Teenage Mutant Ninja Turtles: Out of the Shadows im Test: Cowabung-Ahhhh oder Cowabung-Bäääh

Test Sven Huber

Teenage Mutant Ninja Turtles: Out of the Shadows ist der neuste Softwareableger des inzwischen fast 30 Jahre alten Turtle-Franchise. Unser Autor Sven Huber, selbst bekennender Turtle-Fan, ist zwiegespalten: Lizenzschrott oder würdiger Teil des Turtle-Franchise? Entscheidet selbst.

Schildkröten, Ninjas, Aliens… Geht's noch?

Die Teenage Mutant Ninja Turtles – Kinder der 80er bekommen hier bereits ein feuchtes Höschen – wurden 1984 ins Leben gerufen. Seit dieser Zeit bin ich bekennender Fan der mutierten Grünlinge. Aber wer genau sind die Turtles eigentlich, und wieso Ninjas? Also erst mal ein kleiner Exkurs in Turtlekunde. Die Ninja Turtles sind 4 normale Schildkröten, die eines Tages mit einer mutagenen Substanz in Berührung kamen. Wie sie dort so in der Giftpampe krabbelten, wurden sie von ihrem späteren Meister, einer ebenfalls mutierten Ratte, gefunden. Viele Jahre später sind die inzwischen menschengroßen Schildkröten im Teenageralter und stecken mitten in der Ausbildung zum Ninja durch ihren Meister Splinter, der früher einmal das Haustier des Ninjameisters Hamato Yoshi war (in den Neuauflagen wurde die Story dahingehend geändert, dass Splinter keine Ratte war sondern Yoshi selbst, der zur Ratte mutierte).

Die Turtles sind alle benannt nach großen Künstlern der Renaissance. Der Anführer, Leonardo, bevorzugt 2 Katanas. Raphael, der Hitzkopf der Bande, führt 2 Sai mit sich. Das technische Genie, Donatello, kämpft mit dem Bo und Michelangelo, der Spaßvogel der Truppe, schlägt sich mit Nunchakus durch die Gegnerhorden. Gegnerhorden? Gutes Stichwort, davon gibt es reichlich, je nach Quelle (Zeichentrickserie, Comics, Filme, animierten Serien, Games usw.) wären da u.a. der Foot Clan, eine Geheimgesellschaft unter der Führung von Oroku Saki alias Shredder (ehemaliger Schüler/bester Freund von Splinter/Hamato Yoshi). Dazu kommt noch Karai, als quasi rechte Hand Shredders, div. Mutationen wie Rocksteady und Bebop oder Dogpound und Aliens aus der Dimension X wie z.B. Krang (oder auch die Kraang). Aber auch die Turtles ziehen nicht alleine ins Feld. Unterstützung erhalten sie z.B. von April O'Neill (wahlweise Reporterin, Antiquitätenhändlerin, Teenie) oder Casey Jones (ein Rebell und selbsternannter "Gesetzeshüter").

Ihr seht schon, das Turtle-Universum ist recht umfangreich nach so langer Zeit und es gibt diverse, teilweise stark variierende "Universen". Nichtsdestotrotz sind die Turtles für meine Wenigkeit ein Stück Kindheit und dementsprechend argwöhnisch wird auch jedes neue Produkt begutachtet. Nun liegt also das neuste Puzzlestück vor und als Fanboy bin ich mehr als zwiegespalten. Auf der einen Seite gibt es den absoluten Hardcorefan, der quasi alles gut findet was mit TMNT zu tun hat, übrigens nicht zu verwechseln mit GNTM. Auf der anderen Seite steht der argwöhnische Fan der eifersüchtig über sein geliebtes Franchise wacht. Der Fan, der Auswüchse wie die Realserie und die Einführung eines weiblichen Turtle damals als Verbrechen empfindet (Liebe Emanzen, es geht dabei nicht darum dass der Turtle weiblich war, er war einfach dämlich und unnötig).
Aus diesem Grund nun also unser erstes, schizophrenes Review.

Turtles made by Nickelodeon

Teenage Mutant Ninja Turles: Out of the Shadows im Test (2) Quelle: Activision Teenage Mutant Ninja Turles: Out of the Shadows im Test (2) OotS orientiert sich, was die Charaktere angeht, an der neusten animierten Nickelodeonserie. Obwohl diese den typischen Humor gut transportiert, ist sie doch vergleichsweise düster. Viele Charaktere wurden im Vergleich zu den 80ern stark überarbeitet oder sogar neu eingeführt. Das sorgt für einen frischen Wind im Universum.

