Zombies bedeuten derzeit einen sicheren Kassenschlager, manchmal berechtigt (The Walking Dead Adventure), bisweilen aber auch völlig uninspiriert und langweilig (Zombie-Apokalypse im Urlaubsparadies). Doch was uns Undead Labs mit State of Decay für kleines Geld als Download bietet, ist überraschend anders ... und auch noch gut!
'Nicht noch ein Zombie-Abenteuer' manifestierte sich in meinem Kopf, nachdem das hirnlose Volk mittlerweile aus allen Ecken und Ende heraus gekrochen kommt und stets ein pausenloser Überlebenskampf angesagt ist. Wer nur einen flüchtigen Blick auf State of Decay wirft, wird mit Sicherheit die Euphorie um diesen Titel nicht ganz nachvollziehen können. Ein wirklich positives Gefühl wollte sich auch bei mir erst nach einigen Spielstunden einstellen, als Gevatter Tod bereits mehrfach die Sense geschwungen hatte und der Überlebenskampf in diesem eigentlich sehr idyllischen Landstrich immer heikler wurde. Auf Technik darf definitiv kein Wert gelegt werden. Bisweilen herrscht gar eine biedere Optik, obwohl sich die Entwickler mit zahlreichen Details wirklich viel Mühe gegeben haben und die Gemeinden im Herzen der US-Südstaaten herzlich einladend wirken. Hinzu kommt das Gefühl der Machtlosigkeit, da zu Beginn weder die Waffen ausreichen, noch das Handling wirklich perfekt gelungen ist. Das Miteinander mit den zahlreichen Überlebenden, deren nervtötenden Probleme und der ganz übliche Alltagswahnsinn lastet ebenfalls ungemein hindern auf den Schultern und trübt den spielerischen Fluss.
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Es dauert, bis man sich einfindet und die offene Welt im Stil eines GTA-Abenteuers wirklich genießen kann. Ausgehend von einer Heimatbasis gilt es Tante Emma Läden, Tankstellen, Garagen – einfach sämtliche Gebäude und Häuser – ab zu klappern, um den täglich benötigten Vorrat an Nahrungsmitteln und Medizin der kleinen Truppe an Überlebenden aufrecht zu halten und einerseits nach weiteren Menschen, aber auch Hinweisen bezüglich der Apokalypse zu suchen. Die Story ist simpel und dient wirklich nur als Gerüst, um Titelheld Marcus (der durchaus innerhalb des Abenteuers sein endgültiges Ende finden kann) durch das schaurige Abenteuer zu führen. Begibt man sich außerhalb der Schutzmauern der Basis, lauert überall die Gefahr durch verschiedenartige Hirnfresser. Diese können sehr leicht ausgetrickst werden, zum Beispiel schleicht man sich durch das Buschwerk oder erregt mit Lärm bzw. Fackel die Aufmerksamkeit der Meute. Nur Vorsicht ist geboten. Denn entdecken diese Biester einen bei der Erkundung der Häuser, da man zu laut die Türe aufbricht oder zu viel Lärm beim Wühlen in den Schränken verursacht, stürmen diese Veranden, klettern durch Fenster oder hetzen gleich eine ganze Truppe verfaulter Schläger auf den Spieler.
In diesem Fall bleibt nur noch der Kampf, wobei die Steuerung doch etwas präziser und intuitiver hätte sein dürfen. Vom Tischbein, über Baseballschläger und Schraubenschlüssel, bis hin zu diversen Schusswaffen kann vieles, wenn auch nicht derart abwechslungsreich wie bei Capcoms Zombie-Interpretationen, eingesetzt werden, um den verfaulten Kreaturen den letzten Lebenswillen auszuhauchen. Nur ist sowohl der Vorrat sowie der Rucksack, sprich das eigene Inventar, stark begrenzt. Darüber hinaus nutzen sich die Waffen extrem schnell ab oder die Munition geht aus. Beschädigte Argumentationsverstärker können in der Werkstatt der Heimatbasis noch repariert werden, dazu muss man sich aber erst einmal dorthin begeben und ausruhen – ein weiterer Faktor der in State of Decay groß geschrieben wird, aber zu Beginn ziemlich nervtötend sein kann. Die spielbaren Charaktere können nicht tagein tagaus auf den Beinen sein. Müdigkeit setzt ein, was sich auf die Moral, aber auch physischen Fähigkeiten auswirkt. Spätestens wenn Ohnmacht und somit unmittelbar der Tod droht, sollte man sich mit einem anderen Überlebenden abwechseln. Außerdem geht man nur Schritt für Schritt voran, erkundet die Gegend, nimmt alles mit was geht und ist relativ schnell wieder in der Heimatbasis.
