Der Gevatter Tod bittet um einen weiteren Tanz. Als gestandener Recke, der dank Demon's Souls und Dark Souls etliche Male das Licht am Ende des Tunnels bereits gesehen hat, stellen wir uns dieser provokanten Herausforderung. Doch es ist ein grimmiges Biest, dieses Dark Souls 2, welches Bissspuren im Controller und zertrümmerte Teile an der Wand zurücklässt. Der neueste Ableger des Hardcore-RPGs ist aber zum Sterben genial und wird seinem Ruf gerecht.
Inhalt: Tschoebster, Text: Alexander Winkel
Zum Ende einer Konsolen-Ära lässt Namco Bandai sein grandioses Monster noch ein weiteres Mal auf uns los. Es schleicht sich in die Wohnzimmerstuben mutiger Krieger, die Ruhm und Ehre im Kampf gegen die bösen Mächte suchen. Doch nicht nur blutige Anfänger und Knappen, die kaum aus dem Kindesalter heraus gewachsen sind, sondern auch altgedienten Herrschaften erleiden einen qualvollen Fortgang der Geschichte. Sie erlegen riesige Drachen, kreuzen die Klingen mit pompösen Rittern in schillernden Rüstungen und zertrümmern riesige Steintrolle auf dem Weg in, ja in was? Wer dem Tod von Angesicht zu Angesicht gegenübersteht, sieht anscheinend sein Leben wie ein Kinofilm vor den Augen flimmern. In Falle von Dark Souls 2 aber knickt man schneller ein, als man sein Schwert erheben kann und hat eigentlich nichts erreicht, was zu es erzählen wert wäre! Pulsierendes Adrenalin im Körper aufgrund tödlicher Gefahren, die hinter jeder Ecke lauern, ist das einzige, was wirklich zählt. Warum wir dagegen wieder als leblose Hülle zwischen den Lebenden und Toten wandeln, ist eher zweitrangig. Die Geschichte wird vor allem mit dem hübsch inszenierten Video zu Beginn des Spiels eingeleitet, doch allzu aufschlussreich ist das anschließende Gespräch mit den Altweibern und Feuerhüterinnen ja nicht. Nichtsdestotrotz treten wir den Kampf an und erforschen das unbekannte Terrain des Nordens.
Die Reise durch den Norden
Quelle: PC Games
Dark Souls 2 im Test (2)
Wie bereits aus den Vorgängern bekannt, deuten zahlreiche Bewohner und Objektbeschreibungen so einiges an, auch wenn es keinen roten Faden durch die Geschichte gibt. Hin und wieder offenbaren sich zumindest einige Teile einer mysteriösen Handlung. Es bleibt dennoch viel Spielraum für Spekulationen und oftmals ist es der Fantasie des Spielers überlassen, wohin die Reise geht. Das zählt übrigens auch bei der Erforschung der riesigen Welt von Dark Souls 2, welche sich vom zentralen Ausgangspunkt Majula aus in alle Himmelsrichtungen erstreckt. So manch einer wird die verwinkelten Burgen und Gassen der düsteren Städte, die mächtigen Feste und auch die zahllosen unterirdischen Höhlen von Lordran vermissen. Dort irrte man stundenlang in einem Labyrinth umher, erledigte mächtige Gegner und schier unbesiegbare riesige Bosse, nur um über eine kleine Leiter, einen Fahrstuhl oder eine unerwartete Treppe wieder den Ausgangspunkt zu erreichen. Alles war architektonisch grandios zusammengefügt und erlaubte atemberaubende Ausblicke in die Zukunft und Vergangenheit, wenn man in der Ferne bereits besuchte Türme und Plätze erkennt oder einen Blick auf das Ende des Spiels erhascht.
Dark Souls 2 ist da völlig anders geschnitzt. Keine Sorge, auch hier wirken die mächtigen Hallen längst vergangener Herren und Kathedralen ähnlich imposant und erdrückend und dank zahlreicher Treppenaufgänge, geheimen Kammern und gut versteckten Vorsprüngen der Bauten wird so mancher Ausflug zu einem riesigen Abenteuer, welches wundervolle Geheimnisse offenbaren kann. Doch insgesamt wirkt die Reise durch das schroffe Land linearer als gewohnt. Abkürzungen in bereits besuchte Areale umgehen die Entwickler durch die Tatsache, dass man nun jeglichen entdeckten Rastplatz, die bekannte Feuerstelle, mittels einer Schnellreise sofort erreichen kann. Ein Feature, welches ursprünglich erst im späteren Verlauf und dann auch eingeschränkt den Spieler beglückt hatte. Ein Detail am Rande ist auch die stellenweise verzerrte Dimension der Hintergründe. Offenbar weit entfernte Bauten können bisweilen in wenigen Minuten zu Fuß erreicht werden, wohingegen früher ein umherschweifender Blick bereits Areale offenbarte, die erst nach Stunden oder Tagen des mühsamen Ackerns erreicht wurden.
