South Park: Der Stab der Wahrheit in der Anspiel-Vorschau: Ein RPG zum Schlapplachen
Special
Nach der Insolvenz von THQ hat Ubisoft South Park: Der Stab der Wahrheit übernommen und lange die Füße stillgehalten. Nun haben wir das Ulk-RPG endlich selber anspielen dürfen und sind überrascht, wie gut South Park als RPG funktioniert - und uns nebenbei Tränen vor Lachen in die Augen treibt.
Ich war ja ehrlich besorgt um South Park: Der Stab der Wahrheit. Seit der ersten Vorschau, die mir 2012 noch THQ gezeigt hat, habe ich immer wieder dieselben Witze, Szenen und Sprüche gesehen. Vor einigen Monaten habe ich es in einer Hands-Off-Präsentation zu Papier gebracht: Könnte es vielleicht sein, dass Obsidian in all den Jahren nur die ersten Spielszenen fertigprogrammiert hat und es daneben gar kein South-Park-Spiel gab? Weit gefehlt, wie es nun scheint. Bei Ubisoft konnte ich endlich selbst Hand anlegen und die ersten eineinhalb Stunden von "Stab der Wahrheit" spielen! Es waren eineinhalb Stunden voller dreckiger und politisch inkorrekter Witze. Und ich fand es gut!
Quelle: Ubisoft
Die vier Spielerklassen: Krieger, Magier, Dieb und ... Jude!
"Der Krieger. Mit seinem Schwert teilt er ordentlich aus, kann aber auch viel einstecken", erzählt Cartman aus dem Off als ich meinen Spielcharakter zusammenstelle. "Der Magier bleibt lieber hinter den Verteidigungslinien zurück und schießt mit Feuer- und Blitzzaubern. Der Dieb schleicht still und heimlich hinter den Linien der Feinde umher. Er betäubt, vergiftet und macht leichtfüßigen Schaden", tönt es weiter. Und dann: "Der Jude… Ich seh schon, wir werden wohl keine großen Freunde." Da bin ich noch nicht mal über die ersten paar Spielminuten gekommen, ohne dass Obsidian im dreckigen South-Park-Stil den ersten Judenwitz auspackt. Eigentlich sollte ich jetzt nicht lachen, sagt der politisch denkende, moralische Typ in mir. Und trotzdem pruste ich los. Um herum sitzen vier weitere Kollegen und dieses Prusten und Loslachen wird mich die nächsten 90 Minuten begleiten.
Die Namenswahl kenne ich bereits aus anderen Vorschauen. Einen Namen soll ich eingeben: "Wie sollen wir dich nennen, neuer Krieger?" Ich tippe meinen epischen RPG-Namen ein; irgendeinen mystisch-elbisch anmutenden Begriff, den mir mal so ein Namengenerator ausgeworfen hat. "Du hast Arschloch eingetippt. Ist das korrekt?" – Nein! Hab ich nicht. Sag mal, wer spielt dieses Spiel? Ich oder es? – "Gut, du sollst fortan auf den Namen Arschloch hören." Obwohl ich die Pointe schon kannte, verschlucke ich noch einen kleinen Lacher. Die ersten Quests führen danach genau diesen Humor fort. Im Schlafzimmer der Eltern meines Charakters finde ich eine ansehnliche Dildosammlung und allerlei versauten Schweinkram, Kennys Eltern sind trottelige Hillbillys und für einen Kumpel sollen wir eine Lieferung für den Coffeeshop abholen, weil er noch so viel Arbeit hat und sonst nicht mit zum Spielen kann. Der gutmütige Kerl in mir geht noch davon aus, dass es sich dabei um Kaffee handelt, am Ende lande ich in Crackhöhle und muss gegen die Köche kämpfen, weil denen natürlich niemand gesagt hat, dass heute mal jemand anderes die Crack-Lieferung für den Coffeeshop abholt. Und ganz nebenbei wird mir auch klar, wieso alle in South Park so auf diesen Kaffee schwören. Klar, er macht wach. Und irgendwie ein bisschen abhängig. Aber nicht wegen dem Koffein, sondern weil die Betreiber Crack reinmischen. Ein galanter Seitenhieb in Richtung Starbucks, deren Heißgetränke so stark mit Zucker versetzt sind, dass sie natürlich eine Armee von Studenten aufputschen?
Funktioniert als RPG
Quelle: Ubisoft
In South Park brach das Cosplay-Fieber aus. Die ganze Stadt ist im LARP-Wahn.
