Wii U exklusiv und völlig abgedreht gibt sich Wonderful 101, ein aberwitziges Actionspektakel entwickelt vom Team um Producer Atsushi Inaba und Director Hideki Kamiya. Kein Wunder, wirkt das Chaos auf dem Bildschirm ein wenig wie Viewtiful Joe gemixt mit Bayonetta oder Devil May Cry und einer Prise von Nintendo, die ihre Pikmins verkleidet eingeschleust haben. Kreativ und überdreht, leider nur nicht ganz so perfekt spielbar, wie man es gerne hätte!
Welch ein Abenteuer! Wer sich durch Wonderful 101 arbeitet, nimmt sämtliche Emotionen der Videospielgeschichte mit und fühlt sich aufgrund der epochalen Bosskämpfe mit farbenfrohen Bildern wie auf Drogen. Was für eine Effekt-Show Platinum Games hier abzieht, neben einem sonst eher klassischen Spielaufbau. Das lässt sich ehrlich gesagt nur schwer in Worte fassen. Das muss man eigentlich selbst erleben. Allein aus diesem Grunde ist Wonderful 101 bereits eine Kaufempfehlung für alle frustresistente Gamer, die sich nicht zu schade für eine Wii U sind. Für alle anderen gibt es auch den Spaziergangs-Modus. Einige werden aber mit den Tücken der Steuerung, Kamera und einigen zusätzlichen Spielelementen zu kämpfen haben.
Quelle: Nintendo
The Wonderful 101 für Wii U im Test. (2)
Doch wollen wir gute, wenn auch zugegebenermaßen ziemlich gedehnte und überstrapazierte 12-15 Spielstunden zurückspulen und ganz von vorne mit Wonderful 101 beginnen. Von Anfang an nimmt sich der Titel nicht sonderlich ernst und liefert uns neben einer klischeehaften Story über eine Alien-Invasion der Erde vor allem eine ganze Horde abgedrehte Helden. Neben Will Wedgewood, stotternder Grundschullehrer der Blossom-Schule, der kurz darauf als Wonder-Red wie Superman den Invasoren das Handwerk legt, kämpfen weitere 100 verrückte Menschen in einer elitären Eliteeinheit, die für Recht und Ordnung in der Welt sorgt. Jede Figur, teils mit speziellen Fähigkeiten, versprüht vor allem in den witzigen Dialogen mit herrlich überzogenem Slapstick-Humor und tollen Comicsequenzen einen ganz eigenen Charme. Platinum Games nimmt Klischees aus der Videospielbranche auf die Schippe, kümmert sich aber auch um tolle Dialoge zwischen den Konkurrenten der Truppe. Alles sauber in einer typischen Helden-Comic Aufmachung, die uns auch ein wenig an Viewtiful Joe erinnert.
Solange es nicht in die epochalen Bossfights geht, wuselt man mit seinem fast nicht mehr zu erkennenden Helden durch isometrisch dargestellte Welten und scharrt eine wilde Wonderful-Truppe schützend um sich. Und wenn all diese Superhelden mal nicht ausreichen, rekrutieren wir kurzerhand Zivilisten und Soldaten. Ja, das hat auf dem ersten Blick etwas von Pikmin. Hat man das Wii U Gamepad aber selber in der Hand, merkt man sehr schnell, dass es hier eher wie in Bayonetta zur Sache geht und Wonderful rein gar nichts mit dem gemächlichen Strategiespiel zu tun hat. Das wuselnde Volk kann man auf die Feinde hetzen, um diese abzulenken oder benommen zu machen. Hauptsächlich benötigt man sie aber, um die Superkräfte zu vereinen und dadurch riesige Schwerter, Pistolen oder andere Dinge auf den Bildschirm zu zaubern. Eine ganze Schar der winzigen Figuren fusioniert zu den mächtigen Waffen, mit denen man den Aliens die Ärsche versohlt und die Biester dorthin schickt, woher sie gekommen sind. Die unterschiedlichen Waffen bergen auch einiges an Taktik. Mit dem Schwert lassen sich zum Beispiel Laserstraheln ablenken, während die Pistole Geschosse auffangen und zurück pfeffern kann.
