Spätestens nach dem überdrehten Saints Row: The Third hat sich die Reihe den schwarzen Humor und absolut absurde Inhalte zum Markenzeichen gemacht. Kein Wunder also, dass Volition Inc. den Irrsinn mit dem vierten Teil auf die Spitze treibt. Vorbei ist es mit dem immerwährenden Kämpfen zwischen Straßengangs, es gibt eine neue Bedrohung: Eine Armee von Aliens startet eine Großoffensive gegen die Erde und als Oberhaupt der Saints und Präsident der USA ist es eure Aufgabe, die Invasion zu stoppen. Es gilt: "Noone's fuckin' with my planet!". Wie wenig Saints Row und wie viel Crackdown und Matrix in diesem Spiel steckt, wird aber nicht jedem gefallen.
Von Präsidenten, Zin und fucks!
Kommen wir gleich zur Sache: Nach einem kurzen Intro, bei dem ihr eine nukleare Katastrophe erfolgreich verhindert, könnt ihr euch zuerst im umfangreichen Charaktereditor des Spiels austoben. Was soll es sein? Mann, Frau, schwarz, weiß, blau, dick, dünn oder sonst was. Optionen gibt es zahlreiche. Deshalb kaum verwunderlich, dass wir bereits zu Beginn des Spiels eine Ewigkeit damit verbracht haben, unseren Gangster zusammen zu bauen. Für unseren Test haben wir uns für ein weibliches Oberhaupt der Saints entschieden. Solltet ihr auf astronomisch große Brüste stehen, keine Sorge, Volition Inc. hat wieder an euch gedacht. Einfach den Sexappeal-Wert auf 100 und spätestens nach der ersten Mission hat eure Heldin Rückenprobleme. Heldin? Richtig! Ihr seid kein einfacher Gangster mehr, ihr seid zu allererst Boss der Saints und Präsident der USA.
Quelle: Deep Silver
Saints Row 4 im Test (13)
Leider wird auch die alltägliche manchmal von außergewöhnlichen Ereignissen durcheinander gebracht. In diesem Fall ist es ein riesiges UFO, welches nicht nur ein Loch in die Decke eures Pressesaals ballert, sondern auch gleich noch eure wichtigsten Mitglieder entführt. Also erstmal zurück ins Büro, um ein paar fette Knarren zu holen – die Zin stürmen das Weiße Haus! Ihr müsst euch euren Weg zum Abwehrgeschütz freischießen, um die Angriffsflieger der Zin-Truppen vom Himmel zu holen. "Get the fuck off my planet!" brüllend schickt ihr eure Gegner in den sicheren Tod. Aber all das hat ein Ende, als Zinyak, der General des Feindes, wieder auftaucht. Nicht nur hat er euer engstes Team entführt, er erweist sich als taffer Gegner und fortan zählt auch ihr zu den Leuten, die gekidnappt wurden. Abgedreht? Vielleicht, aber jetzt fängt das eigentliche Spiel erst richtig an.
Saints Row IV oder doch eher Crackdown: The Matrix?
Um euren Willen zu brechen, nimmt euch Zinyak mit auf sein Mutterschiff und wirft euch dort in eine obskure Simulation. Wir sind zurück in unserer alten Stadt Steelport, die bis auf ein paar kleine Änderungen übrigens aus Saints Row: The Third übernommen wurde. Mit der Unterstützung von Technikerin Kinzie gelingt es uns aus der Simulation zu entkommen und fortan können wir das Programm frei betreten und verlassen. Das hat ein bisschen was von Matrix. Sehr viel sogar. Ihr seid gefangen in der Simulation, werdet daraus befreit und wacht in einem Tank auf einer Station der Zin auf. Von dort werdet ihr von Kinzie auf ein kleines Raumschiff gerettet und könnt nun von diesem die Simulation 31 nach Belieben betreten und stören. Zwar müsst ihr kein Telefonat führen, wenn ihr wieder aus dieser Matrix heraus wollt, aber zumindest dürft ihr durch ein strahlendes Portal treten. Fortan an steht euch das volle Potential des virtuellen Steelport zur Verfügung. Einzige Änderung an der virtuellen Stadt sind 5 Wolkenkratzer der Zin, sowie das massive Gebäude das bis an die "Decke" der Simulation reicht, sowie die Knoten- und Stützpunkte der außerirdischen Truppen, welche über das Gebiet verteilt sind und von euch eingenommen werden können.
