Pikmin 3 hätte schon zum Launch der Wii erscheinen sollen, wurde aber verschoben. Nun ist der Mix aus Strategie und Taktik-Spiel endlich da und beweist, was für ein Potential in der Wii U steckt. Aber ist Pikmin 3 wirklich der Systemseller, den Nintendo sich erhofft? Wir beantworten diese Frage in unserem Test.
Bislang tut sich die Wii U schwer damit, ihr volles Potential zu zeigen. Dabei hätte ein Titel von Anfang an vorführen sollen, was die Konsole kann: Pikmin 3. Doch der Launchtitel wurde mehrmals verschoben und ist nun erst im Sommer 2013 erschienen. Neun Monate, in denen der Wii U neben ZombiU einfach ein anständiger Exklusiv-Titel fehlte.
Jetzt ist er da und beweist vor allem eins: Die Wii Fernbedienung ist noch lange nicht tot. Natürlich unterstützt Pikmin 3 das Gamepad und auch den Pro-Controller… Doch wer erfolgreich und präzise zielen möchte, greift lieber zu Wii Remote und Nunchuk. Nur mit der Fernbedienung kann man frei auf der kompletten Karte zielen, mit den Joysticks des Gamepads und des Controllers geht das nicht so leicht von der Hand. Bei ihnen fungiert derselbe Stick als Zieleingabe und Bewegungstick gleichzeitig. Das ist kompliziert und macht eigentlich wenig Sinn.
Die Astronauten von Koppai
Quelle: miiverse.nintendo.net
Pikmin 3 im Test (2)
Die Hintergrundgeschichte wird in einer hübschen Videosequenz mit englischem Ton und deutschen Untertiteln erzählt: Auf dem Planeten Koppai, wo die Bewohner nur Früchte essen, geht die Nahrung aus. Um nicht auf Gemüse (pfui!) umsteigen zu müssen, schicken die Bewohner eine Weltraum-Mission los. Alph, Brittany und Captain Charlie sollen auf einem fremden Planeten Essbares suchen. Doch sie stürzen ab, werden getrennt und verlieren auch noch ihren "Hyperraumschlüssel". Ohne ihn können sie nicht nach Hause reisen. Naja, wenigstens haben sie auf der Suche Zeit, allerlei unterschiedliche Fruchtsorten einzusammeln, zu Saft zu verarbeiten und im Lagerraum des Raumschiffs Drake verschwinden zu lassen. Am Ende wollen sie all den Kram mitnehmen, um ihren Planeten zu retten.
Bis es soweit ist, erhalten die jungen Weltraumpioniere Hilfe von zutraulichen Bewohnern des Planeten. Sie heißen Pikmin und haben, je nach Farbe, unterschiedliche Fähigkeiten. Die roten sind gute Kämpfer und feuerfest, die gelben stromresistent, die schwarzen steinhart. Rosa Pikmin können schweben, blaue ins Wasser. Mit diesem Mix verschiedener Einheiten löst der Spieler dann allerlei Rätsel – und die haben es teilweise richtig in sich. Manche Früchte hängen an Bäumen und müssen über Hebelvorrichtungen geborgen werden. Wer die kleinen Pflanzen falsch dirigiert, muss manchmal richtig weite Wegstrecken zurücklegen, um sie wieder zur Gruppe zu holen. Denn Pikmin gehorchen unseren drei Charakteren nur, wenn sie vorher gerufen wurden. Frei herumstehende Pikmin kann man deshalb nicht kommandieren. Diese passive Steuerung macht den Reiz des Strategiespiels aus.
Sammelwut mit Zeitlimit
Quelle: miiverse.nintendo.net
Pikmin 3 im Test (3)
Richtig komplex wird Pikmin 3 aber erst durch sein Zeitlimit. Weil unsere Astronauten und die Pikmin nachts von wilden Monstern gefressen werden, fliegen sie jeden Abend bei Sonnenuntergang mit der kleinen Raumkapsel in einen niedrigen Orbit. Alle Pikmin, die man bis dahin nicht rettet, gehen verloren: Sie werden von den teilweise riesigen wilden Bewohnern des Planeten getötet. Die zeitliche Komponente macht Pikmin 3 spannend, denn auf den ausufernden und oft verzweigten Karten muss man sich oft entscheiden, ob man noch versucht Beute abzutransportieren oder ob an seine Gehilfen lieber noch in Sicherheit bringt. Die süße Optik des Taktikspiels macht es einem jedenfalls nicht leicht, die Pikmin grundlos zu opfern. Wie ein kleiner Ameisenhaufen wuseln die bis zu 100 Kreaturen um uns herum und steigen mit der Zeit auch im Erfahrungswert auf. Dadurch werden sie schneller – sie zu verlieren tut also wirklich ein bisschen weh.
Doch zu vorsichtig muss man mit ihnen nicht umgehen. Wer auf Resistenzen achtet und den Einheitenmix voll ausspielt, kann ruhig Pikmin in den Kampf schicken. Wenn sie draufgehen, schlüpfen weitere aus einer Zwiebel nach. Und auch um die Beute muss man sich keine Sorgen machen. Am nächsten Tag kann man sein Raumschiff wieder in demselben Gebiet landen und die Aufgabe fertig bringen. Das bringt zwar auch etwas Backtracking mit sich. Aber in den meisten Fällen, gerade zu Beginn des Spiels, wird das noch mit neuen Einheitentypen und Fähigkeiten ausgeglichen. Durch verschiedene neue Pikmin und Items können unsere drei Astronauten dann vorher verschlossene Teile der Karte erkunden. Weil man Pikmin 3 dadurch in seinem eigenen Tempo spielen, macht das richtig Spaß!
Nachteil: Die Steuerung
Quelle: Nintendo
Pikmin 3 im Test (10)
Grafisch ist Pikmin 3 ein kunterbunter Abenteuerspielplatz. Die Wii U löst das Geschehen zwar nur in 720p auf, trotzdem begeistern uns die hübschen und abwechslungsreichen Level jedes Mal aufs Neue. Die Welt, die so viel größer ist als unsere Raumfahrer, ist ein spannendes Terrain, das theoretische Erden-Gegenstände und –Lebewesen mit außerirdischen Einflüssen vermischt. Das wirkt stimmig.
Nur bei der Steuerung greift Nintendo daneben: Mit Gamepad und Pro Controller steuert man mit dem linken Stick Bewegung und Zielfadenkreuz gleichzeitig. Auf dem rechten Stick ist hingegen nur die Kameraperspektive gelegt. Das ist unpräzise. Nutzt man Wii Remote und Nunchuk, kann man wenigstens richtig zielen – nun aber nicht mehr die Kamera frei drehen. Ärgerlich, man muss sich immer für eine Einschränkung entscheiden.
