Rayman Legends im Test: Das beste Jump and Run des Jahres

Test Sandro Odak

Rayman Legends kommt zu spät, knappe neun Monate. Nicht weiter tragisch, möchte man meinen. Die Entwickler haben einfach nur Zeit gebraucht, um das ehemals exklusive Wii-U-Spiel auch auf Xbox 360, PS3 und PC zu bringen. Nun ist das Ergebnis da und es steht fest: Die Wii U ist der klare Gewinner im Versions-Rennen. Wer kann, greift zur Nintendo-Fassung und erlebt, wie geil New Super Luigi U hätte sein können.

Wer auf Jump and Runs steht, ist schon in den vergangenen Jahren kaum an Rayman vorbeigekommen. Abseits von Mario und Sonic gibt es kaum neue Marken oder gar Spielideen. Nun begeistert Ubisoft erneut: Auch an Rayman Legends sollte kein Genre-Fan vorbeigehen – und wer eine Wii U hat, erst recht nicht.

Altbekanntes Spielprinzip, perfektes Level-Design

Rayman Legends im Test (7) Quelle: PC Games Rayman Legends im Test (7) Am Spielprinzip hat Ubisoft kaum etwas verändert. Wie in Rayman Origins hüpft Rayman und seine Crew von Gehilfen durch tolle, handgezeichnete Levels und bekämpft dunkle Wesen aus Albträumen. Die Geschichte setzt sogar an Origins an und versetzt den Spieler exakt hundert Jahre in die Zukunft. So lange haben unsere Protagonisten im Schlaf verbracht. Die größte Neuerung in Rayman Legends ist Murphy, eine Fee, die man auf der Wii U mit dem Gamepad steuert. Murphy schafft Hindernisse auf der Karte aus dem Weg, die Rayman nicht erreichen kann, etwa indem er hochhängende Seile durchschneidet oder Schalter betätigt.

Begeistert waren wir von Anfang an schon von den quietschbunten Levels von Rayman Legends. Sie strotzen vor Details und sind fordernd, aber nie unfair aufgebaut. Die Macher verstecken beispielsweise gefangene Kleinlinge gerne in Ecken der Spielwelt, die von weitem betrachtet eher unattraktiv für den Spieler wirken müssen. Das bringt einen dazu, jede Karte bis ins letzte Eck abzusuchen, bevor man fortfährt und einen Kleinling vergisst. Ziel ist es nämlich nicht nur, ein Level zu packen, sondern dabei möglichst viele Punkte, sogenannte Lums, und eine feste Zahl gefangener Kleinlinge zu befreien. Besonders gelungen ist die Abwechslung, die uns die Entwickler bieten. Mal findet man die Verstecke schnell, dann wiederum rauscht man aus Versehen vorbei, weil hinter einem eine Feuerwalze her ist. An solchen Stellen ärgert man sich zwar, weil manche Speed-Levels wirklich nur schaffbar sind, wenn man sie wieder und wieder spielt und auswendig lernt, aber unmöglich ist keine der Welten.

Höhepunkt jeder Spielwelt sind aber spezielle Musiklevels. Sie sind unterlegt mit Coverversionen von bekannten Songs und so getimet, dass man eigentlich kaum hinsehen muss. Jeder Beat passt zum Absprung, jeder Saitenanschlag zum Laufrhythmus unserer Spielfiguren. So ein perfektes Leveldesign haben wir seit Jahren schon nicht mehr gesehen – erste Sahne!

Leadplattform: Wii U

Rayman Legends im Test (10) Quelle: Ubisoft Rayman Legends im Test (10) Das Gezerre um Rayman Legends war groß. Zuerst kündigte Ubisoft das Jump and Run als Launchtitel exklusiv für Wii U an. Doch im Dezember 2013 kam die Konsole, vom Ubisoft-Spiel fehlte jede Spur. Es wurde verschoben und kam schlussendlich nun parallel auch für Wii U sowie Xbox 360, Playstation 3 und PC im August 2ß13 auf den Markt. Es braucht keinen Harvard-Absolventen um herauszufinden, dass die Wii-U-Version dank der sehr viel längeren Entwicklungszeit und langen Exklusivität die beste von allen ist.

Viele Features sind dem Touchscreen des Wii U Gamepads einfach auf den Leib geschrieben. Murphy etwa, die kleine Fee, die aussieht wie eine grüne Froschfliege. Auf der Wii U steuert ein Spieler im Mehrspielermodus den Helfer auf dem Gamepad. Das mag vielleicht an manchen Stellen langweilig wirken, ist aber für den Teamzusammenhalt deutlich besser, als auf Xbox und Playstation. Auf diesen Plattformen steuert nämlich jeder Spieler gleichzeitig Murphy auf Knopfdruck. Da passiert es in der Hitze des Gefechts schon mal, dass einer die Plattform herzieht, auf die man eben hüpfen will, und der andere schiebt sie zeitgleich weg. Dann landen halt alle Spieler im sicheren Tod. Bei den ersten Malen noch witzig, dann irgendwann nur noch ärgerlich. Wer lieber allein spielt, ist mit der Wii U auch besser beraten: In den Passagen, in denen man als Murphy die Welt beeinflusst und Rätsel löst, steuert unser Hauptcharakter von selbst weiter durch die Spielwelt. Deutlich einfacher als auf den anderen Plattformen, bei denen man teilweise einfach zu viele Dinge gleichzeitig machen muss.

Multiplayer-Spaß ohne Ende

Rayman Legends im Test (3) Quelle: PC Games Rayman Legends im Test (3) Am meisten Spaßmacht Rayman Legends natürlich nicht alleine. Bis zu vier Personen können zusammen (oder gegeneinander, je nachdem wie man das Gameplay auslegt) durch die Spielwelt hüpfen. In gewohnter Partymanier muss man sich an manchen Stellen gegenseitig helfen um an erhöhte Stellen im Level zu gelangen und dann wieder ausstechen, um am Ende am meisten Punkte einzusammeln. Das sorgt für ein hohes Spieltempo und gleichzeitig Taktik. Natürlich will jeder den höchsten Score haben und rennt den anderen davon. Natürlich schubst man sich da auch schon mal "aus Versehen" einen tödlichen Abgrund herunter. Mit guten Freunden auf der Couch macht das höllischen Spaß!

Und dann will Rayman Legends einfach nicht enden. Neben den unzähligen Legends-Karten mit ihren Speed-Levels, Spezialwelten und Musikstücken warten auch noch über 40 Levels aus Rayman Origins auf den Spieler. Sie schaltet man mit Rubbellosen frei, die es für besonders gute Durchläufe gibt. 40 Levels! Einfach on top, als Entschädigung für die längere Wartezeit. Das rechnen wir Ubisoft hoch an, auch wenn Kenner sie bereits alle gespielt haben. Am Ende waren die Macher aber doch knausrig: Tief im verworrenen Menü von Rayman Legends verbirgt sich ein Fußball-Minispiel, das im Original Kung Foot heißt. Die naheliegende Übersetzung: KUNG FUßball. Nein, Ubisoft macht "Kick Boxen" draus. Das Minispiel lässt sich nur in Teams fair gegeneinander spielen, eine KI gibt es nicht. Und darüber hinaus? Gibt es keine Minispiele. Wir fragen uns daher ernsthaft: Wieso überhaupt eins einbauen, wenn das Konzept nicht fortgeführt wird. Dabei hat Rayman mit der Rabbids-Reihe bereits eine Minispiel-Auskopplung erhalten, die auf Parties für Spaß sorgt.

Meinung

Wertung zu Rayman Legends (WiiU)

Wertung:

9.0 /10

Wertung zu Rayman Legends (PS3)

Wertung:

8.5 /10

Wertung zu Rayman Legends (X360)

Wertung:

8.5 /10

Wertung zu Rayman Legends (PC)

Wertung:

8.5 /10
Pro & Contra
Multiplayer zu viert: miteinander, gegeneinander… Ach egal!pointierte Verbesserungen im Vergleich zum Vorgängerliebevoll gestaltete Spielwelten mit Auge fürs DetailRubbellose mit denen man immer mehr Zeugs freischaltetMurphy direkt gesteuert (Wii U)monstermäßiger Umfangfantastische Musiklevels, die man fast schon blind spielen kann
Xbox 360, PS3 und PC kommen nicht an Wii U heranmanchmal frustrierend schwer wenn man im Mehrspieler zusammenspieltSteuerung von Murphy eine Zumutung (Xbox 360, PS3, PC)chaotisch, verwirrend, schnell: wer die Levels nicht auswendig lernt, verliertein unbrauchbares Minispiel – aber auch echt nur EINS

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