Was mir immer am meisten Angst gemacht hat, war die Frage ob South Park auch mehr kann als nur ein dummer Witzelieferant sein. Mir war wichtig, dass es als RPG funktioniert und sich auch als Spiel sieht. Lange war mir nicht klar, wie das in den 2D-Welten, in denen man sich trotzdem dreidimensional bewegt, klappen soll. Am Ende ist es aber vermutlich eh dem Stil der TV-Serie geschuldet, dass es doch geht. Kenny, Cartman und mein "Arschloch" bewegen sich eben wie im Film als aufgeklebte Figuren durch den handgezeichneten Raum. Türen und Schränke kann man normal öffnen, bei Türen wechselt der Raum bei einer minimalen Ladezeit. Versteckte Leitern setze ich mit Schwert und Bogen frei, außerdem warten überall in South Park Gegenstände, die man zerstören, verbiegen oder sonst wie gebrauchen kann. In einem Sidescroller wie South Park finde ich das wichtig und lache immer wieder, wenn mal etwas Unerwartetes passiert. Etwa als ein Obdachloser angerannt kommt, als ich mit dem Bogen auf eine Schrottkarre im Vorgarten eines verwahrlosten Grundstücks schieße. Er greift an – und soll sich als knallharter Gegner herausstellen, der mehr Lebensenergie hat als die meisten Gegnergruppen zusammen!
Quelle: Ubisoft
Wir steuern "den Neuen" - doch er scheint eine dunkle Vergangenheit zu haben...
In Kämpfen wechselt South Park – Der Stab der Wahrheit in eine Runden-Perspektive. Wie in typischen JRPGs stehen meine Kämpfer einer Gruppe von Feinden gegenüber. Nun kann jeder Charakter nacheinander entweder einen Angriff oder ein Item auswählen. Das erinnert beispielsweise an Klassiker wie Final Fantasy, jedenfalls wenn man in Final Fantasy seine Feinde anfurzen könnte. Wie nervig so ein rundenbasiertes Kampfsystem sein kann, kommentieren die Spielfiguren selber: "Du musst warten bis du am Zug bist!" – "Boa, wie langweilig!" Ein bisschen Wert auf Action legt Obsidian aber doch, denn die Angriffe haben eine interaktive Komponente. Jeder Schwerhieb, Bogenschuss und Zauberangriff muss durch ein Geschicklichkeitsspiel ausgelöst werden. Bei den normalen Angriffen muss man einfach nur Timing beweisen und im richtigen Moment einen Button drücken, um besonders viel Schaden anzurichten. Bei den komplizierteren Moves gilt es beispielsweise einen Joystick zu rotieren um ein Wurfgeschoss auf die Reise zu bringen. Dadurch spielt sich South Park stets interaktiv.
Der bissige Humor von South Park zieht sich übrigens durch alle Facetten des Spiels. Eine der Fähigkeiten, die ich meinem Level-5-Juden später beibringen kann, ist beispielsweise Jew-Jitsu oder Juden-Jitsu, wie es in der schrecklichen Deutschen Übersetzung heißt. Später treffe ich noch Al Gore, der hinter einem Strauch sitzt und mir zuflüstert: "Hey, Junge. Komm mal her. Ich tu dir schon nicht weh. ICH BIN AL GORE! Der Berühmte!"
Meta-Spiel und Mini-Spiel, aber wo sind die Dialoge?
Wenn mein Charakter "Arschloch" nicht gerade durch South Park tollt und Aufträge für König Cartman erledigt, kann ich mit ihm die unheimlich detaillierte Spielwelt erkunden. An manchen Stellen bleibe ich wirklich mit offener Kinnlade stehen, an anderer lache ich mich schlapp. Bis auf den letzten Zentimeter ist Der Stab der Wahrheit ein exaktes Ebenbild der TV-Serie, das ich nun frei erkunden kann. Und wenn es mal nichts zu tun gibt, spiele ich Minispiele. Ein paar Kids wollen zum Beispiel Verstecken spielen. Um sie in der absurden Umgebung zu suchen, erfülle ich neue Mini-Aufgaben.
Quelle: Ubisoft
Das Hauptmenü von South Park: Der Stab der Wahrheit ist ein Social Network.
Alle Konversationen, Treffen und Menüs lagert Der Stab der Wahrheit in einem Social-Media-Menü aus. Wenn ich Menschen treffe, werden wir bei Facebook Freunde, kommunizieren über das Netzwerk und schreiben uns Blödeleien an die Pinnwand. Die Nachrichten sind dabei genauso austauschbar wie im echten Leben. Ganz schön "Meta", dieses South Park, zumal auch Talentbaum und Inventar in diesem Menü untergebracht sind. Eines aber fehlt South Park: Der Stab der Wahrheit zu einem echten RPG: Die Interaktion mit anderen Bewohnern des Örtchens. Wo bleiben lustige Dialoge, wo bleibt ein Gesprächssystem, wie man es aus vergleichbaren Spielen kennt? Oft hat ein Charakter ein oder zwei Sätze auf Lager, danach wiederholt er sich nur noch. Hier laufen Die Macher Gefahr, ein großes Potential zu vergeuden. Denn es braucht mehr als nur einen vorgegebenen Weg, um South Park lebendig wirken zu lassen.
South Park: Der Stab der Wahrheit ist ein RPG von Obsidian Entertainment. Kreiert und geschrieben wurde der Klamauk von den Autoren der echten TV-Serie und kommt daher auch sehr nah ans Original dran. South Park: Der Stab der Wahrheit erscheint am 6. März 2014 für PC, Playstation 3 und Xbox 360.
