Häuser bauen, Felder pflügen, Ressourcen sammeln, Gräber ausheben: Der Indie-Titel Banished verknüpft Aufbaustrategie mit Survival-Aspekten und sorgt für frischen Wind im Genre. Ob sich die Ein-Mann-Produktion für Siedler- und Anno-Fans lohnt, lest Ihr im Test.
Idyllischer könnte der Start gar nicht sein: Das Spiel beginnt mit einer Handvoll Siedlern - umgeben von Flüssen, Wäldern und Gebirgen in einer malerischen Landschaft. Dass der Schein trügt, bekommt man spätestens im ersten Winter zu spüren, wenn die ersten Einwohner vor Kälte erfrieren oder aufgrund von Nahrungsmangel einen traurigen Tod sterben. Denn gerade in der Anfangsphase kann Banished hart bis frustrierend sein, sodass zunächst trotz eines recht ordentlichen Tutorials mehr Trial- & Error-Arbeit statt gemütlicher Aufbaustrategie angesagt ist.
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Banished im Gamezone-Test (2)
Dabei ist das Spielprinzip eigentlich simpel. Für die namensgebenden Verbannten werden Unterkünfte errichtet, Ressourcen abgebaut und Werkstätten errichtet, sodass sich letztendlich ein gesundes Dorf entwickeln kann. Priorität hat dabei selbstredend die Nahrungsversorgung, die mittels Fischereien, Sammlern oder Landwirten in Gang gehalten wird. Darüber hinaus müssen Holz, Stein, Eisen und Kohle gewonnen werden, welche von den Siedlern zum Bau neuer Gebäude und der Veredlung zu Produkten wie Werkzeugen oder Kleidung verwendet werden. Problematisch ist, dass die Ressourcen nicht unendlich zur Verfügung stehen. Stattdessen sind die Flüsse schnell überfischt und zum Abbau von Steinen und Eisen müssen die Bewohner immer weitere Wege in Kauf nehmen. Zudem sind Abhängigkeiten zu beachten: Wird ein Wald komplett gerodet, werden auch die dort ansässigen Jäger und Sammler kaum noch Nahrung produzieren können, weil Tiere und Beeren auf den Schutz der Bäume angewiesen sind. Demnach sollte das Hauptaugenmerk auf Nachhaltigkeit gelegt werden. Holzfäller sollten den Wald nicht nur kahlschlagen, sondern selektiv roden und durch neue Setzlinge die Grundlage für einen gesunden Waldbestand legen. Dass das Wachsen eines Baumes längere Zeit beansprucht, muss stets im Hinterkopf behalten werden.
Für die Nahrungsproduktion muss sich jedoch nicht allein auf Mutter Natur verlassen werden. Mit Feldern können Nutzpflanzen angebaut werden, sodass Weizen, Pfeffer oder Kartoffeln als Nahrung zur Verfügung stehen. Zu beachten ist, dass Banished die Jahreszeiten simuliert und somit das Wachstum der Pflanzen limitiert. Diese werden im Frühling angebaut und spätestens im Herbst geerntet, Winterweizen gibt es hier nicht. Für die Nicht-Vegetarier steht zudem die Tiermast zum fröhlichen Schlachten bereit. Um die Bevölkerung vor dem Erfrieren zu schützen, muss zudem Brennholz beschafft werden, was durch den Bau eines Holzfällers bewerkstelligt wird, der Baumstämme in ebendieses zurechtschneidet. Darüber hinaus ist für Kleidung, Heilkräuter und Werkzeuge ist zu sorgen, um ein möglichst gesundes wie produktives Dorf zu betreiben. Dass dabei fast das Ende der Produktionsstätten-Fahnenstange erreicht ist, ist ein wenig schade.
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Um den verschiedenen Berufen wie Bauarbeiter, Farmer, Fischer, Holzfäller, Steinmetz und Co. nachzugehen, müssen die Bewohner vom Spieler manuell in diese eingeteilt werden. Das geschieht direkt im gewünschten Betrieb oder mithilfe eines übersichtlichen Menüs, welches einen Überblick über sämtliche Berufe bietet. Automatisch werden die Berufe nur zugewiesen, wenn ein Arbeiter verstirbt und ein weiterer Bewohner arbeitslos ist und seinen Job übernimmt. Ist dies nicht der Fall, wird die Stelle nicht neu besetzt und es kann schnell zu Produktionsengpässen kommen. Dementsprechend sollte immer ein Auge auf das zuschaltbare Nachrichtenfenster geworfen werden, um über Neuigkeiten in der Bevölkerungsentwicklung im Bild zu bleiben. Denn auch wenn die Produktion des Dorfes ordentlich läuft, kann durch zufällige Ereignisse wie eingestürzte Höhlen oder wütende Bären das Licht eines Siedlers schneller ausgeknipst werden als einem lieb sein kann.
