inFamous: Second Son ist einer der wichtigsten Titel für die Playstation 4, Ende März kommt er in den Handel. Für uns also Zeit, mal einen Blick rein zu wagen. Wir haben etwa eine Stunde lang Seattle unsicher gemacht und die helle und dunkle Seite von inFamous erkundet. Wow, was für ein Effekt-Feuerwerk!
Als der Straßen- und Graffitikünstler Delsin Rowe eines Tages übermenschliche Fähigkeiten entwickelt, weiß er vermutlich nicht, in was für große Schwierigkeiten ihn das bringt. Denn das DUP, Department of Unified Protection, geht gegen sogenannte Bioterroristen wie ihn vor und verhaftet sie. Die Regierung will nicht erneut Vorfälle wie in Empire City und New Marais dulden, in denen die ersten zwei Spiele der Serie handelten. Also taucht Delsin in Seattle ab und sucht Gleichgesinnte, mit denen der Rebell gegen das System vorgehen kann.
In Abigail Walker findet er genau so eine Gleichgesinnte. Zusammen mit seinem Bruder findet er sie, angeschlagen und verfolgt von Beamten. Eigentlich sollten die zwei nun die Polizei rufen, in einer emotionalen Entscheidungsszene muss der Spieler entscheiden, wie er den Bruder davon abhält. Solche Entscheidungsprozesse standen auch früher schon im Mittelpunkt von inFamous, sie sorgen für ein Gut-Böse-Moralsystem. Auf der guten Seite nimmt Delsin seinem Bruder die Entscheidung ab und verschwindet mit Abigail, um ein Drogenkartell zu bekämpfen. Wenn man sich jedoch für die böse Seite entscheidet, gibt es eine Zankerei und Delsin zerstreitet sich mit seinem Bruder. Der folgende Auftrag ist entsprechend zynischer: Die beiden lassen das Drogenkartell machen und greifen lieber den Aufmarsch einer politischen Gruppe an, die gegen "Bioterroristen" demonstriert.
Verschiedene Kräfte vereint
Quelle: Sony
inFamous: Second Son in der Vorschau (1)
Während Delsin zu Beginn noch die Rauchkraft beherrscht, sich also in Qualm verwandeln kann, um durch Luftschächte und engmaschige Zäune zu schweben, besitzt die grelle Abigail die Kraft von Neonlampen. Mit ihr kann sie sich wie ein Blitz durch die Gegend bewegen, vertikal an Gebäuden hochlaufen und sogar Projektilen ausweichen. Delsins besondere Kräfte erlauben es ihm, die Macht von anderen Conduits abzusaugen und zu kopieren. Gleichzeitig kann Delsin sie aber nicht nutzen. Er muss immer eine wählen. Wenn er an Neonwerbung vorbeikommt, kann er mit Druck auf das Touchpad die Energie aus den Röhren raussaugen und damit seine Blitzkräfte aufladen. Wenn er dasselbe neben einem qualmenden Auto macht, aktiviert er seine ursprüngliche Kraft. Wie viele Superhelden-Fähigkeiten es am Ende gibt, ist noch nicht bekannt. Es könnte aber eine ganze Menge sein. Der Schwierigkeitsgrad würde dann mit fortlaufender Spielzeit ansteigen, weil man immer mehr Skills kombinieren muss.
Delsin und Abigail sind natürlich nicht die einzigen mit übersinnlichen Fähigkeiten. Beim Erkunden der Stadt treffen wir auf ein paar schwergepanzerte DUP-Einheiten, die gelbliche Kristalle verschießen und unseren Hauptcharakter damit für kurze Zeit einschließen können. In der Zeit kann man sich nicht bewegen und ist feindlichen Angriffen fast hilflos ausgeliefert.
Die offene Spielwelt lädt zum Chaos machen ein
Quelle: Sony
inFamous: Second Son in der Vorschau (6)
Eine offene Spielwelt kombiniert mit übermenschlichen Fähigkeiten übt schon seit den inFamous-Vorgängern und Protoype auf mich eine gewaltige Anziehung aus. Das virtuelle Seattle in Second Son macht keine Ausnahme. Wenn ich nicht gerade Polizisten und andere Bio-Freaks angreife oder verrückte Demonstranten aufmische, flitze ich über den Dächern der wunderschönen Stadt umher, schwebe vom Wind getragen als Rauchwolke rum und springe von Dach zu Dach. Letzteres sieht vor allem mit der Neonkraft toll aus, weil es kunterbunt aus dem tristen grau der Nacht heraus leuchtet. Grafisch sieht das nicht nur wegen der hübschen Partikeleffekte so gut aus, sondern auch, weil Seattle so düster und dreckig erscheint, dass Delsin richtig herausstrahlt.
Ein bisschen Zerstörung gibt es auch. Die Checkpoints der DUP kann man zum Beispiel angreifen, ihre Straßensperren zerstören. Auch Autos, Zäune und Dachaufbauten lassen sich mit den übersinnlichen Energieschüssen zerstören. Viel Auswirkung auf das Gameplay hat das aber nicht. Ob das Missionsdesign am Ende auch überzeugen kann, können wir noch nicht beurteilen. Die zwei von uns gespielten Aufträge waren recht geradlinig aufgebaut und weitere Moralentscheidungen laufen immer mit der Frage, ob Delsins Charakter gut oder böse ist, ab. Dabei wäre es manchmal ja auch ganz schön sich einfach zu entscheiden und erst aus dem Ergebnis des Handels zu erfahren, welche Auswirkungen es auf den späteren Spielverlauf hat.
Quelle: Sony
inFamous: Second Son in der Vorschau (5)
Grafisch haben mich die Zwischensequenzen am meisten begeistert. Gesichter und Charaktere sind hochaufgelöst dargestellt. Auch die Umgebung wirkt erstklassig. Der buntere Innenstadtteil hat mich in seinen Bann gezogen, der etwas tristere Hafen hingegen lullte Feinde in Dunkelheit ein – beide Szenarien haben etwas. Nur die Animationen sind noch etwas wacklig: Weil natürlich Straßen, Wände und Dächer zum Erkunden einladen, gibt es Ecken und Kanten an denen Delsin nicht hundertprozentig flüssig langklettert. Da Second Son schon in einem Monat erscheint, könnte das ein Fehler sein, mit dem wir im fertigen Spiel leben müssen. Solche Polishing-Bugs verzeiht man Open-World-Spielen im Allgemeinen aber leichter als einem Shooter mit vorgegebenen Wegen und kleinen Umgebungen.
Ein bisshen genervt hat am Ende auch das Playstation 4 Touchpad. Türen und Kisten öffnet man mit Wischgesten, Kräfte nimmt man durch Drücken auf - dafür muss man aber den Finger vom Kamera-Stick nehmen. Das nimmt den Flow aus dem Spiel und bringt dabei überhaupt keinen Mehrwert. Wann lernen Entwickler, auch wenn es sich um First-Party-Marken handelt, dass nicht jedes Hadware-Feature auch wirklich zwingend eingesetzt werden muss, nur weil es da ist? Eine normale Aktionstaste hätte es bei inFamous: Second Son jedenfalls auch getan.