Quelle: Undead Labs
Diese stellt nicht nur ein Rückzugsort dar, in dem keine Gefahr vor den wandelnden Leichen droht und immer wieder ein Plausch geführt wird, es ist darüber hinaus eine lebenswichtige Zentrale, die im Verlaufe des Abenteuers kontinuierlich gepflegt werden will. Die Bewohner benötigen tägliche Rationen, die man aus den verlassenen Häuser der Umgebungen beschaffen muss und umso größer die Gemeinde wird, umso mehr muss man sich um den Ausbau der Basis kümmern. Nötige Moral, Ressourcen und andere Dinge vorausgesetzt, kann so die Werkstatt aufgerüstet, neue Betten aufgestellt oder das Labor verbessert werden. All das erhöht die Überlebenschancen in einer schier aussichtslosen Welt, da man mehr Überlebende unterbringen kann und die eigenen Fähigkeiten verbessert werden.
Darüber hinaus muss an Freundschaften und der allgemeinen Moral der kleinen Überlebensgruppe gefeilt werden. Kommt jemand aufgrund unseres Versagens bei einem Einsatz ums Leben oder wir versauen es, weitere Überlebende heil in die Basis zu bringen, so wird dies nicht völlig kommentar- und emotionslos von den anderen hingenommen. Retten wir dagegen weitere Personen oder helfen einigen Leuten über alltägliche Krisen hinweg, steigt die allgemeine Moral. Ein solch kunterbunter Haufen vom Priester über einfache Arbeiter bis hin zu Schlipsträger gerät, eingepfercht in einem relativ kleinen Gebiet, auch nicht selten aneinander und dann gilt es auch flott zu handeln. Über Funk werden wir stets auf dem Laufenden gehalten und sollte es mal brennen, gilt es schleunigst den Zwist zu lösen, die Leute aufzumuntern oder – im Falle von Verletzungen oder ähnlichem – einfach auch spezielle Hilfsmittel zu besorgen. Die Kollegen am Funkgerät können auch stets dafür sorgen, dass neue Ressourcen oder Überlebende gefunden werden, das braucht nur Zeit, die im Gegensatz zum vorhandenen Tag & Nachtzyklus in Echtzeit abläuft.
Quelle: Undead Labs
Wie man nach einigen Stunden letztendlich feststellt, ist State of Decay kein gewöhnliches Grand Theft Auto mit purem Action-Anteil, sondern eine sehr klug durchdachte Überlebenssimulation. Undead Lab hat es geschafft, aus einem simplen Open-World Abenteuer ein anspruchsvolles Erlebnis zu machen, wo es zwar auch auf Kampftechnik ankommt, der Erkundungsdrang und das Überleben aber an oberster Stelle steht. Das hebt diesen Titel vom Einheitsbrei ab und spätestens wenn man sich auf genau diese Elemente einlässt, kann man den Controller kaum mehr auf die Seite legen, trotz zahlreicher kleiner Mängel und bisweilen auch verwunderlichen Widersprüchen.
Es mangelt u.a. beständig an Werkzeugen, Nahrung und Waffen. Nur zu doof, dass innerhalb der Häuser oft ganze Regale mit Konserven und Flaschen überfüllt sind und selbst im Kampf, nachdem die Waffe zu Bruch ging, herumliegende Bretter, Hämmer und andere Dinge nicht direkt aufgelesen werden können. Dazu muss erst eine Truhe oder ein Rucksack gefunden werden. Auch lächerlich dass es an allem mangelt, die meist schwammig zu steuernden Fahrzeuge aber beständig runderneuert werden und immer vollgetankt zu sein scheinen. Dies alles wirkt geradezu wie ein Stilbruch gegenüber dem eigentlichen Gameplay. Technisch fällt die unhandliche Menüführung im Tagebuch sowie ein sehr knapp bemessenes Tutorial auf, so dass Anfänger zunächst völlig erschlagen von einer Quest zur nächsten hetzen, ohne aber die Mechaniken vor allem bezüglich der Basiswartung zu durchschauen. Ärgerlich ist aber vor allem, dass es zahlreiche kleine Bugs gibt, die einem mitunter auch das Leben schwer machen können. Vermeintlich gesäuberte Gebäude werden zum Beispiel von Zombies heim gesucht, weil diese nicht etwa durch die Türen oder Fenster klettern, sondern einfach durch den Boden oder die Wand watscheln. Doch selbst das extreme Tearing kann letzetndlich den allgemeinen Gesamteindruck zu State of Decay nur marginal schwächen, so dass unterm Strich ein wirklich gelungenes Abenteuer auf die Beine gestellt wurde.
