TT Games macht aus den ersten zwei Hobbit-Filmen "Eine unerwartete Reise" und "Smaugs Einöde" ein spaßiges Action-Adventure. Wir haben es auf Playstation 4 gespielt, fragen uns jedoch: Wo ist die Next-Gen? Der Hobbit-Ulk ist zwar zum Totlachen, enthält aber kaum Neues.
Wie will man ein Werk ins Lächerliche ziehen, das eh schon nicht gerade das ernsteste in einem dunklen Fantasy-Universum ist? Der Hobbit: Eine unerwartete Reise ist vor allem zu Beginn nicht gerade subtil, wenn es um humorvolle Szenen geht. Da will Bilbo einfach nur essen gehen und ein Zwerg nach dem anderen platzt durch seine kreisrunde Tür herein. Die Szene, mit Abstand die witzigste im ganzen Herr-der-Ringe-Kanon, ist Slapstick pur. Viel zu tun hatte TT Games also nicht. Wie im Film fallen einem die Zwerge fast vor die Füße, treiben Schabernack in Bilbos Bude und wollen gefüttert werden. Ein wenig führen die Spielemacher die Szene schon ad absurdum, etwa als die Zwerge eine ganze Giraffe als Futter zum Tisch tragen (nach der Giraffen-Tötung in Dänemark vielleicht nicht mehr politisch korrekt…), aber alles in allem hält sich LEGO Der Hobbit anfangs noch zurück. Später aber beobachten wir die gewohnt liebevollen Slapstick-Einlagen.
Quelle: Warner
So viele Charaktere in einer Party gab es noch nie!
Direkt zu Beginn bringt einem das Spiel die wenigen neuen Elemente bei. Die größte Neuerung ist ein Loot- und Crafting-Menü. Gegner und zerstörte Objekte hinterlassen Gegenstände, die man aufheben und sammeln kann. Sie braucht man, um später neue Gegenstände daraus zu erstellen. In der Demo-Mission in Bilbos Höhle müssen wir zum Beispiel einen großen Tisch bauen, damit all die vielen Zwerge Platz finden. Dafür zerstören wir ein paar Lego-Bausätze in der Höhle und finden so all die benötigten Zutaten. Sie landen in einem übersichtlichen Inventar. Das Zusammensetzen des neuen Gegenstandes ist dann ein Minispiel in sich: Auf einer Platte sehen wir, wie das Item aussehen soll, in einem Kreismenü daneben stehen verfügbare Einzelteile. Unter Zeitdruck muss man die richtigen zusammensetzen. Je schneller man dabei ist, desto mehr Steine erhält man als Belohnung. Das sieht ganz süß aus und erinnert an die alten Kindertage. Zum ersten Mal baut man in einem Lego-Spiel nämlich wirklich selbstständig Objekte zusammen und drückt nicht nur eine Taste die das automatisch macht.
Minispiele der etwas anderen Art gibt es aber leider auch. Nur wenige Momente nachdem wir den Tisch gebaut haben, fangen die Zwerge mit ihrem Tanz an. Sie schmeißen und kicken mit Bilbos teurem Geschirr herum und summen eine Melodie – die Rechte am Song konnte Warner im Spiel anscheinend nicht unterbringen. Gleichzeitig poppen Quicktime-Events auf. Drücke X, drücke Viereck, drücke Dreieck im richtigen Moment… Ganz schön kindisch und albern, James Norton, Senior Producer erklärt aber: "Wir wollen den Spieler so oft wie möglich mit ganz vielen Legosteinen belohnen." Das Ergebnis wirkt jedoch irgendwie billig und plump.
Mittelerde in seiner vollen Pracht
Quelle: Warner
Im Bosskampf gegen den Goblinkönig muss man im Team spielen - allein richtet man keinen Schaden an.