So ist z.B. April O'Neill keine Reporterin mehr, sondern ein knapp 16-jähriges Mädchen und aus dem verrückten Forscher Baxter Stockman wurde ein Afroamerikaner. Auch die Turtles selbst wurden einer Frischzellenkur unterzogen und wirken nun erwachsener und nicht mehr so "knubbelig" wie noch in der alten Trickserie. Für das Spiel selbst ging man sogar noch einen Schritt weiter und verpasste den Turtles einen noch echteren Look. Dadurch wirken diese nun wesentlich "schildkrötiger" als in den Vorgängern. So stellt ihr euch in 4 Akten also dem Shredder, Karai, Stockman und dutzendweise Klonschergen.

Leider leidet der Titel auch unter den oft üblichen technischen Macken von Arcade-Lizenzspielen. Die Texturen wirken ab und an unscharf, Clippingfehler sind auch keine Seltenheit und aufpoppende Objekte findet man regelmäßig. Ebenfalls unschön finden wir die unsichtbaren Barrieren. An einer Stelle können wir mit unserem Turtle locker über Kanalrohre flitzen, an anderer Stelle bremst uns schon ein 5 cm Mäuerchen aus.

Soviel zu den sichtbaren Aspekten, wie sieht es aber auf der hörbaren Seite der Medaille aus? Nun, ein wenig besser. Eine deutsche Sprachausgabe bleibt uns zwar vorenthalten (dt. Untertitel sind jedoch verfügbar), aber dafür machen die englischen Sprecher einen recht guten Job. Allerdings sollte man das auch erwarten wenn man die Originalsprecher der Nick-Serie verpflichtet. Weiteres schönes (Fanboy-)Detail: Die Turtles können einfach nicht die Klappe halten. Jede Aktion und jedes Szenario wird kommentiert. Das ist auf der einen Seite ein klares Plus für die Atmosphäre, allerdings werden normale Zocker nur den Kopf schütteln wenn Mikey mehr als 3 Minuten lang über sein Lieblingsthema, Pizza und deren verschiedene Beläge, philosophiert. Wir fühlten uns an dieser Stelle sogar an die bekannte Szene aus Forrest Gump erinnert: Shrimp-Cocktail, gegrillte Shrimps, Shrimps mit Bananen, usw. usw.

Pizza, Mutanten und scharfe Klingen

Teenage Mutant Ninja Turles: Out of the Shadows im Test (3) Quelle: Activision Teenage Mutant Ninja Turles: Out of the Shadows im Test (3) Gehen wir ans Eingemachte. Optik ist ok, Sound ebenso, aber wie fühlt sich das Ganze an? Flitzen wir ninjalike durch die Gegend oder schleichen wir eher wie die unmutierten Artgenossen der vier Jungs durch die Gegend? Leider kann man das nicht so eindeutig sagen. Die Buttonbelegung entspricht soweit dem Genrestandard. Ein Button für Kicks, einer für Waffenattacken, einer für Konter und einer zum Springen/Rollen, soweit so gut. Allerdings fühlt die Steuerung sich irgendwie merkwürdig an. Wir konnten zwar keinen Inputlag feststellen aber, das Handling fühlt sich aber willkürlich und träge an. Man hat nicht das Gefühl der 100-prozentigen Kontrolle, wie man es von anderen Genrevertretern kennt. Mit steigender Spielzeit legt sich das Gefühl zwar,aber es verschwindet nicht komplett.

Ebenfalls Genrestandard ist der Kombocounter, ein schlechter Witz ist allerdings der Resettimer. Klar, wenn man in einer Kombo getroffen wird, geht der Zähler wieder auf null, ebenso wenn man die Kombo unterbricht. Hier ist dieser Reset allerdings so lächerlich kurz, dass man kaum mal auf eine 10er Kombo kommt. Absurderweise stehen aber erst ab dieser Höhe div. Spezialattacken zur Verfügung. Bei stärkeren Gegnern ist das nicht so gravierend, aber die 08/15-Mobs gehen nach drei bis vier Schlägen zu Boden und bis man sich dem nächsten Gegner genährt hat ist der Counter zurück gesetzt. Ab und an führt unser Turtle zwar einen Dash zum nächsten Gegner aus und kann so die Kombo fortsetzen, es scheint aber mehr eine willkürliche Aktion sein als ein gezielter Steuerungsbefehl. Wir konnten die Aktion im Test jedenfalls nicht bewusst herbeiführen.

Was uns hingegen sehr positiv gefiel waren die Interaktionen der Turtles untereinander und mit der Umgebung. Da wird sich an Laternenmasten herum geschwungen und über Geländer gerutscht. Herrlich! Ganz im Ninjastyle sind auch Schleichattacken möglich. Auf Knopfdruck gehen wir in den Heimlichgang und können Gegner mit Stealthangriff ausknocken. Dabei kann man den übrigen KI-Turtles befehlen zu verharren oder zu folgen. Blöderweise sind diese aber sehr stur. Im Test kam es mehrmals vor das wir beim Schleichen entdeckt wurden und direkt zum Angriff übergingen. Leider blieben unsere KI-Kameraden im Schleichmodus, wie zuvor befohlen, und wurden ohne Gegenwehr von den Gegnerhorden nieder geprügelt. Eigenmächtig wieder in den normalen Kampf wechseln? Wieso denn? Eh wir uns versahen waren die Kameraden platt, wir hatten keine Heilmittel mehr und erlagen der Übermacht.

