Wir haben uns mit Wolverine: Weg des Kriegers den mittlerweile sechsten Kinofilm der X-Men-Saga angesehen und sind überrascht, wie tief die Geschichte schürft. Innere Zerissenheit, Tod, Liebe, Versagen - solche Themen spricht Wolverine an. Wie sich Hugh Jackman als Krallenmensch schlägt, erfahrt ihr in unserer Filmkritik.
Wolverine ist depressiv. Nachdem er Jean, die Liebe seines Lebens, in Teil 3 der X-Men Saga töten musste, ist er überzeugt, dass ein Leben als Einzelgänger besser für ihn ist. So verletzt er niemanden, so verletzt ihn niemand. Ihn, den Unverletzlichen. Er will kein Soldat mehr sein, kein Kämpfer. Gerechtigkeit bedeutet ihm nichts mehr. Er lebt zurückgezogen und einsam in den Bergen, wandert nur in ein Dorf, um sich dort mit Batterien und Whiskey zu versorgen. Doch dann holt ihn die Vergangenheit ein: Ein alter Freund, dem er im Zweiten Weltkrieg das Leben gerettet hat, liegt in Japan im Sterben. Er will sich von Wolverine verabschieden, mit einem Geschenk: Der Sterblichkeit!
Quelle: 20th Century Fox
Wolverine: Weg des Kriegers in der Filmkritik (2)
Fasziniert von der Idee der Erlösung folgt Logan (Hugh Jackman) dem Ruf und reist mit der taffen Yukio (Rila Fukushima) nach Japan und stellt sich diesem Abenteuer. Tatsächlich ist er kurze Zeit fasziniert von den Gebräuchen und dem Ehrenkodex, nach denen sein alter Freund lebt. Doch die Freude ist nicht von Dauer: Anscheinend trachtet jemand nach Marikos (Tao Okamoto) Leben. Logan empfindet etwas für sie, hat aber auch Angst, genauso verletzt zu werden wie von Jean. Aber er rafft sich zusammen und kämpft. Doch die Verwandlung ist da bereits abgeschlossen: Logans Heilfähigkeiten schwinden! Er ist nicht mehr unsterblich. Gerade in dem Moment, in dem wieder Mut zum Leben findet, steht es auf Messers Schneide – eine Charaktertiefe, die Wolverine nun erst im sechsten Film erreicht.
Natürlich kommt in Logans zweiten Spin-Off Abenteuer Action nicht zu kurz. Yakuza, Ninjas, prollige Bärenjäger machen ihm zu schaffen. Und außerdem erwarten ihn zwei ganz spezielle Mutanten in Japan: Viper, hinterlistig bis bitchig gespielt von Svetlana Khodchenkova, und der mysteriöse Silver Samurai. Ihn zu bekämpfen stellt für Logan eine Herausforderung dar, denn mit der Unsterblichkeit ist es anscheinend vorüber.
Spannende Kämpfe, weil das Superhelden-Kostüm wegfällt
Quelle: 20th Century Fox
Wolverine: Weg des Kriegers in der Filmkritik (6)
Das langweilige an Superhelden-Geschichten ist die Unsterblichkeit ihrer Hauptcharaktere. Superman hat deshalb von seinen Machern Kryptonit verschrieben bekommen, denn ein Held, der nicht auch mal in Gefahr gerät ist kein Held, sondern nur ein Angeber. Im ersten Wolverine-Film haben die Macher sich so auf eine actiongeladene Rachestory konzentriert, dass dieser Aspekt irgendwie in Vergessenheit geriet. X-Men Origins: Wolverine war zwar vollgepackt mit tollen Szenen aber komplett spannungsbefreit weil man wusste: "Nichts kann diesem Mann etwas anhaben."
In Wege des Kriegers ist das anders. Weil Logans Unsterblichkeit schwindet, werden auch die Actionszenen viel intensiver. Der Zuschauer fiebert mit, weil es endlich wieder mal etwas zum Fiebern gibt.
Quelle: 20th Century Fox
Wolverine: Weg des Kriegers in der Filmkritik (10)
Außerdem bringt der erfrischende Schwenk nach Japan ein wenig Dynamik in die sonst starre Welt der X-Men. Bisher spielten die meisten Filme fast ausschließlich in Amerika. Weg des Kriegers entstand aber zum Großteil im fernöstlichen Japan. Die rasanten Actionszenen bei einer traditionell-japanischen Beerdigung oder in einem Bullet-Train harmonieren ganz wunderbar mit den hellen, leuchtenden Szenen auf dem beschaulichen Land nahe Osaka, die Abwechslung tut auch dem Storytelling gut.
Manch ein Charakter kommt trotzdem viel zu kurz, etwa der "End-Gegner". Sein Auftritt ist mindestens eine genauso große Personal-Vergeudung wie Deadpools stummer Einsatz im Vorgängerfilm. Dafür entschädigt am Ende aber ein kurzer Epilog, der ankündigt, was Marvel-Fans eh schon wissen: Ein neuer X-Men-Film ist in der Mache, der den Storystrang der modernen X-Men mit der First Class verbindet. Im Kino also unbedingt sitzen bleiben!