Quelle: Deep Silver
Saints Row 4 im Test (14)
Hier greift auch ein bekanntes Spielprinzip aus Saints Row. Ihr müsst die von Aliens kontrollierten Gebiete der Stadt unter eure Schirmherrschaft bringen. Diese Kontenpunkte zu übernehmen ist dabei eine von vielen Möglichkeiten. Kinzie kann euch mit zusätzlichen Gateways versorgen, wenn ihr für sie diverse Geschäfte in der Stadt mit einem Hacking-Programm übernehmt. Und Keith, der Vizepräsident, welcher ebenfalls verschont wurde und an Bord des Schiffs ist, hat zahlreiche Nebenaufträge für euch vorbereitet. Mit diesen könnt ihr nicht nur Bereiche der Simulation übernehmen und virtuelles Geld verdienen, sondern auch neue Fähigkeiten erwerben. Außerdem warten noch weitere Begleiter darauf von euch gerettet zu werden. Diese stehen euch als Unterstützung zur Verfügung, wenn ihr sie via Telefon in die Simulation bestellt und geben euch ebenfalls optionale Aufträge innerhalb des Programms. Neben dem bereits erwähnten Hacken von Geschäften kehren auch beliebte Aktivitäten wie Versicherungsbetrug und Vandalismus zurück. Schmeißt euch vor vorbeifahrende Autos, um so den Geldzähler an die Spitze zu treiben. Zerschießt mit einem Raketenwerfer oder einem Ufo alles was euch vor die Linse kommt und sorgt für massive Verwüstung. Gelegentliche Einbrüche der Bildrate inbegriffen. Steelport wurde von den Entwicklern mit einer ganzen Menge an Aufgaben gefüllt und sollte euch für viele Stunden beschäftigen. Dank eures Teams mutiert ihr im zum Superhelden, schließlich ist es so viel einfacher die Kontrahenten zu bekämpfen.
Quelle: Koch/PC Games
Saints Row 4 im Test (1)
Ihr könnt dank des Supersprungs meterhoch in die Luft und an Hochhäusern hinauf springen. Dank dem Supersprint fegt ihr durch die Straßen wie ein Blitz. Im Verlauf des Spiels habt ihr die Möglichkeit die Fähigkeiten auszubauen. Springt höher und weiter, rennt schneller, erzeugt dabei einen Tornado der hinter euch für Verwüstung sorgt oder rennt an den Wolkenkratzern nach oben. Und es ist auch viel einfacher mit Hilfe der Kräfte über die Stadt hinweg zu gleiten um von A nach B zu kommen, als mit einem Auto durch die Straßen zu rasen. Eure Fähigkeiten beschränken sich aber nicht nur darauf, ihr könnt euch auch diverse Elemente zu Eigen machen. Friert Feinde und Fahrzeuge ein um sie dann mit einem Schlag oder Schuss zerbersten zu lassen. Setzt eure Gegner in Brand, schleudert dank Telekinese Objekte auf sie oder kontrolliert andere Charaktere mittels Gedankenkontrolle. Die grundlegenden Fähigkeiten schaltet ihr im Verlauf des Spiels durch das Abschließen von Neben- und Hauptmissionen frei, um diese aber zu perfektionieren müsst ihr über Steelport verteilte Daten-Cluster einsammeln. Einige davon erreicht ihr auch erst, wenn ihr eure Kräfte dementsprechend ausgebaut habt.
Neben all den Superkräften stehen euch aber natürlich auch konventionelle Waffen wie Pistolen, Schrotflinten und Maschinengewehre zur Verfügung. Mit genügend Geld könnt ihr eure Knarren umfangreich modifizieren und so unter anderem für mehr Schaden, höhere Schussrate oder auch einen neuen Farbanstrich sorgen. Selbstverständlich dürfen auch so abgedrehte Wummen wie zum Beispiel eine Dubstep-Gun nicht fehlen und die Zin bringen noch ein umfangreiches Repertoire an Alien-Knarren mit ins Spiel. Gleiches gilt auch für euren fahrbaren Untersatz. In den Autowerkstätten der Stadt dürft ihr sie nach Belieben modifizieren und aufmotzen, dabei seid ihr nicht nur auf Autos beschränkt, ihr könnt euch auch ins Cockpit diverser Flugzeuge setzen oder auf ein Motorrad schwingen. Und für angehende Modedesigner unter euch bietet Saints Row IV wieder zahlreiche Kleidungsgeschäfte in denen ihr euch Unmengen an Klamotten kaufen könnt.
