Gamezone-Autor Sandro will Metro geil finden. Er mag das Studio, er mag das Setting, er mag die Idee. Aber sein Kopf sagt nein. Metro: Last Light lässt ihn vollkommen kalt. Weshalb ihn das Spiel, das er selbst in der Vorschau als Atmosphäre-Hit angekündigt hat, so gar nicht berührt, erfahrt ihr in unserem kontroversen Test!
Hinweis: Alle Screenshots stammen aus der technisch deutlich stärkeren PC-Fassung.
Als ich das erste Mal ein Level von Metro: Last Light spielen durfte, war ich geflasht von dem hohen Detailgrad. Als THQ ins Wanken kam und Koch Media das Ruder übernommen hat, war ich zumindest nicht beunruhigt. Als ich von den Schwierigkeiten bei der Entwicklung gehört habe, galt all mein Respekt 4A Games. Das Team aus Kiew hat anscheinend alles für Last Light gegeben und kassiert dafür anständige Wertungen, dachte ich. Ich wollte Metro: Last Light wirklich lieben. Aber jetzt hab ich es gespielt und es lässt mich total kalt.
Die U-Bahn, unser neues Zuhause
Quelle: PC Games
Metro: Last Light im Test: Der Shooter lässt uns kalt (1)
Zuerst zu den Basics: Nach einem Atomkrieg überleben nur noch vereinzelt Menschen in speziellen Bunkern. In Moskau beispielsweise im Metrosystem, das tief genug unter der Erde verbuddelt ist, um der Strahlung auf der Oberfläche zu entgehen. Am Ende der Zivilisation verabschiedet man sich aber auch von jeglicher Gesellschaftsordnung. Faschisten, Kommunisten und Hanse bilden ihre eigenen Regierungsgebiete im U-Bahnnetzwerk, es herrscht zusätzlich Krieg mit Plündrern und Mutanten. Die Welt wie wir sie kennen ist vorüber, es herrscht das Recht des Stärkeren. Mitten drin: Artjom, der Charakter, den wir auch aus Metro 2033 schon kennen.
Last Light setzt genau da an, wo Metro 2033 aufgehört haben könnte. Denn damals gab es zwei Enden. Vorausgesetzt wird aber die, nennen wir es, böse Version. Genau deswegen plagen Artjom auch immer wieder Albträume und Flashbacks. Er hat eine Schuld auf sich genommen, die ihn den Rest seines Lebens verfolgen soll. Soweit, so gut. Was in den kommenden Stunden folgt, kann zwar atmosphärisch gefallen, inhaltlich und spielmechanisch bleibt last Light aber auf halber Strecke liegen.
Bevor es ans Meckern geht, die guten Dinge: Von der Atmosphäre ist Metro: Last Light ein Knüller. Egal ob ich durch U-Bahn-Tunnels und Stationen schleiche oder die versuchte Oberfläche erkunde, stets habe ich das Gefühl, dass mehr hinter dieser Welt steckt. Der Wechsel zwischen den düsteren Tunnelabschnitten, den farbenfrohen Stationen und der abweisenden Oberfläche ist toll gelungen und im Bolschoi Theater verbringe ich tatsächlich viel Zeit, um allen Gesprächen zu lauschen und Shows von halbnackten Damen zu sehen. An diesen Stellen zieht Metro den Spieler in seinen Bann. Aus dem Vorgänger haben die Macher vor allem gelernt, dass immer gleich aussehende, düstere Gänge mit der Zeit nerven. Deshalb gefällt mir vor allem die Abwechslung. Aus dem Tunnel geht es in ein Faschisten-KZ, dann an die Oberfläche, zurück in das Kanalisationssystem, zu Kommunisten, Orden und zu den prächtigen neutralen U-Bahn-Haltestellen dazwischen, die in Metro den bewohnten Lebensraum darstellen.
Besonders gelobt wird Metro: Last Light wegen seiner tollen Geschichte. Das kann ich nachvollziehen. So manche Wendung trifft einen hart und die Flashbacks stellen immer eine Verbindung mit Artjoms Vergangenheit und Teil 1 der Serie her.
Warum es mich trotzdem kalt lässt
Quelle: PC Games
Metro: Last Light im Test: Der Shooter lässt uns kalt (6)
Klingt nach hervorragenden Zutaten für einen erstklassigen Atmo-Hit. Aber hier enttäuscht der Titel von 4A Games. Die spannende Geschichte ist aufgedröselt in viele kleine, "lose" aneinander getackerte Missionen. Hat man eine vollendet, gibt es einen Ladescreen und Artjoms Gedanken zum Geschehen. Diese Zerhackstückelung tötet aber total den Erzählfluss! Denn Zwischensequenzen, die die Handlung vorantreiben, gibt es an diesen Nahtstellen nicht. Was Metro: last Light fehlt, ist die monumentale Inszenierung, die es verdient hat. Was Call of Duty mit seiner dummen, immer gleichen Terroristenhandlung macht, hätte 4A Games auch machen müssen – ein intensives Gesamtkunstwerk, das ich verschlingen kann. So aber lade ich alle 30 Minuten einen Level, erfahre von einer gekünstelt russischen Stimme, was in der Zwischenzeit passiert, aber sehe nur den langweiligen Metro-Plan von Moskau.
Bei der Spielmechanik wird das Eis auch dünn. Ein bisschen schleichen, ein bisschen ballern, hier können sich die Macher nicht entscheiden. Für einen Schleich-Shooter ist Artjom zu ungelenkig, für einen brachialen Shooter zu schleichlastig. Solche Passagen machen zwar zu Beginn der Kampagne noch Spaß, aber spätestens nach der vierten Situation, in der sich wie durch Zauberhand ein dunkler Weg vorbei an allen Wachen auftut, ärgere ich mich. Schleichen schön und gut. Aber so offensichtlich wie Metro einem die zwei Pfade vorschreibt, habe ich nicht das Gefühl, noch Kontrolle über meinen Charakter zu haben. Ich kann lediglich wählen, ob ich mich in ein offenes Gefecht begebe oder Feinde mit dem Messer aus den Schatten kaltmache.
Sonderlich schlau agieren die Feinde übrigens eh nicht. Selbst auf den höheren Schwierigkeitsgraden passiert es immer wieder, dass Gegner einfach an einem Rohr hängen bleiben oder sich im Kreis drehen. An anderer Stelle können sie mich hingegen durch die Wand sehen, treffen mich aber nicht, weil sie eben noch vor genau dieser stehen. Am Ende bleibt bei mir vor allem ein Gedanke hängen: Das war ja easy. Selbst der Ranger-Modus, den es übrigens dreisterweise nur für Käufer der ersten Charge kostenlos gibt, spielt sich relativ einfach. Alle anderen müssen für den Spielmodus bezahlen.
