Need for Speed: Rivals fühlt sich vertraut an, erinnert vom Fahrgefühl total an Need for Speed: Hot Pursuit. Und dennoch sieht es ganz anders aus. Besser. Viel besser! Die Next-Gen-Optik schmeichelt dem Auge, hebt selbst winzige Details hervor. Aber kann so ein bisschen Bling-Bling davon ablenken, dass Rivals "always online" ist? Wir haben es angespielt und sind noch nicht 100%ig überzeugt.
Das neueste Need for Speed ist ein ganz eigenwilliger Teil der Reihe. Auf den ersten Blick und auch nach einem kurzen PS4-Probezock haben wir den Eindruck, dass das Action-Rennspiel eigentlich gar nicht so viel neu macht. Wie in Hot Pursuit heizt ihr als Raser oder Cop in diversen Sportwagen – vom Einsteiger-Proletenbomber bis hin zum Supersportwagen für Superreiche – durch eine offene Spielwelt. Klar sieht das dank Next-Gen-Grafikpower richtig gut aus. Bevor wir auf das Gaspedal unseres Polizei-Bugattis treten, zoomt die Kamera lüstern über allerlei Details des Wagens. Und es ist wirklich beeindruckend, wie Regenwasser über den Lack rinnt und kleine Tropfen hinterlässt oder selbst die Beschriftungen der Reifen und Bremssattel klar lesbar sind. Im Rennen beeindruckt dann die weitläufige Umgebung mit abwechslungsreichen Klimazonen. So rast ihr in einer kargen Wüstengegend in Richtung der Berge und einen Highway-Tunnel später findet ihr euch inmitten einer verschneiten Gipfellandschaft wieder. Licht-und Physik-Effekte gibt es allerorten, für unseren Geschmack übertreiben es die Macher aber noch ein wenig mit dem "Staub auf der Kamera-Linse"-Effekt, der bei Fahrten Richtung Sonne schon ein wenig zu viel des Guten ist. Aber insgesamt zeichnet Need for Speed Rivals ein schickes Next-Gen-Bild. Dass es dann mehr als ein "Hot Pursuit 2" ist, liegt an der dauerhaften Online-Anbindung des Spiels sowie dem neuen Fortschrittssystem.
Der Weg zum Supercar führt über Listen
Quelle: Electronic Arts
Need for Speed: Rivals in der Vorschau (4)
Wie gewohnt sind in der Spielwelt diverse Renn-, Flucht- oder Verfolgungs-Events verteilt. Ihr spielt entweder Raser oder Cop, könnt euren Wagen an Unterschlupfen oder Polizeistationen spawnen lassen und euch dann mittels GPS zum Ziel eurer Wahl navigieren lassen. Doch allein das Gewinnen von Rennen bringt euch nicht voran. Um die 20 Stufen der Cop- sowie Raser-Karriere zu erklimmen, müsst ihr sogenannte Auftrags- und Speed-Listen erfüllen. Pro Stufe wählt ihr eine von drei, auf denen sich dann eine Anzahl verschiedener Herausforderungen befindet. Ein Cop muss etwa eine gewisse Distanz fehlerfrei fahren, eine gewisse Strecke driften, drei Raser Rammen sowie fünfmal mit einem EMP ins Ziel treffen. Ein Raser hingegen muss etwa Rennen gewinnen oder der Polizei entkommen. Jede der drei Aufgabenlisten entspricht einem Spielstil. Wenn ihr also Chaos-Cop seid, der am liebsten in Verkehrssünder crasht, gibt es dafür eine Liste. Für Hochgeschwindigkeits-Cops mit Fokus auf saubere Fahrweise ebenso. Passend dazu schaltet das Erfüllen von Listen dann neue Wagen frei. Raser- und Polizei-Karriere sollen jeweils etwa sieben bis zehn Stunden beschäftigen und dann habt ihr gerade erst ein Drittel aller verfügbaren Listen geschafft, die ihr jederzeit nachholen könnt, um alle Wagen freizuspielen. Obendrein sammelt ihr mit jeder erfüllten Aufgabe oder erfolgreichen Aktion Punkte. Cops investieren die in verbesserte Ausrüstung wie Hubschrauber-Unterstützung oder EMP-Pulswaffen. Raser tunen damit ihr Auto bis ins Detail. Witzig: Als Raser bekommt man seine Punkte erst gutgeschrieben, wenn man es wieder sicher in den Unterschlupf schafft und je länger man durch die Spielwelt heizt, desto höher steigt ein Punkte-Multiplikator. Wer viel riskiert, kann viel gewinnen oder alles verlieren. Denn ein Raser mit vielen potenziellen Punkten auf dem Konto bringt einem Cop besonders viele Punkte bei der Verhaftung. Und dank Online-Anbindung habt ihr immer menschliche Ordnungshüter im Spiel, die es auf fette Beute abgesehen haben.
Ihr spielt stets zusammen, auch in der Solo-Kariere
Quelle: Electronic Arts
Need for Speed: Rivals in der Vorschau (2)
Auch wenn ihr eigentlich allein zockt und euren Aufgaben nachgeht, so sind doch andere Spieler in eurer Welt unterwegs – bevorzugt eure Online-Freunde. Wie viele maximal? Das wissen die Entwickler noch nicht. Sie suchen derzeit den "Sweet Spot" – also das Optimum, bei dem man sich nicht verloren vorkommt aber auch nicht zu viel Chaos herrscht. Und als Cop seht ihr auf einen Blick, was ein Online-Raser wert ist, der gerade mitten in einem Rennen an euch vorbei heizt. Und so kann es kommen, dass sich die Spielerlebnisse zweier Spieler ganz organisch miteinander vermischen. Der Raser versucht, seine Flucht-Aufgabe zu erfüllen während der Cop versucht, die letzte Verhaftung zum Erfüllen seiner Auftragsliste zu schaffen. Dazu kommt die Möglichkeit, via Tablet- oder Smartphone-App in die laufenden Spiele anderer Zocker einzugreifen und etwa den Nitro-Vorrat eines Rasers aufzufüllen oder die Elektronik eines Cops zu stören. Die Idee wirkt für uns allerdings noch etwas unüberlegt. Ist es nicht frustrierend, wenn andere Spiele ins eigene Spiel eingreifen und euch vielleicht den Sieg kosten? Wir werden es sehen. Und die Entwickler ebenso, die mit Need for Speed: Rivals ganz bewusst ein Experiment wagen. Sie setzen voll darauf, das Spielerlebnis von Zockern zu verbinden und sind selbst gespannt darauf, wie das letztendlich ausgeht. Darum werden sie auch nach dem Start des Spiels eifrig feintunen und verbessern. Das versprach man uns!