Quelle: Koch/PC Games
Saints Row 4 im Test (2)
Doch schnell werdet ihr euch Fragen: Warum soll ich mir Hilfe holen oder Waffen kaufen wenn ich doch Feuerbälle verschießen und dank Telekinese einen Panzer oder Truck auf meine Feinde schleudern kann. Und wenn ihr wirklich in einer brenzligen Situation seid, dann liegen genug Gesundheits-Pick-Ups herum um euch zu heilen. Oder ihr lasst eure Gegner dank Supersprint hinter euch. Das größte Problem von Saints Row IV ist, dass nichts wirklich schwer ist, ihr habt teilweise stark überpowerte Superkräfte mit denen ihr alles und jeden dem Erdboden gleichmachen könnt. Die Stärke des Spiels liegt in der absurden Handlung, die so abgedreht ist dass sie einfach funktioniert. Die Story-Missionen sind sehr abwechslungsreich gestaltet, aber sobald ihr euch mit euren Fähigkeiten in Steelport austobt, wirken die Aufgaben um die Geschichte voranzutreiben manchmal wie eine Spaßbremse. Denn meist seid ihr in anderen Simulationen oder auf einem Schiff der Zin unterwegs und hier könnt ihr natürlich nicht auf eure Superkräfte zurückgreifen. Da ist es dann schon sehr nervig wenn ihr wieder einen brachialen Nahkampfangriff auspacken und euren Feind an die Wand klatschen wollt, euer Alter Ego aber nur mit den Fäusten zuschlägt. Wenn ihr keine Lust habt alleine um die Häuser zu ziehen, dann könnt ihr auch jederzeit dank Online-Koop einen zweiten Mitspieler in eure Sitzung einladen und auch so die gesamte Handlung durchspielen. Allerdings wurden die Missionen nicht gezielt für zwei Spieler konzipiert, weshalb ihr euch oft wie ein drittes Rad am Wagen fühlen werdet, zumal auch immer nur einer der Helden in den Videosequenzen zu sehen sein wird.
Verstaubte Technik
Quelle: Koch/PC Games
Saints Row 4 im Test (3)
Dass bei einem Open World-Spiel die Optik immer an zweiter Stelle steht, ist kein Wunder und große Grafiksprünge sollte man zum Ende der Konsolengeneration ohnehin nicht mehr erwarten. Aber was Volition Inc. da auf den Bildschirm knallt, ist nicht nur angestaubt, sondern richtig verstaubt. Matschige und verwaschene Texturen trüben das Stadtbild ebenso wie hölzerne Animationen. Der Detailgrad schwankt sehr stark. In den äußeren Bezirken der Stadt ist kaum etwas los, sie wirken ausgestorben und sobald ihr euch dem Zentrum nähert erscheinen oft aus dem Nichts zusätzliche Fahrzeuge auf der Straße. Zwar ist es eine offene Spielwelt mit zahlreichen Inhalten, "lebendig" wirkt Steelport aber nicht. Die Steuerung der Fahrzeuge ist etwas bockig und vieles funktioniert, vor allem auch wegen der übermenschlichen Fähigkeiten eures Helden, nicht wirklich präzise. Die Sprint- und Sprungfähigkeiten sind von Vorteil um große Distanzen zu überbrücken, ein Punktgenaues agieren innerhalb der Spielwelt wird damit aber fast unmöglich. Und warum ist es eigentlich immer Nacht?! Selbst in der Matrix gab es Tag/Nacht-Wechsel.
Leider kommt es auch immer wieder zu Rucklern. Vor allem bei den Vandalismus Missionen könnt ihr davon ausgehen, dass die Bildrate mitunter stark einbricht wenn ihr eine zu große Explosion verursacht oder ihr während eures Abenteuers von einer ganzen Horde Zin-Truppen attackiert werdet. Im Großen und Ganzen läuft das Spiel einwandfrei, sobald aber zu viel passiert ist ein reibungsloser Spielablauf nicht mehr gewährleistet und dämpft den Spielspaß. Großes Lob hingegen hat die englische Sprachausgabe verdient. Die Sprecher hauchen ihren digitalen Alter Egos Leben ein und sorgen für eine tolle Atmosphäre während der Aufträge. Selten ist es so schön, wenn ein Charakter in einem Satz das Wort "fuck" zehn Mal verwendet. Zwar gibt es auch in der deutschen Fassung keine deutsche Sprachausgabe, dafür bietet das Spiel aber ein komplett eingedeutschtes Menü.
