Am Donnerstag startete Kick Ass 2 in deutschen Kinos. Eine schlechte Fortsetzung war das Worst Case Szenario von Redakteur Sandro Odak. Er wollte seinen Lieblingsfilm von 2010 nicht durch ein schlechtes Sequel vermasselt sehen. Nun ist er erleichtert. Richtig schlecht ist die Fortsetzung nicht. Aber so richtig gut auch nicht. Was gefehlt hat und wovon ruhig mehr rein gehört hätte, erfahrt ihr in unserer Filmkritik.
Kinofortsetzungen von Überraschungshits haben nun nicht gerade den besten Ruf. Bei Kick Ass 2 war ich deshalb auch bis zuletzt skeptisch. Die tabulose Comicverfilmung war 2010 mein Lieblingsfilm des Jahres, hatte sie doch eine witzige Idee zum Thema: Was wäre, wenn in jedem von uns ein Superheld steckt. Nun, wir würden alle ziemlich auf die Fresse kriegen.
Quelle: Universal
Kick Ass 2 in der Filmkritik: Lustig, actionreich und tabulos - aber nicht so gut wie Teil 1. (4)
Im zweiten Teil drehen die Macher die Idee nun um. Was, wenn es neben Superhelden auch noch Superbösewichte gäbe? Chris D'Amico (Christopher Mintz-Plasse) will sich an Kick Ass rächen, weil er seinen Vater nicht nur umgebracht, sondern wortwörtlich mit einer Bazooka in die Luft gejagt hat. Er schart deshalb eine Armee von Bösewichten um sich, unter anderem Mother Russia, gespielt von der Bodybuilderin Olga Kurkulina. Von der Idee, im echten Leben gäbe es keine Superkräfte entfernt sich der Film dezent, denn Mother Russia hat in einer unglaublich lustigen Szene leichtes Spiel, zehn Polizisten nacheinander kaltzumachen, aber sie stellt einen entsprechend heftigen Gegner für den eigentlichen Superstar des Films dar: Hit-Girl.
Die lebt nach dem Tod ihres Vaters (Nicolas Cages erster guter Film seit… Ach, überhaupt!) beim ehemaligen Polizeipartner und Familienfreund Marcus, der ihr die Hit-Girl-Vergangenheit ausreden möchte. Bis auf ein paar Eskapaden hält sich Hit-Girl Darstellerin Chloë Grace Moretz daher auch große Teile des Films zurück und versucht wie eine ganz normale Jugendliche die High School zu überstehen. Es macht zwar Spaß zuzusehen, wie dieses nicht mehr so kleine Mädchen, das einen Mann mit seinem eigenen Finger töten kann (sie beweist es!), mit dem Schulalltag klarkommt. Aber ein wenig mehr Action und Dynamik hätte diesen Szenen sicher gut getan. Erst gegen Ende des Films dreht Moretz richtig auf – was dann dafür doppelt so viel Spaß macht!
Quelle: Universal
Ist das... Jim Carrey? Ja. Er trägt im ganzen Film eine Maske.
Kick Ass beziehungsweise Dave Lizewski (Aaron Taylor-Johnson) gerät in manchen Szenen fast in den Hintergrund. Er will zwar seine Zeit als Superheld hinter sich lassen, sucht aber trotzdem Anschluss bei anderen Helden, die durch ihn inspiriert wurden. Er findet sie in einer Gruppe rund um den Haudegen Col. Stars and Stripes, eine Hommage an Catain America. Gespielt wird der Colonel von Jim Carrey, der in der Rolle als zuverlässiger, vernünftiger Superheld einer der wenigen Lichtblicke n Kick-Ass ist. Er ist der einzige Charakter, den man halbwegs ernst nehmen kann. Die Filmserie schafft es damit erneut, einen eigentlich ausgebrannten Schauspieler einem Action-Publikum zu präsentieren. Sehr cool. Das vermischt mit den deutschen Schwanz-Witzen… Herrlich!
Kick Ass 2 teilt sich somit in drei Teile auf, was es schwer macht, einem bestimmten Charakter zu folgen. Sicherlich gehören alle drei Handlungsstränge zusammen, aber weil sie gleichzeitig erzählt werden, hat man oft das Gefühl zu viel auszulassen. Auch Kritik an der umgekehrten Filmidee muss sich Kick Ass 2 gefallen lassen: Eigentlich geht es in Kick Ass darum, dass Menschen wie Superhelden handeln können, wenn sie das wollen. Aber Superheldentum wie in Comics gibt es nicht. Jede Tat kostet Opfer. Das gilt aber nur für die Guten. Chris D'Amicos Truppe, er nennt sich nun übrigens nicht mehr Red Mist sondern The Mother Fucker, umweht ein tatsächlich übermächtiger Mythos. Weder Polizei noch organisiertes Verbrechen können dem überheblichen Neureichen etwas anhaben, nur sein eigenes trotteliges Verhalten steht ihm im Weg. An manchen Stellen hat Autor Jeff Wedlow einfach zu viel Bösartigkeit in Mintz-Plasses Charakter gesteckt.
Quelle: Universal
Hit Girl kämpft an anderer Front: Sie muss sich durch den High School Alltag boxen, ohne jemanden zu töten.
Auf der anderen Seite vermissen wir manch eine epische Hit-Girl-Aufnahme. Als sie gemobbt wird, bleibt sie vollkommen ruhig, als Kick Ass Hilfe braucht ebenso. Gott, im Sportunterricht tanzt die Kleine sogar. Lächerlich! Was ich erwartet habe, wäre zumindest eine harte Actionszene, in denen Hit-Girl ihren mobbenden, zickigen Mitschülerinnen zeigt, was in ihr steckt. Stattdessen zückt sie einen Sick Stick. Zweifellos eine Szene zum Totlachen (wenn man auf Kotzhumor steht), aber nicht das befriedigendste Ende, wenn man sich ihre Gewalteskapade am Ende von Kick Ass 1 anschaut. Hier wäre mehr drin gewesen.
Am Ende ist Kick Ass 2 aber trotzdem ein saukomischer Film. Einer, der mit punktgenauen One-Linern vielleicht nicht mehr ganz so schlau daher kommt wie der erste Teil. Aber einer, der noch immer den Kinosaal mit pubertierenden Lachern füllt. Für Teil 3, falls der Comic verfilmt werden sollte, erwarten wir dann aber wieder durchdachteres, konzentriertes Kino, das mit Tabus bricht, und nicht nur mit Fäkalwitzen umherschmeißt.