Brawler oder RPG, das ist hier die Frage

Teenage Mutant Ninja Turles: Out of the Shadows im Test (1) Quelle: Activision Teenage Mutant Ninja Turles: Out of the Shadows im Test (1) Besonders erwähnen wollen wir das Skillsystem. Klar mittlerweile hat quasi jedes Spiel ein mehr oder weniger umfangreiches Skillsystem. Aber was OotS hier ins Feld führt, ist für einen Arcadebrawler beeindruckend. Es gibt unzählige, freischaltbare Skills für jeden Turtle die sowohl individuelle, als auch teambasierte Fähigkeiten aufleveln. Leider teilen sich im Solospiel die Turtles alle Aufrüstpunkte. Man kann also die 4 Punkte, die man beim Levelaufstieg erhält, nicht für jeden Turtle verwenden sondern muss abwägen welchen Skill von welchem Turtle man den freikaufen möchte. Als ob das noch nicht genügt kann jeder Panzerträger mit einer individuellen Sonderwaffe, die auch wieder aufrüstbar ist, ausgerüstet werden. Trotz der oben genannten Schönheitsfehler sucht das Skillsystem in Sachen Umfang seines Gleichen, darf man doch nicht vergessen dass es sich hier "nur" um ein Arcadegame handelt.

Vier Fäuste für ein Hallelujah

Der gewitzte Leser wird sich nun denken: 4 Turtles? Mensch das bietet sich ja geradezu für einen MP an. So ist es. Leider kommt aber schon der große Dämpfer. 4-Spieler-Koop gibt es nur Online. Wollt ihr euch dem gepflegten Couch-MP widmen müsst ihr mit einem Splitscreen für 2 Spieler leben, noch dazu kein Fullscreen-Split sondern ein vertikaler Splitscreen mit 2 Fenstern und fixem Rand. Das ist altmodisch und unschön. Solltet ihr keine virtuellen Freunde haben, können wir euch aber auch beruhigen. Ihr könnt jederzeit im Spiel mittels Digipad zwischen allen Turtles hin- und herwechseln.

Koop, Skills und sonst so?

Neben dem Solo- und dem Multiplayerpart findet ihr im Startmenü auch den Punkt Arcade. Wer sich nun schon darauf freut evtl. einen der alten Sidescroll-Klassiker spielen zu dürfen wird leicht enttäuscht sein. Man spendierte dem Spiel zwar einen Arcademodus der als Hommage an die die Retrospiele erinnert (z.B. Turtles in Time, SNES) aber leider ist dieser Modus ein Eigengewächs und hat damit nichts zu tun. Ihr haut euch einfach nur von links nach rechts durch das Szenario und schaltet im Hauptspiel weitere Areale dafür frei. Nett aber langweilig wie wir finden. Dazu gibt es Sammelitems mit denen ihr Konzeptzeichnungen freischalten könnt. Im Hauptspiel selbst stolpert ihr ab und an über verschlossene Türen oder Konsolen die gehackt werden können. Dies geschieht über ein kleines Minigame bei dem ihr auf Hexfeldern 2 identische Symbole miteinander verbinden müsst (unter Zeitdruck), wobei sich aber die Verbindungen nicht kreuzen dürfen. Bei leichten Schlössern, mit 2 Symbolen, ist das noch recht leicht. Später kommen auch komplexere Schlösser mit 5 und mehr Symbolen. Was uns allerdings merkwürdig vorkommt sind die willkürlichen Ladezeiten vor diesen Minigames. Selbst wenn wir dasselbe Rätsel abgebrochen und neu aktiviert haben, schwankten die Ladezeiten zwischen 2-3 Sekunden bis hoch zu 30 Sekunden. Das ist nicht wirklich nachvollziehbar und bei einem Arcadespiel eigentlich ein No Go.

Meinung

Wertung zu Teenage Mutant Ninja Turtles: Out of the Shadows (X360)

Wertung:

6.8 /10

Wertung zu Teenage Mutant Ninja Turtles: Out of the Shadows (PS3)

Wertung:

6.8 /10
Pro & Contra
endlich mal wieder TMNT-Nachschubgelungener Look, der sich an der neuen Nick-Serie anlehntumfangreiches Skillsystemspaßiger Online-Koop mit 4 Kumpelsfliegender Wechsel zwischen allen Turtles im Singleplayerenglische Originalsprecher
weniger spaßiger Splitscreentechnische Unzulänglichkeitensich wiederholenden Kommentare, die wohl nur Fans ein Schmunzeln entlocken
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