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The Wonderful 101 für Wii U im Test. (5)
Alles schön und gut, im Chaos aller Gefechte in Wonderful 101 ist der Überlebenswille aber der einzige Faden, der uns irgendwie durch die aufwendig inszenierten Fights bringt. Man verliert den Überblick und auch das Wii U Gamepad ist keine sonderliche Hilfe. Dort wird zwar jeder Held als Punkt dargestellt, aber als übersichtlich kann man dies wohl kaum bezeichnen. Ein weiterer, sehr ärgerlicher Faktor, sind die Zeichenkommandos, die man auf dem Touchscreen der Wuseltruppe eingeben muss. Einerseits nimmt das Spiel die Kommandos oft nur widerwillig an, andererseits muss man für komplizierte Formen den Blick vom Geschehen des großen Screens nehmen. Das kann ziemlich bitter, wenn nicht sogar tödlich ausgehen! Zum Glück funktionieren einige Grundelemente auch mit dem rechten analogen Stick ganz gut, so dass man sich ein wenig Abhilfe verschaffen kann. Denn nach und nach verlangt der Titel immer mehr die Kombination verschiedener Spezialfähigkeiten, vor allem bei den mehrstufigen und ziemlich imposanten Bossfights.
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The Wonderful 101 für Wii U im Test. (6)
Ja, die Teamarbeit ist das A und O in Wonderful 101. Neben kleinen Truppen, die mit einer bestimmten Waffe oder ähnliches ausgesandt werden, kann das wuselnde Volk sogar Brücken, Leitern, Ketten und vieles mehr, ganz situationsbedingt, bauen, um die zahlreichen Hindernisse zu überwinden. Spielerisch zudem interessant und erwähnenswert ist auch, dass je nach Größe der Geste die Waffen und ähnliches effektiver und gefährlicher werden. Das birgt ein wenig Taktik und man muss immer im Auge behalten, wie viele aus der Truppe bereits fusioniert ihre Arbeit verrichten und was übrig bleibt. Außerdem werden die Fähigkeiten auch für kleinere Denkaufgaben verwendet, um uns eine Verschnaufpause zwischen der ansonsten recht gnadenlosen Action zu gönnen. Mit der Faust werden riesige mechanische Schraubverschlüsse aufgedreht oder Kisten geschoben, mit dem Schwert ein Schloss geknackt und mit der Peitsche Abgründe überwunden. Hin und wieder wechselt das Geschehen auch in Innenräume, wobei die Kamera dann plötzlich hinter der Schulter positioniert ist und das Geschehen auf dem Gamepad dargestellt wird. Eine durchaus witzige, wenn auch völlig unnötige Idee, die einfach unhandlich ausfällt. Man dreht und wendet das Gamepad, aber so richtig übersichtlich ist das Geschehen nicht und auch die Steuerung versagt in diesen Situationen in jeglicher Hinsicht. So manches Mal wollten wir das Gamepad gerne gegen die Wand pfeffern.
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Ähnliche Fehler hatten wir auch bei diversen Quick-Time Events oder wenn spezielle Transformationen von Nöten waren. Hin und wieder verweigerte der Titel die Fusion, da irgendeiner aus der Truppe noch irgendwo benommen herum lag oder man diesen nicht befehligen konnte. Das sind dann die Momente, in denen nicht nur das verrückte, aber eben liebevolle und spannende Chaos an unseren Nerven nagt, sondern auch die Spielmechanik, die bisweilen vollkommen in die Hose geht. Wii-U-spezifische Features sind ja schön und gut, doch sollten diese durchdacht und auch spielbar umgesetzt werden!
Entschädigt werden aber all diejenigen, die über diese zahlreich vorhandenen Frustmomente hinweg kommen und die Story wie auch das Effektfeuerwerk genießen. Vor allem die epochalen Kämpfe gegen mächtige Aliens und Bosse sorgen für bleibende Eindrücke. Man merkt Wonderful 101 an, dass hier die Macher von Bayonetta und Co. dahinter stecken und das Team einen Ruf zu wahren hat. Oftmals geben die dicken Gegner nicht nach nur wenigen Hieben kleinlaut bei, nein, sie labern uns dann auch noch zu und schütteln immer mehr Attacken und Möglichkeiten aus dem Ärmel, bis ein so ein Kampf gefühlt Stunden dauert. Immer und immer wieder muss man sich auf neue Situationen einstellen und umso weiter man in dem Abenteuer kommt, umso mehr müssen auch die Fusionsfähigkeiten eingesetzt werden. Das ganze wird grafisch derart atemberaubend verpackt, dass jedes Heldencomic vor Neid erblasst. Was Platinum Games mal wieder auf den Bildschirm zaubert, ist schlichtweg überzeugend und richtig gelungen! Abgerundet wird das auch noch mit einem passenden Soundtrack. Allein die Titelmelodie, die uns schon im ersten Abschnitt begleitet, wirkt wie die berühmte Sahne in einer wohlschmeckenden Suppe.
