Fighter Within im Test: Der Kinect-Zwang macht den Prügler zur Nullnummer

Test Alexander Winkel

Auf dem Papier klang seinerzeit der Kinect-Prügler Fighters Uncaged von Ubisoft richtig gut. In der Praxis konnte der Titel aber nicht überzeugen. Mit der Hardware-Power der Xbox One und dem neuen Kamerasystem besteht die Hoffnung, dass nun alles besser wird. Wir haben uns daher mit (zu) hohen Erwartungen durch Fighter Within geprügelt und abseits des Muskelkaters für euch in Erfahrung gebracht, was sich seit dem Uncaged-Debakel getan hat.

Fighter Within tritt mehr oder weniger in die Fußstapfen des indirekten Vorgängers. Anstatt der Großstadt-Gangster, die sich im Hinterhof die Nase blutig hauen, gleicht die Kämpferriege des Xbox-One-Titels eher der Klientel der klassischen Prügel-Erfolge wie Tekken. Stahlharte Amazonen, durchtrainierte Muskelberge, Ninja- und Samurai-Kämpfer sowie zum Schluss ein alter, weiser Sensei. Insgesamt sind es zwölf Haudegen, wobei der Milchbube Matt mehr oder weniger die Hauptrolle einnimmt. Im ersten von drei Einzelspielermodi ist er derjenige, der im Dōjō aufsteigen und am Turnier teilnehmen möchte. Die primitive und eigentlich nicht vorhandene Story dient schlicht der Erlaubnis, sich mit anderen prügeln zu dürfen. Wer also Tiefgang möchte, muss sich ein anderes Videospiel suchen. Der Initiation Modus (wie der Story/Trainingsmodus genannt wird) dient vielmehr den Neulingen unter euch als praktisches Tutorial, da hier sämtliche Kniffe und Moves nach und nach erläutert und trainiert werden.

Fighter Within im Test: Der Kinect-Zwang macht den Prügler zur Nullnummer Quelle: Ubisoft Eines muss man Ubisoft lassen: Die Optik ist für ein Kinect-Spiel durchaus in Ordnung. Die zwölf Prügelknaben und -damen sind schick modelliert. Die Kleidung flattert in der Bewegung, die Tritte und Schläge gehen in flüssigen Animationen über und dank einiger Zeitlupen-Effekte und manch längerer Moves, kann man sich zwischendurch auch mal erholen. Auch die Arenen sind äußerst abwechslungsreich und bieten interaktive Objekte wie Stangen und Holzprügel als Argumentationsverstärkung. Für einen Xbox-One-Titel hätten wir aber durchaus mehr Effekte und Details in den tristen Hintergründen erwartet. Prügeln wir uns zum Beispiel in der afrikanischen Savanne vor grasenden Nashörnern und unter sengender Hitze, müsste bei den Anstrengungen die Natur um uns herum geradezu zu Flimmern anfangen. Wenn der Gegner dabei durch einen Wurf auf den ausgedorrten Boden donnert und schmerzerfüllt den Rücken krümmt, sollte ordentlich Staub aufwirbeln. In anderen Arenen wünscht man sich viel mehr Objekte, die zu Bruch gehen oder ein Blitzgewitter dank Stromstöße im Hintergrund. Dazu kommt eine eher minimalistische akustische Untermalung, die durchaus etwas imposanter aus dem Surround-System dröhnen dürfte. Die Ansätze sind gut. Fighter Within sieht ja auch okay aus. Doch so manches richtige Kampfspiel der letzten Konsolengeneration verzauberte dank aufwendig inszenierter Szenarien wesentlich mehr als dieser Xbox-One-Titel.
Ist die Story abgefrühstückt, mehr als einen Abend wird man damit sicherlich nicht verbringen, bleiben dem Solisten Einzelkämpfe und Arcade-Turniere. Letzteres bedeutet schlicht acht Feinde direkt hintereinander zu Boden zu bringen oder aus dem Ring zu werfen. Es gibt keine auf die Individuen bezogene Hintergrundgeschichte und keinen Abspann nach dem finalen Kampf. Die Mühen lohnen sich allerhöchstens für die insgesamt 99 Achievements. Eine völlig übertriebene Ansammlung an Erfolgen, die auch noch dank ewiger Sammelerfolge wochenlanges eintöniges Ackern abverlangen. Seine Stärken zeigt Fighter Within im Mehrspielermodus für bis zu zwei Haudegen vor der Kinect-Kamera – etwas, was uns Fighters Uncaged seinerzeit nicht bieten konnte. Auge in Auge erkämpft man sich den Respekt seiner Freunde und taktiert sich durch die Arenen. Was ist der nächste Schlag? Wie kann ich den Kollegen überraschen? Wie kann ich ihn umhauen oder zumindest aus dem Ring werfen? Das macht durchaus richtig Laune, vor allem weil man direkt nebeneinander steht und so ein richtiges Kampfgefühl aufkommt. Als kurzweiliger Partyspaß ist Fighter Within somit durchaus mal zu haben.

Fighter Within im Test: Der Kinect-Zwang macht den Prügler zur Nullnummer Quelle: Ubisoft Soweit alles ganz passabel und akzeptabel, wäre da nicht die Kamera. Man sollte meinen, Kinect 2.0 liefert genügend Power um all die Fehler von Fighters Uncaged auszumerzen. Nur leider ist dies nicht wirklich gelungen. Dabei nimmt man schon eine starke Reduzierung des Move-Repertoires gegenüber dem Xbox 360 Vorgänger auf eine Handvoll Schlag- und Tritttechniken in Kauf. Angereicht ist dies mit der Möglichkeit, sich mittels der Fäuste vor den donnernden Backpfeifen und Arschtritten zu decken. Simple Schläge und Tritte funktionieren, da gibt es nichts zu meckern. Auch die Geschwindigkeit der Attacken wird durchaus akkurat ausgewertet. Nur ist Vorsicht bei gegnerischer Deckung ist geboten, denn sture Fausthiebe auf das Schutzschild vor dem Kopf können schnell gekontert werden. Der folgende Hieb lässt unseren Haudegen dann Sterne sehen und ist dem Feind nahezu vollständig ausgeliefert. Aber sobald es nun um mehr als nur plumpe Bewegungen geht, steigt das Spiel aus. Tritte muss man oft wiederholen, Gesten wie den Wurf teils mehrere Sekunden halten oder leicht anpassen, bis die Kamera sie aufnimmt. Nicht nur im Kampf erweist sich Kinect als Stolperstein für Fighter Within, auch das Menü ist nur mühevoll zu bedienen. Greift zur Navigation lieber zum Controller, der funktioniert auf jeden Fall frustfreier.

Um es hier mit den Worten meines Kollegen Sandro Odak nochmals zusammenzufassen: Angenommen, Fighter Within würde auch im Kampf den Controller zulassen bzw. gleich komplett auf Kinect verzichten, dann hätte daraus ein passables Prügelabenteuer werden können. Dann hätten die Macher viel mehr Kombo-Angriffe einfügen können. Dadurch wären Angriffsketten möglich und das Gameplay hätte an Tiefe gewonnen. Und vor allem könnten Angriffe sofort starten. Kinect hingegen wartet erst, bist eine Geste komplett ist, kann erst dann erkennen, was der Spieler will. Bis dahin steht die Spielfigur mehrere Momente regungslos da oder verteilt ungewollte Schläge. Das wirkt unflüssig und zerstört die durchaus dichte Atmosphäre. Dank der Hampelsteuerung ist Fighter Within nur ein kurzweiliger Spaß und dient dem Muskeltraining. Nicht mehr, und nicht weniger.

Meinung

Wertung zu Fighter Within (XBO)

Wertung:

5.0 /10
Pro & Contra
zwölf Haudegen, die superb animiert durch die Arenen stapfen und spektakulär Backpfeifen verteilenabwechslungsreiche Arenen von Großstadt, über Baustelle bis hin zur Savanneendlich ein Mehrspielermodus für zwei Prügelknaben vor der Kamera, darin zeigt der Titel auch seine StärkeKinect erkennt sehr schnelle Abfolgen, sofern es simple Schlag- und Trittkombinationen sindinteraktive Arenen, zusätzliche KI-Angriffe und besseres Deckungssystem
werden die Moves komplexer, gerät die Bewegungserkennung an ihre Grenzendie Story ist so langweilig wie ein Schneckenrennen über den GehsteigHintergründe sehen ziemlich mager aus, für einen Xbox One Titel hätten wir wesentlich mehr Details und Effekte erwartetminimalistische akustische Untermalung und nur englische Sprachausgabe
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