Mit der Uncharted-Serie erschufen die Entwickler des ausschließlich für Sony entwickelnden Studios Naughty Dog eine neue Referenz in Sachen Action Adventure. Flapsige Sprüche, coole Charaktere, abenteuerliche Szenerien und eine etwas rabiate Mischung aus Klettereinlagen und hemmungslosen Schusswechseln sind hier Programm. Doch Naughty Dog kann anscheinend auch anders! Mit "Last of Us" wagt sich das Studio in bisher unbekannte Gefilde vor und versucht dabei, die Geschichte eines vom Leben gezeichneten Mannes und einer 14-jährigen Waisen in einer von der grassierenden Pandemie gebeutelten Welt zu inszenieren. "Last of Us" ist Naughty Dogs "Last Hurray" für die PS3 und sorgt für einen Urknall.
Die Hoffnung heißt Ellie
"It's the end of the world as we know it" , so der Text eines Songs der amerikanischen Rockband REM. Ein bisschen Cheesy? Vielleicht, doch genau dieser Satz beschreibt die Grundstimmung von "Last of Us" auf die grundlegendste aller Weisen. Die Welt im Jahre 2033 ist ein grauenvolles Abziehbild unserer Realität. Beinahe komplett ausgerottet von einem parasitären Pilz findet sich die noch nicht mutierte Menschheit in speziell errichteten Zonen wieder. Regierungsmechanismen und Machtspielereien dank Geld und/oder Einfluss sind Institutionen vergangener Tage. Aufgrund stark rationierter Lebensmittelversorgung durch die Regierung und dem als verlängerter nervös-paranoider Arm fungierenden Militärs werden die Überlebenden erfinderisch. Essensmarken werden alsbald als Zahlungsmittel akzeptiert und es bildet sich eine eigene, neue Hierarchie unter der Normalbevölkerung. Jobs am Rande der aktuell geltenden Gesetze, vor allem zwischen den Sicherheitszonen, sichern auch dem Texaner Joel sein täglich Brot.
Quelle: Sony
The Last of Us (11)
Zusammen mit seiner Partnerin Tess wird gegen Bezahlung dank einiger Schlupflöcher munter zwischen Zonen geschmuggelt was der Markt und Auftraggeber verlangt. Der Auftrag, der den Spieler ans Pad ruft, ist eine große Waffenlieferung, welche allerdings von den Fireflies, einer im Untergrund agierenden Freiheitsgruppierung, abgefangen und einbehalten wird. Um doch noch an ihre Schießprügel zu kommen, lässt sich das Schmuggler-Pärchen von einer Firefly-Aktivistin zu einem Deal überreden. An diesem Punkt bekommt Joel Ellie, die zweite Protagonistin in "Last of Us", erstmalig zu Gesicht. Die Aufgabe scheint simpel: Schmuggeln die beiden Ellie in das Firefly-Hauptquartier, bekommen sie ihre Waffen wieder. Dabei wissen beide jedoch zunächst nicht, dass dem kleinen Mädchen mit den braunen Haaren und den grünen Augen die Hoffnung der Menschheit auf den Schultern lastet.
Eine gefährliche Reise
Quelle: Sony
The Last of Us (14)
Das Erlebnis "Last of Us" startet in Boston und führt uns durch die Ruinen amerikanischer Infrastruktur. In den Trümmern der Monumente menschlicher Baukunst und den Überresten längst vergangener Zivilisation hat sich die Natur ihren Lebensraum in erschreckend weiten Teilen zurückerobert. Hier, in der ungeschützten Stadt-Wildnis, gelten andere und nicht gerade gemütlichere Regeln. Vorrangig sind selbstredend die Infizierten die größte Gefahr für Joel und Ellie. Dabei ist die zeitliche Komponente des Erstkontakts mit dem Pilz ausschlaggebend für das Gegnerdesign. Frisch infizierte Menschen werden zu sogenannten Runnern. Vom Blutdurst getrieben werden sie zu instinktgesteuerten Kreaturen die sich auf alles und jeden stürzen der es wagt ihren Weg zu kreuzen. Da der Pilz jedoch noch frisch verpflanzt ist, sind die Kraftverhältnisse der Runner noch auf dem Niveau vor der Infizierung. Anders gestaltet sich ein Aufeinandertreffen mit den sogenannten Clickern. Diese schon eine ganze Ecke länger infizierten Kreaturen haben nur noch die menschliche Silhouette mit ihrem Wirt gemein. Zwar sind die Clicker wesentlich stärker als Runner, können sich dafür aber lediglich auf ihr Gehör verlassen, da der Pilz die Augen bereits überwuchert hat. Echolot sei Dank, wird jeder etwas lautere Schritt in der Umgebung in sofortiges Jagdverhalten umgesetzt.
