Auf der Gamescom haben wir den Mehrspielermodus von Call of Duty: Ghosts angespielt und die neuen Spielmodi Cranked, Blitz und Search & Rescue kennengelernt. Die konnten uns noch halbwegs begeistern. Der Rest ist aber eine Enttäuschung: Im Vergleich zu Battlefield hat sich Call of Duty kaum weiter entwickelt - weder technisch noch inhaltlich.
Auf der Gamescom konnten wir erstmal den Mehrspielermodus von Call of Duty: Ghosts auf der Xbox One anspielen. Unser ernüchterndes Fazit: Call of Duty bleibt im Prinzip Call of Duty. Am Spielprinzip haben die Macher wenig bis nichts geändert und selbst die Grafik schreitet nicht so schnell voran, wie sie es müsste.
Was uns gefallen hat
Quelle: Activision
Call of Duty: Ghosts Multiplayer Chasm Ambush
Wir wollen natürlich nicht negativ sein. Ein paar Dinge mach Call of Duty: Ghosts sicherlich richtig. Infinity Ward haftet sich beispielsweise krampfhaft an 60 Frames pro Sekunde. Darunter muss die Grafik- und Detailqualität leiden, dafür sieht Ghosts einfach unheimlich flüssig aus. Animationen, Bewegungen und das gesamte Gameplay wirken wie aus einem Guss, viel mehr sogar noch, als im Vorgänger Black Ops 2. Und auch die Ankündigung, zukünftig weibliche Charaktere wählen zu können, finde ich richtig und wichtig. Gaming allgemein und Shooter im speziellen sind keine reine Männerdomäne. Dass ausgerechnet Call of Duty den ersten Schritt unter den Triple-A-Spielen wagt und dem gerecht wird, zolle ich Respekt.
Im Vergleich zu dem hat sich sowieso viel getan in der Welt von Call of Duty. Die Grafik wurde deutlich aufgebohrt, vor allem die Charaktermodelle sind knackscharf und ein Genuss fürs Auge. Aber alles drumherum wirkt altbacken und zum Teil sogar matschig. Umgebungen, Leveltexturen und Effekte wie Nebel und Rauch könnten noch deutliches Polishing vertragen. Wer Ghosts neben Battlefield 4 stellt und einen Vergleich ziehen will, muss neidlos anerkennen, dass DICE dieses Rennen mit Abstand gewinnt – und trotzdem auch 60 Frames pro Sekunde schafft.
Die Spielmodi
Quelle: Activision
Call of Duty: Ghosts Multiplayer Octane Environment
Spannend macht es Infinity Ward bei den Spielmodi. Traditionell kann Call of Duty hier punkten und seinen Rivalen Battlefield, der seit Jahren eigentlich nur für seinen Conquest-Modus bekannt ist, schlagen. Und auch dieses Jahr zaubern die Macher ein Lächeln auf unsere Lippen. Blitz ist beispielsweise ein flinker Spielmodus, in dem es darum geht, mit seinem Team in eine Feindbasis vorzudringen. Das Verteidigerteam beschützt dort einen "Teleporter". Sobald ein Feind ihn berührt, bekommt er einen Punkt und wird an den Startpunkt zurückgebeamt. Das spielt sich taktisch und komplex, obwohl das Spielziel sehr simpel ist. Und schnell!
Eher überlegt gehen wir hingegen in Search & Rescue vor. Der Spielmodus ist eine Abwandlung des beliebten Modus Kill Confirmed. Im Original geht es nicht nur darum, einen Feind abzuknallen, sondern auch sein Dogtag einzusammeln. Das sorgt für viel Bewegung und schreckt Camper ab: Weil die irgendwo versteckt rumliegen, machen sie keine Punkte. Wenn ein Mitspieler aus dem eigenen Team die Marke einsammelt, kassieren die Gegner nichts. Search & Rescue treibt das Prinzip auf die Spitze: Spieler verlieren beim Tod ihre Hundemarke. Wenn ein Feind sie aufsammelt, darf er in dieser Runde nicht mehr spawnen und muss, wie in Counter-Strike, das Ende der Runde als Zuschauer abwarten. Erst wenn ein Teammitglied die Marke einsammelt, darf man wieder starten. Anders als in Blitz gehen Spieler dabei viel langsamer und bedächtiger vor. Die Angst, die nächsten paar Minuten aus passiver Zuschauer verbringen zu müssen, schärft die Sinne!
Quelle: Activision
Call of Duty: Ghosts Multiplayer Strikezone Environment
Cranked ist der dritte im Bunde und wieder überraschend schnell. Sobald ein Spieler seinen ersten Kill gemacht hat, muss er nachlegen. 30 Sekunden hat man dafür Zeit. Ein eingeblendeter Timer macht sogar noch mehr Druck. Wer es nicht schafft, in der Zeit einen eigenen Kill zu machen oder einen Teamkameraden dabei zu unterstützen, der fliegt in die Luft. Bumm, einfach so! Entsprechend flott und actionreich spielt sich Cranked. Wie Team-Deathmatch auf Speed geht es da zu. Hauptsache Kills sammeln, Teamplay? Fehlanzeige. Cranked steht für alles, was Hater Call of Duty vorwerfen: Egoistischen, schnellen Spielspaß. Wer nicht mithalten kann, kommt sofort unter die Räder.
Zerstörbare Level? Eher nicht
Quelle: Activision
Call of Duty: Ghosts Multiplayer Whiteout Environment
Bei der Ankündigung vor wenigen Wochen klang es noch spannend: In Call of Duty: Ghosts können Spieler Teile des Levels verändern. Was Fans erwartet haben: Zerstörungsorgien wie in Battlefield. Das eine Granate absolut keinen Schaden in der Welt anrichtet, ist nicht nur unrealistisch sondern auch ärgerlich. Nun rudern die Macher aber zurück. Dynamisch kann man nur dünne Holzwände, Fenster und Zäune umballern. Im großen Stil eine Karte durch ein freischaltbares Perk plattmachen. Das soll dann wie die Atombombe alle Spieler auf der Map töten und große Teile der Karte zerstören – danach spielt man aber auf derselben, nun veränderten Karte weiter.
Fenster und Zäune zerschießen? Fest geskriptete Bombenangriffe? Wirklich? Das ist der große Frontalangriff auf Battlefield 4, in dem ich einen verdammten Wolkenkratzer in die Luft jagen kann? An dieser Stelle enttäuscht Call of Duty.
