Vor über 6 Jahren führte uns Capcom zum ersten Mal aufs Glatteis, genauer gesagt auf den Eisplaneten E.D.N. III. Nun erschien bereits der dritte Teil der Serie, der im Vorfeld kontrovers diskutiert wurde. Lest unseren Test um zu erfahren, ob der neue Ausflug uns begeistern konnte oder doch eher kalt lässt...
Eiswüste...Wüste... und jetzt wieder Eis?
Lost Planet: Extreme Condition war damals eine neue IP von Capcom. Als Spieler wurden wir auf den lebensfeindlichen Planeten E.D.N.III geworfen und durften uns dort mit den insektoiden Akriden um die sogenannte T-Energie raufen. Diese ominöse Energie sollte das Energieproblem der Erde lösen und nebenbei auch massig Kohle bringen. Außerdem war sie nötig, um unseren Überlebensanzug mit Energie zu versorgen. Wollte man also den Kältetod vermeiden, war man gezwungen den Kampf zu suchen. Knapp 3 ½ Jahre später erschien der Nachfolger und stieß bei Fans des Erstlings auf wenig Gegenliebe. Zwar blieben die Akriden in allen Größenordnungen (von Mensch bis Hochhaus) erhalten, aber so ziemlich alles andere hat Capcom damals über Bord geworfen. Aus der kargen Eiswüste wurde eine Mischung aus subtropischem Dschungel und Wüste. Aus dem Singleplayer-Schwerpunkt wurde ein Multiplayer-Schwerpunkt, ja selbst der Singleplayermodus fühlte sich im Endeffekt an wie ein Offline-Bot-Match. Den dritten Teil hat man nun outgesourced und lässt mit Spark Unlimited einen Entwickler ans Werk, der bislang eher C-Ware auf der Vita vorweisen kann. Vertrauen in den Underdog oder doch eher ein Zeichen, dass man die Marke abgeschrieben hat? Wir werden sehen.
Ich glaub ich steh auf Hoth
Quelle: Capcom
Lost Planet 3 im Test (16)
Keine Sorge, ihr werdet in Lost Planet 3 nicht auf irgendwelche Tauntauns treffen und auch das Imperium hält sich zurück. Es dürfte euch aber freuen, dass man sich wieder vom Setting des zweiten Teils entfernte und E.D.N. III endlich wieder so aussieht, wie Fans es sich schon bei Teil 2 gewünscht haben. Wie so was möglich ist? Wie aus einer Dschungel-Wüsten-Landschaft wieder eine Eiskugel wird? Prequel, lautet hier das Zauberwort. Lost Planet 3 spielt zeitlich viele Jahre vor Extreme Condition. Dementsprechend müsst ihr euch auf einige Änderungen einstellen. Erste Neuerung, die sicher nicht nur auf Gegenliebe stößt, betrifft euren Überlebensanzug: Dieser benötigt keine T-Energie mehr. Das macht den Zock zwar entspannter, da man auch mal in Ruhe die Gegend erkunden kann, aber gerade dieser kleine Survivalaspekt war bei vielen Fans sehr beliebt. Die zweite Neuerung betrifft euren Mech (später bekannt als Rig). Da es sich bei eurer Mission um eine reine Bergbaumission handelt, sind diese Maschinen in Lost Planet 3 noch nicht bewaffnet. Zwar können, und müssen, Greifarm, Bohrer usw. später zweckentfremdet werden, wer sich aber auf Rigs mit dicken Wummen und Raketenwerfern freut, wird enttäuscht. Was aber geblieben ist, sind die Akriden. Ihr trefft erneut auf alle möglichen Varianten dieser Krabbeltierchen. Von menschengroßen Ameisenakriden über Krabbenakriden, die euch um ein mehrfaches überragen, bis hin zu turmhohen Wurmakriden bleiben hier kaum Wünsche offen. Fans der Reihe werden vollends zur Zufriedenheit bedient.
Wer A…krid sagt, muss auch B…ewaffnung sagen. Aus diesem Grund steht euch ein kleines Arsenal an Meinungsverstärkern zur Verfügung. Angefangen von eurer Pistole mit Endlosmunition über das obligatorische Sturmgewehr, die Schrotflinte, eine Scharfschützenwumme, Granatwerfer und auch ein kleiner Exot in Form einer Armbrust. Für jede Waffe gibt es auch ein passendes Upgrade (z.B. größeres Magazin für das Sturmgewehr). Ach und wo wir gerade bei Upgrades sind: Auch unseren Mech dürfen wir aufrüsten in dem wir z.B. die Panzerung verstärken oder einen T-Energiesammler installieren. Daneben gibt es auch immer wieder storyabhängige Upgrades. So wird aus eurem Enterhaken, ja der ist wieder dabei, im Storyverlauf ein magnetischer Haken. Damit werden euch nach und nach weitere Areale zugänglich gemacht die euch einige Spielstunden zuvor noch versperrt waren.
