Die Blätter fallen von den Bäumen, das Wetter wird kühler und Vettel steht mal wieder vor dem Gewinn eines weiteren Weltmeistertitel - Zeit also, sich, wie jedes Jahr, mit der neuen F1-Umsetzung aus dem Hause Codemasters zu beschäftigen. Ernüchterndes Ergebnis: Der Rennspielserie droht ein kapitaler Motorschaden.
Direkte Steuerung und realistischer Reifenverschleiß?
Spielerisch werdet ihr euch bei F1 2013 darauf einstellen können, dass ihr euch auf nichts (Neues) einstellen müsst, zumindest dann nicht, wenn ihr Kenner des Vorgängers seid. Man muss schon sehr genau hinsehen, oder besser hinfühlen, um zu merken, dass sich die eine oder andere Marginalie geändert hat. So kann man beispielsweise durchaus feststellen, dass sich die Steuerung im aktuellen Ableger etwas direkter gibt, man also noch schneller Rückmeldung auf bestimmte Aktionen bekommt. Dass sich deshalb das Gameplay groß ändern und man etwa ein komplett anderes Spielgefühl geboten bekommen würde, kann man allerdings nicht behaupten. Selbiges bei der angekündigten, verbesserten Simulation des Reifenverschleißes. Noch realistischer, noch stimmiger soll selbiger sein, vor allem aber auch, soll sich ein abgefahrener Pneu noch mehr auf das Fahrverhalten auswirken. Theoretisch. Praktisch wird wohl nur der absolute Rennspielfetischist diese Feinheit wirklich mitbekommen. Otto Normalspieler fragt sich hingegen verwundert, wo denn hier bitte der Unterschied zu F1 2012 sein soll.
Quelle: Codemasters
F1 2013 (8)
Und auch der Rest gibt sich überwiegend unverändert. Das Schadensmodell ist zwar schön integriert, aber immer noch Lichtjahre von der Realität entfernt. Und die KI verhält sich weiterhin viel zu unausgewogen. Einerseits können die intensiven Positionskämpfe gegen die CPU-Gegner richtig begeistern, anderseits nervt einen das absolut dümmliche Verhalten der künstlichen Intelligenz. Etwa wenn euch mal wieder der Heckflügel von einem überholenden, ideallinienbesessenen Fahrzeug weggefahren wird oder wenn sich die CPU-Boliden partout nicht an einem unübersehbaren Hindernis vorbeiquetschen wollen, stattdessen sinnfreie Massenkarambolagen verursachen. Verfluchen könnte man in solchen Situationen die Entwickler. Und wenn wir gerade beim Verfluchen sind, auch das Strafsystem hat sich keinen Deut weiterentwickelt, zumindest was die Nachvollziehbarkeit angeht. Schon beim Vorgänger konnte man irgendwie kein System dahinter erkennen, wann nun eine Flagge gezeigt oder eine Verwarnung ausgesprochen wird. Bei F1 2013 ist dies leider nicht besser geworden. Immer noch ärgert man sich über das Wie einer Disqualifikationen und besonders auch darüber, dass dieses bekannte Problem die letzten 12 Monate einfach nicht behoben wurde.
Quelle: Codemasters
F1 2013 (7)
Schön dagegen, dass euch weiterhin enorm viele Möglichkeiten an die Hand gegeben werden, den spielerischen Schwierigkeitsgrad auf eure ganz persönlichen Bedürfnisse einzustellen. Zuschaltbare Hilfen wie ABS, Traktionskontrolle, optische Ideallinie, Rückspulfunktion usw. werden nicht nur Neulinge begeistern. Ebenfalls wieder über jede Kritik erhaben, sind die Wetter- bzw. Regeneffekte. Optisch sowieso schon immer eine Pracht, können sie auch bezüglich des Gameplays weiterhin überzeugen. Dieses schwammige Gefühl, was wohl ein F1-Pilot bei nassen Wetterverhältnissen verspüren muss, wird absolut stimmig simuliert und auf den Controller bzw. das Lenkrad gelegt. Übrigens Lenkrad. Die Cockpit-Kamera bietet nun durch die geänderten, nun etwas größer wirkenden Außenspiegel eine etwas bessere Übersicht. Das realistischste und mitreißenste Fahrgefühl bietet sie natürlich sowieso – wie vor einem Jahr halt auch schon.