Quelle: PC Games
Dark Souls 2 im Test (3)
Der Weg führt die Helden durch trostlose, düstere Areale aber auch teils atemberaubende Bauten. So manches Panorama würde sich gar als Poster über dem Sofa herrlich machen, während andere Abschnitte eher karg und langweilig daher kommen. Als düster konnte bisher jeder Ableger bezeichnet werden und da macht auch Dark Souls 2 keine Ausnahme. Seien es die Untoten und anderen Dämonen, sei es die Optik, die trotz manchem Sonnenstrahl eher eine bedrückende, depressive Atmosphäre verbreitet. Es mag auch an der ungewohnten akustischen Untermalung liegen, denn außer Wind, Wasser und weiteren durch die Natur verursachten Klängen vernimmt man nur selten so etwas wie Musik. Da muss schon eine zierliche Maid tief im Inneren des Höhlenschlunds ihre Angst durch lieblichen Gesang unterdrücken, um uns mit einer Melodie zu überraschen. Untermauert wird die grandiose, wenn auch technisch nicht umwerfende Atmosphäre durch die knackigen Kampfgeräusche, wenn Stahl auf Stahl hämmert und die wilden Bestien ohrenbetäubend aus allen Richtungen auf uns ein brüllen.
Eine Fackel wird schnell zum treuen Weggefährten. Nur mit dem lodernden Licht kann man den Weg im Auge behalten und mit ihr Feinde auch mal frühzeitig attackieren. Ob dies nun an der Überarbeitung der Grafik liegt oder grundsätzlich nicht so konsequent wie vorab angekündigt umgesetzt wurde, auch nach Stunden und vermutlich bis in die letzten Winkel der Welt hinein gestaltet sich die Fackel eher als lästig. Oftmals ist mehr als genug zu erkennen, so dass man den Schild lieber doch nicht gegen das gleißende Licht tauscht, auch wenn unser Schatten dank des Feuers in der Hand munter und wirklich sauber umgesetzt über die Wände tanzt.
Ein Kampf um Leben und Tod
Quelle: PC Games
Dark Souls 2 im Test (6)
Das, was Dark Souls und natürlich auch seinen Nachfolger wirklich auszeichnet, ist das grandiose Kampfgetümmel. Je nach Charakterklasse spielt sich der Titel ein wenig anders. Wer mit Zaubern umgeht, kann sich etwas sicherer fühlen und Schergen aus der Ferne überraschen. Auch der Bogen kann so manche Gefahr auf Abstand halten. Wer scharfe Klingen liebt, wird sich den mächtigen Gegnern aber auf Augenhöhe stellen müssen. Wie dem auch sei, der Kampf ist nach wie vor extrem aufwendig und komplex, obwohl mit blocken, einfachen Hieben und mächtigen Schlägen bereits das gröbste Repertoire aufgefahren ist. Dennoch sehen wohl nur diejenigen eine Überlebenschance, die gelassen beobachten, geschickt parieren und bei den wenig verbleibenden Chancen selber zur Attacke greifen. Der Schild bzw. die Defensive ist der Weg zum Sieg und dies führt auch wieder dazu, dass man sich nur sehr vorsichtig in die düsteren Abgründe unbekannter Gebiete hinein wagt. Nur ein kleiner Fehltritt, eine Unachtsamkeit oder ein noch so kleiner Fehler und der wagemutige Recke verliert schnell mal sein kostbares Leben. Tja und in dieser Hinsicht hat sich für blutige Frischlinge im Dark Souls Universum leider nicht viel verändert. Bereitet euch lieber direkt darauf vor, dass ihr sterben werdet! Nicht einmal, nicht zehnmal, ihr werden den Tanz mit Gevatter Tod unzählige Male verlieren. Wieder zum Leben erweckt warten Seelen, die Währung im Spiel am Schauplatz des Ablebens und warten auf Abholung. Wer noch einmal auf dem Weg dorthin ins Jenseits rückt, verliert sein Seelenkonto und fängt von vorn an.
Im direkten Vergleich mit dem Vorgänger wirkt das Kampfsystem auf dem ersten Blick etwas träger, was auch an den behäbigen Animationen liegt. Bis der tollkühne Krieger zum Beispiel den Schild in Position hat, vergehen lebenswichtige Bruchteile von Sekunden. So manch übermächtiger Feind ist trotz seines kolossalen Gewichts und überdimensionalen Schwert oder Morgenstern extrem agil und rasant im Austeilen todbringender Argumente, sodass uns kaum Luft zum Atmen bleibt. Auch wenn man neuerdings die linke Waffe beidhändig führen kann, ist die Defensive und vor allem das Studium der Feinde essenziell für das Überleben. Wer die Trägheit des Systems überwindet und lernt, mit seinen Fähigkeiten rechtzeitig umzugehen, umtänzelt auch den größten Gegner im Spiel und kann diesem ungeniert Schaden zufügen. Leicht wird das nicht und wie gesagt, manche Bewegung sollte man einen Tick früher als gewohnt durchziehen. Dieser Nachteil ist durch den Charakterausbau wieder ausgleichbar. Nicht nur die Attribute sorgen für mehr Durchschlagskraft, auch die Ausrüstung hat wieder wesentlichen Einfluss auf das Spielverhalten. Schwere Rüstungen mit Helm und Kettenhemd mögen einige Schläge abwehren, dafür leidet ungemein die Beweglichkeit. Mit leichtem Gewand lässt es sich wieder geschickter mit einer Rolle ausweichen und kann so tödlichen Angriffen aus dem Weg gehen.
