Battlefield 4 im Next-Gen-Check: Was mir zum Battlefield-Glück noch fehlt - Kommentar eines Fans
SpecialSeit der Veröffentlichung von Battlefield 4 sind einige Wochen vergangen. Wir haben in der Zeit weitergetestet und nun überprüft, wie sich die Next-Gen-Version von Battlefield 4 macht. Plagen sie dieselben kleinen Probleme wie in der Last-Gen? Und kann man die Gunst von Spielern mit Erfahrungspunkten kaufen? Gamezone-Autor Sandro Odak sagt Nein. Er will ein bugfreies Battlefield, keinen trickreich aufgelevelten Soldaten in einem fehlerhaften Spiel.
Ich habe Battlefield 4 gesehen und es war toll. Der Test lief unter optimalen Voraussetzungen. In Stockholm spielte ich mit Kollegen auf speziellen lokalen Servern von DICE. Zum Launch überprüfte ich die PC-Version, auch hier lief alles noch gut. Doch dann rollten Millionen Spieler über die Server und es war offensichtlich: Unter so einer Last offenbart Battlefield 4 lauter kleine Probleme. Auf der Xbox 360 ist der Serverbrowser beispielsweise kaum nutzbar. Die Filterfunktion nach Spieleranzahl funktioniert nicht – bis heute. Wer sich Server mit 1-5, 1-10 oder 1-15 freien Plätzen anzeigen lassen möchte, bekommt ein paar Dutzend bis Hundert volle Server. Bis man in eine Region runterscrollt, in der offene Server stehen, sind die längst vom Auto-Matchmaking besetzt. Effektiv kann man dadurch nicht mit Freunden spielen. Ob man zusammen auf einem Server landet ist Glücksspiel.
Eine Squad-Funktion, wie man sie aus Battlefield 3 kennt, würde Abhilfe schaffen. Doch DICE hat sich anscheinend bewusst dagegen entschieden. Das mächtige Battlelog sollte diese Funktion einnehmen. Nun, einen Monat nach der Veröffentlichung, ist klar: Battlelog als soziales Matchmaking-Tool hat versagt. Am PC, der Battlelog noch am besten integriert hat, mag es vielleicht möglich sein, seinen Freunden beizutreten. Doch auf Konsole, egal welcher, hat DICE das hauseigene Social Network so stark zusammengeschrumpft, dass es seine Kernaufgabe nicht erfüllen kann. Auf Xbox One und Playstation 4 ist es zwar größer und informationsreicher als auf den Vorgänger-Konsolen. Aber leider noch immer nur ein minderwertiger Ersatz für echtes Matchmaking. Nicht mal die automatische Server-Suche funktioniert problemlos. Wer einen Spiel Eroberung sucht, wird gerne auch mal in Obliteration oder Team Deathmatch landen – die Next-Gen-Konsolen sind von diesem Fehler ebenso betroffen wie Last-Gen-Systeme.
DICE entschuldigt sich mit Erfahrungspunkten
Doch es sind nicht nur Probleme beim Finden eines Servers. Auch im Betrieb läuft Battlefield 4 nicht flüssig. Es gibt nervige Soundbugs, die ersten 15 Sekunden eines Matchs bleibt es auf dem gesamten Server ruhig. Kurze Zeit konnte ein Spieler sogar den Ton aller Spieler für den Rest ihrer Session abschalten, indem er ein bestimmtes Gewehr mit Schalldämpfer benutzte. Das rückt den "Silencer" in ein komplett neues Licht! Nicht zuletzt ruckelt Battlefield 4 gerade auf großen 64-Spieler-Servern gerne mal zum Ende eine Runde. Auch und gerade auf den Next-Gen-Konsolen. Von all diesen Problemen weiß DICE. Die Entwickler der Battlefield-Reihe wollen sich bei Fans entschuldigen, indem sie ihnen in der vergangenen Woche einen 100%igen Erfahrungspunkte-Boost verpassten. In einer guten Runde konnte man mit etwas Glück über 100.000 XP machen.
Für mich als Fan ist das noch lange nicht genug. Ich will nicht meinen Soldatenlevel durch Tricks und Glück nach oben treiben, ich will ein bugfreies Spiel. Leider bekomme ich das im Moment weder in der alten Generation, noch in der neuen. Klar, grafisch sehen Playstation 4 und Xbox One hervorragend aus. Gerade die hübschesten Karten Hainan Resort und Paracel Storm mit ihren Gewässern sehen auf der Next-Gen richtig toll aus. Aber so ein Bling-Bling ist unwichtig, wenn der Netcode hinter den Kulissen versagt.
Zweifle ich nun meine Wertung vom 29. Oktober an? Nein. Ich bin begeistert von dem Shooter. Sobald die aufreibende Suche nach einem Server für mich und meine Freunde gelungen ist, bleibe ich auch im Spiel. Ich habe Spaß mit Battlefield. Die Xbox-One-Version von Battlefield verdient dieselben 9,2 Punkte wie die Playstation 4. Aber ich muss eingestehen, dass nicht alles so läuft wie es sollte. Das angeblich finale Produkt fühlt sich manchmal an, wie eine ziemlich teure Beta-Fassung. DICE muss sich jetzt mehr als je zuvor darauf konzentrieren, ein solides Spiel fertigzustellen, für das Fans letzten Monat 60€ plus 50€ für Battlefield Premium bezahlt haben. Der Fokus darf jetzt nicht bei DLC-Verkäufen liegen, nicht bei neuen Maps oder langweiligen Detailfragen. Schon in ein paar Tagen startet der erste DLC China Rising. Für Vorbesteller ist er umsonst. Eine kostenpflichtige DLC-Veröffentlichung darf aber nicht her, wenn bis dahin nicht die dringendsten Fragen geklärt sind, der Netcode repariert und aus dem Bughaufen, den Battlefield 4 im laufenden Betrieb derzeit darstellt, ein vorzeigbarer Online-Titel wird.
Ich habe Battlefield 4 gesehen und es war toll. Jetzt will ich dieses Battlefield 4 auch im laufenden Betrieb sehen, DICE! Für 110€ sollten Fans mehr als nur eine zweite, größere Beta-Version erhalten.
