Dungeon Keeper im Kurztest: Abzockfalle Free2Play - Wenn kostenlos nicht mehr kostenlos ist
Test
Electronic Arts hat eines der besten Strategiespiele aller Zeiten neu aufgesetzt: Dungeon Keeper kam diese Woche für Apples iPad und Android-Tablets heraus, kostenlos als Free2Play-Spiel. Doch hinter der Gratis-Fassade versteckt sich reine Abzocke. Die Spielmechanik wurde so absurd verändert, dass selbst die elementarste Spielzüge Geld kosten. Wir warnen ausdrücklich davor, bei dieser miesen Preis/Leistung zuzugreifen!
Im Internet ist die Hölle los. Wenn man Journalisten und Spieler trauen kann, dann hat Electronic Arts die schlimmste Free2Play-Hölle aller Zeiten veröffentlicht – und das ausgerechnet unter einer altehrwürdigen Coregamer-Marke! Dungeon Keeper für iPad und Android-Tablets heißt es und ist nur vordergründig kostenlos. Einige nette Erinnerungen verbinde ich mit Dungeon Keeper. Nicht nur weil ich so ein riesiger Fan des Strategiespiels war, sondern weil mir Horny seit dem ersten Tag bei Gamezone im Nacken saß. Die lebensgroße Riesenfigur (siehe Foto) stand zeitweise genau hinter meinem Schreibtisch und blickte mir tagein tagaus in den Bildschirm. Ach Horny, damals war noch alles gut. Heute liest man nun davon, dass die Spieleindustrie krank ist und Dungeon Keeper eines der Symptome. Und liest Tests wie diesen bei Superlevel (ohne Witz, das BESTE Review zu Dungeon Keeper!).
Quelle: Gamezone
Horny sagt schon im Tutorial, worum es in dieser App geht: Geld ausgeben!
EAs perfide Idee: Eine geniale Marke hernehmen, ein eigentlich gar nicht mal bescheuertes Spiel drüberklatschen und dann gutes Gameplay durch Spielmechaniken ersetzen, die das Spiel künstlich in die Länge ziehen. Warum? Naja, damit man Abkürzungen verkaufen kann.
Theoretisch ist das nichts Neues. Plants vs. Zombies 2 bot eine ähnliche Mechanik und trieb einen dazu, bereits besuchte Level immer und immer wieder neu zu besuchen. Es galt Sterne und Schlüssel zu suchen, sonst konnte man die nächste Welt nicht erreichen. Wenigstens aber gab es etwas zu tun. Candy Crush ist ein ähnlich umstrittenes Beispiel. Hat man seine fünf Leben verbraucht, kann man Freunde auf Facebook um Hilfe anbetteln. So holt man neue Kunden ins Boot und wenn nicht, muss man halt ein bisschen warten. Das nervt zwar, ist aber noch im Rahmen des Ertragbaren. Und dann kommt Dungeon Keeper. Schon im Tutorial verrät Teufelchen Horny, dass manche Aufgaben die Geduld auf die Probe stellen. "Aber wer sagt, dass Geld nicht auch Zeit kaufen kann?" Mit Juwelen kann man die Wartezeit für viele Prozesse abkürzen. Bis hierhin ist alles noch normal.
Quelle: Gamezone
14.000 wertlose Spiele-Juwelen als "Preis-/Leistungstipp" für 90€ anzubieten grenzt an Wucher.
Doch dann fängt das richtige Spiel an und man kommt in echte Zeitbedrängnis. Denn Dungeon Keeper kassiert nicht nur an den richtig harten Stellen ab, sondern an fast jeder. Große Teile der Karte, und natürlich alle wichtigen Zugänge, sind mit speziellen Steinen geblockt, die entweder vier oder sogar 24 Stunden zum Abbauen brauchen. Einen ganzen Tag Arbeit für einen der elementarsten Spielschritte! Das ist, als würde ich in Battlefield meine Munition bezahlen müssen oder in FIFA 14 vor jedem Spiel einen neuen Ball kaufen! Wer keine 24 Stunden warten will, kann 250 Juwelen bezahlen. Das entspricht 2,50€! Mehr als 250 dieser 24-Stunden-Felder gibt es auf einer Karte, Vier-Stunden-Felder sogar noch häufiger. Das heißt: Entweder ich spiele die nächsten neun Monate auf dieser einen Karte, oder ich investiere über 600€! Das ist schon nicht mal mehr ein unverschämtes Spiel. Das ist so derart widerlich, dass Dungeon Keeper gar kein Spiel mehr ist, sondern einfache Abzocke. EA hofft auf willensschwache Spieler, die von der kurzen Kostenlos-Zeit zu Beginn so sehr gepackt sind, dass man ihnen danach wahllos in die Tasche greifen kann.
Damit das klappt, verbindet sich Dungeon Keeper auch noch ständig mit dem Internet. Ohne Online-Verbindung startet das Mobile-Game nicht mal. Wer wie ich kürzlich im Flugzeug sitzt oder ein iPad ohne 3G-Netz hat, kann entsprechend nur zu Hause spielen.
