Dead Island: Riptide im Test - Liebhaber der tropischen Zombiekalypse kommen voll auf ihre Kosten, alle anderen werden vor Langeweile eher verfaulen
TestAls vor nicht einmal zwei Jahren die tropische Insel Banoi zum Schauplatz einer erbarmungslosen Zombie-Apokalypse wurde, konnte Entwickler Techland einen unglaublichen Überraschungserfolg feiern. Millionenfach ging der erste Dead Island Ableger über die Ladentheke und beschert uns heute dank klingender Kassen den Ableger Riptide. Tropisches Setting, massig Zombies im Paradies und wieder das typische Gameplay des Vorgängers. Solides aber leider auch freches Recycling zum Vollpreis!
Quelle: Deep Silver
Dead Island: Riptide (4)
Dead Island war seinerzeit sicherlich nicht perfekt, doch sprach der Titel, besehen der Verkaufszahlen, immerhin die breite Masse an. Sicherlich ist ein Grund abgesehen vom Gore-Faktor im Setting zu sehen. Entführt in ein tropisches Urlaubsparadies verzauberte die Mischung aus schneeweißen Stränden, Traumhotels und immergrünen üppigen Regenwald den Besucher, während diese Perle des ozeanischen Archipels einem dunklen Zeitalter gegenüber stand und in nur wenigen Augenblicken in bester 80er-Jahre Manier von Zombies überrannt wurde. Survival Horror spielt sich aber anders, denn Dead Island war weder beklemmend, noch wirklich anspruchsvoll. Das Gameplay entführte uns dank kooperativem Mehrspielermodus eher in einen unterhaltsamen Überlebenskampf mit Prügel-Einlagen. Auf dem ersten Blick gleicht Dead Island einem First-Person Shooter, doch der Einsatz von Schussgewalt tritt von Anfang an in den Hintergrund. Hauptwerkzeuge der Akteure sind unterschiedliche Prügel, Klingen und Baseballschläger, die an der Werkbank mit Stacheldraht, Nägel und Elektroschocker gepimpt werden. Derart ausgerüstet überlebten die vier Hauptdarsteller die grausame Hölle im üppigen Paradies von Banoi.
Quelle: Deep Silver
Dead Island: Riptide (5)
Kaum diesem Horrorszenario entflohen, strandet dasselbe Quartett bestehend aus Purna, einer ehemaligen Polizistin, dem ehemaligen Football-Star Logan, Rapper Sam B und der zierlichen aber ziemlich taffen Xian Mei auf der nächsten Insel namens Palani. Einziger Neuzugang: Der knallharte Soldat John. Ab diesem Zeitpunkt beginnt das unglaubliche Déjà-vu-Erlebnis für alle Spieler, die seinerzeit schon im Paradies wandelten. Denn Riptide gleicht nicht nur akustisch und optisch bis auf geringe grafische Verbesserungen im Detail seinem Vorgänger, auch spielerisch wird eine wirklich dreiste Kopie des Originals serviert. Schlaksig wie eh und je begibt man sich in die erste Basis, metzelt mit ein paar Hieben die ersten Zombies nieder und sieht sich demselben Überlebenskampf erneut ausgesetzt. Ein paar Überlebende halten verschanzt die Stellung und hoffen auf Rettung, während das Gerücht einer nuklearen Auslöschung des Archipels die Runde macht. Bei der Verteidigung solcher Lager trifft man neuerdings auf Zombiewellen, die ähnlich des Gears of War Hordemodus erledigt werden müssen – eine der wenigen spaßigen Neuerungen von Riptide! Die Story aber plätschert mit schwachen Dialogen daher und zelebriert übliche Themenschwerpunkte zwischen Intrigen und Industriefehler, wie so viele Zombie-Apokalypsen zuvor. Ganz ehrlich, weder die Geschichte noch das Geschwätz der Überlebenden dient der Motivation, sich wirklich durch das Dickicht zu kämpfen und den Held zu spielen. Auch die insgesamt 80 Missionen reichen nur kaum über das Niveau von "bring mir dies" und "befreie denjenigen" hinaus. Riptide bietet einmal mehr stupiden Einheitsbrei ohne erzählerischen oder spielerischen Tiefgang.
Quelle: Deep Silver
Dead Island: Riptide (6)
Der Spielplatz für Zombietöter entführt in den üppig bewachsenen Dschungel sowie eine tropische Metropole und gleicht somit ebenfalls dem Vorgänger von Techland. Erstaunlicherweise gibt es aber kleine Unterschiede. Wirkte das Urlaubsparadies Banoi dank Bettenburgen touristisch eher überflutet, sorgt Palani mit Buschhütten und Campingplätze für ein wesentlich natürlicheres Flair. Dagegen musste die düstere Stadt der ersten Insel einer hübschen, mediterranen angehauchten Metropole weichen. Außer derartiger farblicher Aspekte ist dieser Unterschied eher als marginal zu betrachten und nur der immerwährende Monsun sorgt tatsächlich für spürbare Veränderungen im Spielsystem. Die Insel steht zum Teil unter Wasser. Ganze Dörfer und touristische Einrichtungen sind überflutet und man kommt bisweilen nur per Boot durch die immergrüne Hölle. Ob nun auf den wenigen, noch vorhandenen Schotterpisten mit dem Auto oder über das Wasser, spielerisch ist der Unterschied des Fortbewegungsmittels dennoch eher Nebensache. Optisch dagegen ärgerlich ist der Wechsel zwischen Sonnenschein und Wolkenbruch mit Platzregen, der bisweilen wie per Lichtschalter getriggert stattfindet.
Quelle: Deep Silver
Dead Island: Riptide (7)
Mit derartigen und zahlreichen weiteren technischen Mängeln muss man tatsächlich bei Riptide Vorlieb nehmen, obwohl die Entwickler eine Kopie des Originals abliefern und somit massig Zeit hatten, am eigentlichen Code zu arbeiten. Das faulende Volk zum Beispiel wird sehr häufig bereits wieder in die Welt der Lebenden entlassen, sobald man sich 50 bis 100 Meter vom Schauplatz des Gemetzels entfernt hat. Nicht selten kommt es daher vor, dass die Biester einen in den Rücken fallen, da vermeintlich gesäuberte Rückzugspunkte bereits wieder bevölkert sind. Praktisch für alle Sammler: Auch Koffer, Kisten, Regale und Mülltonnen werden vom Spiel recht flott wieder aufgefüllt und man kann Moneten, allerlei Kleinkram für die Werkbank und zahlreiche Waffen ebenfalls wieder vorfinden. Apropos Zombies! Oft hört man rund um sich herum deren Gebrüll, Scharren und Schnaufen aufgrund der Dolby Digital Anlage, auftauchen tun sie aber gerne auch mal plötzlich aus dem Nichts, direkt vor der Nase. Ein purer Schock, ganz klar, geben die Entwickler einem ja nicht mal die Chance zu sehen, was gesehen werden will. In eine ähnliche Kategorie fallen Probleme mit den Videosequenzen. Bisweilen herrscht in den Gesprächen schon Friede, Freude und Kaffeekranz-Stimmung, während man im Hintergrund noch wildes Kampfgetümmel aus der vorangegangenen Schlacht wahrnimmt. Dies sind nur ausgewählte technische Fehler von unzählig vielen, welche uns aufgefallen sind, die aber wirklich zu vermeiden wären!
