Crimson Dragon für Xbox One im Test: Wenn Panzer Dragoon das wüsste...

Test Sandro Odak

Crimson Dragon ist einer dieser Xbox One Digital-Titel, die bereits zum Launch erscheinen und so aussehen, als hätte Microsoft sie schon seit der ersten Xbox in der Hinterhand. Lahmes Gamedesign trifft auf extrem veraltete Grafik und eine total absurde Story. Der Saturn-Klassiker Panzer Dragoon würde sich im Grabe umdrehen, wenn er diesen inoffiziellen Nachfolger sehen müsste.

Disclaimer: Die von Microsoft zur Verfügung gestellten Screenshots entsprechen nicht der grafischen Qualität des fertigen Produkts. Sie sehen eher wie Artworks aus, im besten Fall stammen sie aus geschönten Ingame-Zwischensequenzen. Wir haben daher eigene Screenshots in einer Szene aufgenommen und sie in 720p via Upload Studio übertragen. Dabei gibt es zwar einen marginalen Qualitätsverlust - dieser ist in diesem Fall jedoch zu vernachlässigen.

Derselbe Game Director, derselbe Soundtrack-Komponist, ein ähnliches Szenario… Sind wir mal ehrlich: Das einzige, was Crimson Dragon zu einem richtigen Panzer-Dragoon-Nachfolger fehlt, ist der offizielle Name. Der Rest fühlt sich durchaus wie ein Nachfolger des Saturn-Klassikers an, der später auch auf der ersten Xbox ein Wiedersehen feierte. Hinter dem nichtssagenden Namen steckt ein waschechter Railshooter auf dem Rücken eines Drachen. Was mir dabei als erstes durch den Kopf ging: Shit! Railshooter gibt es noch? Sicherlich haben in der Vergangenheit Titel wie House of the Dead und Child of Light gezeigt, dass das Genre mit einer spannenden Idee noch nicht ganz am Boden ist. Aber wenigstens haben sie mit interessanten Eingabemöglichkeiten geglänzt. Sogar Fable: The Journey hatte hinter sich eine Designidee. Peter Molyneux wollte seinerzeit alles aus Kinect rausholen und einen Must-Have-Titel für Coregamer schaffen. Gut, das ging in die Hose, aber der Wille war da! Crimson Dragon fühlt sich hingegen an, als käme es aus einer anderen Zeit. Komplett ohne Plan und ohne einen Funken eigener Ideen.

Die Hintergrundgeschichte: Bullshit

So würde Crimson Dragon gerne aussehen... Quelle: Microsoft So würde Crimson Dragon gerne aussehen... Achtung, Rekruten: Hier kommt die Hintergrundgeschichte. Menschen haben die Erde verlassen, um fremde Planeten zu besiedeln. Was sie nicht wussten. Der gewählte Himmelskörper ist VOLL mit Drachen und mystischen Wesen. Und komischerweise mögen diese fliegenden Monster uns Zwei-Bein-Krabbler nicht so sehr. Wie passend, dass ein paar Auserwählte mit den Viechern reden und auf ihnen reiten können. Sie sollen für Ruhe und Frieden sorgen. Denn eine Epidemie sorgt für weiteren Stress, der die Siedler fast auslöscht. Näherer Zusammenhang? Unnötig. Was man wissen muss ist: Schwing dich auf diesen Drachen, flieg Patrouille und schieß einfach alle Monster ab, die du dabei triffst. Zwischendrin sammelt man noch Informationen ein, die passenderweise gelbleuchtende, in der Luft schwebende Bojen sind. Hässlicheres Game-Design habe ich seit den 90ern wirklich nicht mehr gesehen.

... und so sieht Crimson Dragon tatsächlich aus (eigener Screenshot) Quelle: Gamezone ... und so sieht Crimson Dragon tatsächlich aus (eigener Screenshot) Der Drache schwebt also auf festgegebenen Bahnen durch die fantastischen Welten dieses fremden Planeten. Der Spieler kann aber ein wenig Einfluss auf die Flugbahn nehmen. Ein kleines bisschen kann man sein Flugtier lenken, gerade genug, um feindlichem Beschuss oder Objekten im Weg auszuweichen. Blickwinkel und bespielbare Fläche waren aber schon im Original in den 90er Jahren besser. Die Kamera bleibt nämlich fast durchweg am Arsch des Drachen kleben, der einen viel zu großen Teil des Bildschirms einnimmt. Dank der halbautomatisch mitschwebenden Kamera ergibt das oft ziemlich dumme Situationen, in denen man Feinde erst bemerkt, wenn sie auf einen schießen. Anstatt sich komplett umdrehen zu können, lässt Crimson Dragon auch nur vorgegebene Winkel zu.

