The Walking Dead im Test: Das Hammer-Adventure 2012 gibt es endlich auch als Vollversion auf Disc
TestDas Adventure The Walking Dead von Telltale Games wurde zurecht von euch mit der silbernen Medaille des Game of the Year Awards ausgezeichnet und erhaschte neben der Würdigung zum besten Adventure 2012 noch einige andere Auszeichnungen in der Gamezone Community. Seit 10. Mai steht die komplette erste Staffel als Retailversion im Händlerregal. Grund genug für uns, euch nochmals diesen Titel ans Herz zu legen.
Videospiel-Liebhaber freuen sich darüber, diesen außergewöhnlichen Titel endlich auch ins Regal stellen zu können und damit die Entwickler und ihr Schaffen zu würdigen. Doch neben einer kurzen, farbigen Anleitung birgt diese Fassung herzlich wenig für all die Fans, die sich schon über die einzelnen Episoden im Download-Format hergemacht haben. Lang ersehnte deutsche Texte, Untertitel und Erfolge gibt es dank eines Updates nicht nur für Disc-Besitzer, sondern auch für die Download-Episoden. Wer aber bereits ein paar Episoden gekauft hat, zum Beispiel die erste aufgrund einer Aktion kostenlos erhaschen konnte, und einige weitere noch fehlen, kann seinen vorhandenen Spielstand auch mit der Retail-Fassung nutzen und das herzzerreißende Abenteuer um Lee Everett, dem Hauptcharakter endlich zu Ende bringen.
Quelle: Telltale Games
The Walking Dead im Test: Verdienter Gewinner eines Gamezone Game of the Year Awards 2012! (2)
Stellt euch aber die Frage, ob ihr wirklich wissen wollt, wie es mit dem verurteilten Mörder und der kleinen Clementine ausgehen wird. Denn die kommenden 8-10 Stunden sind nichts für schwache Nerven und für Leute, die sich besonders emotional in die hervorragend herausgearbeiteten Charaktere hinein versetzen können. Denn es wird bitter werden, egal wie sich das Spiel auch entwickeln mag! Telltale Games baut dank der rohen Gewalt, zerfetzten Leichen und einer allgegenwärtigen Zombiekalypse eine unglaublich knisternde, angespannte Atmosphäre auf und treibt die Charaktere wie auch den Spieler aufgrund haarsträubender Entscheidungen an den Rand des Wahnsinns. Das Adventure The Walking Dead überzeugt vor allem aufgrund der grandios erzählten Geschichte, die schockiert, die Haare zu Berge stehen lässt und uns nicht selten mit nagenden Gewissensbissen um den Schlaf bringt. Spättestens wenn die Entscheidung über Leben und Tod als Cliffhanger am Episodenende im Raum steht, kann man kein Auge mehr zumachen.
Spielerisch gibt sich The Walking Dead sehr einfach und möchte gleich gar nicht mit überflüssigen Rätseln und unnötigen Kombinationsmöglichkeiten den Spieler vom Wesentlichen ablenken. Oft sorgen perfekt inszenierte Schockmomente für Herzrasen, die mit Quick-Time-Events zu bewältigen sind, oder man darf aus der Ego-Perspektive mal Zoimbieköpfe platzen lassen. Zumeist werden aber einzelne Bereiche in bester, wenn auch vereinfachter, Point'n'Click Adventure Manier nach Beute ausgekundschaftet und hier und da mal ein paar Beweise gesammelt. Insgesamt geht es jedoch, wie auch in der Vorlage, eher um die zwischenmenschliche Beziehung zwischen unterschiedlichen Charakteren, die aufgrund der Umstände als Gruppe versuchen, zu überleben. Die zahlreichen Gespräche dienen einerseits dem Zweck, die Mitstreiter kennenzulernen, andererseits führt uns genau dieser Umstand zu späteren Zeitpunkten meist in ein äußerst unangenehmes Dilemma. Denn Telltale Games geht nicht gerade zimperlich mit den Überlebenden um und nicht selten stehen wir vor schwerwiegenden Entscheidungen, die eigentlich erst nach reiflicher Überlegung gefällt werden sollten, uns aber aufgrund eines Zeitlimits innerhalb von wenigen Sekunden abverlangt werden.
Quelle: Telltale Games
The Walking Dead im Test: Verdienter Gewinner eines Gamezone Game of the Year Awards 2012! (6)
Um die Tragweite derartiger Entscheidungen nur annähernd glaubwürdig an dieser Stelle niederschreiben zu können, müssten wir ganz ehrlich konkrete Beispiele aufführen – doch wollen wir keinem Spieler diese schockierenden Überraschungen vorweg nehmen! Eines ist aber vollkommen klar: Telltale Games erschafft eine unglaubliche Illusion einer Entscheidungsfreiheit, die mitunter unter die Haut geht und ganz gewaltig mit unserem Gewissen spielt. Es stellt sich immer und immer wieder die Frage: Was wäre wenn ich mich doch anders entschieden hätte? Genau diese Hinterfragung offenbart recht schnell einer der größten Kritikpunkte an The Walking Dead. Solange die Story einen mitreißen kann und die Entscheidungen und der daraus resultierenden Handlungsverlauf nicht hinterfragt wird, überzeugen die Charaktere und die Erzählung. Wehe dem, der sich mehr Gedanken dazu macht. Die Rahmenhandlung um Lee Everett und der kleinen Clementine ist nämlich gestrickt wie ein roter Faden und kann eigentlich nur kaum wirklich beeinflusst werden.
Trotz dieses Umstandes ein Lob an die Storyschreiber, die eine derart gelungene Illusion über die komplette Spielzeit hinweg aufrecht erhalten. Spielerisch ist der Titel eher schwachbrüstig. Nicht selten wird der blutüberlaufende Bildschirm uns daran erinnern, dass wir zu wenig Entscheidungsfähig waren oder es an der Reaktion in Extremsituationen mangelt. Wirklich schwer ist The Walking Dead deswegen aber nicht. Dennoch muss man auch hervorheben, dass Telltale Games zahlreiche Situationen im Spiel erschaffen hat, die ihresgleichen suchen. Zum Beispiel muss man beschwichtigende Konversationen führen und langsam auf einen Feind zugehen. Wehe, man rüttelt zu stark am Controller, schon klebt das Hirn unseres Freundes an unserem Hemd, da sein Kopf weg gepustet wurde. Spielerisch nicht aufwendig und sonderlich anspruchsvoll, aber psychisch ein absolut intensives Erlebnis. Diese Hochspannung kann The Walking Dead kontinuierlich aufrecht halten und es macht genau deshalb auch so viel Spaß.
Quelle: Telltale Games
The Walking Dead im Test: Verdienter Gewinner eines Gamezone Game of the Year Awards 2012! (7)
Die Comicgrafik kann keineswegs das Horrorszenario verharmlosen und trägt genauso gut zur Atmosphäre bei, wie die dezente musikalische Untermalung und die superbe englische Sprachausgabe. Die deutschen Übersetzungen sind soweit gelungen – sofern man diese wirklich braucht. Insgesamt ist der Titel aber auch nicht ganz fehlerfrei. Kleinere technische Probleme machen auf sich aufmerksam und ganz selten verläuft sich der Code irgendwie auch im Nirwana. Wir mussten einmal sogar eine komplette Szene neu starten und spielen, da plötzlich der Cursor fehlte und somit an ein Weiterkommen nicht mehr zu denken war. Zahlreiche kleine Dinge, über die man aber dank der tollen Atmosphäre hinweg sieht und die nur selten wirklich ärgerlich und frustrierend sind.