Stadtbau mit demographischem Wandel
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Weiterhin wichtig ist der Ausbau der Siedlung in Form von Wohnhäusern, was sich als durchaus heikel erweist, da verschiedene Faktoren dabei berücksichtigt werden müssen. Erweitert man das Dorf zu schnell, übersteigt die Bevölkerung rasch die vorhandene Nahrungsmittelkapazität, sodass eine zunächst gut genährte Siedlung plötzlich mit Engpässen zu kämpfen hat und Hungertote fordert. Andererseits kann die Expansion auch zu langsam vonstatten gehen, was daran liegt, dass auch das Alter der Bewohner simuliert wird. Die Kindheit endet hier zwar im Alter von zehn Jahren ziemlich zügig, jedoch sinkt im Alter die Fruchtbarkeit, damit ein Rentner-Ehepaar mehr Zeit mit Bingo spielen verbringen kann. Sorgt man nicht rechtzeitig für genügend Wohnraum für junge Paare, findet man bald eine Senioren-Siedlung vor und kann dieser langsam aber sicher beim Aussterben zuschauen.
Stadtgebäuden wie die Kirche oder der Friedhof wirken auf das Wohlbefinden der Einwohner aus. So kann verhindert werden, dass die Menschen unproduktiver werden und stattdessen ihre Aufgaben weiter mit Bravour erledigen. Durch die Schule steigen die Leute zwar später ins Arbeitsleben ein, dafür verrichten sie ihren Job besser als ungelernte Kräfte. Kranke Bürger werden mittels Heilkräutern wieder auf den rechten Weg gebracht, im Notfall kann das Krankenhaus Seuchen, welche die ganze Bevölkerung ausrotten können, aufhalten. Letzteres kann auch durch Desaster wie Wirbelstürme hervorgerufen werden, die, wenn man Pech hat, einmal Quer durch die ganze Stadt rasen und dabei alles in Schutt und Asche legen, was sich ihnen in den Weg stellt.
Um Produktionsengpässen zu entgehen, kann ferner ein Handelsplatz gebaut werden, über welchen man Rohstoffe tauschen kann. Über den Seeweg lassen sich große Holzvorräte in wichtige Nahrung tauschen oder umgekehrt, gar sind Bestellungen für die nächste Lieferung möglich. Vor allem aber liefern die Händler von Zeit zu Zeit teure aber wichtige Saat oder Tiere für die Zucht, durch welche man seiner Bevölkerung eine steigende Vielfalt der Ernährung bieten kann. Letzteres wirkt sich vor allem auf die Gesundheit der Menschen in Städten mit höheren Einwohnerzahlen aus.
Technisch rund
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Banished im Gamezone-Test (9)
In technischer Hinsicht ist Banished sehr ausgereift, was man von vielen Releases heute nicht mehr behaupten kann. In der bis hierhin rund 20 stündigen Spielzeit sind weder störende Bugs noch Abstürze aufgetreten. Auch die KI scheint absolut in Ordnung zu sein und zeichnet sich durch ordentliche Wegfindung der wuselnden Siedler aus. Ausbleibende Bauten oder ähnliches ließen sich stets auf Probleme in der Produktionskette zurückführen. Im Detail kann das Spiel zwar nicht an Spiele wie Anno oder Siedler heranreichen, dennoch ist grafisch mehr als nur Durchschnittskost geboten und gerade die verschneiten Landschaften im Winter machen einiges her. Leider sehen sich die Siedlungen aufgrund der geringen Gebäudevielfalt sehr schnell ähnlich, auch wenn die Wohngebäude aus verschiedenen Modellen bestehen. Auch die optional abschaltbaren Wetter-Effekte wie Regen treten gefühlt zu häufig auf und lassen das Optische ein wenig trist aussehen. Die entspannte Musik und die ordentlichen Soundeffekte bieten dahingegen keinen Grund zur Beanstandung. Wer einzig der deutschen Sprache mächtig ist, sollte sich zudem noch gedulden, da Banished bislang lediglich mit englischen Texten spielbar ist.
Was Banished auf den ersten Blick gut tun würde, wären umfangreichere Lieferketten. Gerade im Bereich der Nahrungsproduktion wäre beispielsweise eine Genre-übliche Herstellung von Weizen über Mehl zu Brot wünschenswert, um noch etwas mehr Tiefgang im Spielgeschehen erreichen zu können. Auch sind sämtliche Gebäude bereits zu Spielstart vorhanden und können ohne Forschung o.ä. gleich errichtet werden, sofern die benötigten Rohstoffe vorhanden sind. So stellt sich schnell ein Gefühl a là ‚alles schon gesehen' ein, wenngleich man durch die variable Bevölkerungs- und Wirtschaftsentwicklung trotzdem genug zu tun hat. Schön wären auch Verschönerungsobjekte wie Gärten, Mauern usw., um eine Siedlung noch individueller gestalten zu können. Die angekündigte Mod-Erweiterung lässt zumindest auf von Fans produzierte Inhalte hoffen. Die fehlenden militärischen Optionen werden jedoch nicht vermisst.