Riesige Echsen, übermächtige Skelette und Bosse, welche mittlerweile sogar vermehrt im Rudel agieren und uns das Fürchten lehren, sind aber nicht genug. Es gibt auch weniger "natürliche" Feinde. Einer davon ist der Kameramann, der einem vor allen in engen Räumen das Leben zur Hölle macht und den einen oder anderen Heldentod auf dem Gewissen hat. Diesbezüglich gibt es deutliche Besserung gegenüber dem Vorgänger, doch nach wie vor kann eine schlechte Perspektive nervenaufreibend sein. Auf die Kappe des realistischeren Spielvergnügens geht der Heilprozess. Wird ein Estus-Flakon oder Lebensstein verwendet, so füllt sich wie gewohnt die Anzeige, doch wesentlich bedächtiger als gewohnt. Ein Kriterium, welches auch Veteranen unbedingt beachten sollten. Lieber die Flucht ergreifen und an sicherer Stelle die Wunden versorgen, als doch noch aufgespießt zu werden.
Wer solche Mitspieler hat, braucht keine Feinde
Quelle: PC Games
Dark Souls 2 im Test (7)
Dark Souls 2 wäre kein Nachkomme eines grandiosen Meisterwerks, wenn es nicht auch wieder die durchdachte Onlineanbindung geben würde. Am auffälligsten sind natürlich die zahlreichen Nachrichten und Ghostdaten verschiedener Spieler, welche mit ihren Texten warnen oder Geheimnisse offenbaren. Manch eine versteckte Kiste kann man so finden oder Gefahren ausweichen. Die Texte werden wie gewohnt aus Bausteinen erstellt, die nun etwas mehr Vielfalt offenbaren. Der Vorteil derartiger Bausteine liegt in der Möglichkeit, entsprechende Übersetzungen anzuzeigen, je nachdem wie die Konsole eingestellt ist. Viel wichtiger als die zahlreichen Texte ist die Möglichkeit, in fremde Spiele einzudringen oder Mitstreiter beschwören zu können. Im ersteren Fall beherrscht die Gier nach einen Sieg den Spieler, im zweiten versucht man Hilfe für zum Beispiel die übermächtigen Bosse zu bekommen. Spürbar hat sich der Verbindungsaufbau gebessert und auch der zeitliche Lag wirkt sich nicht mehr so stark aus. Treffer, obwohl man sich bereits in sicherer Entfernung wähnt, gibt es kaum noch.
Die Gesten und Animationen für die Konversation zwischen den Spielern reichen sicherlich aus, um seinen Dank auszudrücken oder seinen Mitstreiter zu provozieren und daran halten etliche Veteranen fest. Dennoch bietet Dark Souls 2 mittlerweile optional die Möglichkeit eines aktivierbaren Sprachchats. Dadurch soll die Verständigung vor allem im Kampf gegen mächtige Gegner nochmal besser werden – wer es nutzen mag. Nicht vergessen zu erwähnen übrigens auch das altbekannte Problem, dass der Recke wieder zwischen Leben und Tod umher wandelt. Einmal gefallen, fristet er ein zombiehaftes Dasein. Leider ist dieses weniger angenehm als noch im Vorgänger ausgefallen. Mit jedem Tod schwindet ein weiterer Teil der Lebensanzeige und selbst in dieser leblosen Hülle ist man nicht mehr sicher vor menschlichen Eindringlingen, die einem an die Gurgel wollen. Nichts mehr mit genüsslichem Durchspielen ohne den Einfluss wilder Mitmenschen aus der Onlinewelt, wie man es noch im Vorgänger genießen konnte. Die Gefahr lauert überall und wenn nicht die Entwickler sie hinterhältig in den düsteren Gängen versteckt haben, dann dringen eben fiese Spieler aus aller Welt in das Abenteuer ein und machen euch Feuer unterm Hintern.
Wir wünschen viel Glück im Überlebenskampf, auch wenn kein Glück der Welt den Helden retten wird. Prepare to die! Spiele zum Sterben! Denn der Tod sei euch in Dark Souls 2 gewiss und diesen auszutricksen ist die alles entscheidende Herausforderung!
Dieses Review ist in Zusammenarbeit mit Gamezone-User und Dark-Souls-Freak Tschoebster entstanden, der sich ausgiebig mit diesem monströsen Biest beschäftigt und es zum Schluss nahezu gezähmt hat. Herzlichen Dank von der Gamezone-Crew für die Mühen des wackeren Recken aus Dark Souls 2 und vor allem den umfangreichen Input für diesen Test!
