Xbox One im Hardware-Test: Die Next-Gen beginnt eher unauffällig

Test Sandro Odak
Die Xbox One im großen Hardware-Test: Was kann Microsofts Next-Gen-Konsole und wo hat sie ihre Problemzonen? Gamezone hat es überprüft.
Quelle: PC Games

Wir haben schon seit einer Woche eine Xbox One in der Redaktion und haben Funktionen, Hardware, Apps und Spiele auf den Prüfstand gestellt. Was kann Microsofts Next Gen Konsole? Was fehlt noch? Und erfüllt dieser schwarze Kasten die Anforderungen an ein "Kann-Alles-Gerät"? Erfahrt es in unserem Hardware-Test!

Die Xbox One im Gamezone Hardware-Test: Kann uns Microsofts Next-Gen-Konsole vom Hocker hauen? Wie ist die Integration des neuen betriebssystems? Und gibt es überhaupt auch schon genug Next-Gen-Spiele? Zwei Autoren führen euch im ausführlichen Hardware-Test durch die wichtigsten Fakten.

von Sandro Odak und Alexander Schneider

Das Design

Xbox One und Playstation 4 im Größenvergleich. Quelle: PC Games Xbox One und Playstation 4 im Größenvergleich. Als ich den unscheinbaren weißen Karton aufreiße, bin ich wirklich gespannt. Viel haben die Leute im Vorfeld gemeckert. Die Xbox One soll klobig sein, total überdimensioniert haben sie gesagt. Und nun halte ich sie in der Hand. Der Ersteindruck: Die Xbox One ist in der Tat ein dicker Brummer. Deutlich größer als die Xbox 360 Slim und sogar größer als die Original Xbox 360. Sie schmiegt sich nicht einfach so in das Umfeld des Fernsehers ein und will unscheinbar neben den vielen anderen technischen Geräten verschwinden. Sie sticht heraus, ganz deutlich! Microsofts Vision: Bald schon braucht man nur noch dieses eine Gerät, der Rest kann aus dem Blickfeld verschwinden. Daher auch der Name: Xbox One. One. Das eine Gerät.

Klobig aber hochwertig wirkt auch Kinect. Die neue Sensorleiste bringt deutlich mehr Gewicht auf die Waage als der Vorgänger. Dank eingebautem Prozessor hat Kinect nun auch einen fetten Lüfter an Bord, der anfallende Abluft nach hinten rausbläst. Die riesige Abluftöffnung wirkt überproportioniert groß - im Test habe ich Kinect jedoch nie spürbar kühlen gehört.
Xbox One und Xbox 360 Slim im Größenvergleich: Die Xbox One sticht heraus. Quelle: PC Games Xbox One und Xbox 360 Slim im Größenvergleich: Die Xbox One sticht heraus. Abgesehen von den klobigen Ausmaßen ist die Xbox One relativ schlicht. Die Oberseite teilt sich auf zwei Seiten auf, eine glatte Klarlackseite und eine geriffelte Oberfläche, durch die der starke Lüfter Abwärme nach außen drückt. Solange die Xbox ausgeschaltet ist, erkennt man nur an einem kleinen, fast schon versteckten Logo auf der Oberseite, dass hier eine Spielkonsole steht, nicht ein riesiger DVD- oder Blu-Ray-Player. Erst wenn sie an ist, leuchtet auf der rechten Seite ein weißer Kreis mit schwarzem X auf. Stylisch: Wie bei der Xbox 360 Slim muss man den Anschalter gar nicht berühren. Dahinter verbirgt sich ein kapazitativer Touch-Schalter. Im Gegensatz zum Slim-Vorgänger sieht man aber nicht mal eine Umrandung - der Schalter fügt sich perfekt in das schlichte, geradlinige Design der Box ein.

Auf der linken Seite nimmt das hübsche Slot-In-Laufwerk den größten Teil des Platzes ein. Auch hier wartet wieder ein kapazitativer Touch-Schalter - einen mechanischen Disc-Auswurf gibt es auf den ersten Blick nicht. Die Vorderseite wirkt dadurch sehr hochwertig, ein Teil der Front wirkt sogar wie verglast. Wäre die Xbox One nur einen Ticken kleiner, würde ich sogar sagen, sie passt perfekt ins Wohnzimmer. Nun ist sie nun mal groß - was soll's? Das kommt immerhin angeblich der Lüftung zugute. Im Test höre ich meistens das Laufwerk, die Lüfter bleiben angenehm leise, selbst wenn die Konsole eingepackt in ein IKEA-Regal ist, in das sie auf den Zentimeter genau hereinpasst. Die Kollegen von PC Games Hardware haben genau nachgemessen: Im Abstand von 0,5 Metern ist die Xbox One auf der Startseite und in 3D-Spielen mit 0,6 Sone/25 dB(A) und 1,0 Sone/28dB(A) im Blu-Ray-Betrieb flüsterleise. Das Gegenstück Playstation 4 kommt zum Teil auf dreimal so hohe Werte, was vermutlich auch der kompakteren Bauweise und dadurch schlechteren Durchlüftung geschuldet ist. Auch beim Verbrauch ist die Xbox One human: Im Betriebssystem nimmt die Xbox One 79 Watt Leistung auf, im Spielbetrieb 109 Watt. Das sind fast 50 Watt weniger als die Playstation 4, die entsprechend auch mehr kühlen muss.

Das Betriebssystem

Das Betriebssystem wirkt unaufgeräumt und wenig funktional. Quelle: youtube.com Das Betriebssystem wirkt unaufgeräumt und wenig funktional. Die neue Startseite der Xbox One ist auf den ersten Blick nicht viel anders als die Xbox 360 seit dem "New Xbox Experience" Update. Das Betriebssystem benutzt dabei dieselbe Kacheloptik, die man von Windows 8 kennt - und die ich persönlich hasse. Die Startseite besteht aus mehreren, zum Teil interaktiven Kacheln. Links zeigt die One mir beispielsweise mein Profil an, wie viele Freunde gerade online sind, meinen Gamerscore und ob ich Nachrichten habe. All diese Infos hätten dabei locker auch in den Headerbereich gepasst, der auch in manchen Apps erscheint und zu 95% aus schwarzer Fläche besteht. So verliere ich wichtige Infos über Nachrichten und Freunde aus dem Auge, wenn ich nicht auf der Startseite verweile. Und der Header ist ungenutzter Raum, der zwar gestalterisch für eine klare Linie durch das komplette System sorgt, den Aufbau der Xbox One inhaltlich aber verkompliziert. Anstatt mir in einer Statusleiste Bescheid zu sagen, was auf meiner Xbox gerade passiert, sammelt sie alle Informationen und stellt sie mir in einem Benachrichtigungen-Feld im Header zusammen. Da liegen dann gerne mal 100 Nachrichten drin, von Spielen die Videoclips aufgenommen haben, von Skype-Nachrichten, die ich am PC schon längst gelesen habe bis hin zu Erfolgen und meinen Kurznachrichten. Da verliert man schnell den Überblick. Während die Xbox One außen Funktion über Form stellt, lässt sie dies in ihrem Inneren oft vermissen.

Der Aufbau des wichtigen Mittelbereichs ist darüber hinaus manchmal verwirrend. Mittig zeigt mir das Betriebssystem der Xbox One die aktuelle App, zum Teil sogar mit Livevorschau an. Das gefällt mir sehr gut. Doch drumherum wird es komisch. Die vier Kacheln darunter sind die jeweils zuletzt geöffneten Apps. Eine Übersicht über aktive, im Hintergrund geöffnete Apps gibt es hingegen nicht. Und die aktuelle Disc versteckt sich auch in einer dieser kleinen Kacheln unten rechts. Größer stellt Microsoft mir dafür Werbung dar. So etwas nervt. Ich will ohne Umschweife wissen, welche Disc gerade im Laufwerk steckt und nicht, was mir ein Verkaufs-Algorithmus als nächstes andrehen will!