So wie sein brillanter Vorgänger "LEGO: Der Herr der Ringe" ist das Herzstück von LEGO: Der Hobbit eine offene Welt, die man frei erkunden kann. Leider konnten wir beim Anspielen nicht überprüfen, wie die offene Welt implementiert wurde. Die Entwickler versprechen zum Beispiel, dass man nicht mehr so häufig zum Backtracking gezwungen wird wie in den Vorgängern, wie das aber geschehen soll, ist nicht bekannt. Früher musste man bestimmte Gebiete mehrmals mit unterschiedlichen Charakteren besuchen, um alle Spezialsteine, im Herr-der-Ringe-Ableger Mithril-Steine genannt, zu finden.
Was wir neben der Eröffnungsszene im Beutelhaldenweg sahen, war der Kampf der Zwergentruppe durch die Goblinstadt. Die Jagd durch die Höhlen ist einer der Action-Höhepunkte des ersten Films, die Truppe rund um Thorin Eichenschild wird dabei aber kurzzeitig getrennt. Im Spiel muss man den Level daher auf zwei unterschiedliche Arten durchlaufen, bevor man am Ende mit dem Rest der Truppe zusammenkommt. Die vielen Zwerge führen zu einem weiteren Novum: Sie können nun erstmals zusammenarbeiten, um besonders haarige Aufgaben zu lösen. Den Goblinkönig als Bossgegner können sie zum Beispiel nur zu zweit angreifen. Einer wirft den anderen Charakter auf den Kopf des Gegners, der haut dann zu. Ohne diese Buddy-Angriffe richtet man keinen Schaden an. An anderer Stelle müssen wir mehrere Zwerge an den Griffen einer Ramme positionieren – sonst ist sie zu schwer.
Resolution Gate: Packt LEGO: Der Hobbit 1080p?
Quelle: Warner
Technisch sind wir auf Zahlenwerte gespannt: Auflösung und Framezahl wollen die Macher nicht kommentieren.
Technisch sieht LEGO: Der Hobbit etwas runder aus als sein Next-Gen-Vorgänger Marvel Super Heroes. Man merkt, dass zumindest die PS4-Version nicht einfach nur ein schneller Port ist, sondern von Anfang an geplant war. Die Xbox One Version zeigt TT Games jedoch nicht. Auf unsere Frage hin, ob denn wenigstens auf beiden Konsolen native Full-HD-Auflösung erreicht wird, wich Norton aus: "Wir versuchen natürlich die besten Ergebnisse aus jeder einzelnen Hardware heraus zu kitzeln, aber exakte Zahlen kann ich heute nicht nennen." Marvel Super Heroes erreichte zwar auf beiden Next-Gen-Konsolen 1080p – jedoch mit fixen 30 Frames pro Sekunde und eher unspektakulären grafischen Neuerungen.
Eben die lässt auch der Hobbit vermissen. Die Demo, auch wenn es sich um eine frühe Preview-Version handelt, zeigt sich ohne ausgereifte Kantenglättung. Dynamische Licht- und Schatteneffekte gibt es auch nicht, stattdessen vorab aufgenommene Render-Beleuchtung. Auch inhaltlich gibt es manch einen Anschlussfehler. So begeistern uns in der Goblinstadt immer wieder die zuckersüß animierten Lego-Flammen. Ein paar Meter weiter brennt dann wieder eine lieblos dahinanimierte Renderflamme. Schade, denn die Welt des Lego-Spiels wirkt dadurch noch ein bisschen ulkiger.
Hallo, spricht da Saruman?
Was Dialogführung und Vertonung angeht, hat sich Warner nicht lumpen lassen. Alle Gespräche im Spiel stammen aus dem Film. Auf Deutsch und Englisch hören wir die Original-Stimmen der Schauspieler, teilweise jedoch stark verkürzt, damit Zwischensequenzen nicht zu lang werden. Die Stimme aus dem Off, die die Geschichte präsentiert, kennt man aber auch: Es ist Christopher Lee, der Darsteller von Saruman. Er leiht nicht nur seiner Figur eine Stimme, sondern nahm eigens für das Spiel die Zeilen auf.
