Call of Duty geht nicht nur in die nächste Runde, sondern auch in die nächste Generation. Wir haben erneut den Mehrspielermodus auf der Xbox One anspielen können und neue Szenen aus der Kampagne gesehen. Die sind wie gewohnt episch inszeniert. Aber der Funke will nicht überspringen: So langsam kommt das System Call of Duty ins Stocken. Denn die Konkurrenz schläft nicht.
November bedeutet für viele Stress. Der Winter beginnt, das Wetter wird feucht und kalt. Das nervt. Weihnachten steht an, Millionen Menschen drängen sich in Innenstädten zusammen, um in einem Konsumrausch Gehalts-Boni in Geschenke umzutauschen. Auch das nervt. Nur Gamer trifft man in dieser Zeit selten draußen an. Sie sitzen vor ihren Konsolen und PCs und schreien despektierliches über fremder Leute Mütter in ein Headset. Denn November bedeutet auch: Call of Duty ist wieder da!
In München haben wir nun neue Informationen zur Kampagne bekommen, eine Spielmission im Weltall gesehen und den Mehrspieler-Part umfangreich angespielt.
Im Weltall hört dich keiner schreien
Quelle: Activision
Call of Duty im Weltall: Ghosts eröffnet mit Raum-Flug
Call of Duty: Ghosts setzt schon früh auf einen Aha-Effekt. In der ersten Mission verfolgen wir Terroristen ins Weltall. Dort wollen sie die Raumstation Odin in ihre Gewalt bringen. Das dunkle Geheimnis: Odin ist mehr als nur ein Satellit. Odin ist eine interstellare Waffe! Die Station im Orbit verschießt Magnesium-Geschosse auf die Erde, die sich durch die Reibung beim Erdeintritt zu Massenvernichtungswaffen aufheizen.
In typischer Call-of-Duty-Art ist das sehr imposant inszeniert. Einen kurzen Moment verfolgen wir die Terroristen sogar frei schwebend im Weltall! Doch es hilft nichts. Sie bringen die Raumstation in ihre Gewalt, wollen feuern. Was würde ein guter Amerikaner also lieber tun, als in den Heldentod zu gehen? Achtung, Spoiler: Er tut es. Zusammen mit der Station stürzen wir in einer beeindruckenden Szene der Erde entgegen. Nur wenige Minuten nach dem Start der Kampagne stirbt unser erster Protagonist. Knall auf Fall.
Quelle: Activision
Call of Duty: Ghosts in der Vorschau (3)
Weiter geht es mit anderen Charakteren überall auf der Welt. Der Vorfall hinterlässt auf der Erde seine Spuren. Die US-Regierung zerfällt, das Militär liegt zerbrochen am Boden und das ganze Land ist im Ausnahmezustand. Ganze Städte liegen zerstört vor uns. Nur die Ghosts, eine Elite-Einheit des Militärs, funktioniert noch so, wie sie soll. Die Ghosts kämpfen verdeckt und erfolgreich auf der ganzen Welt. Praktisch: Wenn es kein Staatssystem mehr gibt, muss sich auch endlich kein Patriot mehr Gedanken über (Kriegs-)Verbrechen machen, die in Call of Duty bislang nicht zu knapp vorkamen. Wo kein Richter, da kein Henker.
Anders als in den Vorgängern beschränkt sich Call of Duty: Ghosts auf die kleine Zahl an Soldaten in der Einheit. Die Entwickler wollen eine persönlichere Geschichte erzählen und keine weltumspannende Verschwörung aus möglichst vielen Blickwinkeln beleuchten. Und weil Menschen manchmal nicht genug sind, ist da auch Riley. Ein sogenannter Service-Dog, die es auch im echten Militär gibt, erzählt uns einer der Produzenten. Der Köter trägt eine Weste mit Kameraaufsatz und Headset – damit ihm das Herrchen Befehle per Funk zurufen kann.
Call of Duty – das ist doch eigentlich nur Multiplayer!
Quelle: Activision
Call of Duty: Ghosts in der Vorschau (4)
Während sich Spieler im vergangenen November noch zu Tode über die veraltete Servertechnik aufgeregt haben, macht Activision in der Next Gen endlich einen Schritt nach vorn: Dedicated Server! Und alle so: "Yeah. Aber hey, es wurde auch Zeit." Bislang bestätigt sind die aber nur für die Xbox One. Die Server liegen in der Xbox Live Cloud und die Zeiten, in denen das Spiel pausiert wird, um den Host zu wechseln, sind endgültig vorbei. Ob das Feature auch auf PC, Playstation 4 sowie Current Gen Einzug hält, will Activision jedoch auch auf Nachfrage nicht kommentieren.
In München konnten wir nun die Xbox-One-Fassung im Mehrspieler testen und uns ein Bild von den neuen Spielmodi machen. Die sind, wenig erstaunlich, wirklich gut geworden. Entwickler Infinity Ward versteht es einfach, neue Ideen in das ansonsten angerostete, kaum veränderte Gameplay einfließen zu lassen. Ein echter Action-Hit ist beispielsweise Cranked. Sobald man einen ersten Kill gelandet hat, zählt ein unerbittlicher Countdown von 30 Sekunden herunter. Schafft man es in der Zeit nicht, einen weiteren Kill zu machen oder zumindest zu helfen, explodiert man. Entsprechend hektisch geht es auf den Karten zu. Camper sind aufgeschmissen und gezwungen, sich zu bewegen. An ein paar Stellen, etwa einer leicht erhöhten Position in einem Gebäude, kann man zwar gut snipern – ist aber auch für alle anderen ein gefundenes Fressen. Cranked fühlt sich an, wie Deathmatch auf Crack!