Doch der Pilz und seine menschlichen Diener sind bei weitem nicht die einzige Herausforderung. Plünderer, die inoffiziellen Herrscher der zerstörten Welt außerhalb der Quarantänezonen, wollen ebenfalls keine Beute mit Fremden teilen. Gut bewaffnet, zahlenmäßig niemals unterlegen und gut organisiert sind diese Gesellen keineswegs eine angenehme Abwechslung zum Mutantenkampf. "Last of Us" lässt dabei den Spieler vor jeder Konfrontation jede Menge taktischer Manöver durchdenken, bevor die bevorstehende Hürde in Angriff genommen wird, was so manchen Bildschirmtod jedoch meist auch nicht verhindern kann. Auf die etwa 12 Stunden lange Spielzeit erstreckt sich ein insgesamt angenehm variantenreicher und stets offener Wechsel zwischen lautlosem Vorgehen und notgedrungenem Schusswechsel, der einen in jeder Situation aufs neue abholt und in der Herangehensweise variieren lässt.
Quelle: Sony
The Last of Us (10)
Die Handhabe trägt die typische Handschrift der Uncharted-Entwickler, wobei dieser der neue Schleich-Aspekt deutlich mehr tiefe verleiht. Hinzu kommen neue Spielelemente, wie beispielsweise die Fähigkeit Joels feindliche Gestalten in näherer Umgebung beinahe übersinnlich auch durch Wände lokalisieren zu können. Viel interessanter ist jedoch, dass das Spiel vollkommen ohne Spielunterbrechungen auskommt. Der Wechsel zwischen Waffen sowie Gegenständen, sprich der Griff in den Rucksack, geschieht in Echtzeit, was das Spielgeschehen vor allem im Detail noch authentischer macht.
Vorwärts mit allen Mitteln
Wo es Plünderer gibt, ist meist auch etwas zu holen. Im Kampf ums nackte Überleben lässt uns Naughty Dog vom ehemaligen Schatzsucher von damals zum Krimskrams-Plünderer von heute werden, denn in "Last of Us" entsteht die Basis für das Überleben in Eigenregie. Aus Alltagsgegenständen wie Scheren, Tüchern, Alkohol, Klebeband und ähnlichen Gegenständen baut Joel in der mobilen Werkbank, seinem Rucksack, neue Messer, Medikits, Bomben und Molotov-Cocktails. Neben den Waffen aus eigener Hand findet Joel unterwegs auch die eine oder andere Schusswaffe, welche natürlich auch gleich im Rucksack landet. Die anfängliche Munitionsknappheit weicht daher mit der Zeit etwas in den Hintergrund, was wir aber eher nachvollziehbar als unrealistisch finden. Denn wer würde sich in einer solchen Ausnahmesituation nicht mit allem bewaffnen, was er zwischen die Finger bekommt?
Quelle: Sony
The Last of Us (15)
Werden unterwegs Zahnräder aufgesammelt, können diese vom Texaner an Werkbänken in verlassenen Garagen in Waffen-Upgrades umgewandelt werden, die das jeweilige Magazin vergrößern, die Nachladezeit verkürzen, oder beispielsweise den Rückschlag mindern. Mit gefundenen Pillen oder auch Pflanzen verbessert Joel seine eigenen Fähigkeiten rund um Gesundheit oder auch Zielgenauigkeit. All diese Gegenstände machen den Alltag 2033 wesentlich einfacher, wachsen aber natürlich nicht auf Bäumen und wollen durch mutiges und gründliches Absuchen der Umgebung entdeckt werden – die eine oder andere Begegnung inklusive. Dabei lockt die Level-Architektur des zerstörten Amerika mit einer bedrückenden Schönheit in jede noch so dunkle Ecke. Der Mix aus wilder Flora, großen Beton-Massen, zerfetzten Holzhäusern und komplettem Chaos ist zwar nicht der erste seiner Zunft, jedoch wohl einer der wenigen mit jeder Menge optischem Charakter.
