Bioshock Inifinte: Burial at Sea im DLC-Test: Noch eine Portion Mindfuck, bitte!

Test Sandro Odak
"Haste mal Feuer?" So beginnt das Abenteuer in der Unterwasserstadt.
Quelle: Irrational Games

Bioshock Infinite: Burial at Sea ist da. Mittlerweile auch der zweite Teil. Wir haben beide Episoden als Gesamtpaket betrachtet und schauen im Test, wie die Zusatzkapitel die noch offenen Löcher des Hauptplots langsam schließen. Denn am Ende von Seebestattung, so heißt das Add-On auf Deutsch, bleibt der Mund vielleicht offen. Aber Fragen lässt das Addon kaum zurück.

Wer Bioshock Infinite durchgespielt hat, der ist langsam dran gewöhnt: Wenn Ken Levine Geschichten erzählt, dann qualmt es im Oberstübchen. Burial at Sea macht da keine Ausnahme. Das Story-Addon besteht eigentlich aus zwei Teilen, gehört aber zusammen. Deshalb besprechen wir beide Teile in einem Test. Booker DeWitt und Elizabeth reisen im ersten Kapitel zurück zum 31. Dezember 1958, ins beschauliche Rapture. Bioshock-Fans wissen: Das ist einen Tag vor dem großen Aufstand, der am Ende zur Zerstörung der Unterwasserstadt führt. Zum ersten Mal sehen wir Rapture in seiner vollen Pracht – und den Wahnsinn, der in den Köpfen dieser gehirngewaschenen Menschen vorgeht. Diesmal ist er real. Es sind nicht nur die lustigen Sprüche einer längst vergangenen Zeit, die auf Plakaten an der Wand hängen. So wie der Rassismus zum Alltag von Columbia gehört, hören wir die verqueren Welttheorien Raptures zum ersten Mal "live und in Farbe". Da läuft es einem schon mal eiskalt den Rücken herunter.

Elizabeth und Sally: Um diese Kleine geht es in Burial at Sea. Quelle: 2k Games Elizabeth und Sally: Um diese Kleine geht es in Burial at Sea. Die Geschichte hangelt sich an der Suche nach einem kleinen Mädchen entlang. Booker, die alte Schnapsdrossel, hat Sally bei einem Pokerturnier verzockt. Erst als Elizabeth auftaucht und ihn aus dem Delirium reißt, wird ihm wieder klar vor Augen. Die zwei ziehen los, um das Mädchen zu retten. Sie ist nicht tot, wie viele glauben, sondern im Untergrund der Seestadt versteckt. Als Little Sister fristet sie ihr Dasein.

Im ersten Teil von Burial at Sea (oder Seebestattung, wie der DLC auf Deutsch heißt) übernehmen wir erneut die Kontrolle über Booker DeWitt. Am Gameplay verändert sich kaum etwas, dafür tänzeln wir nun aber durch die erhabene Opulenz Raptures. Der erste Teil dieses Abenteuers hat deshalb seinen ganz eigenen Charme. Die Art Deco Umgebung und der Stil, den Rapture versprüht, gehören zu den besten Settings, die die Videospielwelt je hervorgebracht hat. Im Vergleich zum Hauptspiel steigt der Schwierigkeitsgrad etwas, denn Munitionskisten sind seltener. Im Zweifel hilft aber Elizabeth aus. Das Ende von Episode 1 kommt leider recht schnell: Nach nur zwei Stunden ist das Rätsel um Sally, die Little Sister gelöst, natürlich in einem gewohnt kopfzerbrechenden Finale. Viel darüber verraten wollen wir nicht – nur so viel: Elizabeth ist sauer!