Mehr Taktik, mehr Teamplay – aber nur in kleinen Portiönchen
Quelle: Activision
Call of Duty: Ghosts in der Vorschau (6)
In Blitz hingegen legen die Entwickler Wert auf Teamplay. Aufgabe ist es, einen Spieler durch ein Portal in der "Homebase" der Feinde zu schicken. Er muss es lediglich berühren und wird dadurch zurück ins eigene Spielfeld teleportiert. Klingt einfach, ist aber ganz schön komplex. Denn jedes Team muss sich in Angreifer und Verteidiger aufteilen. Online kann das schon mal zum Problem werden, weil man mit unbekannten Mitspielern eher hitzköpfig spielt. Auch bei unserer Anspiel-Runde kommuniziert niemand – obwohl wir alle nebeneinander sitzen! Was folgt, ist ein trauriges Bild. Teils warten mehrere Spieler in der feindlichen Basis darauf, dass der Cooldown abklingt, nachdem einer das Portal erreicht hat. Sie sind dort aber gefundenes Fressen für Verteidiger. Auf der eigenen Seite hingegen herrscht ein Ungleichgewicht: Weil alle nach vorn preschen, gibt es zu wenige Verteidiger und Gegner brechen durch.
Eher überlegt gehen wir hingegen in Search & Rescue vor. Der Spielmodus ist eine Abwandlung des beliebten Modus Kill Confirmed. Im Original geht es nicht nur darum, einen Feind abzuknallen, sondern auch sein Dogtag einzusammeln. Das sorgt für viel Bewegung und schreckt Camper ab: Weil die irgendwo versteckt rumliegen, machen sie zwar Kills, aber keine Punkte. Wenn ein Mitspieler aus dem eigenen Team die Marke einsammelt, kassieren die Gegner nichts. Search & Rescue treibt das Prinzip auf die Spitze: Spieler verlieren beim Tod ihre Hundemarke. Wenn ein Feind sie aufsammelt, darf er in dieser Runde nicht mehr spawnen und muss, wie in Counter-Strike, das Ende der Runde als Zuschauer abwarten. Erst wenn ein Teammitglied die Marke einsammelt, darf man wieder starten. Anders als in Blitz gehen Spieler deshalb viel langsamer und bedächtiger vor. Die Angst, die nächsten paar Minuten aus passiver Zuschauer verbringen zu müssen, schärft die Sinne!
Ist das schon Next Gen?
Quelle: Activision
Call of Duty: Ghosts in der Vorschau (1)
Stellt euch vor: Ihr seid mit einem Team von Freunden unterwegs, kämpft euch durch ein Haus. Um euch herum explodieren Granaten und Raketenwerfer. Ein Spieler setzt C4, ein anderer mannstoppende Minen. Und plötzlich kracht die Wand vor einem ein. Und nicht nur die! Das ganze Gebäude neigt sich zur Seite. Menschen, Waffen, Maschinen und Gerümpel schlittert herunter. Euer Charakter ist im 100sten Stock eines Hochhauses und fällt dem Boden entgegen. Hinter ihm stürzt das Haus ein und umhüllt die ganze Map mit Asche. Nun, ihr spielt gerade leider Battlefield 4 und nicht Call of Duty. Denn Ghosts versteht unter zerstörbaren Umgebungen, dass Glas, Holz und einige wenige Deckungen zerstörbar sind. Häuser? Nope. In Sachen Inszenierung und Map-Interaktivität ist Ghosts so statisch wie eh und je. Da hilft auch ein Atomschlag, der die Karte geskriptet verändert, nicht darüber hinweg.
Quelle: Activision
Call of Duty im Weltall: Ghosts eröffnet mit Raum-Flug
Gerade heraus geschockt waren wir von der Optik des Next-Gen Call of Duty. Sicherlich wirkt die Grafik aufpoliert und hübscher als im Vorgänger Black Ops 2. Aber ehrlich: Das wurde auch Zeit. Call of Duty hätte schon lange ein Grafiksprung hinlegen müssen und kommt mit Ghosts in der Next Gen noch nicht da an, wo andere Shooter schon lange sind. Texturen am Boden sind noch immer viel zu niedrig aufgelöst, volumetrische Effekte wie Sand und Nebel bekommt die Engine bei weitem nicht so schön hin, wie Konkurrenten und insgesamt sieht Ghosts total plastisch und einfach nicht real aus.
Auf der anderen Seite kann die Engine ein paar Dinge aber sehr gut. Lichteffekte zum Beispiel. Die täuschen an manchen Stellen über die grafischen Unebenheiten hinweg. Aber vor allem der Mehrspielermodus, in dem solches Bling-Bling nicht gefragt ist, zeigt sich Ghosts eher von seiner enttäuschenden Seite.
