Tomb Raider: Definitive Edition im Test: Der Vollpreis ist eine Frechheit, die Qualität stimmt aber

Test Sandro Odak
Tomb Raider: Definitive Edition im Test (Bild: PS4) (2)
Quelle: Gamezone

Letztes Jahr feierte Lara Croft ihr grandioses Comeback. Jetzt will Square Enix auf den Next-Gen-Konsolen noch mal abkassieren. Die Tomb Raider: Definitive Edition verspricht das definitive Tomb-Raider-Erlebnis, bohrt aber nur die Grafik ein wenig auf. Gamezone hat sich erneut ins Drachendreieck gewagt und testet, was Lara auf Xbox One und Playstation 4 abliefert.

Lara Crofts Rückkehr auf Spielkonsolen und PCs konnte man 2013 ruhig einen Erfolg nennen. Square Enix hat es geschafft, Action-Adventures von Grund auf zu revolutionieren. Die Art, wie Geschichte im Tomb-Raider-Reboot erzählt wurde und mit fließenden Übergängen Gameplay mit Zwischensequenzen verquickte, kann man völlig zurecht als innovativ bezeichnen. Doof, dass Tomb Raider noch für PC, Xbox 360 und Playstation 3 erschien – wo doch die Next-Gen schon am Horizont aufblitzte. Für Square anscheinend kein großes moralisches Dilemma: Nun veröffentlichte der Spiele-Publisher Tomb Raider einfach noch mal, und zwar zum Vollpreis. Die Tomb Raider: Definitive Edition sieht zwar durchaus besser aus – aber im Prinzip endet die Liste der Vorteile hier schon. Von einer definitiven Edition hätte ich mehr erwartet.

Immerhin enthält die Tomb Raider: Definitive Edition alle Add-Ons von seinem SD-Vorgänger. Aber wird ein Spiel, das lediglich Online-Mappacks erhielt, damit wirklich zu einem "vollständigeren" Spiel? Singleplayer-Add-Ons gab es nicht und gerade die wären interessant gewesen, um Tomb Raider HD die Aura einer Game-of-the-Year-Edition zu verpassen.

Dabei sah es doch auf der alten Generation gar nicht schlecht aus…

Tomb Raider: Definitive Edition im Test (Bild: PS4) (1) Quelle: Gamezone Tomb Raider: Definitive Edition im Test (Bild: PS4) (1) Der Einwand, dass Tomb Raider auf Xbox 360 und Playstation 3 gar nicht übel aussah, ist berechtigt. Lara Croft sah auf den Old-Gen-Konsolen tatsächlich bezaubernd aus, vor allem wegen der tollen dynamischen Lichteffekte. Sie deuteten bereits an, wie Spiele in Zukunft aussehen könnten – die Macher kitzelten die Optik durch ein paar technische Kniffe aus den alten Kisten. Auf Playstation 4 und Xbox One hat Square Enix die Auflösung nun raufgeschraubt und an Shadern und Texturen gearbeitet. Aber: So spürbar wie man es erwartet, hat sich Tomb Raider nicht verändert. Es gibt zwar eine glaubwürdigere Physikengine; Laras Kleidung, Haare und Items bewegen sich nun dynamisch im Takt ihrer Schritte und eine bessere Kantenglättung. Das macht jedoch noch kein vollständig neuartiges Spielgefühl aus. Im Vergleich zur PC-Version fehlt sogar Tesselation. Was ein richtiger Grafik-Freak ist, greift nach wie vor zur leicht schärferen PC-Fassung.

Unter Fans eher unangenehm fiel auch auf, dass Laras Gesicht in der definitiven Edition leicht überarbeitet worden war. Sie sieht nun weniger jugendlich und "unverbraucht", dafür aber taffer aus. Das passt zwar sicherlich zum späteren Auftreten der Heroine, die Charakterentwicklung von der vorsichtigen, zaghaften Lara zur taffen Action-Archäologin zerfließt aber ein wenig. Das Weinerliche steht diesem erwachseneren Gesicht einfach nicht.

Die technischen Unterschiede auf Xbox One und Playstation 4 sind übrigens gar nicht so stark spürbar wie vorher erwartet. Da haben Konsolen-Fanboys die Suppe heißer gekocht als sie gegessen wird: Der Unterschied bei der Auflösung und den Bildern pro Sekunde ist so gut wie nicht sichtbar. Die englische Sprachausgabe lässt sich per Download nachinstallieren.