Elizabeth spielen

Eine blutverschmierte Elizabeth bedeutet nichts Gutes. Quelle: 2k Games Eine blutverschmierte Elizabeth bedeutet nichts Gutes. Der zweite Teil von Burial at Sea, der nun vergangene Woche erschien, schließt direkt daran an. Elizabeth kann Booker für das, was er getan hat, nicht verzeihen und ist plötzlich allein. Sie will Sally noch immer finden und aus der Dunkelheit der Unterstadt befreien, doch einfach fällt ihr das nicht. Denn plötzlich steht sie ohne ihre Kräfte da, kann keine Dimensionsrisse mehr erzeugen. Sie ist eine ganz gewöhnliche, junge Dame, die eingeschlossen ist mit einem Haufen wilder Splicer. Sie trifft auf Atlas, der Jack im ersten Teil von Bioshock per Funkgerät hilft und andere Charaktere, die man im Verlauf der Bioshock-Historie kennengelernt hat. Die Letuce-Geschwister sind darunter, aber auch viele andere, die Parallelen mit bekannten Gesichtern haben. Die Erzählung unterstreicht, dass es unendlich viele Paralleluniversen gibt, in denen nicht alles gleich ist, aber vieles sich ähnelt. Eine Puppe in der einen Realität ist ein echtes Kind in der nächsten und Elizabeth in der dritten. Der Mindfuck ist komplett, das Gehirn schnell Matsch.

Trotz der vielen Irrungen und Wirrungen bringt Burial at Sea aber auch Licht ins Dunkel. Viele Fragen, die nach Bioshock Infinite noch offen waren, beantwortet der DLC nun in zwei separaten Erzählungen. Um all die Erzählstränge noch auf die Reihe zu kriegen, muss man sich nach der langen Zeit zwar erst etwas einlesen, dann aber begeistert das Paket umso mehr. Wer Bioshock-Fan ist und alle Teile kennt, darf die Seebestattung eigentlich nicht auslassen. Erst mit den zwei Zusatzkapiteln ist die Geschichte von Booker DeWitt und Elizabeth, Columbia und Rapture, Jack und allen anderen Helden und Nicht-Helden von Bioshock zu Ende erzählt. Und was für ein Ende es ist! Ein bisschen Mindfuck, aber auch so viel Befriedigung!

Zerbrechliches Mädchen

Elizabeth greift zur lautlosen Armbrust. Quelle: 2K Games Elizabeth greift zur lautlosen Armbrust. Während im ersten Teil des DLCs wenigstens noch Elizabeth mit Heiltränken, EVE und Munition zur Seite steht, fällt der zweite Teil ungleich schwerer aus. Die Spielfigur ist plötzlich ein zerbrechliches, junges Mädchen, das sogar seiner einzigen Kräfte, nämlich den Dimensionsrissen, beraubt wurde. Elizabeth ist kein Kriegsveteran und nicht geübt mit Waffen. Sie steckt dementsprechend auch nicht viel ein. Burial at Sea – Teil 2 wird deshalb immer mehr zum Schleichabenteuer. Um Aufmerksamkeit zu vermeiden, schießt sie mit einer lautlosen Armbrust und betäubt Feinde, anstatt sie zu töten. Das schafft aber auch Probleme. Denn wenn man doch mal auffällt, kann man Gegnern nur wenig entgegensetzen. Die Munition ist plötzlich noch knapper und kein kleines Mädchen schnippt einem im richtigen Moment Munition zu – tja, Pech gehabt. Vielen Kämpfen geht man deshalb aus dem Weg, versucht sich durch die dunklen Ecken Raptures zu schleichen. Das sorgt für ordentliche Atmosphäre. Manche Momente sind tatsächlich richtig gruslig! Denn mit dem Big Daddy, der durch ein zentrales Missionshub patrouilliert, will es sich niemand verscherzen…

Der höhere Schwierigkeitsgrad zieht plötzlich auch die Spielzeit in die Länge. War Teil 1 des DLCs noch in etwa zwei Stunden schaffbar, braucht man für den zweiten Teil deutlich länger. Wer einen Season Pass für 19,99€ gekauft hat, zahlt einen akzeptablen, sogar guten Preis. Wer hingegen die zwei Teile einzeln für jeweils 14,99€ kauft, ärgert sich vermutlich vor allem im ersten Teil. Der ist viel zu schnell vorüber. Bei der Ersparnis von knapp zehn Euro lohnt also der Griff zum Season Pass.

Meinung

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