Knack im Test: Sonys Launch-Überraschung für Kids und Familien ist ein Reinfall

Test Sandro Odak

Die Ankündigung war kurios: Der erste Titel, den Sony bei der Enthüllung der Playstation 4 ankündigte, sollte ein familienfreundliches Kinder-Action-Adventure sein. Erste Videos sahen interessant aus, aber nun ist das fertige Spiel da. Für Kids ist es zu schwer, für Erwachsene zu langweilig. Ein Reinfall.

Was war das für ein hervorragender Slot für die Ankündigung: Sony enthüllte nicht Killzone, nicht Gran Turismo, nicht Uncharted für die Playstation 4, sondern ausgerechnet ein buntes Comic-Action-Adventure. Inhaltlich war der Trailer vage. Ein anscheinend magisches Wesen verprügelte Orks und Monster, wuchs mit herumliegenden Bausteinen und wurde von Elementen beeinflusst. Für viele war das ein schlechter Witz, aber der Titel hatte etwas Mysteriöses. Am Ende habe ich mich richtig auf Knack gefreut. Mir war klar: Das wird ein Familien-Spiel. Ohne viel Gewalt, stattdessen kindertauglich. Kinder-Spiele sind selten große Story-Granaten und relativ einfach. Aber im Kern machen sie Spaß. Genau das habe ich von Knack erwartet.

BeKNACKte Story, monotones Gameplay

Knack für Playstation 4 im Test (2) Quelle: play³ Knack für Playstation 4 im Test (2) Meine Erwartungen an Knack wurden nicht erfüllt. Die relativ simple Hintergrundgeschichte lasse ich da mal komplett außen vor. Knack liefert eigentlich nur einen seichten Hintergrund, den Angriff von Goblins in Panzern, und ein paar klischeehafte Charaktere. Damit muss man leben, damit kann ich sogar leben. Wenn nur das Gameplay Spaß machen würde.

Doch hier hat sich das Team um den legendären Spiele-Entwickler Mark Cerny verrechnet. Der Mix aus Plattformer und Action-Adventure wird mit jeder Spielminute grausiger. Im Prinzip benutzt man etwa zehn Stunden lang immer wieder dieselben zwei Tasten: X und Quadrat, um durch die lieblose Welt von Knack zu hüpfen. Der Charakter, der durch Elementteilchen wachsen und schrumpfen kann, wurde in den Vorschauen immer als dynamisch gezeichnet. Es sah aus, als hätte man irgendeine Wahl wie man über das Schlachtfeld tobt. Als würde man Rätsel durch Knacks Fähigkeiten lösen müssen. Doch diese Videos haben uns getäuscht. In Knack gibt es keine Dynamik und auch keine Entscheidungen. Jeder Meter des Plattformers ist vorgegeben, jede Attacke geskriptet. Knack arbeitet sich von einem Raum zum nächsten. Sobald er alle Feinde ausschaltet, öffnet sich wie durch Zauberhand die Tür zum nächsten Raum. Im Prinzip läuft man die nächsten Stunden stupide durch einen Schlauch – der nur selten mal mehr als einen halben Bildschirm breit ist. So hackt man sich monoton durch die Welt.

Knack für Playstation 4 im Test (9) Quelle: Sony Knack für Playstation 4 im Test (9) An manchen Stellen darf Knack zwar wie versprochen mit Elementen spielen oder sogar mal ein Rätsel lösen. Die sind aber selten komplizierter als "betätige den großen, rotleuchtenden Schalter in der Mitte des Raums". Wenn die Entwickler es einem schwer machen wollen, setzen sie einfach noch ein paar dicke Gegner dazwischen, sein Köpfchen anstrengen oder auch nur anschalten muss man aber zu keinem Zeitpunkt.

Genervt war ich außerdem vom ewigen Auf und Ab mit Knack. Hat man ihn am Ende eines Levels eben noch zum Riesen aufgebaut, weil man das Versteck mit Bausteinen gefunden hat. Dann kommt eine Zwischensequenz, Knack gibt seine Steinchen ab und startet in der nächsten Sequenz wieder als kleiner Knirps. Eben gerade hat man noch eine Goblin-Stadt dem Erdboden gleichgemacht, dann stirbt man durch einen Biss von einem Insekt. Verkehrte Welt! Dass Knack keine persistente Entwicklung mitmacht, etwa mit der Zeit größer, stärker oder schlauer wird, sondern dauernd zum Ausgangsstatus zurückfällt, deprimiert mich mit der Zeit. Auch, weil Gegner je nachdem wie groß man ist, im Kampf reagieren.

