Sie nehmen uns die Freiheit - und wir klatschen: Ein Kommentar zu Netzneutralität, der Playstation 4 und der Telekom

Kolumne Sandro Odak
Sie nehmen uns die Freiheit - und wir klatschen: Ein Kommentar zu Netzneutralität, der Playstation 4 und der Telekom

Auf der Gamescom kündigte Sony zusammen mit der Deutschen Telekom an, die Playstation 4 unter anderem im Bundle mit einem Internettarif der Deutschen Telekom zu veröffentlichen. Dieser garantiert einem Bandbreite bis zu 200 Mb/s für Gaming. Warum der Plan ein eklatanter Verstoß gegen die Netzneutralität ist und abgeschafft gehört, erklärt Sandro Odak in seinem Messe-Kommentar.

Die Playstation 3 sinkt im Preis, die PS Vita sinkt im Preis, die Playstation 4 bekommt ein Releasedatum. Sony hat in Köln zur Gamescom anscheinend nur gute Nachrichten zu verkünden. Und auch diese: "In Zusammenarbeit mit der Deutschen Telekom werden Playstation 4 Spieler eine Übertragungsgeschwindigkeit bis zu 200 Mb/s erreichen." Und alle jubeln. Ich verstehe nicht wieso: Die Telekom, über die wir vor ein paar Monaten wegen der geplanten Drossel bei 75 GB Datenvolumen im Monat gelästert haben, ist nun wieder hip. Dabei ist der Vorstoß, Datensätze der Playstation 4 bevorzugt und vor allem beschleunigt durch das Netz zu transportieren, ein krasser Verstoß gegen die Netzneutralität. Das Problem ist: Die ist nirgendwo gesetzlich festgeschrieben. Und die digitale Gesellschaft begehrt nur dagegen auf, wenn der Nachteil einem so offensichtlich unter die Nase gerieben wird wie bei den neuen Netzverträgen.

Dabei klingt die Idee eigentlich verlockend: Ich kaufe die Playstation 4 im Bundle mit einem Internetvertrag der Deutschen Telekom. Dafür kann ich mit meiner Konsole nun die meist besonders großen Spiele auch besonders schnell runterladen. Bis zu 200 Mb/s an Bandbreite werden für Gaming reserviert. Das heißt aber auch: Diese Bandbreite steht mir, obwohl sie technisch verfügbar ist und ich für sie bezahlt habe, nicht auf anderen Geräten und zu anderen Zwecken zur Verfügung. Die Telekom schafft sich so einen imaginären Flaschenhals. Entweder das Netz gibt diese Geschwindigkeit her oder nicht. Die linke Spur auf der Autobahn ist ja auch nicht nur für Porsches und BMWs geöffnet.

Das schlimme ist aber erst der Umkehrschluss: Wenn ich bis zu 200 Mb/s auf der Playstation 4 erreiche, heißt es, dass der Rest meiner Internetkommunikation theoretisch künstlich verknappt und gedrosselt wird. Ziel der Telekom ist es, mir für einen Service, der bislang zur normalen Angebotsvielfalt gehört, Geld abzuknöpfen. Die Frage ist: Wie viel wird das sein? Was wenn ich nicht nur schnell Playstation-Spiele ziehen möchte, sondern auch Filme und Musik streamen will? Soll ich in Zukunft etwa für jeden einzelnen Dienst bare Münze hinlegen? Warum? Ich zahle doch für meinen Internet-Anschluss! Weshalb sollte ich nun extra draufzahlen, wenn ich es auch nutze?

Vor einigen Monaten kündigte die Deutsche Telekom also diese Datendrossel an und erklärte: Schuld sind die mangelnden Kapazitäten. Dieser Vorstoß zeigt: Totaler Unsinn. Wenn ich der Telekom genug Geld in den Rachen werfe, gibt es wie durch Zauberhand flächendeckend genug Ressourcen, um selbst die schnellsten gängigen Internetangebote glatt zu verdoppeln. Hier führt uns die Telekom eiskalt an der Nase herum. Breitband-Verfügbarkeit in Deutschland ist in ländlichen Gegenden vielleicht ein Problem, in Ballungszentren aber kaum. Wo soll sonst das Traffic-Volumen herkommen? Stattdessen will man den Kunden dazu bringen, für eine Leistung mehr zu bezahlen, die bislang kostenlos ist. Die Veränderung von Internettarifen ist eine Frechheit zu Ungunsten des Kunden. Da gibt es nichts zu Jubeln.

Wie seht ihr das: Seid ihr bereit, für beschleunigten Transport von bestimmten Inhalten im Netz Geld zu bezahlen? Würdet ihr ein solches Angebot annehmen? Kümmert euch Netzneutralität überhaupt? Sagt uns eure Meinung in den Kommentaren.

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 07/2026 play5 07/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk