Defiance: Die PR-Blase platzt - Kommentar zum Cross-Media-Experiment

Special Sandro Odak
Defiance wird eine Nullnummer: Serie und Spiel unter den Erwartungen der Fans - ein Kommentar von Sandro Odak
Quelle: pcgameshardware.de

Gamezone hat schon vor dem TV-Start die Science-Fiction Serie Defiance und das gleichnamige Videospiel gesehen. Die beiden sollen sich inhaltlich ergänzen und beeinflussen. Bullshit, sagt unser Autor Sandro Odak! Das Projekt ist nicht mehr als eine PR-Blase und stellt sich als ganz große Nullnummer heraus.

Defiance wird ein ganz großes Ding, das will uns Sky jedenfalls vormachen. In München stellt der Spartensender Syfy Presse und einigen Fans die Pilotfolge von Defiance und das gleichnamige Spiel vor. Gefeiert wird in einem abgeriegelten Club. Gästeliste, Sicherheitsbeamte in Anzügen, TV-Kameras. Alles ist auf superwichtig getrimmt. Es soll eine richtig große Party werden. Aber inhaltlich, da mangelt es Trion und Syfy einfach an etwas Vorzeigbarem.

Die Science-Fiction Serie Defiance startet am 16. April 2013 im deutschen Bezahlfernsehen, das gleichnamige Videospiel auf PC, Playstation 3 und Xbox 360 ist bereits erschienen. Die beiden Formate sollen sich, so das Versprechen, interaktiv ergänzen. Was in der Serie passiert, soll Auswirkungen auf das Spiel haben, was im Spiel passiert, soll Auswirkungen auf die Serie haben. So war es zumindest zu Beginn angekündigt. Ein riesiges Cross-Media-Experiment. Und eine riesige PR-Blase, die nun platzt. Denn: Defiance Staffel 1 ist abgedreht. Die Möglichkeit, dass Handlungsstränge aus dem Spiel sich auf die Story der Serie auswirken könnten, ist verwirkt. Die Entwickler rudern zurück: Vielleicht werden sich ja Entscheidungen der Spieler auf Staffel 2 auswirken. Unwahrscheinlich. Zum einen, weil ich nicht denke, dass es eine zweite Staffel geben wird, zum anderen, weil das Spiel weder am selben Ort, noch in derselben Zeit spielt.

Die Serie findet in der amerikanischen Stadt St. Louis statt. Die Hauptcharaktere müssen sich, 33 Jahre nachdem eine Armada außerirdischer Raumschiffe auf der Erde gelandet ist, in dem Ort Defiance zurechtfinden. Nach einem langen Krieg haben sich Aliens und Menschen auf einen Frieden geeinigt – und in Defiance lebt man seitdem Seite an Seite. Das Spiel hingegen findet im zerstörten und terraformten San Francisco statt. Es spielt einige Zeit vor den Geschehnissen der Serie und wird an einigen Stellen die Serien-Protagonisten einbinden. Aber weitere Überschneidungspunkte: Fehlanzeige.

Und dann die Serie: Wenn man bei einer TV-Produktion kein Budget für CGI-Effekte hat, dann setzt man sie eben nicht ein. Ein gängiges Produktionsmotto, das bei Defiance ständig übergangen wird. Schon allein die Eingangsszene wirkt lächerlich: Ein albern modelliertes Raumschiff schwebt auf die Erde zu. Die Szenerie sieht trotz HD-Film aus, wie aus einem schlechten Videospiel aus den 2000er-Jahren entnommen. Kurz darauf gibt es eine Verfolgungsjagd, die nochmal verdeutlichen soll: CGI ist definitiv nicht Defiance' Ding. Und als wäre das nicht genug, ist der komplette Endteil des Piloten im CGI-Studio entstanden. Eine riesige Roboter-Echsenmenschenarmee greift die Stadt Defiance an.

Auch bei den Charakteren kann ich keinen nachhaltig im Kopf behalten. Alles Klischees, alles Hollywood. Ein heldenhafter Ex-Soldat, der ein kleines Alienmädchen rettet und sie wie seine Tochter aufzieht. Zwei verfeindete Alienclans, die vermutlich aus den Twilight-Filmen geflohen sind: Ein Sprössling der aristokratischen Tarr-Familie (nennen wir sie Vampire) verknallt sich in die eine Tochter des verfeindeten McClawley-Clans – die wegen ihres indianischen Aussehens nicht nur an Twilight erinnern: Clan-Patriarch Graham Greene war bereits in Twilight als Werwolf-Vater Harry Clearwater aufgetreten.

Dramaturgisch fällt der Pilot vor allem durch seine völlig überhastete Erzählstruktur auf. Was Defiance hier in 90 Minuten erzählt, hätte man ruhig in drei oder mehr Episoden zu einem kleinen Mid-Season-Highlight ausbauen können. Stattdessen wird alles verpulvert, was man in der Hand hält. Das macht nicht viel Mut für die kommenden Folgen.

Am Ende der Veranstaltung hört man nur noch eine vor Freude glucksen. Die Ehefrau von "Erkan & Stefan"-Star Florian Simbeck hat anscheinend noch nie ein Videospiel gesehen und ist sichtlich begeistert wie real das aussieht… Abgesehen von den Sky-Mitarbeitern ist sie vermutlich die einzige im Saal, die klatscht. Die anderen haben alle schon Bier und Mixgetränke in der Hand. Es ist eh ein ungeschriebenes Gesetz der Branche: Je schlechter das Produkt, desto früher gibt es Alkohol. Bei Defiance wurde von Anfang an ausgeschenkt – und zwar das harte Zeug.

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