Für Kids zu schwer

Knack für Playstation 4 im Test (11) Quelle: Sony Knack für Playstation 4 im Test (11) Naja, vielleicht bin ich ja einfach nicht die Zielgruppe von Knack. Optisch richtet sich der Titel eindeutig an Kinder. Die bunte Grafik, die klischeehaften Charaktere, die kurzen Monologe… Alles deutet darauf hin, dass Knack Kindern und ihren Eltern gleichermaßen gefallen soll. Aber auch hier wieder ein Denkfehler: Knack ist viel zu schwer für Kinder! Manche Passagen, sei es durch schlechtes Leveldesign oder tatsächlich spielerischen Anspruch, sind selbst für einen alteingesessenen Zocker wie mich schwer zu meistern. Es gibt zwar keine großen Komboattacken, man hämmert eigentlich immer nur auf eine Taste, aber dafür braucht man Timing, Geduld und die Fähigkeit, das Geschehen zu analysieren. Das Problem: Sobald man diese Analysefähigkeit hat, ist man eigentlich schon zu alt für Knack. Denn der Rest des Spiels ist furchtbar monoton und langweilig.

In den meisten Fällen hilft Trial and Error. Oder wie ich es nenne: Durch das Level durchsterben. Immer wieder ertappe ich mich dabei, wie ich ein Hindernis nach dem anderen auskundschafte, sterbe und erst dadurch erfahre, wo die Schwachstelle der Feinde ist. Beim nächsten Versuch bin ich drauf vorbereitet und taste mich so durch den die Levels durch. Ärgerlich: Beim Tod lädt Knack nicht einen alten Spielstand, sondern wirft den Elementar-Golem zurück zum letzten Speicherort. Zwar mit vollen Leben, dafür aber ohne Sonnenkristalle. Die Kristalle sammelt man für Spezialattacken und kann drei Stück mit sich herumtragen. Benutzt man sie in einem aufreibenden Bosskampf und verliert im letzten Moment, hat man beim nächsten Versuch gar keine Kristalle mehr übrig. Der Schnitzer im Game-Design wird später, wenn die Spezialattacken tatsächlich wichtig sind, zu einem der essentiellsten Mängel von Knack, der das Spiel für Kinder unsagbar schwer macht.

Maue Optik, unnötige Sammelfeatures, liebloses Level-Design

Knack für Playstation 4 im Test (8) Quelle: Sony Knack für Playstation 4 im Test (8) Optisch sieht Knack an ein paar Stellen gar nicht schlecht aus. Die Comic-Grafik verdeckt viele unschöne Stellen. Trotz allem: Insgesamt holt das Studio eigentlich kaum was aus der Playstation 4 heraus. Warum Sony dafür fast 37 Gigabyte Speicherplatz auf der Festplatte verballert, ist mir ein Rätsel.

Ein Grund, weshalb die Grafik so schlecht in Erinnerung bleibt, ist sicherlich das lieblose Level-Design. Knack erinnert von vorn bis hinten an einen schmalen Schlauch, der künstlich in die Länge gezogen wurde. Kleine Verstecke gibt es aber immer wieder am Wegesrand. Wenn Knack an perforierten Stellen Mauern einreißt, deckt er dahinter kleine Höhlen auf. Sie beherbergen verschiedene Sammelgegenstände, die unseren Golem aufwerten. Das dauert aber viel zu lange! Jeder Gegenstand setzt sich aus verschiedenen Sammelobjekten zusammen. Bis man die benötigten gefunden hat, vergeht viel zu viel Zeit. Solange farmt man an verschiedenen Items, hat von allem ein bisschen was. Wer nicht lang genug am Ball bleibt, findet nicht mal genug Teile für ein erstes Upgrade und fragt sich irgendwann: "Was sollte das?" Das Feature fühlt sich eigenartig unsinnig an.

Meinung

Wertung zu Knack (PS4)

Wertung:

4.5 /10
Pro & Contra
sympathischer Hauptcharakerein paar tolle Ideen, etwa dass Knack mit anderen Relikten wächstKombinationsmöglichkeit mit Elementen
eigentlich hämmert man durchgehend nur auf eine Angriffstasteseelenloses Level-Designgrobe Schnitzer beim Game-Designunnachgiebiges Speichersystem, das gerade bei Kindern auf wenig Gegenliebe stoßen wirddurch nicht mitspawnende Kristalle beim Tod wird man manchmal gezwungen, sich "durchzusterben", bis man genug Energie für neue Spezialattacken hatwarum Next-Gen?will so sein wie Crash Bandicoot, es mangelt aber an Witz und Charmekomische Charakterentwicklung von groß zu kleine
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