Rocksmith 2014 im Test: Wer spielen will greift zu Plastik-Gitarren. Wer rocken will holt sich Rocksmith!
TestErinnert sich noch irgendjemand an Guitar Hero? Ja? Eher nein? Sehr gut, denn Ubisoft räumt den Markt eh gewaltig auf. Mit Rocksmith 2014 wird richtig musiziert, auch wenn das Programm den Musiklehrer nach wie vor nicht komplett ersetzt. Wir haben einige Wochen mit der Software verbracht und sind begeistert von der neuesten Ausgabe von Rocksmith!
Hinweis: Der Test basiert auf der Xbox 360 und Playstation 3 Version. Die PC-Version befindet sich derzeit noch im Testlabor. Wir werden den Text an dieser Stelle nochmals auffrischen, sobald wir entsprechend genug Erfahrung gesammelt haben.
Zugegeben, bereits letztes Jahr konnte mich Ubisoft anfänglich mit Rocksmith überzeugen und läutete eine neue Ära der Klampfen-Spiele ein. Doch so manche Macken hatte das gute Stück Software dann doch: Schlecht angepasster Schwierigkeitsgrad, fehlende Führung beim Erlernen der Griffe und zahlreiche weitere kleine Dinge, die einem blutigen Anfänger das Leben schwer machten. Aus eigener Erfahrung muss ich gestehen, dass ich nach einigen wenigen Wochen die Lust am ersten Rocksmith verloren hatte. Die Software überforderte nach kürzester Zeit. Aber vor allem auch aufgrund des immer stärker werdenden Gefühls, hier eine falsche Technik anzueignen, ließ ich den Titel letztendlich links liegen. Es fühlte sich eher wie ein Guitar Hero oder Rock Band an. Nach Symbolen entsprechende "Tasten" drücken, ohne adäquate Rückmeldung über Fingerposition, Haltung und dergleichen. Zugegeben, völlig ersetzten kann die 2014er Ausgabe den heimischen Musiklehrer sicherlich ebenfalls nicht, der wesentlich mehr Acht auf derlei Techniken geben wird. Doch in diesem Jahr haben die Entwickler einiges gewaltig verbessert und eine bisher konkurrenzlose Software auf den Markt gebracht.
Weniger Spiel, mehr Spaß
Quelle: Ubisoft
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Die Devise lautete: Die Software entschlacken und vor allem den ganzen Spiele-Firlefanz rigoros streichen. Damit ist vor allem der halbgare, eher extrem nervige Karrieremodus gemeint, der das Zeitliche gesegnet hat. Stattdessen stehen uns von Beginn an alle über 50 Songs zur Verfügung. Die Songliste ist ausgewogen. Sie bietet einfache Gitarrensongs, Klassiker und Ohrwürmer, aber natürlich auch für die anspruchsvollen Gitarristen deftige Metal Songs. Von Queen, über R.E.M. bis hin zu Iron Maiden ist wirklich alles vertreten, was das liebe Gitarrenherz höher schlagen lässt. Für den zukünftigen Jukebox-Hero sollte sich auf jeden Fall irgendetwas finden lassen. Wenn nicht, sorgt Ubisoft mit kostenpflichtigen Downloads für Nachschub. Doch dass aller Anfang schwer ist, dürfte jedem klar sein, der bereits eine E-Gitarre oder einen Bass in der Hand gehabt hatte. Denn eben eine solche Gitarre wird per mitgeliefertem USB Kabel an die Konsole oder den PC angeschlossen und gespielt. Spielzeug-Plastikklampfen haben definitiv ausgedient – c'est la vie!
Quelle: Ubisoft
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Die Technik funktioniert einwandfrei, sofern man sich an die Empfehlung von Rocksmith hält und vor allem auf den Konsolen den analogen Soundausgang nutzt. Andernfalls ist ein akustischer Lag nicht nur wahrnehmbar, sondern auch störend. Zu Beginn wird die gute alte Klampfe über die Software mit wenigen einfachen Handgriffen gestimmt und dann kann es auch schon losgehen. Dank einiger erster Übungen mit hervorragenden Begleitvideos sind die ersten Grundgriffe schnell erlernt. Vor allem Anfängern ist anzuraten, diese vor dem ersten Song durchzugehen, um die Handhabe mit der Gitarre zu erlernen. Anschließend geleitet uns Rocksmith 2014 direkt in den allgemeinen Spielmodus: Lerne einen Song. Das Musikstück wird ausgewählt, die Klampfe in die Hand genommen und darauf los gespielt. Jeder Song wird mit nur wenig zu spielenden Noten oder Akkorden, sprich äußerst simpel, begonnen. Die Software analysiert derweil automatisch die Leistung und passt den Schwierigkeitsgrad nach und nach an. Während dieser Algorithmus uns im Vorgänger innerhalb kürzester Zeit völlig überforderte, gelingt es den Entwicklern in der 2014er Ausgabe diesen nahezu perfekt umzusetzen. Nur beim Herunterstufen ziert sich die Software, gibt sich quasi ein wenig zickig und hält uns länger als uns lieb ist auf einem hohen Niveau.