Quelle: Capcom
Lost Planet 3 im Test (15)
Hoth, äh… E.D.N.III ist keine offene Spielwelt. Stattdessen besteht es der Planet aus verschiedenen Arealen, die großen Arenen gleichen. Das ist zwar für den Entwickler nett, da man so die Hardwareleistung "konzentrieren" kann, aber für uns Spieler resultiert das in ziemlich nervigen Ladezeiten bei jedem Übergang... und wir reden hier von 20-30 Sekunden (trotz Installation). So was ist nicht mehr wirklich zeitgemäß. Ebenfalls ein nerviges Spielelement: Backtracking. In kaum einem Spiel der letzten Monate wurden wir so oft zwischen bekannten Gebieten hin und her geschickt wie hier. Jedes Mal verbunden mit nervigen Ladenzeiten zwischen den Arealen und (gefühlt) ewiger Latscherei mit dem Mech. Natürlich ist so ein turmhoher Mech kein Porsche, aber wenn man dann mal 5 Minuten nur von A nach B latscht um eine 20 Sekunden Sequenz zu sehen und dann wieder 5 Minuten zurück nach A trotten muss, hört der Spaß leider auf.
Handlung? Bring mal den Storybaukasten!
Quelle: Capcom
Lost Planet 3 im Test (9)
Handlung wird überbewertet, das zeigen u.a. Spiele wie Diablo 3, aber was Spark hier abliefert ist dann doch mehr als enttäuschend. Keine Sorge, wir spoilern nichts, aber die Handlung ist so was von 08/15 - dagegen wirkt sogar Max Mustermann wie ein Individualist. Der Gipfel der Klischees ist dann der Anführer einer bestimmten Gruppierung. Diesem hat man einen asiatischen Look verpasst und prompt wirft der Gute auch mit Zen-Weisheiten um sich. Hier wurde massig Potential verschenkt. Zumal die Charaktere in den Zwischensequenzen ziemlich gut aussehen. Zwar gewinnt unser Protagonist Jim Peyton keinen Schönheitswettbewerb, aber die anderen Charaktere wirken teilweise ziemlich lebensecht. Wo wir aber gerade bei Peyton sind, wieso schaut der Typ die ganze so, als hätte sein Überlebensanzug an gewissen Stellen eine Dauervibrationsfunktion? Selbst mitten im Gefecht hat der gute Mann einen Gesichtsausdruck, den man getrost als doof-dusselig bezeichnen kann. Dazu kommt ein Laufstil, den wir hier mal als "tuffig" bezeichnen wollen. Der Mann trägt dicke Wummen und einen schweren Kälteschutzanzug, aber hüpft in einer beschwingten Art und Weise durch die Gänge der Heimatbasis, dass man unweigerlich an die Ritter der Kokosnuss erinnert wird.
Ice, Ice Baby.
Quelle: Capcom
Lost Planet 3 im Test (10)
Für uns das klare Highlight des Games: E.D.N. III. Klar gibt es hin und wieder eine verwaschene Textur, aber atmosphärisch ist die Inszenierung des Eisplaneten echt spitze. Sei es ein schwerer Schneesturm, ein Gewitter, das in einigen Kilometern tobt oder einfach nur die Sonne, die sich an Eiskristallen in den Luft bricht. Wir haben uns im Test immer wieder ertappt, dass wir in jedem Areal erst mal einige Minuten stehen blieben um die Landschaft und den Horizont zu bewundern. Wenn ihr euch eine kleine Vorstellung machen wollt: Sicher haben die meisten von euch den Film Armageddon (mit Bruce Willis) gesehen. An sich kein Highlight aber darum geht es nicht. Erinnert euch an die Szene als die Crew das erste Mal auf dem Killerasteroid landet und man das Panorama sieht. Jetzt habt ihr einen kleinen Eindruck davon, wie manche Areale von E.D.N. III wirken. Wir waren jedenfalls begeistert. Ebenfalls positiv fanden wir die Entscheidung, dass nicht alle Areale gleich aussehen. Von ruhigen Schneefeldern über sturmumtoste Berggipfel bis zu Lavafeldern wird hier einiges geboten. Wo die Optik zu begeistern weiß, enttäuscht uns leider der Sound oder besser gesagt die deutsche Synchro. Wer kam denn bitte auf die himmelschreiend dämliche Idee, die Sprecher das Wort "Mech" so sprechen zu lassen wie es geschrieben wird und nicht als [Mek] wie es eigentlich üblich ist? Gelegentliche Tonaussetzer runden das durchwachsene Gesamtbild dann noch ab.
Schneeballschlacht mal anders
Natürlich hat man nicht auf einen Multiplayer verzichtet. Allerdings bietet dieser ziemliche Standardkost. Diese wurde zwar an das Setting angepasst (statt einer Flagge müsst ihr einen T-Energiekanister zum Sammelpunkt bringen) aber es bleibt eben Standardware. Außerdem waren zum Testzeitpunkt die Server ziemlich leer, weshalb das Matchmaking teils recht lange gedauert hat. Für ein wenig Unterhaltung und eine schnelle Runde zwischendurch ist der Multiplayer aber durchaus geeignet.
