Passend zum LEGO Film veröffentlicht Warner auch ein Lizenzspiel: The LEGO Movie Videogame. Anders als viele von den "großen" Konsolenvorgängern stammt der Titel von TT Fusion, dem Handheld-Arm von TT. Und tatsächlich ist ein Qualitätsunterschied spürbar: Die Story besteht aus lieblos aneinandergereihten Videostückchen und schleust mich linear durch die Welt. Spaß macht's trotzdem.
Testhinweis: Gamezone hat lediglich die Xbox One Version von The LEGO Movie Videogame getestet. Auf der Playstation 4 haben wir zuletzt bei einem Vorschaubesuch bei Warner Grafikprobleme bei den Zwischensequenzen ausgemacht. Ob die noch existieren, können wir im Moment nicht sagen. Deshalb beschränken wir uns auf eine Wertung für Xbox One - die PS4-Wertung liefern wir nach.
Es sollte die große Kinopremiere für TT Fusion sein: Nach gut einem Dutzend Handheld-Ablegern und eher zweitklassigen LEGO-Spielen darf die Tochterfirma von Traveller's Tale endlich auch mal an ein Blockbusterspiel ran. Naja, Premiere ist nicht ganz richtig. Immerhin hat Fusion auch schon LEGO City Undercover für Wii U entwickelt – einen der besten, weil innovativsten Lego-Titel der jüngeren Zeit. City Undercover blieb jedoch im Schatten der Wii U zurück, nun ist das LEGO Movie Videogame eben das neue Sprungbrett in die AAA-Liga.
Quelle: PC Games
EVERYTHING IS AWESOME! Geiler Soundtrack, totaler Ohrwurm.
Das Videospiel zum gleichnamigen, ulkigen Legofilm macht dabei gar nicht viel anders als seine Vorgänger. Die Macher genießen sogar einen großen Vorteil: Sie müssen die Szenen aus dem Film nicht in der Legooptik neurendern, sondern können einfach Originalszenen hernehmen. In einer früheren Vorschau litt das Spiel noch an unscharfen und stark komprimierten Zwischensequenzen – glücklicherweise haben die Macher das komplett ausbügeln können. Auf der Xbox One sehen die Videoschnipsel zwar etwas körnig aus, das gehört aber auch irgendwie zum Look des Films.
Originalfilme, Originalsprecher, eigene Produktion. Klingt nach idealen Voraussetzungen, um Geschichten zu erzählen. Hier stolpert das LEGO Movie Videospiel aber über seine eigenen Füße. Die Geschichte über Lord Business, den verklemmten Technokraten, der Kreativität hasst und die ganze Welt in einem "perfekten Moment" einfrieren will, kommt zwar zur Geltung… Aber verstehen kann man sie nur, wenn man den Film auch gesehen hat. Schnitte gab es auch früher schon, klar. Aber LEGO Herr der Ringe oder die Harry-Potter-Teile erzählten ihren Plot in sich stimmig. Selbst wer die Filme nicht kannte, verstand worum es geht. Beim eigenen Legofilm waren die Lizenzbestimmungen nun vermutlich noch schlimmer – immerhin konnten die Macher nicht den ganzen Film in die Zwischensequenzen packen! Heraus kommt eine zerhackstückelte Kampagne, die zum Teil mitten in einem Videoclip endet oder mehrere Minuten Geschichte überspringt – mitten in einer Schlüsselszene. Gerade steht Emmet noch in der einen Welt, plötzlich ist er woanders. Das enttäuscht.
Spaß macht's trotzdem
Quelle: PC Games
Natürlich gibt's Splitscreen, aber nur lokal.
Ändert die Plotlücke viel daran, dass das LEGO Movie Videogame trotzdem einen Heidenspaß macht? Nein, eigentlich nicht. Wer den Film kennt, versteht die Parallelen. Wer ihn nicht kennt, reist eben von Level zu Level und hat unzusammenhängend Spaß am Zerstören und Wiederaufbauen von Legosteinen. Figuren sammeln, versteckte Steine finden und bereits geschaffte Levels mit neuen Charakteren wiederholen, um alle Geheimnisse aufzudecken, ist eine genauso große Herausforderung wie in den brillanten Vorgängern. Das Koop-System kommt voll zum Tragen. Jeder Charakter und jede Spielerklasse hat Spezialfähigkeiten, die sich ergänzen. Wyldstar, die Schönheit an Emmets Seite, kann als leichtfüßige Frau extrem hoch springen, Emmet trägt als Bauarbeiter einen Bohrhammer mit sich, und Kitty die verrückte Katze dreht auf Knopfdruck total durch. Fast 100 dieser unterschiedlichen Köpfe gibt es. Mit ihren gesammelten Kräften das Spiel erneut durchspielen, das ist es, was erwachsene Legospieler immer wieder an den Haken kriegt.
Ganz objektiv betrachtet muss gesagt sein: Viel Neues gibt es im LEGO Movie Videospiel nicht. Kein freies Bauen, nur ein Minispiel, in dem man nach Anleitung baut. Keinen Online-Koopmodus, nur lokal. Nicht mal die gewohnt offene Spielwelt. Stattdessen ein winziges Hub, von dem aus man ein Level nach dem anderen abgrast. Klar, im Film ist das nicht anders. Auch der ist aufgebaut wie ein Videospiel und wechselt seine Handlungsorte linear. Ein bisschen mehr Kreativität wäre doch aber drin gewesen. Vor allem den Kids dürfte das ziemlich egal sein: Sie haben trotzdem Spaß mit den einfachen Rätseln und lustigen Slapstick-Sprüchen. Unterhaltsam ist das LEGO Spiel ja schon – nur die Klasse seiner Vorgänger erreicht es nicht.
Technik
Quelle: PC Games
Actionszenen und Minigames lockern das Spielgeschehen auf.
Optisch fällt das vor allem das angedeutete Stopmotion-Verfahren auf. Spiel und Film sollen so wirken, als wären sie durch tausende Einzelbilder entstanden, die man hintereinander aufnahm. Tatsächlich gibt es schon seit Jahren eine fleißige Lego-Stopmotion-Szene, die vor allem im Internet floriert. Auf Youtube gibt es nichts, was man nicht in LEGO nachgebaut finden könnte – von LEGO GTA über Dark Knight Rises Trailer bis hin zu Counter-Strike. Zu Beginn macht das Videospiel noch den Eindruck, als würde es leicht stottern, doch das trügt – es handelt sich tatsächlich nur um den Stopmotion-Effekt. Hat man sich daran gewöhnt, bemerkt man schnell, dass The LEGO Movie Videogame auch mit einer Next-Gen-Version im Hinterkopf produziert wurde. Das Ergebnis sieht höher aufgelöst und viel detailreicher aus als LEGO Marvel Super Heroes.
Ein weiteres eher kleines Detail erfreut das Spielkind in mir: Im LEGO Filmspiel basieren auch alle Effekte auf Lego-Bausteinen. Es gibt keine Feuer- oder Wasserflächen mehr, die durch traditionelles Modelling entstanden sind. Flammen, Rauch und Wellen bestehen aus kleinen Legosteinen. Süß! Und ein Element, das in vielen Vorgängern eher negativ auffiel. Da war eine Flamme traditionell animiert und die nächste im Lego-Look – das unterbrach das einheitliche Bild der hübschen Lego-Optik. Gut dass TT Fusion wenigstens da Abhilfe schafft.
