Peggle 2 im Test: Ohne Tamtam eines der kurzweiligsten Spiele für Xbox One

Test Sandro Odak

Ohne große Ankündigung und Video- und Screenshot-Dauerfeuer erschien Peggle 2 am 9. Dezember wie aus dem Nichts im Xbox Store. Da wird man schon hellhörig: Warum hat EA es verpasst, einen der kurzweiligsten Exklusivtitel aktiv zu bewerben?

Eher zufällig durchforste ich am Donnerstag den Xbox Store und schaue, was es Neues gibt in der Welt der Apps und Download-Spiele. Und da springt es mir förmlich ins Gesicht: Peggle 2! Das Casual Game ist am 9. Dezember vollkommen unerwartet erschienen. Erst fünf Tage zuvor haben die Macher das bestätigt, eine große Medienoffensive, Marketing oder Werbung gab es nicht. Peggle 2 wäre so fast an mir vorbeigegangen.

Schon die Ankündigung auf der E3 2013 war kurios. Der Leaddesigner trat auf die Bühne, sprang in die Luft und schrie einfach nur "PEGGLE 2!", während im Hintergrund "Ode an die Freude" von Beethoven aus den Lautsprechern hämmerte. Der Moment war so perplex, dass er sich mittlerweile zum Meme entwickelt hat.

Peggle 2 im Test für Xbox One (2) Quelle: Popcap Peggle 2 im Test für Xbox One (2) Wenn ein Spiel ohne große Promotion einfach so auf dem Markt landet, ist das meist ein schlechtes Zeichen. Entsprechend ängstlich war ich. Dabei stimmt an Peggle 2 einfach alles. Popcap hat am bewährten Spielprinzip, so eine Art Pachinko meets Flipper, nichts verändert. Von oben schieße ich silberne Kugeln in den zweidimensionalen Level, auf dem verschiedenfarbige Spielsteine liegen. Blaue, rote, grüne und violette gibt es, sie haben unterschiedliche Aufgaben. Die Roten sind die wichtigsten, sie muss man alle auflösen, indem man sie mit der Kugel anschießt. Der Rest schaltet entweder Special-Moves oder einen Punkte-Multiplikator frei. Das ist 1:1 aus dem ersten Teil übernommen worden, macht aber genauso viel Spaß wie damals. Eine Runde Peggle 2 dauert nur wenige Sekunden, höchstens Minuten und packt mich, auch wenn die primäre Aufgabe meist ziemlich einfach ist, bei meinem Highscore-Stolz. Immer mehr Punkte will ich haben, auch alle alternativen Ziele freischalten – am besten in einer Runde. Wie so viele Casualspiele besteht der Reiz nicht aus einer Lernkurve, sondern aus Trial-and-Error-Prinzipien und dem Wiederspielwert der Levels.
Vier neue Peggle-Meister – und ein Store

Was neu ist, sind die Meister, die einem das Spiel an die Seite stellt. Neben dem verrückten Einhorn Björn, das man aus dem ersten Spiel kennt, sind es vier neue, schrullige Gestalten. Luna ist ein Geist, der alle blauen Pegs – so heißen die Spielsteine – durchsichtig macht. Der Spielball kann dann durch sie hindurchgleiten, zerstört sie aber dennoch. So erreiche ich mit Lunas Spezialfähigkeit auch weit entlegene Pegs, ohne zuerst das blaue Gekrösel drumherum freischießen zu müssen. Außerdem sorgt ihre Fähigkeit für einen riesigen Highscore-Bonus, weil sogar zerstörte Pegs unsichtbar zurückkehren und Punkte liefern. Es sind… Zombie-Pegs!

Peggle 2 im Test für Xbox One (5) Quelle: Popcap Peggle 2 im Test für Xbox One (5) Gnorman, ein kleiner Roboter, ersetzt Splork, den Peggle-Meister mit den explosiven Feuerbällen aus dem Vorgänger. Seine Kugeln sind nun unter Strom und aktivieren automatisch auch nebenliegende Pegs, wenn man sie trifft. Ein ziemlich mächtiger Meister, deshalb kann man die Fähigkeit auch immer nur einmal verwenden. Jeffrey bringt eine Bowling-Kugel mit sich, die eine breite Schneise in das Peg-Chaos fräst. Der Yeti Berg rundet das Angebot ab und hat eine der innovativsten Fähigkeiten: Wenn er das Level einfriert, kullern die Pegs auf der Eisoberfläche rum und aktivieren andere Pegs, die sie Treffen. Peg-Blöcke aktiviert Bergs (den man übrigens Börg ausspricht) Spezialkugel direkt mehrfach an. Seine Fähigkeit macht trotz allem am meisten Sinn, wo es viele kleine Steine und nur wenige Blöcke gibt.

Bei fünf Meistern wird es übrigens vermutlich nicht bleiben. Mit knapp 12€ ist Peggle 2 zwar ein Budget-Titel, aber schon jetzt beinhaltet das Hauptmenü einen gesperrten Store. So wollen die Macher vermutlich Levels und Meister nachreichen, denn mit nur fünf ist Peggle 2 fast halb so groß wie der Vorgänger. Einzelne Levels kaufen läuft zwar bei einem Free2Play-Modell – aber bei einem Bezahlspiel, auch wenn es ein günstiges ist, habe ich noch immer meine Skrupel. Aber wem mache ich etwas vor? Peggle war schon immer eine meiner wenigen Casual-Drogen und so wie mich Peggle 2 zurzeit anfixt, schmeiße ich EA gerne Kohle hinterher.

Neue Animationen – aber nicht Next-Gen

Peggle 2 im Test für Xbox One (7) Quelle: Popcap Peggle 2 im Test für Xbox One (7) Die fünf Meister stehen nach wie vor im linken Teil des Bildschirms und kommentieren die Aktionen des Spielers interaktiv. Die neuen Animationen sind gut gelungen. Björn headbangt zum Beispiel, wenn er froh ist, Luna will einen erschrecken und der Yeti Berg zeigt euch seinen (verpixelten) Popo. Nach einem Wurf kommentieren die Meister das Geschehen aber auch gerne negativ. Der kleine Gnorman schlägt zum Beispiel gerne mal die Hände über dem Kopf zusammen, wenn man keine oder zu wenige Pegs trifft.

Das ist zwar alles ganz cool – aber so richtig Next-Gen ist Peggle 2 dadurch nicht. Die Grafik ist zwar kunterbunt und zweckmäßig, weshalb der Titel aber exklusiv ist, muss man nicht verstehen. Exklusiv bleibt Peggle 2 aber eh nicht lang. Schon auf der Gamescom hat ein PopCap-Mitarbeiter Gamezone verraten, dass das nun mal die Firmenstrategie sei: Immer nur auf einem Gerät launchen, dann ein Produktstart nach dem anderen auf neuen Plattformen ausheben. Genau so wird es Peggle 2 auch bald ergehen. Denn auch wenn der Titel mich mehr unterhält als Ryse und Forza 5 zusammen – lieber wäre es mir sogar, wenn ich das Ding auf einem iPad unterwegs spielen könnte.

Meinung

Wertung zu Peggle 2 (XBO)

Wertung:

7.5 /10
Pro & Contra
geniales Gameplayhumorvolle Charaktere, die liebevoll animiert sindkunterbunte Optikein Kopf, ein Stick – mehr braucht es nichtgenialer Soundtrack, der verschiedene Themen aufgreift und Klassiker „zweckentfremdet“
wieso sollte ich für Peggle 2 eine Xbox One brauchen?Steuerung mit dem Gamepad sicher nicht ganz optimal, Steuerung mit Kinect sogar witzlosMultiplayer ist eine nette Dreingabe, aber nicht so recht durchdacht worden
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