Papo & Yo im Test: Wie ein misshandelter Game-Designer seinen saufenden Vater verarbeitet

Test Sandro Odak

Mit Papo & Yo verarbeitet ein gestandener Game-Designer die tragische Geschichte seiner Kindheit: Sein Leben mit einem Alkoholiker als Vater ist so schlimm, dass er sich in Traumwelten stürzt. Wir erklären im Test, weshalb das Download-Spiel trotz spielerischer Schwächen auf jeden Fall einen Blick wert ist.

Wenn ein Spiel schon Papo & Yo heißt, sagt das eigentlich schon alles aus. Es geht um Papa und mich. Gemeint ist damit der Vater von Game Director Vander Caballero. Der hat gut zehn Jahre lang bei EA geschuftet und einen belanglosen Titel nach dem anderen veröffentlicht. Bis er irgendwann keine Lust mehr hatte, zu einem kleinen Indie-Studio kam und endlich den Albtraum seiner Kindheit verarbeiten konnte: Die Beziehung zu seinem Vater. Der hat gesoffen und seinen Sohn ausgenutzt, jahrelang. Die Message, die einem das Spiel daher schon zu Beginn mitgibt, trifft einen hart: Caballero widmet den Titeln seiner Mutter und seinen Geschwistern, die ihm geholfen haben das Monster in seinem Vater zu überleben. Nicht heilen. Nicht überwinden. Für ihn ging es ums Überleben.

Papo & Yo im PC-Test: Eine emotionale Achterbahnfahrt (32) Quelle: Gamezone/Minority Papo & Yo im PC-Test: Eine emotionale Achterbahnfahrt (32) Gekonnt erzählt Papo & Yo diese Geschichte ohne wirklich viele Story-Elemente. Man sieht den Protagonisten des Spiels, einen kleinen Jungen, zusammengekauert in einem Wandschrank. Der besoffene Vater wütet anscheinend vor der Tür und sucht den armen Jungen – was bleibt ihm da schon anderes übrig, als sich in eine Fantasie-Welt zu verstecken. Eine Welt, die zwar nicht unbedingt heller und freundlicher ist als seine, aber eine, in der er das Sagen hat. Durch magische Tricks kann er Gegenstände bewegen. So sucht man sich seinen Weg durch die Levels. Richtigen Trigger finden, auslösen, zum nächsten Rätsel gehen. So geht es eine ganze Zeit lang. Optisch ist das manchmal ganz imposant, etwa wenn man Faltkartons versetzt. Parallel zur Bewegung des Spielers bewegen sich einige Holzhäuser und bilden eine Brücke, wenn man die Kartons richtig anordnet. Solche Spielereien können richtig begeistern.

Etwas tiefgründiger wird die immer nur angeschnittene Meta-Story über den Vater mit der Einführung des "Monsters". Ein dickbäuchiges, träges Vieh ist das, mit einem einzelnen Horn auf dem Kopf. Es sieht gefährlich aus, und doch immer auch niedergeschlagen und depressiv. Das Monster tut einem auch nichts, stattdessen baut man eine symbiotische Beziehung auf. Der kleine Junge füttert es mit gelben Früchten, dafür darf er ab und auf dem Bauch des Vater-Monsters hüpfen, um weit entfernte Plattformen zu erreichen. Außerdem rennt einem Monster auch Hindernisse über den Weg, wenn man Früchte taktisch platziert. Doch als er an einer Kröte leckt – sinnbildlich für seinen Alkoholkonsum – dreht er durch. Monster brennt förmlich und attackiert sogar den Jungen. Wie soll man nach solchen Vorkommnissen nur wieder in Symbiose zusammenleben? Als Spieler fällt es einem einfach. Man weiß ja, welche Aktionen zu welchen Reaktionen führen. Aber menschlich berührt einen das vollkommen. Wie lebt es sich mit einem Alkoholiker-Vater?

Papo & Yo im PC-Test: Eine emotionale Achterbahnfahrt (34) Quelle: Gamezone/Minority Papo & Yo im PC-Test: Eine emotionale Achterbahnfahrt (34) Am Ende wird einem klar: So sehr man Sympathien für dieses eigentlich ganz liebe Monster hat – helfen kann man ihm nicht. Papo & Yo beendet das Zerwürfnis fast zeremoniell, indem man vom Monster absagt. Vorbei die Hilfe, vorbei die Unterstützung. Caballero muss seinen Vater erst virtuell "töten", um endlich loslassen zu können. Die Schlüsselszene geht unter die Haut. Wer Papo & Yo als kleines Kunstwerk betrachtet und diese Emotion zulässt, wird das Indie-Projekt lieben.

Wer das Download-Spiel aber unbedingt als Spiel betrachten will und es nur auf Gameplay-Features herunter bricht, wird enttäuscht. Die Steuerung ist nicht perfekt, versagt bei manchen Sprung-Einlagen. Die Grafik ist zwar besser als auf der Playstation 3 – aber Clippingfehler gibt es trotzdem en masse, sogar so stark, dass man
zwischen Spalten an Wänden durchsehen kann. Und die Spielmechanik an sich ist eher primitiv. Papo & Yo ist trotzdem ein Highlight – ein emotionales. Zwischen den Zeilen lesen heißt die Parole. Wer das nicht kann, kauft sich lieber irgendeinen Shooter und wird damit glücklich.

Meinung

Wertung zu Papo & Yo (PC)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
frustfreies Spielvergnügen: sterben kann man nichtemotional und rührend: trotz minimalistischer Erklärung trifft einen die Thematik mitten ins Herzgenialer Soundtrackoptisch zwar kein Highlight, das Setting in den südamerikanischen Favelas aber sorgt für Kontraste
mit gerade fünf Stunden relativ kurz und ohne Wiederspielwertwer dem künstlerischen und emotionalen Aspekt nichts abgewinnen kann, wird nicht glücklich werdenauf Spielmechanik und Grafik heruntergebrochen nur Mittelmaß

Bildergalerie

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 07/2026 play5 07/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk