Killzone: Shadow Fall im Test: Ein Grafik-Schmankerl für die Playstation 4

Test Sandro Odak

Killzone: Shadow Fall ist einer von ganz wenigen Exklusiv-Titeln, die direkt zum Start der Playstation 4 verfügbar sind. Guerilla Games greift dafür tief in die Grafiktasche: Kein anderer Konsolen-Shooter sieht derzeit so gut aus der neue Teil von Killzone. Nur inhaltlich bleibt die Reihe weiter schwach auf der Brust.

Wer den Vorgänger Killzone 3 kennt, weiß was passiert ist: In einem interstellaren Krieg zwischen Vekta (den guten Demokraten) und Helghast (den bösen Faschisten) wurde der Heimatplanet Helghan von einer Detonation unbewohnbar gemacht. Wo der Krieg zwischen den ehemaligen Erden-Kolonien hätte enden können, keimt mittlerweile ein neuer. Die Überlebenden nahm Vekta auf dem eigenen Planeten auf, teilte das Territorium sogar mit den Neuankömmlingen. Eine riesige Mauer trennt fortan das moderne, prosperierende Vekta und das rückständige Ghetto New Helghan.

Killzone: Shadow Fall für Playstation 4 im Test (4) Quelle: Sony Killzone: Shadow Fall für Playstation 4 im Test (4) Der Start in diese Neuinterpretation der Post-Weltkriegsphase gelingt Guerilla Games ziemlich gut. Die ersten paar Minuten spielt man als kleiner Junge. Lucas Kellan und sein Vater leben in dem Teil einer riesigen Stadt, die den Helghast zugeteilt wurde. Sie müssen gehen, ihre Heimat verlassen… Doch den beiden fällt es schwer sich zu trennen und am Ende warten sie zu lange. Die vereinbarte Frist zum friedlichen Abzug ignorieren die Helghast, fangen an auf Bürger zu feuern. Flucht ist also angesagt, immer aus der Sicht dieser unschuldigen Kinderaugen. Am Ende kommt es, wie es kommen muss: Shadow Fall gibt dem Spieler in einer emotionalen Szene eine Legitimierung für den knapp neunstündigen Rachefeldzug. Nach der Szene verstehe ich, wieso Lucas gegen die Weltraum-Nazis kämpfen will, sich der Armee anschließt. Leider verlässt Killzone aber am Ende dieser Szene die Pfade von nachvollziehbarem, gutem Storytelling. Die folgenden 15 Jahre überspringt das Spiel in lieblos aneinandergereihten Zwischensequenzen und plötzlich bin ich Shadow Marshal, ein Elite-Soldat, und befreundet mit einem Geheimdienst-Kriegstreiber. Moment… Was? Haben die Macher das gerade wirklich in weniger als dreißig Sekunden abgehandelt?
Lahmes Storytelling trifft auf schlechte Vertonung

Killzone: Shadow Fall für Playstation 4 im Test (5) Quelle: Sony Killzone: Shadow Fall für Playstation 4 im Test (5) Die kommenden neun bis zehn Stunden ändert sich an der Art, wie Guerilla Games Geschichten erzählt, nichts mehr. Handlungsstränge bauen sich zu langsam auf, Killzone zieht alles in die Länge. Missionen, in denen es heißt, man solle leise und taktisch vorgehen, arten in Tötungsorgien aus. Was eben noch in einer Zwischensequenz gesagt wird, hat im nächsten Moment überaupt keine Bedeutung mehr. Anders als in einem Call of Duty fühlt sich die Welt um Lucas Kellan nicht einfach nur an, als wäre sie eine Checkliste von den Dingen, die das Studio unbedingt unterbringen wollte. Die Geschichte fühlt sich an wie ein loser Zusammenhalt, um das bisschen Rumballern zu rechtfertigen. Sinclair, der die Helghast hasst, könnte auch in den Zwischensequenzen Balletttanzen und dann sagen "Geh dahin, töte alle." Es würde nicht mehr und nicht weniger Sinn machen.

Die grottenschlechte deutsche Synchronisation ist vielleicht ein Grund, weshalb der Funke bei der Geschichte einfach nicht überspringen will. Die Sprecher sind emotionslos bei der Sache und für einen Next-Gen-Titel, der beweisen soll, dass die Playstation auch technisch noch vorne mitspielt, sind die Szenen bedenklich lippenasynchron. Manche Lippenbewegungen sind um bis zu ein oder zwei Sekunden verschoben – peinlich!

Killzone: Shadow Fall für Playstation 4 im Test (6) Quelle: Sony Killzone: Shadow Fall für Playstation 4 im Test (6) Trotz all dieser Negativaspekte gefällt mir das Szenario von Shadow Fall richtig gut. Wenn Killzone 1 bis 3 lose etwas vom dritte Reich und seiner Brutalität hatte, wenden sich die niederländischen Macher nun einer Cold-War-Phase zu. Sogar eine Mauer mit Todesstreifen gibt es, auf der einen Seite eine demokratische, aufstrebende, reiche Gesellschaft, auf der anderen Seite die in Slums wohnenden Fascho-Rassen-Sozialisten. Die Unterschiede sind klar erkennbar: Missionen im reichen Vekta sind hell, sonnig und wunderschön. Die geheimen Operationen in New Helghan hingegen immer im Dunklen, in verwinkelten, engen Gassen. Dieser Bruch zwischen den Welten und die dargestellte Gesellschaft schafft mehr Atmosphäre als die ganze erzählte Hintergrundgeschichte vermitteln kann.

Wow, was für eine Grafik

Killzone: Shadow Fall für Playstation 4 im Test (10) Quelle: Sony Killzone: Shadow Fall für Playstation 4 im Test (10) Was Killzone: Shadow Fall inhaltlich einbüßt, macht der Titel grafisch wieder wett. Was für eine phänomenale Weitsicht! So hübsche, hochauflösende Texturen hat man auf einer Konsole bislang nicht gesehen. Killzone: Shadow Fall zeigt, weshalb sich der Wechsel zur neuen Generation lohnt. Ganz besonders eingebrannt hat sich mir die Befreiung von Geiseln in Vekta. Der Level war Teil der E3-Demo und mehrmals ertappe ich mich, wie ich einfach stehen bleibe und mit großer Begeisterung beobachte, dass selbst hinter Bauplanen und Deckwänden das Licht der Stadt hindurchglitzert. Klar, Guerilla Games arbeitet hier auch viel mit Licht- und Blendeffekten, vor allem Überblendeffekten. Das täuscht aber nicht darüber hinweg, dass Killzone einfach unbeschreiblich gut aussieht. Das hat aber auch seinen Preis. Manche Texturen laden erst beim näheren Rankommen Details nach. Wenn das geschieht, verschieben sich manche Elemente. Das Bild sieht dann leicht sprunghaft aus. In hektischen Situationen kann das auch nerven: Wenn rechts in den Augenwinkeln etwas flackert, es dann aber nur einer dieser Grafikfehler war und Gegner tatsächlich von links andüsen, ist nicht gerade optimal.

Killzone: Shadow Fall für Playstation 4 im Test (9) Quelle: Sony Killzone: Shadow Fall für Playstation 4 im Test (9) Angetan bin ich hingegen von den relativ offenen Karten. In einem Dschungel lässt mir Killzone: Shadow Fall völlig freie Hand bei der Wahl des Weges, in vielen Innenlevels bietet das Spiel mindestens eine, wenn nicht sogar mehr alternative Wege. Wer will kann Feinde einfach stupide von vorn attackieren, sich durch Nebenzimmer und Luftschächte an die Flanke bugsieren oder sie einfach schleichend kaltmachen. Letzteres klingt zwar spannend, ist aber durch die Spielmechanik ziemlich schwer. Fast keine Waffe ist schallgedämpft und Gegner haben einen erstaunlichen hohen Blickradius. Immerhin hat man aber Freiheiten!

Eher daneben sind hingegen seltene Jump & Run Passagen. In einer Mission muss Lucas von Container zu Container springen, um seinen Peinigern zu entgehen. Die trägen Bewegungsabläufe machen die Szene zu einem der sonderlichsten und verpfuschtesten im gesamten Spiel. Mit Knarre in der Hand fühlt sich der Protagonist zwar schwerfällig an, aber wenigstens ist er nicht verteidigungslos. Auf der Flucht hingegen wirkt er wie ein Roboter.

Langsamer Multiplayer, der aber Freude bringt

Für Fans ist Killzone schon immer Sonys Gegenentwurf zu Halo gewesen. Von der Gameplay-Geschwindigkeit her kann man nicht mehr daneben liegen. Killzone: Shadow Fall ist ein langsames, behäbiges Spiel. Auch im Multiplayer. Das ist gar nicht schlimm. Gerade die zielbasierten Spielmodi spielen sich dadurch noch taktischer. Mit insgesamt bis zu 24 Spielern lässt sich Killzone online daddeln. Das ist ziemlich gelungen, wie ich finde. Grafisch sieht der Modus zwar nicht so toll aus wie die schönen Kampagnen-Karten, aber irgendwo muss man zugunsten der Online-Performance ja sparen.

Meinung

Wertung zu Killzone: Shadow Fall (PS4)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
wundervolle Grafik mit hoher AuflösungLicht- und Blendeffekte überragendbietet viele alternative Wegespannendes Setting im Killzone-Universumkrasser Unterschied zwischen Helghan und VektaWiedersehen mit alten Bekanntenangenehmer Multiplayer-Teil
selten dämliche Dialoge, die mehr ein Austausch von One-Linern sindGeschichte vernachlässigbarPotential des Settings nicht ausgenutztselten Probleme bei der Darstellung der hochaufgelösten Grafikenselten Framedropsmanche Innenlevels sehen hässlich ausTon ist teilweise im mehr als eine Sekunde asynchron
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