Das ist Poesie pur: Geschichte und Dialoge erzählen die Macher von Child of Light in Reimform, sogar komplett auf Deutsch. Wir haben das spannende Adventure mit Ölgemälde-Optik und jRPG-Kampfsystem mehrere Stunden angespielt und sind entzückt: Die Ubisoft-Produktion ist nicht nur hinreißend, sondern künstlerisch wertvoll!
Als eines der Highlights der Ubisoft Digital Days blieb mir Child of Light im Kopf. Vor allem der zuckersüße Grafikstil hat es mir angetan. Hauptcharakter Aurora und ihre leuchtender Feen-Gehilfe Igniculus wandeln durch eine Welt, die wie ein Öl-Gemälde aussieht. Die Figuren und Gegner schwanken zwischen düster bis gruselig und bizarr. Seinen künstlerischen Aspekt unterstreicht Child of Light dann auch noch mit der coolsten Vertonung seit langem: Ubisoft erzählt die komplette Geschichte und alle Dialoge in Reimform. Manchmal sind es olle Stabreime. Etwa: "Verflixt, hier sitz ich nun es ist bizarr. – Verzeih die Frage, bist du ein Narr?" Aber größtenteils wirkt die Erzählweise lustig und locker – und ist eben mal etwas anderes, als stets dieselben Heldensprüche zu hören. In der aktuellen Demoversion waren sogar schon deutsche Übersetzungen zu lesen und hören – das komplette Spiel wurde für den hiesigen Markt übersetzt. Anfangs war das nicht ganz sicher, denn ein mehrere Hundert Seiten langes Dialogskript in Reimform ist anspruchsvoller Stoff!
Elemente japanischer Rollenspiele
Quelle: Ubisoft
Rätsel und Sprungpassagen sorgen auf der Übersichtskarte für Abwechslung.
Durch die Übersichtskarte rennt, hüpft und schwebt Aurora in Echtzeit, löst Rätsel und sucht Schätze und versteckte Gänge. Feinde sieht man in der zur Seite scrollenden Übersicht nur als einzelnen Gegner – erst wenn man sie berührt, wechselt das Spiel in den Battle-Modus. Wie in den altehrwürdigen jRPGs Final Fantasy offenbart sich erst hier, wie viele Feinde man wirklich bekämpfen muss. Bis zu vier sind es auf ein Mal. Gekämpft wird im Rundenprinzip. Doch es geht nicht immer derselben Reihenfolge nach. Wie in den neueren Final-Fantasy-Spielen blendet sich am unteren Bildrand eine Zeitleiste ein. Auf dieser bewegen sich alle Charaktere zwischen Wartezeit und Vorbereitungszeit. Mit Zaubern kann man Gegner verlangsamen oder sich selbst beschleunigen. Hat man sich für einen Angriff entschieden, dauert die Umsetzung unterschiedlich lange. Ein komplizierter Feuerzauber benötigt mehr Zeit als ein einfacher Schlag. Wenn dann ein Feind zum Gegenschlag ansetzt, kann er Auroras Vorbereitung abbrechen. Dieses taktische Element kommt bei den schwierigeren Gegnern später im Spiel besonders zur Geltung – und macht aus dem auf den ersten Blick sehr einfachen Game ein richtiges RPG-Taktikmonster! Selbst auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad passiert es uns in der Demo, dass wir plötzlich sterben. Die KI kann die Angriffe klug kombinieren!
Quelle: Ubisoft
Igniculus löst leichte Lichträtsel.
Der leuchtende Begleiter Auroras spielt in den Kämpfen auch eine Rolle. Igniculus kann man entweder mit dem rechten Joystick oder mit dem Touchpad der Playstation 4 steuern. Wenn man seine Leuchtkraft verwendet, kann man Feinde blenden und eigene Charaktere heilen. Von denen sammelt Aurora im Verlauf der verschwurbelten Märchen-Kampagne mehrere und reist in einer ganzen Party mit mehreren Begleitern. Wer real gern mit Freunden zusammenspielt, kann die Steuerung von Igniculus an einen Kumpel abgeben. Das klappt lokal schon ganz gut, ist aber leider etwas sinnlos. Denn der zweite Spieler ist immer nur Unterstützer Auroras, hat kaum eigene Aufgaben. Das macht zwar einige Zeit lang Spaß, aber so richtig gefordert fühlt man sich nicht. Eher wie das fünfte Rad am Wagen.
RPG-Elemente verleihen noch mehr Spieltiefe
Quelle: Ubisoft
Aurora ist ein taffer Charakter - und trotzdem ist die Geschichte ganz schön verschwurbelt und morbide.
Der Schwierigkeitsgrad von Child of Light ist durchgehend fordernd. Nicht nur, weil die KI Angriffe kombinieren und timen kann, sondern auch weil man nicht weiß wie viele Lebenspunkte ein Gegner noch hat. Anders als eigene Partymitglieder haben Gegner nämlich keine Lebensbalken oder HP-Anzeigen. Durch optisches Feedback erfährt man, ob jemand angeschlagen ist. Oder mithilfe eines Mitspielers: Wer mit Igniculus um einen Gegner herumschwebt, bekommt einen weiteren Indikator: Wenn ein Feind kurz vor dem K.O. steht, wird der Controller des Mitspielers kurz vibrieren.
Wie in anderen RPGs wartet nach Kämpfen und Looten ein weiteres Meta-Element. Alle Figuren in Auroras Gefolge steigen unabhängig voneinander im Level auf, verdienen Erfahrungspunkte und haben einen Techtree, den man ausbilden kann. Soweit, so üblich. Darüber hinaus besitzt Child of Light aber auch ein Crafting-System. Gesammelte Edelsteine lassen sich kombinieren und zu Items verarbeiten. Die geben dann, je nach Ausgangsmaterial, Boni auf ausgeteilten Schaden oder reduzieren die Auswirkungen gegnerischer Zauber.
Child of Light ist ein Mix aus Adventure und RPG von Ubisoft und erscheint am 30. April 2014 als Downloadtitel für PC, Xbox 360, Playstation 3, Xbox One, Playstation 4 und Wii U. Der Download kostet 14,99€. Für Playstation 3, Playstation 4 und PC erscheint außerdem eine Deluxe-Edition mit einem Zusatzinhalten und einem Merchendise-Gegenstand im lokalen Handel.