Ich vermisse mittlerweile sogar den Xbox Guide. Während auf der Xbox 360 auf Knopfdruck alle wichtigen Informationen zugänglich waren, schmeißt mich die Xbox One immer komplett zurück auf den "Desktop". Manche Punkte, die ich als selbstverständlich ansah, fehlen sogar komplett: Einen Download-Verlauf gibt es nicht, der Fortschritt eines Downloads lässt sich lediglich am Balken der entsprechenden Kachel ablesen. Und eine Datenträgerverwaltung fehlt anscheinend auch. Ich erfahre nicht, wie viel Platz auf meiner 500GB großen Festplatte noch frei ist, wie viel Platz die Installation von Spielen wie Ryse: Son of Rome einnimmt und wann ich mal was löschen sollte. USB-Geräte liest die Xbox One auch gar nicht erst aus. Nur wer einen Windows 7 oder Windows 8 PC nutzt, kann Videos, Fotos oder Musik auf seine Xbox One streamen - und das nur in eine Richtung, nämlich vom PC aus. Eine anständige Remote-Funktion, wie man sie beispielsweise von Apple Airplay kennt, fehlt vollkommen.

Die neue Profilansicht der Xbox One öffnet sich in einer eigenen App - so wie alle anderen Systemeigenschaften. Quelle: Gamezone Die neue Profilansicht der Xbox One öffnet sich in einer eigenen App - so wie alle anderen Systemeigenschaften. Und dann ist das das Problem mit den Ladezeiten: Wie in Windows 8 hat Microsoft alle Einstellungen und Systembestandteile in eigenständige Apps ausgelagert. Während früher meine Freundesliste Teil des Xbox 360 Betriebssystems war, muss ich auf der Xbox One nun erst eine Freunde-App starten. Das dauert knapp vier bis fünf Sekunden. Dasselbe Bild bei Erfolgen, Spielerprofilen, Nachrichten, Partys und sogar den Systemeinstellungen! Sie alle sind nicht Bestandteil des Systems sondern Apps. Zugegeben: Sobald man die Freunde-, Erfolge- oder Nachrichten-App gestartet hat und sie im Hintergrund weiterlaufen lässt, springt die Xbox One in Nullkommanichts zwischen dem Programm und dem aktiven Spiel hin und her. Eine Umgewöhnung ist es trotzdem allemal. Ein Ärgernis sind auch die zum Teil absurd langen Zwangsinstallationen mitsamt Patch-Downloads. Forza Motorsports 5 will 4GB am ersten Tag aus dem Netz laden, Call of Duty: Ghosts 1,3GB. So dauert die komplette Installation eines Spiels gerne ein bis zwei Stunden. Forza Motorsports 5 ist sogar ein besonders widerspenstiger Kandidat. Nach knapp 15 Minuten kann ich zwar ins Spiel starten, weil der Installationsvorgang die wichtigen Daten vom Spielanfang zuerst auf die Platte überträgt, aber beim "Vorab-Spiel" kommt es immer wieder zu Komplikationen. Auf dem Monitor tauchen Artefakte und korrupte Videosignale auf, der Ton wechselt manchmal von Satz zu Satz aus dem Deutschen ins Englische. Und weil ich es zwischendrin gewagt habe, noch etwas anderes aus dem Store herunterzuladen und den Internet Explorer zu benutzen, steht die Gesamt-Installation selbst nach vier Stunden erst bei 82%. Das ist geradeheraus eine Frechheit.

Das Konsolenspiel hat damit sein Alleinstellungsmerkmal verloren. Schnell die Disc einwerfen und loszocken ist nicht mehr. Microsoft verspricht zwar, dass man beim ersten Start eines Spiels nach etwa fünf (bis 15) Minuten loszocken kann, aber es kann auch länger dauern. Die Annäherung an die PC-Architektur und -Struktur tut der Xbox One nur bedingt gut.

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