Wer schon länger nicht mehr Rocksmith angefasst hat oder erste Schritte mit der E-Gitarre wagt, wird von der umfangreichen Darstellung auf dem Bildschirm geradezu erschlagen. Auf mehreren Bahnen rasen wie in Guitar Hero farbige Blöcke auf uns zu, die es zu spielen gilt. Da eine Gitarre sechs Saiten bzw. ein Bass immerhin noch fünf Saiten sowie weit über fünfzehn Bünde aufzuweisen hat, müssen die Entwickler eine ganze Menge Töne mit dieser Darstellung erschlagen. Man benötigt einige Zeit um sich in diesem System zurecht zu finden. Es ist aber logisch aufgebaut. Jede Saite hat eine Farbe. Unter dem dargestellten Griffbrett entsprechen die Zahlen den Bünden und auch die Punkte auf dem TV sind meist auf einer Gitarre als Orientierung zu finden. Die kleinen Zahlen an den zu spielenden Noten wiederum zeigen die Finger auf, die verwendet werden müssen.
Übung macht den Meister
Quelle: Ubisoft
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Dennoch werden die Jungs von Iron Maiden oder Nirvana uns schnell lehren, dass das Gitarrenspiel nicht an einem Abend zu lernen ist. Nur viel Übung macht den Meister! Rocksmith 2014 liefert uns dazu ganz nebenbei zahlreiche Hinweise bezogen auf unseren Leistungen und stellt auch Probleme gekonnt fest. Klappt ein bestimmter Akkord nicht, soll dieser im Akkordbuch nachgeschlagen und studiert werden. Hapert es in einem Teilstück des Songs, so schlägt uns die Software vor, dieses gesondert zu wiederholen. Die Noten und Akkorde werden dann zunächst ganz langsam gespielt und sobald man den Dreh raus hat, schraubt Rocksmith 2014 automatisch die Spielgeschwindigkeit wieder höher. Ist der Abschnitt gemeistert, kann man sich den nächsten zu Gemüt führen oder denselben in einer höheren Schwierigkeitsstufe üben. Wie man unweigerlich erkennt, steckt in diesem Stück Software des französischen Publishers mehr Lehrprogramm als Spiel. Es bringt uns Schritt um Schritt dem Traum eines Guitar Heros näher. Der Lerneffekt ist gewaltig und immer wieder ertappe ich mich dabei, wie ich in den Menüs nicht einmal mehr den Song auswähle, sondern Teile des Musikstückes auf der Gitarre mehrfach hintereinander ohne Bildschirm übe. Mit all diesen kleinen aber feinen Änderungen erschlägt Ubisoft einer der größten Mankos, die mir persönlich im Vorgänger regelrecht Bauchschmerzen verursachten: Rocksmith 2014 fühlt sich nicht wie ein schlechter Lehrer an. Der Titel begleitet uns auf Schritt und Tritt und lehrt akkurat sämtliche Gitarrentechniken.
Quelle: Ubisoft
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Wer es überdrüssig geworden ist, immer nur vorgesetzte Noten herunter zu leiern, der darf im Session-Modus seiner Kreativität freien Lauf lassen. Jemand mit Hang zur Gitarre wird hier auf jeden Fall kurzweilig unterhalten. Während man selber die Saiten zupft und sich Melodien ausdenkt, setzt die Software automatisch den Rest der Band um und steigt in die Session mit ein. Vorab können unter etlichen Instrumenten, Klangwelten und dergleichen ein passendes Orchester erstellt werden, welches den Solisten begleitet. Eine nette Spielerei vor allem für Gitarristen, die selten eine komplette Band in einen Raum zusammen bekommen. Wesentlich mehr in Richtung Technik-Übungen gehen die elf 16-Bit Retro-Minispiele der Guitarcade. Ja, hier kommt der Videospielcharakter dann doch wieder durch, wenn auch äußerst charmant und stilvoll umgesetzt. An Klassiker und spezielle Genres angelehnte Spiele lehren uns Akkorde, Griffe und Tontechniken, obwohl augenscheinlich der Highscore im Vordergrund steht. Space Invaders, House of the Dead und zahlreiche andere Titel standen wohl Pate für diese kurriosen Gitarreneinlagen. Und der Retro-Stil mitsamt Sound versprüht unglaublich viel Charme. Gut, ein wenig auf Pixel sollte man aber durchaus stehen.
