Dass sich Indie-Titel trotz vermeintlich weniger Herstellungsaufwand millionenfach verkaufen können hat nicht zuletzt Minecraft bewiesen. Auch die 2011 veröffentlichte PC-Version von Terraria erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit. Jetzt hat es der Titel auf die Konsolen geschafft und kann - mit kleinen Abstrichen - ebenfalls mit Gamepad überzeugen.
Sich einfach mal austoben und machen was man will. Das wäre die einfachste Beschreibung des Action-Sandboxspiels Terraria, das gar nicht so einfach in eine Kategorie einzuordnen ist. Ähnlich wie das in der Einleitung angesprochene Minecraft startet der Spieler in einer unberührten Welt, in die er fortan immer tiefer eindringt – im wahrsten Sinne des Wortes. Mit Werkzeugen wie Spitzhacke und Hammer geht es darum, Blöcke aus Stein, Metalle oder Juwelen abzubauen, daraus neue Waffen und Rüstungen zu erschaffen. Nebenbei muss sich der Spieler um den Aufbau eines Hauses kümmern, Handel mit NPCs betreiben, sich gegen hunderten Gegnern zur Wehr setzen und craften, craften, craften. Damit die Motivation während der vielleicht hundertstündigen Reise nicht verloren geht, dürfen und müssen allerlei Bossmonster besiegt werden, da diese bei Ableben wertvolle und zum Weiterkommen benötigte Gegenstände verlieren.
Neu ist der Titel dabei nicht. Seit 2011 ist Terraria für den Computer erhältlich und wurde seitdem konsequent um viele neue Inhalte erweitert, bis Anfang dieses Jahres ein Ende der Arbeiten angekündigt worden ist (mittlerweile wurde der Plan wieder verworfen). Als fast gleichzeitig die Konsolenversion angekündigt wurde, gab es zunächst Ärger in der Fangemeinde. Weil die Entwicklung für das Gamepad nicht mehr von den ursprünglichen Machern getätigt worden ist und im Gegensatz zum PC-Terraria mit neuen (versprochenen) Updates aufwartet.
Funktioniert Terraria mit dem Gamepad?
Quelle: Head Up Games
Terraria für Playstation 3 im Test (2)
Bereits auf dem Computer war das Inventar- und Crafting-Menü von Terraria schon an der Grenze und es ist dem Spiel anzumerken, dass es ursprünglich nicht für diese Vielzahl an Items gedacht gewesen ist. Für die Konsolen hat sich 505 Games ein neues Menü aus verschiedenen Reitern ausgedacht, das an sich zwar durch Übersichtlichkeit glänzt. Das führt jedoch dazu, dass der Spieler ständig hin und her wechseln muss, was gerade in Kampfsituationen heikel wird, da das Spiel bei der Nutzung des Inventars nicht angehalten wird. Immerhin gibt es nun direkt ein Feedback, welche Zutaten für das jeweilige Item benötigt werden. Leider wird aber nicht gleich ersichtlich, wie viel von diesen Zutaten noch im Inventar zum Crafting zur Verfügung stehen.
Grundsätzlich funktioniert die Steuerung, weil sich die Entwickler ein nettes Feature haben einfallen lassen. So gibt es zwei verschiedene, ständig veränderliche Cursor-Varianten, die für verschiedene Zwecke eingesetzt werden sollen. Zum einen gibt es eine automatisierte Version, die für das schnelle Abbauen von Blöcken gedacht aber recht ungenau ist. Zum anderen kann wahlweise auf eine Art Maus-Zeiger geschaltet und das Spiel ähnlich gesteuert werden wie dies auf dem Rechner der Fall ist. Das klappt mit ein bisschen Gewöhnung im Großen und Ganzen recht gut.
Quelle: Head Up Games
Terraria für Playstation 3 im Test (4)
Etwas unglücklicher wurde die Schnellwahl-Belegung umgesetzt. Während auf dem Computer dank Tastatur viele Hotkeys zur Verfügung stehen, hat der Spieler die Möglichkeit, sämtliche benötigten Items mit einem Klick in die Hand zu nehmen. Nun stehen lediglich die vier Tasten des Steuerkreuzes parat, die sich mit beliebigen Gegenständen belegen lassen. Ärgerlich ist nur, dass die Auswahl aufgehoben wird, werden die Items verbraucht. Ebenso beim Verschieben des Items im Inventar geht die Belegung hin und wieder verloren. Wünschenswert wäre ebenfalls ein Pendant zum SHIFT-Key gewesen, dass je nach Situation die passende Aktion (Fackel anbringen, Block abbauen etc.) vorschlägt, wodurch einem viel Zeitaufwand erspart bleibt. Im Gegensatz zum Computer können die Items nicht direkt aus dem Inventar benutzt werden, sondern müssen in die oberen Slots gelegt werden. Gerade in Kämpfen ist das unglücklich gelöst, falls nur ein Trank genommen werden muss, dafür jedoch erst einmal die Items getauscht und anschließend wieder zurückgetauscht werden müssen.
