer auf dem Spielfeld im Sportoutfit zeigen wäre okay. Alles darüber hinaus nicht. Und saufen, zocken und, mit Verlaub, vögeln? Das wäre dann gar nicht mehr drin gewesen. Die Lizenzhalter wollen in solchen Fällen sogar jede Zeile von Spielfiguren prüfen und haben das Recht, sie zu verändern oder zu streichen. Das ging Geniaware zu weit – und hätte für ein neugegründetes Indiestudio vermutlich eh viel zu viel Asche verschlungen.
Lords of Football erscheint am 5. April 2013 exklusiv für den PC und ist auf Steam verfügbar. Die Entwickler planen eine Retail-Version erst zum Start der neuen Fußballsaison und nur, wenn das Spiel bis dahin profitabel ist. Dann soll es jedoch als "Gold-Version" in die Regale wandern - inklusive einigen DLCs.
