Lionhead und Microsoft bringen nach zehn Jahren den ersten Teil der Fable-Reihe zurück und erneuern das Action-RPG mit sowas wie einem HD-Remake. Doch grafisch ist das nicht so wirklich HD und technisch macht Fable Anniversary vieles eher schlecht als recht. Wer trotzdem zugreifen sollte, verraten wir euch in unserer Anspiel-Vorschau inklusive Let's-Play-Video.
Als ich Peter Molyneux das letzte Mal auf der Gamescom traf, habe ich mir ganz fest vorgenommen zu fragen, ob er nun eigentlich der Messias der Games-Industrie ist, denn das gibt er gerne vor, oder doch nur ein brillanter Marketing-Kopf, der besser labern kann als letztendlich abliefern. Als inkompetenten, lügenden Nichtsnutz straft ihn das Internet schon seit Jahren ab. Am Ende des Interviews hat Molyneux mich so lange mit seiner gönnerhaften Vaterstimme eingelullt, dass ich vergessen habe ihn danach zu fragen. Stattdessen sprudelte aus mir heraus: Glaubst du eigentlich an Gott, wenn du so viele Götterspiele machst? Da ist nicht nur dem PR-Typ, der im Hintergrund aufgepasst hat, die Kinnlade runtergefallen.
Quelle: Lionhead Studios
Fable Anniversary in der Vorschau: Kein richtiges HD-Remake. (2)
Eines von Molyneux' ambitioniertesten Projekten war Fable. Oh, wie haben wir damals Vorschusslorbeeren gejubelt und uns die Finger wund geschrieben für diesen Mann. Ein Lebenssimulator sollte Fable sein. Völlige Entscheidungsfreiheit sollte es geben. Die Möglichkeit, ein Held zu werden in einer Welt, die sich an den Spielstil des Spielers anpasst und nicht eine Geschichte vorschreibt. Als Fable dann erschien, war es zwar ein gutes Spiel. Aber die völlige Entscheidungsfreiheit schrumpfte zu einer Wahl zwischen gute Tat und böse Tat. War Fable ein richtiger "Lebenssimulator", in dem man das Leben eines albionischen Helden von klein auf nacherlebt? Ähm, nein.
Nun ist Fable zurückgekehrt. Das Action-RPG schwimmt auf der Welle der HD-Remakes mit, will aber nicht Fable HD heißen. Stattdessen: Fable Anniversary. Denn so richtig HD ist die Grafik nicht. Im Vergleich mit dem Original hat Microsoft zwar ordentlich aufgebohrt, in der Neuzeit landet das Abenteuer des namenlosen Helden aber nicht. Stattdessen bedient sich Lionhead Games einer zeitlosen comicartigen Optik. Die altert nicht so stark und sieht recht plastisch aus. Über die niedrige Auflösung und immer wieder auftretende Unschärfen täuscht das jedoch nicht hinweg.
Technisch hätte dem Material mehr Polishing gut getan. Immer wieder bleibt der namenlose Held Albions an Steinen, Gehwegplatten und Bäumen hängen. Auch Fußgänger auf der Straßen stoppen unsere Spielfigur gerne mal aus dem vollen Sprint, selbst wenn man sie nur leicht berührt. Große Teile der Spielfläche sind auch noch mit Zäunen und Hügeln so abgetrennt, dass sie einen Schlauch ergeben. Doof, weil man auch an diesen Objekten immer wieder festhängt.
Spannende Heldengeschichte
Quelle: Lionhead
Fable Anniversary in der Vorschau: Kein richtiges HD-Remake. (5)
Ansonsten aber bleibt sich Anniversary treu. Inhaltlich verändert Lionhead nichts an Fable und setzt die Geschichte des namenlosen Helden 1:1 um. Die beginnt in einem kleinen Dorf, in dem man als Junge Hühner durch die Straßen treten kann und Erwachsenen Streiche spielt. Das beschauliche Dorfleben findet ein jähes Ende, als Räuber kommen und alle töten. Alle, bis auf den kleinen Jungen, den der Spieler steuert. Er kann entkommen und erfährt: Die Mörder waren hinter ihm her! Ein Magier nimmt ihn auf, bringt ihn in die Heldengilde und bildet ihn dort zum Helden Albions aus. Danach beginnt die egoistische Quest-Phase. Der Racker zieht aus, um Aufträge zu erledigen, die ihm Ruhm und Geld einbringen. Ist das die Aufgabe eines Helden? Hm, da kann man zwiegespalten sein. Fakt ist aber, dass man in dieser Phase viel Zeit hat, einen Charakter zu bilden. Hilft man den Reichen oder hilft man den Armen? Oder hilft man niemandem und wird zum bösen Anti-Held?
Einen richtigen Zusammenhang kann man lange Zeit nicht herstellen. Wie kommt es dazu, dass der Junge von eben nun ein muskulöser Held ist, der Frauenherzen höher schlagen lässt? Wieso wurde er ausgewählt? Was passiert mit der entführten Familie? Diese Fragen spült Fable erst im Verlauf der Geschichte wieder hoch und beweist, was vor zehn Jahren noch nicht Gang und Gäbe war: Stimmungen und Gefühle in Szene setzen gehörte damals nicht zu den Stärken von Rollenspielmachern. Die Dialoge sind eher plump und flach, die Zwischensequenzen auch. Viel von Fable findet nicht gerendert statt, sondern im Kopf. In der Fantasie! Wer ein actiongefülltes Gewaltspektakel erwartet, kann sich ruhig woanders anstellen. Er wird nicht fündig. Fable ist und bleibt ein sehr klassisches Action-RPG.
Quelle: Lionhead
Fable Anniversary in der Vorschau: Kein richtiges HD-Remake. (6)
Unterbrochen wird das Abenteuer leider immer wieder von recht langen Ladezeiten. Die offene Welt, die man aus Fable 3 kennt, war damals noch unvorstellbar. Stattdessen teilt sich das Land in viele Dutzend kleine Unterabteile auf. Will man von Stadtteil A nach B, muss man oft eine kurze Ladepause einlegen. Wenn man dann häufiger hin- und herlaufen muss, nervt das latent.
Fable Anniversary erscheint am 7. Februar 2014 als Boxed-Game für Xbox 360 zum Preis von 35€. Am gleichen Tag erscheint auch eine Fable Trilogy, die neben der Anniversary auch Fable 2 und Fable 3 enthält – jedoch ohne Modernisierungen. Gamezone hat Fable Anniversary in der Redaktion mehrere Stunden lang spielen können.
