Halo: Spartan Assault im Test: Süßer Gruß aus der (Entwickler-)Küche oder bittere Micropayment-Hölle?

Test Sven Huber

Auf der E3 wusste 343 Industries mit einem imposanten Trailer zu begeistern. Um uns die Wartezeit auf Halo 5 zu verkürzen, spendiert man uns einen Arcade-Titel für Windows 8 und auch für die Xbox One. Amuse-Gueule oder bittere Pille? Die Antwort liefert unser Review.

Dieses schöne Gefühl...
… einen alten Freund wieder zu sehen, wird wohl jeder von uns kennen. Ziemlich genau ein Jahr ist es her, dass 343 Industries Halo 4 veröffentlichte und damit eindrucksvoll bewies, dass sie in der Lage waren, das schwere Erbe der Bungie Studios anzutreten. Zur E3 präsentierten sie uns (leider) nur einen CGI-Trailer zum kommenden Next-Gen Halo, machten damit jedoch jedem Fanboy den Schlüpfer feucht. Um die Wartezeit ein wenig zu versüßen, versorgt man nun also die Fanbase mit einem Arcade-Titel im Halo-Universum. Kurioserweise entschied man sich aber nicht erneut für einen Ausflug ins RTS-Genre, sondern bastelte einen Twinstick-Shooter. "Wie soll das funktionieren?", fragt ihr euch. Nun, was die Steuerung angeht überraschend gut. Man entschied sich nämlich nicht für eine gängige Twinstick-Steuerung (rechter Stick bewegt den Charakter, linker Stick zum Feuern) sondern nutzt quasi das aus dem Ego-Shooter bekannte Steuerungsschema. Halo: Spartan Assault im Test. (3) Quelle: Vanguard Halo: Spartan Assault im Test. (3) Was im ersten Moment ungewöhnlich klingt, und sich auch so anfühlt, ist schon nach sehr kurzer Eingewöhnung vergessen. Schon nach wenigen Minuten bewegt ihr euch durch die Maps als hättet ihr noch nie etwas anderes gemacht.

Halo-Veteranen werden sich freuen dass sie sich gar nicht groß umgewöhnen müssen was das Steuerungs-Layout angeht. Gute Entscheidung 343. Auch optisch gibt man sich, für einen Arcade-Titel kaum Blößen. Selbst aus der Vogelperspektive erkennt man sofort die quietschenden Grunts, die Befehle brüllenden Eliten und natürlich dürfen auch Fahrzeuge und stationäre Geschütztürme nicht fehlen. Kleines Manko: Aufgrund der Perspektive sind manche Items (fallen gelassene Waffen zum Beispiel) mitunter schwer zu erkennen.

Story? Eher Fast Food...
Halo: Spartan Assault im Test. (6) Quelle: Vanguard Halo: Spartan Assault im Test. (6) ...und zwar im wahrsten Sinn des Wortes. Zeitlich ist Spartan Assaults (übrigens nicht zu verwechseln mit Spartan Ops) zwischen Teil 3 und 4 angesiedelt. Leider bekommen wir keine zusammenhängende Story, sondern spielen lediglich einzelne Kurzeinsätze der Spartans nach. Und auch Kurzeinsätze kann man hier leider absolut wörtlich nehmen. Jedes der sechs Kapitel beinhaltet fünf Missionen. Wer sich auf ausladende Schlachten mit den Covenant freut, wird enttäuscht. Selbst wenn ihr trödelt, dauern die Missionen kaum länger als jeweils fünf Minuten. Nach Adam Riese macht das eine Gesamtspielzeit von knapp zweieinhalb Stunden. Für 15 Euro ein teures Vergnügen. Da ihr für jede Mission Sterne (und damit Punkte sammelt) ist zwar ein gewisser Wiederspielwert vorhanden, ob einen die Highscorejagd jedoch genug motiviert, muss jeder selbst entscheiden. Zusätzlich zu den 30 Einzelspielermissionen werden noch fünf Koop-Missionen angeboten, leider nur für zwei Spieler.

Jetzt kommt's knüppeldick
Halo: Spartan Assault im Test. (9) Quelle: Vanguard Halo: Spartan Assault im Test. (9) Was bislang nach einem soliden und spaßigen Arcadegame klingt, hat leider einen, wie wir finden, dicken Haken. Ihr startet in jede Mission mit einer vorgegebenen Bewaffnung und Panzerungsfähigkeit. Selbstverständlich lässt sich dieses Loadout auch editieren gegen XP, die ihr je nach Bewertung am Ende einer Mission erhaltet. Alternativ dazu könnt ihr die Loadouts auch mit Credits freikaufen, die ihr gegen (wie sollte es auch anders sein) Echtgeld kaufen könnt. 200 Credits schlagen mit 99ct zu Buche. So weit, so gut, aber jetzt kommt der Haken. Das Spiel geizt dermaßen mit den XPs, dass ihr im Endeffekt nur drei Optionen habt.

Option A: Spielt die Mission mit dem vorgesehenem Loadout; was meist dazu führt dass man keine Goldwertung erhalten kann, weil es zu schwach ist.
Option B: Farmt euch XP, indem ihr Missionen mehrmals hintereinander spielt. Buh, laaaaangweilig!
Option C: Kauft euch die Loadouts mit Credits/Echtgeld.

Halo: Spartan Assault im Test. (11) Quelle: Microsoft Halo: Spartan Assault im Test. (11) Eine alternative Waffe schlägt, je nach Qualität, zwar mit "nur" 15-20 Credits aufs Konto. "Hey was stellt ihr euch an, das sind doch nur ein paar 10-20 Cent wenn man die Creditpreise mal umrechnet" Berechtigter Einwand. Aber ihr habt die freigekauften Waffen und Items nur für die jeweilige Mission. Solltet ihr sie erneut angehen oder später wiederholen, müsst ihr euch die Items erneut kaufen … und wieder … und wieder … und wieder! Bei einem Spiel, das quasi auf Wiederholungen und Highscorejagd angelegt ist, tut sich hier ein Fass ohne Boden auf. Dazu kommt die Tatsache, dass man durch die spärlichen XP und die vergleichsweise horrenden Preise geradezu genötigt wird, Credits zu nutzen. Diese aufdringlichen Mikrotransaktionen, gepaart mit der kurzen Spielzeit, sind eine bittere Pille.

Meinung

Wertung zu Halo: Spartan Assault (XBO)

Wertung:

6.5 /10
Pro & Contra
es ist Halo!Steuerung ist präzise und flutschtOriginalsounds aus den „großen Brüdern“perfekt für zwischendurch dank kurzer Missionen
schlechtes Preis-LeistungsverhältnisMicropaymentMICROPAYMENT!
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