Wargame: Red Dragon in der Vorschau: Beeindruckend, aber wegen der Komplexität auch sehr speziell

Special Sandro Odak
Flugzeuge und Fahrzeuge sind bis ins kleinste Detail animiert.
Quelle: Focus Home Interactive

Wargame war noch nie ein einfaches Strategiespiel: Hunderte Einheiten, exakte Werte, viel Simulation. Der dritte Teil wechselt nun erstmals das Setting, aus Europa geht die Reise nach Asien. Um Singleplayer mehr anzusprechen, bauen die Macher erstmals richtige Kampagnen ein und verknüpfen sie mit einer taktischen Strategiekarte mit Rundensystem. Aber komplex ist Wargame noch immer...

Immer wenn ich Wargame sehe, frage ich mich danach: "Wollen die Macher jetzt ein Spiel abliefern, das Spaß macht, oder eine möglichst exakte Simulation?" Ganz genau wissen sie es anscheinend selber nicht, angestrebt ist irgendein Mittelweg. Möglichst exakt soll Wargame sein, und trotzdem Spaß machen. In Airland Battle, dem letzten Teil, haben die Entwickler wenigstens etwas mehr Bedienkomfort eingebaut – der erste Teil war mehr ein Geheimtipp für Profis. Nun öffnet sich Wargame noch weiter der breiten Masse. Im Mittelpunkt steht ein rundum veränderter Singleplayer-Modus. In fünf unterschiedlichen Kampagnen erzählen die Macher eine an realen Ereignissen angelehnte Geschichte. Im Mittelpunkt steht der Krieg um Korea, aber auch in anderen Gebieten Asiens brennt die Luft. So muss man beispielsweise im Szenario Crown Jewels im Jahr 1986 Hongkong gegen anrückende Chinesen verteidigen, nachdem man sich geweigert hat, das ehemalige Protektorat an China zurückzugeben. In Wirklichkeit war bereits 1984 ein Abkommen unterzeichnet worden, das den Rückzug der Briten zur Folge hatte. Geschichtsunterricht, mit leicht angepassten Ausgangssituationen, bekommt man in Wargame: Red Dragon sozusagen "inklusive".

Die Kampagne dreht sich um den Koreakrieg und andere Scharmützel zur Zeit des Kalten Kriegs. Quelle: Focus Home Interactive Die Kampagne dreht sich um den Koreakrieg und andere Scharmützel zur Zeit des Kalten Kriegs. Der Handlungsort wandert erstmals in der Geschichte der Serie von Europa nach Asien. Die Geschichte umfasst die Jahre 1975 bis 1991, eine Zeit des Umbruchs und vor allem vieler kleinerer Scharmützel. Wie in Total War verschiebt man zwischen den Echtzeitschlachten Armeen und Divisionen auf einer Übersichtskarte. "Wir haben unseren Kampagnenstil vollkommen verändert", erzählt uns Producer Alexis Le Dressay. Das Rundensystem ist zwar nicht vollkommen neu, im Vorgänger gab es schon ein ähnliches, aber es soll nun sehr viel besser implementiert sein. "Wenn Spieler sich bei uns beschweren und sagen, dass Wargame bisher zu stark auf Multiplayer fokussiert war, dann haben sie vermutlich Recht." Diesmal soll das anders werden.

Das heißt nicht, dass der Multiplayer-Modus stagniert. Eugen Systems hat den Netzcode weiter verbessert, sodass nun 20 Spieler gleichzeitig auf einer Karte spielen können. Rein rechnerisch treffen dann bis zu 1.200 Einheiten gleichzeitig aufeinander – wow!
Unglaubliche Einheitenzahl und –genauigkeit

1455 verschiedene Einheiten gibt es in Red Dragon - da leidet die Übersicht. Quelle: Eugen Systems 1455 verschiedene Einheiten gibt es in Red Dragon - da leidet die Übersicht. Eine Stärke von Wargame ist seit jeher die unglaubliche Einheitenzahl und der Detailgrad. Vor einem Kampf muss man sich ein Deck aus Einheiten zusammenstellen, hat dafür eine bestimmte Anzahl Punkte zur Verfügung. Bis zu 60 einzelne Einheiten können mit in die Schlacht, sortiert sind sie nach Truppengattungen wie Infanterie, Marine, Panzereinheiten, Infrastruktur und Co. Jeder Wagen, jeder Soldat, ja sogar jede einzelne Waffe ist in einem riesigen Armee-Editor verzeichnet. Das Datenblatt einer jeden Einheit sieht für das ungeschulte Auge aus wie ein Crashkurs in Excel. Dutzende Zahlenwerte stehen da, von der unterschiedliche Panzerungsdicke auf den verschiedenen Seiten eines Gefährts, über die Nachladezeit bis hin zur Größe von Tankkanistern und Magazinen. Das alles ist in Wargame wichtig, ein Hubschrauber, Panzer oder Schiff hat nicht einfach unbegrenzt Munition und Treibstoff an Bord. Wer mit seinen Ressourcen nicht gut genug umgeht, muss landen oder bleibt stecken. Wenn dann Nachschublinien fehlen, ist eine Schlacht schon so gut wie verloren!