Mal von den Kosten abgesehen: Brillantes Action-Adventure

Tomb Raider: Definitive Edition im Test (Bild: PS4) (3) Quelle: Gamezone Tomb Raider: Definitive Edition im Test (Bild: PS4) (3) Wer Tomb Raider bislang noch nicht kennt, kann bedenkenlos zugreifen. Wie seine Old-Gen-Vorgänger verbindet das Action-Adventure packende Action, eine spannende Story und ein paar witzige, wenn auch nie wirklich komplizierte Rätseleinlagen. Meist sind das Kletterpassagen, die man mit Laras Fähigkeiten ergänzt. So gilt es beispielsweise eine Flamme an einem Wasserfall vorbei zu bugsieren, Windkanäle auszunutzen und Gewichte zu verlagern. Im späteren Verlauf wird Tomb Raider dann zunehmend zu einer recht brutalen Baller-Einlage. Viele von denen wären überflüssig, wenn Lara nicht unbedingt Erfahrungspunkte sammeln müsste, um im Level aufzusteigen. Aber dem Spielspaß tut das sicherlich keinen Abbruch. Bis zur letzten Minute bleibt Laras Prequel-Abenteuer so spannend. Nur mit Logik braucht man nicht ankommen. Wer sich etwa fragt, wie viele Menschen seit wie vielen Jahren auf der mysteriösen Insel im Drachendreieck schon verschollen sein müssen, damit die Wege mit Leichen gepflastert sein können, findet bestimmt keine zufriedenstellende Antwort.

Manch einer würde sogar das Backtracking in Tomb Raider kritisieren. Aber auch hier hat Square Enix Fakten geschaffen: Selten hat es mich so wenig gestört, manche Gebiete mehr als einmal zu betreten. Gerade im Bergdorf am Anfang des Spiels fühlt man sich wie in einer offenen Welt und kehrt mehrmals zu verschiedenen Tageszeiten zurück. Weil Lara dann meistens schon neue Fähigkeiten erlernt hat, stehen ihr immer neue Wege offen. Prompt ertappe ich mich beim Test dabei, wie ich auch beim dritten Mal wieder alle Dächer und Felsvorsprünge abklettere, in freudiger Erwartung auf mehr Punkte.

Update vom 28. Januar 2014, 16:20 Uhr: In einer vorherigen Version dieses Artikels haben wir behauptet, Tomb Raider: Definitive Edition würde keinen englischen O-Ton beinhalten. Diese Information war falsch. Man kann lediglich in der Pause-Option die Sprache nicht ändern. Aus dem Hauptmenü geht das sehr wohl. Die Sprachdateien müssen separat heruntergeladen werden.

Meinung

Wertung zu Tomb Raider: Definitive Edition (PS4)

Wertung:

8.0 /10

Wertung zu Tomb Raider: Definitive Edition (XBO)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
jetzt in 60 Frames (auf PS4)höhere Auflösung, mehr Detailsherrliche Grafiktolle Texturen und Lichteffektesuper animierte Charaktere, allen voran Lara herselfmitreißender Soundtracksolide deutsche Synchroenglische und viele weitere Sprachversionen als Download erhältlichgelungenes Leveldesign, so macht Backtracking Spaß!
Xbox One mit vermindeter Framezahl, jedoch immer noch sehr ansehnlich... Grafikplus aber eigentlich kaum spürbar, weil Old-Gen auch schon super aussah!HD-Update kostet nochmal den Vollpreiszu viele Schießereienzu wenige, meist sehr einfache Rätselverspricht anfangs mehr Charaktertiefe als es dann halten kannLaras Wandel wird inhaltlich nicht so toll umgesetzt wie man es hätte zeigen könnenviele Sammelobjekte, die aber Gameplay-technisch nicht genutzt werden
Fazit

Wer Lara Crofts neuestes Abenteuer schon auf Xbox 360, Playstation 3 oder PC gespielt hat, braucht definitiv nicht zugreifen. Die Unterschiede sind so marginal, dass der Vollpreis eine Unverschämtheit ist. Tomb Raider: Definitive Edition bleibt aber trotzdem ein fantastisch gutes Action-Adventure!

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