NHL 14 im Test: Das Déjà-vu

Test Thomas Pfnür

Und schon wieder ein Jubiläum. Vor 20 Jahren erschien NHL 94, ein nach EA wichtiger Meilenstein der Franchise. Grund genug, warum der aktuelle Ableger ganz im Zeichen dieser Anfang der 90er erschienenen 16-Bit-Version steht. Da werden wir ganz nostalgisch. Viel lieber wären wir aber begeistert. Sind wir aber nicht, denn leider schließt sich NHL 14 brav dem diesjährigen Motto vieler Sportspiele an: Biete wenig Neues und setzte auf Altbekanntes.

NHL 13 + NHL 94 = NHL 14

Was wird nicht alles in punkto Weiterentwicklung versprochen. Zum einen soll NHL 14 laut Publisher diverse Verbesserungen in der Kollisionsabfrage, ein geändertes Dekesystem und noch realistischeres Schlittschuhlaufen beinhalten, dazu später mehr, zum anderen soll es sich beim aktuellen Ableger vor allem aber auch um eine Hommage an NHL 94 handeln. Electronic Arts will dem Spieler heuer die Möglichkeit geben, durch die in den 90ern revolutionäre Drei-Tasten-Steuerung wieder dieses einfache Gefühl zu erleben, sofort Herr der eisgekühlten Lage zu sein. Verpackt in einem nur sehr leicht angepassten Look & Sound will man euch ein wenig in die Anfangszeit der NHL-Franchise zurückversetzen. Und ja, es wird tatsächlich nicht zu viel versprochen. Der Jubiläumsmodus macht vieles, wenn auch nicht alles richtig. Wie vor 20 Jahren bringt es enormen Spielspaß den Puck mit simpelsten Controllerbefehlen über das blaue Eis gleiten zu lassen und sich um reale Physik den sprichwörtlichen Teufel zu scheren. Eine perfekte Abwechslung zum normalen, doch sehr tiefgründigen, enorm umfangreichen und deshalb auch etwas schwer zugänglichen Gameplay eines NHL der letzten Jahre.

NHL 14 (1) NHL 14 (1) Nichtsdestotrotz bietet natürlich auch NHL 14, abseits von Jubiläum und 94er-Modus, weiter diesen spielerischen Tiefgang. Leider aber eben auch nahezu unverändert zu den diversen Vorgängern.

Womit wir auch schon ohne große Umwege wieder bei den Versprechungen wären. Kollisionen sollen, glaubt man den Entwicklern, nun noch größer, noch spektakulärerer und noch realistischer ablaufen. Korrekt ist, dass Checks durch ein fein geändertes Steuerungsschema nun leichter auszuführen sind und sich im Endergebnis etwas stimmiger anfühlen. Die spielerischen Auswirkungen bleiben aber trotzdem eher marginal.

Schon mehr wirkt sich da die bereits erwähnte Änderung des Fintensystems aus. Die Aus- bzw. Durchführung dieser Täuschungsaktionen wurde deutlich vereinfacht. Linker Stick und Schultertaste, mehr ist auch schon nicht mehr nötig, um den gegnerischen Spieler durch diverse Dekekombinationen ins Leere laufen zu lassen. Gerade Anfänger und Neueinsteiger werden sich über den dadurch angebotenen leichteren Einstieg sicher freuen.

Schon seit letztem Jahr bietet NHL durch das True Performance Skating ein physikbasiertes Schlittschuhlaufen. Realismus pur, wie wir bereits damals feststellen durften. 12 Monate später verspricht Electronic Arts, dem Ganzen eine noch bessere Spielerempfindlichkeit und eine noch nie dagewesene Kontrolle spendiert zu haben. Und richtig, manche Bewegungen, wie etwa das Seitwärtsskaten, bestimmte Drehungen und der schnelle Sprint, fühlen sich nun etwas anders an und gehen leichter, oder sagen wir passender von der Hand. Richtig ist leider aber auch, dass es sich trotzdem nur um Feintuning handelt, welches manche Spieler aufgrund der zu geringen Einflussnahme auf das eigentliche Gameplay vielleicht erst auf den zweiten, dritten oder gar vierten Blick bemerken werden. Marginalien nennt man so etwas wohl heutzutage.

NHL 14 (3) NHL 14 (3) Und sonst? Das Kampfsystem bei den alle Nase lang vorkommenden Rangeleien zwischen den hockeyspielenden Heißspornen basiert nun auf die nicht mehr gerade besonders frische Fight Night Technologie. D. h. wahre "Boxevents" mit entsprechendem Schlagrepertoire können nun auf dem Eis abgehalten werden. Wer's braucht.