Rein von der Quantität setzt Eugen Systems nochmal ordentlich was drauf. Waren es in Airland Battle noch etwa 750 Einheiten, verdoppeln die Macher nun auf satte 1455 unterschiedliche Spielfiguren. Sie teilen sich auf in Infanterie, Panzerfahrzeuge, Flugzeuge, Hubschrauber und Schiffe. Die Auswahl ist schier endlos. Allein 17 unterschiedliche Leopard Panzermodelle aus Deutschland gibt es. Es sind verschiedene Fertigungen aus den Jahren 1975 bis 1991, aber auch Modelle für verbündete Länder wie Belgien, die Spezialanfertigungen geordert haben. All die Details, so Le Dressay sind historisch recherchiert und halbwegs korrekt – am Ende stimmen die Macher das Balancing aber immer so ab, dass Wargame auch Spaß macht und keine Fraktion einen Vorteil hat. Auch die Zahl der Kriegsteilnehmer wurde aufgestockt: China, Nordkorea und drei weitere Nationen sind mit von der Partie.

Ein neues Filtersystem soll beim Zusammenstellen der Armee helfen. Quelle: Eugen Systems Ein neues Filtersystem soll beim Zusammenstellen der Armee helfen. Um bei so einer Vielzahl von Einheiten die Übersicht zu behalten, muss man mittlerweile vermutlich wirklich einen akademischen Abschluss in Militärgeschichte haben oder ein schon besorgniserregendes Interesse an Kriegsmaschinen. Das wissen auch die Macher, und verbessern daher die Filter-Funktionen. Gerade die deutschen Fahrzeuge haben oft verrückte Bezeichnungen (wer bei der Bundeswehr war, kennt den Abkürzungswahn…), ohne Hintergrundwissen weiß man meist nicht, was sich hinter den kryptischen Namen verbirgt. Deshalb kann man nun Fahrzeuge nach Funktion suchen. So lassen sich beispielsweise alle Flugzeuge mit Bombenabwurfvorrichtungen für Napalmbomben rausfiltern. Die Auswahl unter der Handvoll Ergebnisse fällt dann durch eine Direktvergleich-Funktion leichter, als wenn man aus den Hunderten Flugzeugen manuell eines finden müsste.

Die Grafik ist beeindruckend

Flugzeuge und Fahrzeuge sind bis ins kleinste Detail animiert. Quelle: Focus Home Interactive Flugzeuge und Fahrzeuge sind bis ins kleinste Detail animiert. Grafisch ist Wargame: Red Dragon so beeindruckend wie eh und je. Wasseranimationen und Umgebungstexturen sehen gewohnt toll aus und mit Schiffen und Amphibienfahrzeugen ist das tolle Wasser nun auch noch bevölkert. Die IRISZOOM Engine haben die Macher nochmals verbessert. Aus einer Satellitenperspektive zoomt man stufenlos bis hinein in eine Art Third-Person-Sicht, knapp hinter Panzern und Jets. Bis ins kleinste Detail hat Eugene Systems die Einheiten animiert. Wer sich zum Beispiel ganz nah an den Rumpf eines Bundeswehr-Tornados klemmt, sieht Abgasfahnen und Hitzeflackern aus den Triebwerken wabern. Ähnliche Details beobachtet man auch an Auspuffen von Panzern oder Helis. Das raubt einem schon mal den Atem: Die meisten Spieler werden die Perspektive vermutlich nie auswählen. Dafür ist sie im Prinzip zu unübersichtlich – und trotzdem gehen die Entwickler diese "Extrameile", um auch ja alles richtig und perfekt zu machen.

Wer die Zoom-Perspektive trotzdem genießen will, bekommt mit einem kleinen Slow-Down-Feature ein bisschen Extrazeit dafür. Weil viele Spieler sich genau das gewünscht haben, um länger über Pläne nachgrübeln zu können, kann man die Zeit nun verlangsamen oder vordrehen.

Wargame: Red Dragon ist ein Echtzeitstrategiespiel, das exklusiv für den PC erscheint. Eugene System entwickelt die Reihe schon seit einigen Jahren auf Basis der hauseigenen IRISZOOM Engine, die zuvor auch schon in R.U.S.E. zur Anwendung kam. Wargame: Red Dragon soll laut letzten Plänen schon im März 2014 in den Handel kommen - vier Wochen vorher startet eine VIP-Beta für Veteranen der Serie.

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