Harter Schwierigkeitsgrad als Marketingwerkzeug

So würde Crimson Dragon gerne aussehen... Quelle: Microsoft So würde Crimson Dragon gerne aussehen... Eines der wenigen positiven Merkmale von Crimson Dragon, die der Titel auch seiner Retro-Historie zu verdanken hat, ist ein durchaus harter Schwierigkeitsgrad. Der Railshooter zieht rasant an und macht es Anfängern nicht leicht. Auch wenn sich die Attacken der Drachen auf einfaches "Waffe wählen und schießen" beschränken, muss man die Level gut kennen. Denn hinter jeder Biegung könnte sich ein Haufen Feinde befinden. Wer wegen der eben erwähnten Kameraperspektive gerade in die falsche Richtung guckt, hat das Nachsehen. Die KI ist nämlich erwachsen genug, um schon im Vorfeld eine Salve auf unseren Drachenreiter abzufeuern. Mit der Zeit entwickelt sich Crimson Dragon zu einer wahren Herausforderung. Aber die Wertung unter diesen Zeilen will verdient sein…

... und so sieht Crimson Dragon tatsächlich aus (eigener Screenshot) Quelle: Gamezone ... und so sieht Crimson Dragon tatsächlich aus (eigener Screenshot) Denn aus dem harten Schwierigkeitsgrad profitieren die Macher nur auf eine Art: Sie drehen einem Pay2Win-Gegenstände im Ingame-Store an. Mit Kristallen kann man im Falle des Abnippelns direkt dort wiedereinsteigen, wo man versagt hat und das Spiel einfach fortführen. Solche Wiederbelebungssteine, die man gegen Ingame- und Echtwährung bekommt, kosten im großen Paket gerne 9,99€ - zusätzlich zum Arcade-Preis von 19,99€! Der Shop verwässert hier den Schwierigkeitsgrad und lässt mich manchmal mit dem Gedanken zurück, dass Crimson Dragon gar nicht so schwer ist, weil die Macher einen fordern wollen, sondern nur um Ingame-Items zu verticken, mit denen die Entwickler im besten Fall ihre Gewinnmarge erhöhen.

Grafik von vorgestern

... und so sieht Crimson Dragon tatsächlich aus (eigener Screenshot) Quelle: Gamezone ... und so sieht Crimson Dragon tatsächlich aus (eigener Screenshot) Eines hat Crimson Dragon mit seinem Vorgänger aus den Neunzigern nicht gemein: Als Panzer Dragoon für SEGA Saturn herauskam, war der Railshooter technisch ein Meisterwerk. Der Titel zeigte, was mit der neuen Generation möglich war. Crimson Dragon hingegen schafft es grafisch nicht mal an mittelmäßige Arcade-Titel der letzten Generation heran. Die veraltete Unreal Engine zaubert zwar durchaus surreale Spielwelten auf den Bildschirm, sie sind aber grobkörnig, niedrig aufgelöst und gerade heraus hässlich. Wären da nicht die bunten und zum Teil riesengroßen Monster, wäre Crimson Dragon eine Beleidigung fürs Auge. Kein Wunder: Eigentlich sollte der Downloadtitel schon längst für Xbox 360 erscheinen. Doch die Macher hoben ihn für anscheinend bessere Tage auf. Jetzt werben sie damit, einer der wenigen Launchtitel der Xbox One zu sein. Wie Lococycle will Crimson Dragon an den Glanz der alten Tage anschließen, sieht aber einfach nur veraltet aus.

Hat man die Ingame-Grafik gesehen, überrascht es einen auch schon gar nicht mehr, dass Zwischensequenzen meist von regungslosen Hologrammen gesprochen werden und man von großen Teile der Geschichte in stillstehenden Bildern erfährt. Nicht etwa aus Stilgründen. Sondern einfach, weil es billiger ist. Panzer Dragoon hatte schon vor 20 Jahren emotionalere und bessere Zwischensequenzen als sein inoffizieller Nachfolger im Jahr 2013.

Meinung

Wertung zu Crimson Dragon (XBO)

Wertung:

4.0 /10
Pro & Contra
mit der Zeit sehr fordernder Schwierigkeitsgradriesige Monster und sogar noch größere Bosse
Grafik aus dem vorigen Jahrhundertträge Steuerungschlimme Kameraführungkomplett unnötige HintergrundgeschichteLevel-Design aus der Hölle
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