Bleiben wir bei den Kämpfen, die sich an sich gut spielen und dank eingängiger Bewegungssteuerung immer fair bleiben. Nur bei den Fernkampfwaffen hapert es mit der Genauigkeit, auch weil die Steuerung von Pfeil und Bogen sehr umständlich gehalten ist. Klappt alles noch, falls sich der Spieler nicht bewegt. Aber muss er beispielsweise in Bosskämpfen zudem noch hin und wieder springen um diesen auszuweichen, kann man sich schnell mal den rechten Daumen brechen – oder sollte lieber doch bei den Schwertern bleiben.
Von der bereits erwähnten Steuerung abgesehen, bietet die Konsolen-Fassung von Terraria einige neue Inhalte im Gegensatz zur Computer-Pendant. So basiert das Spiel auf der Version 1.1.2, fügt aber vor allem im Endgame neue Gegner hinzu - allen voran der neue, finale Bossgegner Ocram. Damit einhergehend ist ein neuer Seelen-Typ anzutreffen, der zum Craften der drei neuen Rüstungen und Waffen benötigt werden. Neben 14 weiteren Gegnern sind zudem sechs Haustiere wie etwa einer Fledermaus oder einem zahmen Zombie dazugekommen, die jedoch hauptsächlich dekorativen Charakter aufweisen. Auf dem Computer haben lediglich Käufer der Special Edition (oder findige Internetnutzer) die Möglichkeit, ein Häschen hinter sich herlaufen zu lassen. Zudem bietet die Konsolenfassung endlich ein ordentliches Tutorial, das Neulingen das grundlegende system von Terraria nahebringt.
Ob sich Konsolenspieler gleichfalls über das kürzlich angekündigte PC-Update (samt einer großen Portion von neuen Inhalten) freuen dürfen, ist bisher nicht bekannt. Zwar wäre dies laut offiziellem Forum prinzipiell möglich, jedoch sollte auf Grund der verschiedenen Entwicklerteams nicht davon ausgegangen werden.
Gemeinsam gegen den Zerstörer
Quelle: Head Up Games
Terraria für Playstation 3 im Test (5)
Mit den Konsolenversionen hat im Übrigen der Vier-Spieler-Splitscreen Einzug in Terraria erhalten, sodass an einem Gerät mehrere Spieler ihr Unwesen treiben können. Ob sie sich dabei gegenseitig bekämpfen, um selbst an das beste Erz zu gelangen, oder im Team gespielt und ein Boss nach dem anderen besiegt wird, ist einzig und allein den Spielern überlassen. Der Eintritt mit weiteren Controllern ist jederzeit möglich.
Genauso gut funktioniert das mit bis zu sieben weiteren Mitspielern im Online-Modus. Statt der eigenen Offline-Welt (die jederzeit online gespielt werden kann), kann einfach einem Onlinespiel beigetreten werden und man gräbt sich fortan gemeinsam durch die Welt. Dabei müssen die Gamer nicht auf IP-Adressen wie auf dem Computer zurückgreifen, sondern kann sich über die Networking-Plattformen der PS3 und Xbox gleich einladen oder nach offenen Spielen suchen. Zwar macht das alleinige Erkunden der Spielwelt Spaß, jedoch entfaltet Terraria seinen wahren Charme erst im Zusammenspiel mit anderen Spielern.
Super Mario meets Minecraft
Grafisch ist das Spiel in einer hübschen, bunten und detailreichen 2D-Grafik gehalten, was sicherlich dem Faible von Erfinder Andrew ‚Redigit' Spinks für alte Nintendo-Games a la Super Mario geschuldet ist. Neben der Jump&Run-Steuerung zeugen gleichfalls Items wie beispielsweise der Klempner- (Mario) oder Helden-Anzug (Link) von dieser Vorliebe. Wer allerdings am liebsten in realitätsnahen dreidimensionalen Umgebungen sein Unwesen treibt, wird mit Terraria nicht allzu viel Spaß haben. Als kleine Wermutstropfen sind gelegentliche Ruckler zu nennen, die sich zwar nicht wirklich störend auf das Spielgeschehen auswirken, sich von Zeit zu Zeit aber durchaus bemerkbar machen.
In Sachen Ton hat sich nicht viel getan. Je nachdem in welchem Teil der Welt sich der Spieler befindet, läuft eine spezielle, langweilig dudelnde Hintergrundmusik, die keinen vom Hocker reißen wird. Die Soundeffekte machen da schon mehr her, sei dies durch sich nähernden Gegnern oder sonstigem. Letztendlich läuft – sofern sich nicht im Mehrspielermodus mit anderen unterhalten wird – oft eine anderweitige Soundquelle.