Alles dreht sich um die Vergangenheit
Die reale Formel 1 Saison neigt sich unwiderruflich ihrem bekannten Ende zu. 19 Grand Prix werden Ende November gefahren sein, 11 Teams werden über das Jahr mehr oder minder erfolgreich teilgenommen haben und Deutschland, sorry natürlich Vettel, wird schlussendlich zum Weltmeister gekürt. Jahr für Jahr dieselbe Leier. Ähnliches bei der Versoftung des Spektakels durch Codemasters. F1 2013 bietet euch, wie sollte es anders sein, erneut die Möglichkeit die wohl eintreffenden Saisonendergebnisse zu bestätigen oder gar komplett zu ändern. Alle offiziellen Autos, Teams, Fahrer und natürlich Strecken sind enthalten – komplett spiel- und auswählbar. Mehr Lizenz in punkto F1 geht praktisch nicht.
Quelle: Codemasters
F1 2013 (14)
Den spielerischen Unterbau bieten die bekannten Modi Grand Prix, Karriere inklusive eines leicht geänderten Young Driver Tests und natürlich die Saison Challenge. Auch ein Multiplayer ist wieder in üblicher Form enthalten. Per PSN bzw. Xbox Live, per Split Screen vor einem Bildschirm oder per System Link könnt ihr in freiwählbaren Spielumfang den besten Rennfahrer unter euch bestimmen. Unser Favorit hierbei ist übrigens ganz klar der geteilte Bildschirm, weil hier ganz einfach die beste Stimmung im heimischen Wohnzimmer aufkommt. Schade, dass die technische Qualität des Mehrspielermodus kaum mit der spielerischen Quantität mithalten kann. Aber dazu später mehr.
Quelle: Codemasters
F1 2013 (4)
Aber was ist nun wirklich neu, wird der eine oder andere absolut berechtigt fragen. Die meisten Inhalte kennen wird doch bereits zur Genüge aus dem Vorgänger bzw. den Vorgängern. Absolut richtig, F1 2013 bietet richtig viel inhaltliches Recycling, will aber zumindest durch eine Neuerung auch ein neues Highlight setzen. So gibt es im aktuellen Ableger ein komplett neues Thema: Die F1-Historie. Mit dem sogenannten Classic-Modus wird versucht die Vergangenheit der Rennserie uns Spielern näher zu bringen. Standardmäßig konzentriert sich der Titel hierbei auf die 1980er. 10 legendäre F1-Piloten, wie etwa Mansell, Hill oder Berger, fünf klassische Boliden von Ferrari, Williams und Lotus, sowie zwei Strecken genau aus jener Zeit (Jerez de la Frontera und Brands Hatch) werden euch zur Auswahl für die Spielvarianten Grand Prix, Zeitfahren oder Szenario angeboten. Logisch, dass ihr aufgrund dieses überschaubaren Umfangs kaum historische Spieltiefe erwarten braucht. Dafür bringt aber zumindest der integrierte Classic-Szenario-Modus mit seinen Herausforderungen im Stile Überhole Fahrer A oder Halte Team B in Schacht etwas kurzweiligen Spielspaß. Schön auch, dass sich die klassischen Fahrzeuge grundsätzlich etwas schwerfälliger als die aktuellen Boliden steuern und somit ein Umdenken von euch erfordern. Insgesamt kann aber auch dies nicht über den insgesamt doch sehr dürftigen Inhalt hinwegtäuschen, weshalb wir den spielerischen Mehrwert tendenziell eher als gering empfinden. Auch von der technischen Umsetzung hätte wir uns irgendwie deutlich mehr erwartet und gerade in punkto Präsentation sind wir sogar richtig enttäuscht. Uninspirierter hätte man solch eine Thematik in F1 2013 kaum einbauen können – entweder fehlte hier die Zeit oder, schlimmer noch, die entsprechenden Ideen. Ein gewisses "Geschmäckle" bekommt der Classic-Modus dann auch noch dadurch, dass bereits zum Release DLCs bereitstehen, die euch gegen harte Währung neue Strecken, Fahrer oder Autos aus anderen Epochen anbieten wollen. Bleibt aber der Zweifel, ob durch (DLC-)Masse jetzt unbedingt der historische Spielspaß steigt.
Übrigens einen Szenario-Modus gibt es nicht nur in der klassischen Variante, nein auch aktuelle Rennsituation dürfen von euch nachgespielt werden. Insgesamt gibt sich diese Spielvariante deutlich umfangreicher, als sein historisches Pendant. Je nach gewählten Schwierigkeitsgrad verdient ihr euch darin entsprechende Medaillen und Leistungspunkte, die ihr, dem Social-Network-Wahn geschuldet, natürlich auch gleich der ganzen Welt zeigen bzw. mitteilen dürft.