Mehr braucht man da schon eine gut funktionierende KI. Und in der Tat die künstliche Intelligenz ist immer noch sehr fordernd und verhält sich in den meisten Aktionen enorm realistisch. Trotzdem dürft ihr euch auch weiterhin über bekannte Aussetzer der CPU-gesteuerten Kollegen ärgern. Arbeitsverweigerungen, defensiver wie offensiver Natur, gehören leider auch bei NHL 14 zum Standardprogramm.

Insgesamt bleibt das Gameplay aber auch mit dem aktuellen Ableger auf einem hohen Qualitätsniveau, bringt viel Spielspaß und wird kaum zu wenig fordern. Einziger wirklicher Makel, und das können auch die diversen Versprechungen von EA nicht verhindern, ist und bleibt die fehlende Weiterentwicklung zum letzten Jahr. NHL 14 fühlt sich einfach deutlich zu viel nach NHL 13 an.

Lebe das Leben

Be a Pro ist Vergangenheit, neu ist Lebe das Leben. Gemeint ist damit, dass sich die Spielerkarriere nun etwas anders spielt. Natürlich ist der Hauptaspekt immer noch mit eurem selbst erstellten und vielleicht euch sogar wegen Gameface ähnlich sehenden Alter Ego – alternativ kann man übrigens auch mit einem aktiven NHL-Star spielen – ein möglichst erfolgreiches Eishockeyleben zu absolvieren. Gestartet wird wie gehabt in einer der niedrigen nordamerikanischen Ligen. Durch erfolgreiche Aktionen bekommt ihr mehr Eiszeit, irgendwann steigen dadurch eure Fähigkeiten und schlussendlich werden andere, höherklassige Teams auf euch aufmerksam. Nichts Neues also.

NHL 14 (4) NHL 14 (4) Neu ist allerdings, dass nun auch ein Augenmerk auf das Leben neben dem Eis gelegt wird. Gespräche mit Mitspielern oder Gegnern, Interaktionen mit Trainern oder Managern und Interviews mit der neugierigen Presse können jetzt nicht nur durchgeführt werden, sondern haben auch direkten Einfluss auf dein Verhältnis zu den Fans, Spielern, deiner Familie und der Vereinsführung. Je nachdem spiegelt sich dies dann in einem Fähigkeitszugewinn oder -verlust der Spielfigur wieder. Die Entscheidungen in den meist simpel aufgebauten und doch relativ langweilig präsentierten Frage-Antwort-Spielchen können also durchaus eine gewichtige Rolle spielen, wenn es darum geht, ob ihr den nächsten Karriereschritt erfolgreich absolviert. Insgesamt wird der Spielerkarriere damit tatsächlich eine neue Facette hinzugefügt, die im Ergebnis etwas mehr Tiefgang bringt. Trotzdem ist es aber auch so, dass dies alles gerade durch den tristen Aufbau kaum diesen mitreisenden Effekt hat und man es teilweise sogar eher als lästiges Beiwerk sieht, das halt erledigt werden muss. Ein NBA 2K macht das deutlich besser – ein NHL vielleicht irgendwann dann auch, denn zumindest sieht man schon jetzt das Potential dieses neuen Features.

Apropos Potential. Damit kann der restliche Modiumfang durchaus dienen. Neu daran ist aber, auch wenn wir uns nun zum x-ten Mal wiederholen, leider nichts, überhaupt nichts. Neben der gerade beschriebenen Spielerkarriere, könnt ihr weiterhin ein Leben als General Manager oder als Legende der vergangenen, glorreichen NHL-Zeit starten. Ablauf, Inhalt und Ziel sind dabei aus den diversen Vorgängern bereits hinlänglich bekannt.

Selbiges auch beim Onlinespiel. Ein schnelles Spiel zwischen Freunden, eine über 25 Spielzeiten dauernde Karriere als GM, Trainer oder Spieler oder das Erstellen einer eigenen Liga samt Einladung entsprechender Mitspieler ist ebenso weiterhin über PSN bzw. Xbox Live möglich, wie das wochenlange Austoben in der mittlerweile wohl wirklich in jeder Sportspielumsetzung vorkommenden Variante Ultimate Team. Letzteres bietet nun ein Auf- und Abstiegssystem. Je erfolgreicher ihr seid, umso größer ist die Chance in die nächsthöhere Division mit stärkeren Gegnern aufzusteigen. Im Gegenzug führen viele Niederlagen natürlich zu einem Abstieg. Bringt etwas mehr Spieltiefe, verändert aber NHL UT nicht wirklich entscheidend.

Insgesamt hätten wir uns gewünscht, dass sich das von EA groß angekündigte Jubiläum auch in den Modis gezeigt hätte. Warum gibt es keinen Modus basierend auf NHL-Umsetzungen der Vergangenheit? Wo bleibt also die wirkliche Hommage? Warum ist nicht zumindest ein NHL 94 komplett spielbar? Aber wer weiß, vielleicht gibt es das Ganze ja doch als Easter Egg irgendwo zu finden. Hoffen darf man zumindest.

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